Es gibt 10 Antworten in diesem Thema, welches 2.440 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (22. November 2025 um 16:19) ist von Schuschinus.

  • Habe vor einiger Zeit irgendwelche Schwurbelvideos gesehen, da ging jemand davon aus, dass wenn es unendlich Gelegenheiten gibt, wird alles, was physikalisch möglich ist, irgendwann passieren und daher zwangsläufig ein Gehirn entstehen, das die Erinnerungen an ein früheres Leben hat. Wenn das Universum dafür nicht groß genug ist, dann halt in einem anderen Universum. Ob es sich dabei um eine Kopie ohne Verbindung zum Original handelt, oder eine Seele übertragen wird, ließ er offen, allerdings redete er auch von einem bösen Demiurgen und irgendeiner Lustgöttin, die er anbetet. Der Umstand, dass er die Schlechtigkeit des Universums an sich anprangerte, ließ mich überhaupt erst die Videos gucken. Weil er das Leben als leidvoll betrachtete, war er Antinatalist, aber er war gegen Suizid und Auslöschung der Menschheit zwecks Verhinderung von Leid, weil er davon ausging, dass man ohnehin wiedergeboren werde und das mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem schlechteren Zustand als unserer jetzigen Zivilisation.

    Ich konnte nicht umhin, darüber nachzudenken.

    Wenn das Universum unendlich ist, würde man nicht nur einmal wiedergeboren werden, sondern unendlich viele Male. Wenn wir nicht nur von zeitlicher, sondern von räumlicher Unendlichkeit ausgehen, würden sogar in diesem Augenblick unendlich viele Kopien von mir existieren. Ich habe aber keine telepathische Verbindung zu ihnen. Wenn diese Kopien in einem anderen Universum existieren, das unabhängig von unserem Zeitkontinuum ist, kann man überhaupt nicht davon sprechen, ob diese Kopien vor oder nach mir existieren. Da ich davon nichts spüre, kann es mir herzlich egal sein, ob ich wiedergeboren werde. Es wäre sowieso nicht zu verhindern, egal ob ich früher oder später sterbe.

    Ausgehend von zufälliger Entstehung von Bewusstsein müsste man nicht nur 1:1 Kopien berücksichtigen, sondern jede mögliche Konfiguration meines Bewusstseins zu jedem Zeitpunkt meines Lebens sowie jede mögliche teilweise Kopie und Vermischung mit fremden Erinnerungen. Außerdem war der Typ für Transhumanismus, er sah es als erstrebenswert an, das Bewusstsein in einen Computer zu übertragen, um unendliche Freude zu erfahren. Er hat dabei übersehen, dass die Welt schlecht ist, und wenn alles was möglich ist auch passiert, wäre es nicht zu verhindern, dass solche Computer genutzt werden, um Bewusstsein in endlosem Schmerz gefangen zu halten.

    Eine Kopie mit all meinen Erinnerungen wäre davon überzeugt, ich zu sein, auch wenn ich davon nichts mitkriege. Im Grunde unterscheidet sich das nicht von der gewöhnlichen Zeitwahrnehmung. Mein zukünftiges Ich hat all meine Erinnerungen, ich kann jedoch nicht mit ihm kommunizieren. In jedem Augenblick wird mein Geist in eine zukünftigere Version von mir kopiert und mein vergangenes Ich bleibt unerreichbar zurück.

    Nach welchen Kriterien entscheidet sich, wer in welchem Körper zu Bewusstsein kommt? Die Frage, warum bin ich ausgerechnet in diesen Körper geboren worden klingt auf den ersten Blick dumm, weil ich sie genau so gut in jedem anderen Körper hätte stellen können. Es ist Zufall und in irgendeinem Körper endet man halt. Aber die Frage ist eher, wenn alle Gehirne im Prinzip gleich sind, warum sind nicht alle Gehirne jemand anderes. Warum ist genau ein Gehirn anders und nimmt die Welt als "ich" wahr? Wenn mein Bewusstsein tatsächlich keine Substanz an sich hat, sondern einfach nur eine Eigenschaft meines Gehirns ist, und wenn eine genaue Kopie meines Gehirns hergestellt würde, wären dann in dem kurzen Augenblick, bevor sich die Gehirne individuell weiterentwickeln, das Bewusstsein beider Gehirne eins?

    In diesem Zusammenhang müsste man auch den Antinatalismus genauer überdenken. Wenn man glaubt, Reinkarnationen in ein schlechteres Leben verhindern zu können, indem man Menschen daran hindert, aus einem vergleichsweise nicht ganz so üblen Leben auszusteigen, müsste man erst recht viele Kinder in diese nicht ganz so üble Welt setzen, weil sie sonst in einer noch übleren Welt landen. Da klinkt sich jetzt die vorangegangene Frage über die Einzigartgkeit eines Bewusstseins ein. Wenn man nicht in diesen Körper geboren wird, wird man dann automatisch in einem anderen geboren? Wenn es keine Seele gibt, wohl eher nicht, aber die Frage bleibt, was den Unterschied macht, als "ich" oder "nicht ich" in einem Körper zu Bewusstsein zu kommen.


    Eine Bekannte arbeitet in einem Krankenhaus und behauptet, dort würde es spuken. Deshalb wird allerlei abergläubischer Kram praktiziert, der nicht zusammenpasst. In den Zimmern sterbender Patienten wird das Fenster geöffnet, damit die Seele entfleuchen kann. Offenbar sind Seelen zu doof, die Tür zu benutzen oder bis zur nächsten Gelegenheit zu warten, sondern sind auf ewig in dem Raum gefangen, wenn sie nicht sofort da weg kommen. Spiegel werden abgehängt, weil die Seele das mit einem Fenster verwechseln könnte und dann darin gefangen wäre. Also die Seele kann nicht durch das geschlossene Glas eines Fensters hindurch, aber durch das Glas eines Spiegels, aber nur hinein, nicht mehr hinaus. Ein Spiegel ist kein Tor in eine andere Welt, er reflektiert nur Lichtstrahlen. Warum sollte das für Seelen anders sein?

    Die Person hat auch berichtet, zuhause einen Geist gesehen zu haben in einem Raum, in dem eine andere Person gestorben ist. Allerdings lag sie zu dem Zeitpunkt mit Fieber auf dem Sofa. Das schmälert die Glaubwürdigkeit. Sie behauptet außerdem, einmal sei ihr eine Verwandte im Traum erschienen, um sich von ihr zu verabschieden, angeblich genau an deren Sterbezeitpunkt. Die Seelen finden nicht einmal den Weg aus dem Zimmer, fliegen aber noch Umwege zu weit entfernten Orten, um Leuten im Traum zu erscheinen.