Was kotzt euch heute an?

Es gibt 884 Antworten in diesem Thema, welches 389.073 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (8. Dezember 2023 um 13:23) ist von Yatan.

  • und alle anderen freuen sich auch noch total darüber und fordern noch 10° mehr.


    Echt? Ich hab immer den gegenteiligen Eindruck, dass viele immer rumstöhnen, wenns mal zu warm ist. Genauso wie, wenn es kalt ist. Dann ist es wiederum zu kalt. Davon lass ich mich auch manchmal mitreißen, dann stöhn ich auch bei beiden Extremen rum.

    Könnte ich mir eine Jahreszeit aussuchen, wäre es der Winter. Ich mags lieber, wenns lange dunkel ist, und die Temperaturen so niedrig, dass viele einfach in ihren Wohnstätten hocken bleiben. In der warmen Jahreszeit merk ich erst richtig, wie mich meine entwickelte soziale Angst doch daran hindert, "frei" zu agieren, zumindest was die Draußenwelt anbelangt. Wenn dann die Nachbarn ständig draußen hocken und ausgelassen miteinander kommunizieren, man auch quasi an ihrem Leben teilnimmt (wohne zum Garten raus und lasse gerne das Fenster offen, wegen der Hitzeentwicklung), verstärkt sich das Gefühl, nicht richtig zu ticken. Vermeide es auch immer, an Grillpartys unter den Nachbarn teilzunehmen, oder allgemein, überhaupt nen Fuß in den Garten zu setzen, aus Angst, die Nachbarn kommen wieder raus. Würde es gerne anders haben, wäre gerne freier, was das anbelangt. Einfach mal in den Garten hocken z.B. ohne diese ständige Angst vor den Nachbarn. :)

  • Zitat von Celdur

    Echt? Ich hab immer den gegenteiligen Eindruck, dass viele immer rumstöhnen, wenns mal zu warm ist. Genauso wie, wenn es kalt ist. Dann ist es wiederum zu kalt.

    Ich nehme das tatsächlich eher umgekehrt wahr, dass sich die Leute mehr über Kälte beschweren als über Hitze, kann aber auch auf selektive Wahrnehmung zurückzuführen sein. Kälte ist ja auch unangenehm und alle sind wieder erkältet und stecken einen an, aber zumindest kann man sich dagegen schützen und Warm anziehen, im Sommer dagegen so scheint mir könnte ich selbst nackt rumlaufen und es wäre mir noch zu warm.

    Zitat von Celdur

    In der warmen Jahreszeit merk ich erst richtig, wie mich meine entwickelte soziale Angst doch daran hindert, "frei" zu agieren, zumindest was die Draußenwelt anbelangt.

    Das ist bei mir auch ein großes Thema, ich kann mich erinnern dass das schon in meiner Kindheit stark ausgeprägt war. Ich habe auch schon während meiner Kindheit den Sommer am liebsten daheim in meinem abgedunkelten Zimmer verbracht und während andere Kinder draußen waren und spielten saß ich vor dem Fernseher oder spielte auf dem N64.

    Ich kann mich auch erinnern dass mich meiner Eltern damals häufig damit nervten dass ich ein Stubenhocker sei. Ich weiß aber auch dass ich damals schon große angst vor anderen Menschen hatte, so sollte ich z.b. täglich an den Briefkasten gehen um nach Post zu schauen. Wir wohnten jedoch im 4 oder 5 Stockwerk und die Briefkästen waren alle unten im EG und ich hatte immer tierische Angst das währenddessen jemand aus seiner Wohnung kommen könnte. Oder wenn ich durch den Hof sollte um den Müll zu den Containern zu bringen, war ich immer darauf bedacht einen passenden Zeitpunkt abzuwarten wo keine anderen Kinder mehr im Hof waren und spielten.
    Auch in der Schule stand ich immer gerne am Rand des Pausenhofs und versuchte das chaotische Treiben dort so gut es ging zu meiden. Ich war immer schon sehr unfrei was den Kontakt mit anderen Menschen und der Draußenwelt betrifft.

    Manches hat sich gebessert anderes verschlechtert, aber die Grundproblematik ist denke ich geblieben, wobei ich jetzt erst so richtig auf den Trichter komme dass es sich dabei um soziale Angst gehandelt haben könnte. Im Sommer war und ist es aber immer schlimmsten und ich denke dass daher auch ein Teil meiner Abneigung gegenüber dieser Jahreszeit kommt. Im Sommer fühle ich mich draußen einfach wesentliche unwohler und unsicherer und zu sehen wie alle anderen Menschen sich voller Leichtigkeit, Freude und Freiheit durch das Leben bewegen lässt dich deine eigene Andersartigkeit noch viel intensiver wahrnehmen.

    Ich hatte auch nie einen wirklichen Bezug zu meinem Körper und wenn es wärmer wurde und die Jacken durch kurzärmelige Shirts ersetzt wurden, war das anfangs immer befremdlich für mich, irgendwie fühlte es sich dann irgendwie so an als sei eine weitere Schutzschicht zwischen mir und der Außenwelt verschwunden und ich sei dadurch nun noch verwundbarer geworden. Auch steckte ich meine Hände gerne in die Hosentaschen, weil ich nichts mit meinen Armen anfangen konnte (klingt komisch ich weiß) es fühlte sich halt so an als hängen da irgendwelche Fremdkörper von meinen Schultern und diese schwungvoll hin und her zu bewegen erschien mir seltsam. Je mehr ich diese Dinge Review passieren lasse desto mehr begreife ich erst wie andersartig ich war/bin. :unknw_gif:

    ''Everyone around me, they feel connected to something. Connected to something, I'm not.''
    Motoko Kusanagi

  • Bei mir haben sich die Phasen bisher immer abgewechselt, mal hatte ich draußen was zu tun (Arbeit, gelegentlich hatte ich auch mal nen Freund, mit dem ich was machen konnte), mal, wenn ich arbeitslos war, hab ich mich monatelang zuhause verbarrikadiert. Und im Nachhinein betrachtet waren die Monate der Isolation nie gesund für mich, weil meine Angst vor Menschen sich immer weiter vergrößert hat, und das Reinkommen bzw. Rausgehen in die Gesellschaft dann nur mit riesiger Überwindung mehr schlecht als recht funktioniert hat. Im Moment bin ich zwar immer noch die meiste Zeit alleine in meinem Zimmer, aber ich hab einen guten Freund, der mich manchmal nach draußen "zwingt", außerdem bin ich auf der Arbeit mit Menschen zusammen und kann ein bisschen den Umgang mit ihnen lernen (was komisch klingt, aber irgendwie trifft es das, bin oft ziemlich unsicher im Umgang mit ihnen).

    Das mit dem Abwarten, bis die Luft rein ist, hab ich im Moment wieder. Exemplarisch gestern wieder: musste die Papiertonne von der Straße zum Haus holen, konnte aber die ganze Zeit nicht, weil Nachbarn draußen auf dem Weg waren, weil die irgendwas am Vorgarten gemacht haben glaub ich. Was macht also der blöde Celdur - abwarten, bis alle weg sind, so schnell wie möglich zur Tonne, und zurück. Irgendwie echt bekloppt.

    PS. das mit den Händen in den Hosentaschen: ich mach das immer andersrum, ich achte immer drauf, die möglichst draußen zu haben. Hab mich mal mit Körpersprache beschäftigt, und das hat sich irgendwie so eingebrannt, dass ich immer schaue, was gerade (vor allem) meine Extremitäten so machen.. manchmal auch die der anderen.. :D

    Einmal editiert, zuletzt von Celdur (20. Mai 2017 um 18:37)

  • Zitat von Celdur

    Bei mir haben sich die Phasen bisher immer abgewechselt, mal hatte ich draußen was zu tun (Arbeit, gelegentlich hatte ich auch mal nen Freund, mit dem ich was machen konnte), mal, wenn ich arbeitslos war, hab ich mich monatelang zuhause verbarrikadiert. Und im Nachhinein betrachtet waren die Monate der Isolation nie gesund für mich, weil meine Angst vor Menschen sich immer weiter vergrößert hat, und das Reinkommen bzw. Rausgehen in die Gesellschaft dann nur mit riesiger Überwindung mehr schlecht als recht funktioniert hat.

    Kann ich bestätigen, allerdings ist Arbeiten zu gehen für mich eine absolute Horrorvorstellung. Momentan beobachte ich auch wieder wie sich mit andauernder Isolation auch die Entfremdung zu anderen Erhöht und der Drang nach Isolation somit steigt bzw. sich der Wunsch nach Sozialisation schmälert. Je länger man von sozialen Kontakten oder der Gesellschaft getrennt ist desto schwieriger findet man wieder hinein.
    Hält die Isolation lange genug an beginne ich irgendwann automatisch wieder mich nach sozialen Kontakten zu sehnen, aber kann dann die entstandene Barriere zwischen mir und der Außenwelt nur noch schwer überwinden. Sobald ich dann wieder geschafft habe einen Fuß in die Gesellschaft zu setzen oder mich mit anderen zu sozialisieren, kann es jedoch relativ schnell ins Gegenteil umschlagen und passieren dass der Drang nach Isolation wieder wächst und ich mich erneut zurückziehe. Das 'Spielchen' kann beliebig oft wiederholt werden mit unterschiedlich lang andauernden Phasen der Sozialisation und Isolation, wobei letztere tendenziell länger anhalten.

    Ich habe auch schon ganz oft beobachten können wie mich mein enormer Drang nach Rückzug aus sozialen Situationen, gekoppelt mit der damit verbundenen Entfremdung und steigender Überwindung zu immer größerer Isolation führt. Ich weiß z.b. noch wie ich damals auf die Abendschule ging und mich anfangs nur in den Pausen davonstahl um alleine durch die dunklen Korridore zu streifen und dann meine Pausen immer mehr ausdehnte und mich fortan zu jeder möglichen sich mir bietenden Gelegenheit entfernte. Minuten wurden zu Stunden und aus Stunden wurden ganze Tage und gegen Ende sogar Wochen bis ich schließlich gar nicht mehr zurück konnte.

    Zitat von Celdur

    PS. das mit den Händen in den Hosentaschen: ich mach das immer andersrum, ich achte immer drauf, die möglichst draußen zu haben. Hab mich mal mit Körpersprache beschäftigt, und das hat sich irgendwie so eingebrannt, dass ich immer schaue, was gerade (vor allem) meine Extremitäten so machen.. manchmal auch die der anderen.. :D

    Im Grunde versuche ich auch ganz viel zu Überspielen, mein Gang und mein Auftreten passen z.b. gar nicht zu meiner Unsicherheit und sollen diese kaschieren. Hab mir das irgendwie alles durch das Studieren meiner Mitmenschen und das unbewusste nachahmen ihrer Bewegungen und Verhaltensweisen angeeignet. Allerdings fand das größtenteils zu meinen Hauptschulzeiten statt und so habe ich wohl gelernt ziemlich viele falsche Verhaltensweisen zu imitieren, was nicht gerade zu einem lockereren Umgang mit meinen Mitmenschen beigetragen hat. Was ich gelernt habe war das schwäche zeigen fatal ist und es besser ist bedrohlich zu wirken und gefürchtet zu sein statt für gutmütig gehalten zu werden und als Opfer zu gelten. Habe bis heute große Angst davor schwäche zu zeigen und ausgelacht zu werden.
    Auf die Extremitäten meiner Mitmenschen achte ich auch ganz gerne, da ich dann nicht auf ihre Mimik achten oder Blickkontakt aufbauen muss. Ansonsten hilft es mir generell viel meine Mitmenschen wie Luft zu betrachten und mich auf irgendwelche anderen Dinge zu konzentrieren, ich beobachte dann sehr intensiv meine Umgebung und achte sehr auf kleine Details die ich dann fixieren kann. Ich glaube das ist auch mit ein Grund warum ich heute ein gutes Auge für die Fotografie habe, aber eben nicht unbedingt wenn es darum geht Menschen zu fotografieren. ^^

    ''Everyone around me, they feel connected to something. Connected to something, I'm not.''
    Motoko Kusanagi

  • Kennst du eigentlich das Gefühl, wenn du arbeiten gehst, und dort völlig neben dir stehst, und du das einfachste nicht hinkriegst, dir aber bewusst ist, wie du das einfachste nicht hinkriegst, aber es nicht besser kannst, einfach weil du es im Moment nicht besser kannst, obwohl du, würdest du nicht neben dir stehen, es leicht könntest? Wie wenn du völlig abgekapselt bist von den Menschen und allgemein der "ganzen" Realität gerade? - solche Momente hatte ich schon des Öfteren in meinem bisherigen Leben.

    Ich persönlich muss mir im Moment eingestehen, dass ich soziale Kontakte brauche, und ich auch sehr dankbar den Leuten gegenüber bin, die sich mit mir abgeben. Eine völlige Isolation könnte ich mir gerade nicht vorstellen. Meine Isolationsphasen waren auch immer mehr aus den Umständen heraus geboren gewesen. Konnte noch nie richtig Kontakte knüpfen, und wenn man schon niemanden hat, wenn man in die Isolation abdriftet, ist man da eigentlich auch alleine.

    Das mit dem "keine-Schwäche-zeigen" ist bei mir eigentlich gar nicht mehr, bemühe mich gar nicht darum, dass andere einen besseren Eindruck von mir haben. Ich finde es für mich sinnvoll, möglichst in jeder Situation authentisch zu sein, nicht irgendwie gespielt "Im-Leben-stehend", oder so.

    Einmal editiert, zuletzt von Celdur (20. Mai 2017 um 23:10)

  • Zitat von Celdur

    Kennst du eigentlich das Gefühl, wenn du arbeiten gehst, und dort völlig neben dir stehst, und du das einfachste nicht hinkriegst, dir aber bewusst ist, wie du das einfachste nicht hinkriegst, aber es nicht besser kannst, einfach weil du es im Moment nicht besser kannst, obwohl du, würdest du nicht neben dir stehen, es leicht könntest? Wie wenn du völlig abgekapselt bist von den Menschen und allgemein der "ganzen" Realität gerade? - solche Momente hatte ich schon des öfteren in meinem bisherigen Leben.

    Kenne ich gut, ist leider nicht die Ausnahme sondern eher die Regel und zwar so ziemlich rund um die Uhr. Dieses Abgekapselt sein und neben sich stehen ist bei mir sehr präsent, ich bin einfach permanent out of touch. Es ist wohl eine Mischung aus Motivationsproblematik, Überforderung und geringer Frustrationstoleranz, weswegen mir selbst Kleinigkeiten schnell über den Kopf wachsen. :unknw_gif:

    Zitat von Celdur

    Ich persönlich muss mir im Moment eingestehen, dass ich soziale Kontakte brauche, und ich auch sehr dankbar den Leuten gegenüber bin, die sich mit mir abgeben. Eine völlige Isolation könnte ich mir gerade nicht vorstellen.

    Keine Ahnung, ich glaube ich mache mir da auch gerne mal was vor, aber komplett ohne stelle ich mir auch hart vor. Wobei es ja Phasenweise schon jetzt ziemlich Einsam ist. Bin auch hin und wieder ganz froh wenn sich nach längeren Phasen der Isolation auch mal eine seltene Gelegenheit ergibt wo sich jemand für kurze Zeit mit mir abgibt und Zeit mit mir verbringt. Ich glaube das ist einfach ein natürliches Grundbedürfnis des Menschen, bin aber auch nicht in der Lage das einzufordern.
    Ich kann gar nicht so genau sagen ob ich nun von mir aus die Isolation gesucht habe oder ob es wie bei dir einfach den Umständen geschuldet war und ich da einfach mit der Zeit immer stärker reingerutscht bin. Hatte halt immer schon so meine Probleme damit Kontakte zu knüpfen und aufrecht zu erhalten, aber der Drang nach Rückzug war schon auch immer irgendwo gegeben.

    Zitat von Celdur

    Das mit dem "keine-Schwäche-zeigen" ist bei mir eigentlich gar nicht mehr, bemühe mich gar nicht darum, dass andere einen besseren Eindruck von mir haben.

    Es geht mir gar nicht so sehr um den Eindruck den andere von mir haben könnten, sondern darum dass ich fürchte dass schwächen gegen mich verwendet werden könnten. Finde deine Einstellung jedenfalls ganz gut.

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    Motoko Kusanagi

  • Ist einfach gesagt, aber können dir Leute, die Schwächen gegen dich verwenden würden, nicht am Arsch vorbeigehen? Scheiß auf die.

  • Zitat von Celdur

    Ist einfach gesagt, aber können dir Leute, die Schwächen gegen dich verwenden würden, nicht am Arsch vorbeigehen? Scheiß auf die.

    Das stimmt natürlich aber ist tatsächlich leichter gesagt als getan, wobei es mich auch schon weniger kümmert als noch vor einigen Jahren. Ich denke dafür mangelt es mir noch zu sehr am dafür nötigen Selbstbewusstsein.

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    Motoko Kusanagi

  • War auch son unpassender Ratschlag von mir. Mach dies und deine Sorgen sind weg, ja ja so einfach geht das natürlich immer.