Einen Menschen opfern, um viele zu retten?

    • Einen Menschen opfern, um viele zu retten?

      Dass es grundsätzlich falsch ist, einen Menschen zu töten, ist klar. Wie sieht es aber aus, wenn dadurch mehrere andere gerettet werden können?
      Diese schwierige Frage haben Forscher 70.000 Menschen weltweit gestellt. Je nach Land fielen die Antworten ganz unterschiedlich aus.

      Meinung je nach Land verschieden: Einen Menschen opfern, um viele zu retten? - n-tv.de

      Was denkt ihr darüber ? Wäret ihr dazu bereit Menschen zu opfern um damit andere zu retten?

      Hier entscheidet sich natürlich automatisch die kurzfristige emotionale Entscheidung und die eher langfristige überlegte. In dem Augenblick gibt es wohl keine
      Entscheidung der 2ten Variante und somit wird die erste Möglichkeit sich wohl oft von der 2ten unterscheiden, je länger man darüber nachdenkt.
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • Solche Fragen sind rein hypothetisch und kommen so in der Realität nicht vor. Schon gar nicht mit dem Mindset, dass man Ursache und Wirkung in dem schnellen Augenblick abschätzen könnte. Auch wird man nie gleich weit oder gleich schnell von Möglichkeit A oder Möglichkeit B entfernt stehen. Geschweige denn, dass sie einem im Falle des Falles gleichzeitig präsent sind mit all ihren Folgen. Und sollte man sich bei Möglichkeit A nur halbwegs selbst in Gefahr bringen, werden die allermeisten sich bereits für Variante B entscheiden oder schlichtweg gar nichts tun. Oft geht das auch gar nicht vor Schockstarre.
      Insofern ist es sinnlos, sich darüber Gedanken zu machen. Im Zweifel reicht dann ja doch schon das Freiwild-Shirt des Gleisarbeiters, dass er in der eigenen Gunst weit genug fällt, um die Straßenbahn zu erhalten. So tickt der menschliche Geist nun mal. Durch solche Abwertung anhand von Nichtigkeiten konnten Sachen wie Antisemitismus oder generell Nationalismus überhaupt erst entstehen. Schon im Tierreich sucht man die Unterschiede und grenzt dann aus als nicht zur Gruppe gehörend.

      Gibt noch unzählig andere Variationen (Bus voller mit Sträflingen oder dem einen Wohltäter auf der anderen Seite, der jedoch schon 85 Jahre alt ist). Auch Kinder werden gerne hierfür rangezogen. Meiner Meinung nur ein Buhlen nach Ansehen, indem man öffentlich verkündet wie vermeintlich richtig man handeln würde. Wie die Realität jedoch tatsächlich aussieht, steht auf einem ganz anderen Blatt. In der Realität geht man an dem liegenden Obdachlosen vorbei, weil man denkt, er sei nur besoffen und damit selbst schuld an seiner Situation. Überhaupt, er würde ja ohnehin nur schlafen.

      Hatten wir ja neulich erst.
    • Unmensch wrote:

      Überhaupt, er würde ja ohnehin nur schlafen.

      Hatten wir ja neulich erst.
      Bietest du ihm die Wohnung an, oder lässt du ihn weiter schlafen ?

      Viele Obdachlose haben oftmals nicht ohne Grund dieses Los gewählt. Es gibt bei Menschen ohne Wohnung verschiedene Gründe, warum sie auf der Straße leben und es kommt wirklich sehr häufig vor, dass sie es genau so wollen und nicht anders. Dazu hatte ich im ALL THAT IS INTERESTING Thread ein Video verlinkt.

      Unmensch wrote:

      Solche Fragen sind rein hypothetisch und kommen so in der Realität nicht vor.
      Würdest du es selbst nicht mal hypothetisch beantworten wollen ?

      Ich fand interessant, dass die westliche Welt eher bereit dazu ist, zum Wohle der Allgemeinheit einen Einzelnen zu opfern, als es China der Fall zu sein scheint. Ich hätte genau das Gegenteil erwartet, da doch im Westen eigentlich der Wert des Individuums angeblich soviel gilt und in China doch das Kollektiv alles ist. Die Menschen ticken wohl anders.
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • mi san thrope wrote:

      Ich fand interessant, dass die westliche Welt eher bereit dazu ist, zum Wohle der Allgemeinheit einen Einzelnen zu opfern, als es China der Fall zu sein scheint. Ich hätte genau das Gegenteil erwartet
      Ja, das war auch mein erster Gedanke. Gerade in asiatischen Ländern hatte ich eigentlich mehr Opferbereitschaft und weniger Rücksicht auf Einzelpersonen erwartet. Da sieht man mal, wie viel das Individuum in Deutschland wirklich zählt. ;)
      Der typische Deutsche denkt vermutlich so: Wenn ich die 5 Arbeiter sterben lasse und nur einen rette, ist später meine Rente in Gefahr, weil der Staat ja dann weniger Geld zur Verfügung hat und vielleicht auch noch die Witwe und Kinder der Arbeiter versorgt werden müssen.
      Genauso gut ist es natürlich auch möglich, dass die westlichen Menschen einfach rationaler an solche Aufgabenstellungen rangehen, und a la Spock die (logische) Rechnung aufstellen: Ein Individuum = viel wert, 5 Individuen = 5 mal so viel wert. Interessant wäre in dem Zusammenhang, wie die selben Leute entscheiden würden, wenn es in der Aufgabenstellung hieße, dass auf dem einen Gleis fünf syrische Flüchtlinge stehen, und auf dem anderen ein edelmütiger deutscher Feuerwehrmann. ^^ Das sind so die wahren moralischen Fragen, die etwas über die Menschen aussagen würden.
    • Dian wrote:

      nteressant wäre in dem Zusammenhang, wie die selben Leute entscheiden würden, wenn es in der Aufgabenstellung hieße, dass auf dem einen Gleis fünf syrische Flüchtlinge stehen, und auf dem anderen ein edelmütiger deutscher Feuerwehrmann.
      Diese Variationen kann man sicher endlos weiterspinnen und zu neuen Ergebnissen kommen. Interessant ist dann halt auch gerade immer zu sehen, wer das ganze beantwortet. Wie Unmensch schon meinte, ist das alles nur hypothetisch und damit hat er ja auch vollkommen recht. Finde es dennoch sehr interessant, solche Überlegungen einmal anzustellen.
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    • mi san thrope wrote:

      Viele Obdachlose haben oftmals nicht ohne Grund dieses Los gewählt. Es gibt bei Menschen ohne Wohnung verschiedene Gründe, warum sie auf der Straße leben und es kommt wirklich sehr häufig vor, dass sie es genau so wollen und nicht anders.
      Das ist diese alte Rechtfertigung, um sich selbst und sein Gewissen zu beruhigen. Ähnlich wie bei einem herumsteunenden Hund im Park. "Ach, der hat bestimmt ein Herrchen, ist ihm sicher nur eben mal kurz ausgebüchst. Nein, der wird nicht diese Nacht bei -20 Grad ziellos herumirren. Da kümmert sich schon wer. Wahrscheinlich lebt der in diesem großen Garten mit Villa, der an den Park angrenzt und schlüpft nachher wieder unter den Zaun hindurch, der Schlingel".


      Es gibt gerade heutzutage, in Zeiten steigender Mieten, immer mehr Menschen, die ohne Wohnung leben müssen. In Regionen wie München ist das sogar trotz Job möglich. Es mag sein, dass sich Einzelne auch irgendwann damit abfinden und sich das ähnlich schönreden wie bei dem Hundebeispiel von eben. Dann genießt man plötzlich seine Freiheit und brüstet sich, ungezwungen zu sein und nicht in einem grauen Betonkasten leben zu müssen, sondern quasi überall seine "Wohnung" zu haben. Man sei frei und muss sich nicht um nervende Nachbarn kümmern.

      Dass man abends dann aber frierend unter der Brücke liegt und Angst haben muss, wie andere Obdachlose im Schlaf angezündet zu werden, das verdrängt man dann gerne mal, weil man sich dann nämlich eingestehen müsste, weitaus weniger frei und selbstständig zu leben, als man das in seiner Selbstwahrnehmung glaubt.

      Ich hatte dir ja unlängst erst eine Doku verlinkt, in dem es um mehrere Obdachlosen-Schicksale ging, die allesamt gerne eine eigene Wohnung hätten. Aber das ist in Hamburg schwer. Und wer nimmt schon ehemalige Obdachlose?

      mi san thrope wrote:

      Würdest du es selbst nicht mal hypothetisch beantworten wollen ?
      Das kann ich nicht, weil dafür zu viele Indikatoren fehlen, um mich damit wirklich ernsthaft auseinanderzusetzen. Zumal immer auch die Option des Nichtstun bleibt, so wie es Alltag in allen Städten der Welt ist. Wie oft gehen Menschen an Bedrohungssituation vorbei und hoffen dabei nur, dass sie nicht selbst trifft? Wie häufig wird die Straßenseite gewechselt, weil man von jemanden nicht angesprochen werden will, der offensichtlich nichts hat und gerade dabei ist, sich sein Essen zusammenzubetteln? Wie oft wird täglich in der Bahn weggeschaut, wenn Jugendliche einen anderen drangsalieren? Auf dem Papier würden diese Leute natürlich alles ganz anders handeln, klar. Meist Zuhause ausgefüllt, am sicheren Schreibtisch in der gewohnten heimischen Idylle.

      Zudem wehre ich mich gegen ein Pauschalopfer zu benennen. So als ob entweder der oder der andere von mir umgebracht werden muss. Es darf kein entweder oder geben. Dadurch konnte Hitler überhaupt erst seine Gefolgschaft mobilisieren. Entweder wir oder die Juden. Klar, dass dann lieber die Juden von allen gehasst und jeder Befehl der Führung befolgt wurde. Und in oben verlinkten Beispielen stellt man die gleiche Wahlentscheidung auf, nur begreift halt dabei niemand die eigene Schuld jemanden zu töten, wie beispielsweise im Nationalsozialismus, da dass hier ja alles nur eine Überlegung ist. Dabei befinden wir uns gerade mehr denn je in Zeiten, in denen schon bald wieder aus Theorie Wirklichkeit werden kann.
    • Unmensch wrote:

      Es mag sein, dass sich Einzelne auch irgendwann damit abfinden und sich das ähnlich schönreden wie bei dem Hundebeispiel von eben.
      Es geht nicht um das irgendwann abfinden, sondern diese Menschen haben dieses Leben absichtlich und aus freien Stücken gewählt. Wieviele Obdachlose kennst du, dass du über alle Bescheid zu wissen glaubst? Sicherlich klingt es sehr unschön, ein Obdachloser zu sein, aber wer auf mehrmalige Nachfrage dieses Leben bevorzugt, den muss man auch seine Entscheidung am Ende gelten lassen. Denn die freie Willensausübung (solange sie keinem anderen schadet) ist doch im Endeffekt ein sehr hohes Gut.

      Unmensch wrote:

      Wie häufig wird die Straßenseite gewechselt, weil man von jemanden nicht angesprochen werden will, der offensichtlich nichts hat und gerade dabei ist, sich sein Essen zusammenzubetteln? Wie oft wird täglich in der Bahn weggeschaut, wenn Jugendliche einen anderen drangsalieren? Auf dem Papier würden diese Leute natürlich alles ganz anders handeln, klar. Meist Zuhause ausgefüllt, am sicheren Schreibtisch in der gewohnten heimischen Idylle.
      Klar ist das auch eine Option, und nicht unbedingt die falsche. Bevor ich einen Menschen töte, "lasse" ich lieber andere Menschen umkommen. Ich bin mir nicht sicher, welche Option am Ende für mich selber am morlisch einwandfreiesten wäre.
      Am Ende kannst du auch nicht jedem Menschen helfen. "Only a fool thinks, he can solve the worlds problems". Die Frage ist auch, ob du dir am Ende nicht selber hilfst, wenn du sovielen Menschen wie möglich helfen möchtest, um damit dein schlechtes Gewissen zu beruhigen, welches du dewegen hast, weil du nicht jedem Menschen helfen kannst. Das ist ein Teufelskreis. Ich habe mich schon oft gefragt, warum ich mich gut fühle, wenn ich einem Bettler ein paar Euro gebe. Irgendwann war die Antwort klar. Ich gebe deshalb nun nicht weniger oder kategorisch gar nix mehr. Aber es ist und bleibt ein 2schneidiges Schwert....

      Only a fool thinks, he can solve the worlds problems

      "Du spendest 20 Cent für einen Bettler
      Und fühlst dich besser
      Und dann gehst du zu dem Typen, der unter der Brücke pennt
      Denn der verkauft gute Gewissen für 20 Cent"

      Captain Gips - Gutes Gewissen (Official Video)

      Unmensch wrote:

      Zudem wehre ich mich gegen ein Pauschalopfer zu benennen. So als ob entweder der oder der andere von mir umgebracht werden muss. Es darf kein entweder oder geben. Dadurch konnte Hitler überhaupt erst seine Gefolgschaft mobilisieren. Entweder wir oder die Juden. Klar, dass dann lieber die Juden von allen gehasst und jeder Befehl der Führung befolgt wurde. Und in oben verlinkten Beispielen stellt man die gleiche Wahlentscheidung auf, nur begreift halt dabei niemand die eigene Schuld jemanden zu töten, wie beispielsweise im Nationalsozialismus, da dass hier ja alles nur eine Überlegung ist. Dabei befinden wir uns gerade mehr denn je in Zeiten, in denen schon bald wieder aus Theorie Wirklichkeit werden kann.
      Daher würde ich vielleicht auch die Variante 3 wählen und im Extrembeispiel, in dem sowieso jemand sterben wird, den Zuschauer bzw Wegschauer spielen, da ich mich weder für den einen, noch für den anderen entscheiden möchte. Aber am Ende geht es dann wieder nur um dich selbst. Wie man sich selbst dabei fühlt. Die Schuld zu haben, einen anderen Menschen auf dem Gewissen zu haben.
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • Wenn es danach geht, ist jede Entscheidung auch eine Entscheidung für einen selbst. Denn man selbst trifft sie ja, sie kommt aus einen selbst heraus und nicht fremdgesteuert. Wobei letzteres ja auch so eine Sache ist, doch dazu muss man wohl geboren sein. Es gibt diese Leute, die als Soldat sich nur darauf berufen, Befehle auszuführen. Man sei als Soldat zur Gehorsam ausgebildet. Man hinterfrage keine Entscheidungen, man befolge Befehle. Und diese Leute sind es auch, die nicht mit dem Finger zucken würde, wenn man sie anweist, eine Weiche von einer Menschenmasse wegzuleiten - oder auch direkt in sie hinein.