Werk 3-Umfrage

    • Werk 3-Umfrage

      Welche Songs sind eure Favoriten? (3 Antworten möglich) 6
      1.  
        Kein Volk, kein Reich, kein Führer (2) 33%
      2.  
        Culture of fear (3) 50%
      3.  
        Lauf der Dinge (1) 17%
      4.  
        Schwarz Rot Gold (0) 0%
      5.  
        Ausländerrassisten (1) 17%
      6.  
        Arschlöcher (0) 0%
      7.  
        Stirb Langsam (3) 50%
      8.  
        Karma (1) 17%
      9.  
        Anarchonaut (1) 17%
      10.  
        Sie haben die Musik getötet (1) 17%
      11.  
        Hitler im Kopf (0) 0%
      12.  
        Die Generation die es noch nicht gibt (1) 17%
      13.  
        Die Baumarkt-Bibel (2) 33%
      14.  
        Schwanzvergleich (Remix) (0) 0%
      15.  
        Anti Wahl Song 2019 (0) 0%
      Uns würde natürlich auch interessieren, welche Songs vom neuen Album euch am besten gefallen... gerne auch mit Begründung.
    • 01 - Kein Volk, kein Reich, kein Führer

      Fünf Parteien, ein System. Veränderungen - nicht vorgesehen.
      Ganztagsschule, Abitur, studieren gehen, sonst Müllabfahrt.

      Was für Textzeilen! Das Ganze startet stark.
      Der Motivationssong des Albums. Auf dem vorherigen war es "der Abstand", davor "Einsamkeit". Man bleibt sich treu!
      Bei der Bridge vor dem Refrain war unweigerlich die Erinnerung an die frühen Rammstein da.

      02 - Culture of fear

      Schön eingängig. Tolle Idee mit dem Aufzählen diverser diffuser Ängste. Sind ein paar Perlen dabei, der Refrain ist besonders melodisch. Textlich äußerst stark, nur die Zeile dass man sich aus Angst vor Brustkrebs die Brust amputieren lässt, sehe ich so nicht als erwiesen. Die Vererbung, wenn die Mutter bereits Brustkrebs hatte, hingegen schon. Würde ich genauso machen und bewundere alle, die sich damit dem von der Gesellschaft diktierten Schönheitsideal entziehen, und das eigene Leben vorziehen.

      03 - Lauf der Dinge

      Fantastischer Text. DAS sind die Anarchonauten. Ganz simple Tatsachenaufzählungen, bei denen sich jeder unweigerlich fragen muss: "ja stimmt, warum mache ich das eigentlich mit?"
      An dem Song merkt man auch gut die wechselnden Charaktere, die dem Hörer ein Thema näherbringen. Ist bei den Strophen noch der Zyniker am Werk, kommt der Refrain komplett monoton daher, als ob er den Leuten in derselben Art ins gewissen Reden will, wie sie täglich bedröhnt werden.
      Der würzige Einsatz des Schwabenrevoluzzers ist ohnehin ein Highlight in jedem Song. Immer genau passend trägt er die Botschaft in eindrückliche Weise (und seinem ganz eignen Duktus) noch einmal kompakt zusammen.

      04 - Schwarz Rot Gold

      Auch auf diesem Album darf ein Reggae-Song nicht fehlen. Tut auch mal gut, klassische Instrumentalisierung zu hören und die Texte nicht so in Gehörgang gepeitscht zu bekommen. Finde es toll, dass man damit auch mal gutgelaunt seinen Hass im Liegestuhl fröhnen kann.

      05 - Ausländerrassisten

      Hier finde ich nur die Strophen wirklich gelungen. Der Refrain geht mir nicht ins Ohr, erkenne aber an, dass es eine entsprechende Relativierung braucht, weil die Grenze zum neuen Nazihit sonst fließend ist. Auch die Übernahme des Nazivokabulars von "Gutmenschen" bereitet mir immer Bauchschmerzen. Ich betrachte mich selbst als guten Menschen (versuche es zumindest zu sein) und verachte all die Schlechtmenschen, welche die Welt zu dem Ort gemacht haben, der er heute ist.
      Der Allah-Melodie am Ende gebührt aber auf jeden Fall ein kreativer Pluspunkt. Geniale Idee.

      06 - Arschlöcher

      Der Song hatte sich mir zunächst versperrt. Die Reimschemas kamen ungewohnt daher, die gewohnte sprachliche Genauigkeit fehlte. Mittlerweile ist es doch ein gelungener Song, weil es mal etwas völlig anderes ist. Man muss sich ja nicht ständig wiederholen.

      07 - Stirb Langsam

      Finde ich richtig gut produziert. Textlich ganz besonders stark, aber hier macht auch die Musik noch einen ganz besonderen Reiz. Schöner melodischer Refrain. Gefällt mir, dass ihr die übliche Besetzung Strophe/Refrain mal getauscht habt. Macht gleich einen ganz anderen Flair.
      Bei Minute 2:17 ist auch unweigerlich auch die Erinnerung an "Apathie" da. Beides gelungene Songs, aber diesen hier werde ich dann auf dem Sterbebett hören.

      08 - Karma

      Ganz typischer Anarchonautensong. Musikalisch beschreitet man etwas neue Wege (Frauenchöre, Klavierklänge). Textlich auf jeden Fall einer der stärksten Songs des Albums. Man merkt, dass in Dian ein begnadeter Geschichtenerzähler steckt.

      09 - Anarchonaut

      Der obligatorische Effektsong. Dazu die Anbiederung an den englischsprachigen Misanthropenmarkt. Und wohl noch am ehesten mit dem Potential versehen, öffentlich gespielt zu werden. Warum seid ihr eigentlich nicht auf Spotify? Ich mag die deutschsprachigen Songs ja schon lieber, aber die Eingängigkeit hier kann ich nicht abstreiten. Da solltet ihr was draus machen.

      10 - Sie haben die Musik getötet

      Protestlied gegen das Fehlen von Protestlieder. Die Musikbranche bekommt ihr Fett weg. Solider Song, der Schwabenrevoluzzer findet im Finale wieder seinen grandiosen Einsatz.

      11 - Hitler im Kopf

      Hitler ist natürlich immer gut für einen Song. Die Menschheitgeschichte lehrt jedoch, dass es aber auch davor schon nicht rosig aussah. Kann man machen, so ganz kickt mich die Idee und die Umsetzung aber nicht.

      12 - Die Generation die es noch nicht gibt

      Vertonter Brief um die Lage der Nation. Wie eigentlich jeder Anarchonautensong ein Zeitdokument für spätere Generationen. Dians wandelbare Stimme macht Hoffnung auf eine Punkbandformation eines Tages. Der Song ist sperrig, geht aber trotzdem ins Ohr.

      13 - Die Baumarkt-Bibel

      Der Schwabenrevoluzzer macht mal wieder seine Meinung Luft. Einfach das Mikrofon und ein paar Baumaschinen mitlaufen lassen - et voilà: auch das sind die Anarchonauten.

      14 - Schwanzvergleich (Happy Hardcore Mix)

      Die Generation Ballermann bekommt ihre Version des Smashhits vom ersten Album. Mein Geschmack ist es nicht, kann man aber machen.

      15 - Anti Wahl Song 2019

      Auch in diesem Wahljahr gibt es eine Prognose der Parteienlandschaft. Über 7 Minuten unmaskierte Wahrheit. Wobei im Grunde der Text immer gleich bleiben kann, lediglich ein paar Buchstabenaneinanderreihungen bei den Parteinamen bedarf es ab und an einer Änderung. Ansonsten ein zeitloser Klassiker - mit einer Überraschung beim Refrain und auch am Ende (Gitarrensolo bei den Anarchonauten). Lediglich aus dem Schluss hätte man mehr machen können. Ein Ausfaden hätte meiner Meinung nach wesentlich besser gepasst.

      Mein Fazit: insgesamt ein sehr gelungenes Album. Mit etwas über 70 Minuten Spielzeit auch eine lohnende Entschädigung für die lange Wartezeit. Da dieses - vorerst letzte - Album mit nur einer Minute etwas kürzer ist als das Erstlingswerk, zeigt es, dass die Anarchonauten der Welt noch immer eine Menge mitzuteilen haben. Aber auch, dass die Probleme auf der Welt noch immer dieselben sind.

      ... vielleicht ist das aber die frühe Hoffnung auf Werk 4?
    • @ Unmensch:
      Oh, das ist ja mal eine schön ausführliche Kritik. So muss das sein! :thumbsup:
      Freut mich, dass der Gesamteindruck des Albums dann doch so positiv ausgefallen ist.
      Natürlich ist Musik auch immer Geschmackssache, und daher wird nie jedem jedes Lied gleichermaßen gefallen. Genau deshalb finde ich es eben auch interessant, Rückmeldung von den Hörern zu bekommen, und vielleicht auch mal ganz andere Eindrücke zu erfahren, als die, mit denen man gerechnet hat.

      Unmensch wrote:

      Was für Textzeilen! Das Ganze startet stark.
      Ich wollte einfach mal versuchen, einen Text zu machen, bei dem man nur stichpunktartig Begriffe aufzählt, anstatt wie üblich alles zu Tode zu texten, damit es auch der letzte Idiot noch kapiert.

      Unmensch wrote:

      Textlich äußerst stark, nur die Zeile dass man sich aus Angst vor Brustkrebs die Brust amputieren lässt, sehe ich so nicht als erwiesen.
      Ich hab mich da jetzt nicht mit den medizinischen Hintergründen befasst. Wenn du sagst, dass es dafür gute Gründe gibt, glaube ich das. Aber es gibt auch gute Gründe für Sicherheitskontrollen am Flughafen. ;) Ich fand einfach nur das Bild gut. Sich aus Angst vor Brustkrebs die Brust amputieren lassen... ein bisschen so wie aus Angst davor, dass das Haus abbrennt, sein Haus zu verkaufen... du verstehst schon...

      Unmensch wrote:

      Auch die Übernahme des Nazivokabulars von "Gutmenschen" bereitet mir immer Bauchschmerzen.
      Ja, die Gutmenschen-Debatte hatten wir ja schon ausführlich hier im Forum. Aber bei einem Lied mit einer solchen Thematik musste das Wort natürlich mit rein, allein schon aus Gründen der Provokation.
      Ich finde übrigens immer noch, dass man den Rechten nicht die Deutungshoheit über so viele Begriffe überlassen sollte. Für die Rechten ist ja im Grunde jeder, der sich für eine tolerantere Gesellschaft einsetzt, ein naiver Gutmensch. In meinem persönlichen Sprachverständnis zeichnet sich ein Gutmensch aber nicht in erster Linie durch Naivität aus, sondern durch Doppelmoral und auch Glauben an die eigene moralische Überlegenheit. Mein Religionslehrer war zum Beispiel ein typischer Gutmensch. Er hat Kuchenverkäufe für Afrika organisiert, aber wenn du als Schüler gesagt hast, dass du auf so ne Scheiße keinen Bock hast, dann gab es Strafarbeit.
      Oder Claudia Roth ist Gutmensch. Einer der ekligsten Vertreter dieser Gattung. Ich habe immer noch kein besseres Wort gefunden, um solche pseudo-linken Systemhuren, die allen anderen ihr Weltbild aufzwingen wollen, zu bezeichnen.

      Unmensch wrote:

      Warum seid ihr eigentlich nicht auf Spotify?
      Wieso sollten wir da sein? Was ist das? Ist das Streaming? Ich muss zugeben, dass ich mich mit dem ganzen neumodischen Kram nicht auskenne, weil ich meine Musik schon immer aus, äh, inoffiziellen Quellen beziehe, da ich das seltene Zeug, für das ich mich interessiere, auf offiziellen Seiten meistens eh nicht finde.
      Also haben wir eben eine Seite (Bandcamp), wo man unsere Musik erwerben kann. Früher hatten wir auch noch bei Soundcloud und noch ein paar anderen Dingern einen Account, aber ich hatte den Eindruck, dass es völlig scheißegal ist, ob man in einem Shop vertreten ist oder bei dutzenden, weil die Leute eh nicht zufällig auf uns stoßen, sondern in der Regel nur über die Links zu uns gelangen, die eben unter den Videos aufgeführt sind. Und weiterempfohlen an Leute, die einen noch nicht kennen, wird man sowieso nicht von solchen Seiten, wenn man eine kleine unbekannte Band ist. Die empfehlen doch immer nur diejenigen weiter, die dafür extra zahlen oder schon bekannt genug sind, dass sie sowas eigentlich gar nicht mehr nötig hätten.
    • Dian wrote:

      Früher hatten wir auch noch bei Soundcloud und noch ein paar anderen Dingern einen Account, aber ich hatte den Eindruck, dass es völlig scheißegal ist, ob man in einem Shop vertreten ist oder bei dutzenden, weil die Leute eh nicht zufällig auf uns stoßen, sondern in der Regel nur über die Links zu uns gelangen, die eben unter den Videos aufgeführt sind.
      Die Zeiten haben sich nun mal geändert. Mit den Büchern bist du ja auch auf Amazon gelandet und bei den Videos nahmst du Youtube. Für Musik ist eben Spotify das große Ding. Dass du dort deine Favoriten nicht findest, ist nicht gesagt. Mittlerweile sind nahezu alle Künstler dort, da sie erkannt haben, dass daran auf lange Sicht kein Weg vorbeiführt (CD-Verkäufe existieren ja de facto nicht mehr). Zudem hat Spotify (gibt auch andere, Deezer z.B.) tatsächlich das Potential für Zufallsfunde. Packt dich jemand in eine öffentliche Playlist, die von vielen gehört wird, hat man plötzlich einen großen Hörerkreis. Also ich würde die Chance nicht ungenutzt lassen, nachdem nun soviel Arbeit in die Alben geflossen ist. Und ihr müsst euch dafür ja wirklich nicht verstecken. Im Gegenteil, es wäre schade, wenn das alles ungehört bliebe.

      Übrigens: Durch AnarchyX und "nur die dümmsten Kälber" ist deine Stimme ohnehin bereits dort abrufbar. Gerade das finde noch einen zusätzlichen Pluspunkt. Hat man die App, kann man quasi seine Lieblingsmusik immer und überall hören. Und der Künstler verdient noch daran (ok, dafür muss man dann aber wirklich eine große Hörerschaft haben).
    • Unmensch wrote:

      Packt dich jemand in eine öffentliche Playlist, die von vielen gehört wird, hat man plötzlich einen großen Hörerkreis
      Aber lass mich raten... du hast keine Playlist, die von vielen gehört wird... und du kennst vermutlich auch niemanden, der eine solche Playlist hat und der die Anarchonauten dort verlinken würde...?
      In der Theorie ist das alles immer ganz toll. In der Theorie sollte es auch auf Youtube funktionieren, dass man allein durch ein paar coole Videos bekannt wird, weil es sich rumspricht und einen viele Leute in ihre Playlist tun.
      Die Erfahrung mit solchen Seiten hat mir leider gezeigt, dass es auf diese Weise eben nicht funktioniert.
      Aber andererseits... es kann ja auch nix schaden. Vielleicht sollten wir es einfach mal ausprobieren. Also danke für den Hinweis.
    • Dian wrote:

      In der Theorie ist das alles immer ganz toll. In der Theorie sollte es auch auf Youtube funktionieren, dass man allein durch ein paar coole Videos bekannt wird, weil es sich rumspricht und einen viele Leute in ihre Playlist tun.
      Youtube ist doch das beste Beispiel. Bis zu deinem Online-Suizid lief das doch auch richtig gut an. Und das quasi ohne Zutun. Diverse Internetphänomene begannen damit, dass sie von heute auf morgen eine riesige Bekanntheit erlangten. Warum weiß keiner. Planbar ist das nicht. Das muss natürlich nicht passieren, kann aber. Wenn man es aber gar nicht erst versucht, wird es natürlich definitiv nie dazu kommen.

      Wie gesagt, ich sehe schon den Vorteil durch die dauerhafte Verfügbarkeit. Anarchonauten hören, wann immer man will. Egal wo man ist. Und in einer Zeit, in der tatsächlich die meisten nur noch Spotify zur Musikwiedergabe nutzen, läppern sich die Plays auch mit der Zeit. Und damit ist man wiederum relevant für den Algorithmus, der natürlich seine ganz eigene Playlist generiert und vorschlägt. Ich schaue zum Beispiel oft, wenn mir eine Band gefällt, was Spotify ähnliches im Angebot hat (und das kommt auch immer gut hin).
      Und ich sag mal so: Nische genug sind die Anarchonauten. In dem Genre könntet ihr relativ schnell Marktführer werden, weil schlicht auf diesem Gebiet die Mitbewerber fehlen.