Beiträge von Lonewolf

    Da reicht dann halt 'protect your Daughters' nicht aus, sondern man braucht auch ein 'educate your sons'.

    Dem stimme ich eindeutig zu. Nur ich sehe nicht, dass das passiert. Wo werden denn diese Testosteron-triefenden Migranten-Söhne unterrichtet, dass sie sich zu benehmen haben? Wenn man sich nicht einmal richtig traut, das Problem anzusprechen, weil das ja gleich rassistisch sein könnte, wenn man die Dinge beim Namen nennt, dann ist es halt auch schwer, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

    (Siehe dazu auch dieses Freibad-Plakat, wo sie eine grabschende rothaarige Frau abgebildet hatten, aus Angst, als rassistisch zu gelten, wenn sie konkret angesprochen hätten, wer die eigentliche Problemgruppe ist, wegen denen man solche Plakate überhaupt aufhängen muss...)

    Es ist dann rassistisch, wenn das Problem auf Migration verengt wird, so wie es auch Merz und die CDU tun, die sich ja nicht gerade als Freunde feministischer Politik und Erziehung hervortun, und für die Gewalt gegen Frauen nur dann ein Thema ist, wenn sie von Zugewanderten ausgeht.

    Ansonsten gibt es hier eben eine Menge Stellschrauben, von der Arbeit an Schulen bis hin zu Gesetzesänderungen, die Übergriffe stärker sanktionieren und auch mal endlich Femizide als solche klar benennen. Und wenn wir hier nicht in die Law and Order Richtung abrutschen wollen, müssen wir das eben als gesellschaftliches Projekt begreifen.

    Man muss es nochmal hinzufügen: Die Lösung der CDU sieht so aus, mit islamistischen Regimen zu paktieren, diese damit zu fördern und zu rehabilitieren, nur um ein paar Menschen mehr dorthin abschieben zu können, die - sofern es sich tatsächlich auch um Verbrecher und Vergewaltiger handelt - dort auf freien Fuß gesetzt werden und weiter Frauen vergewaltigen können, nur eben dann keine deutschen. Das ist der konservative Beitrag zum Thema Frauenschutz.

    Nochmal: Merz hatte genug Gelegenheit, sehr klar und differenziert zu beschreiben, worin sein Problem besteht, anstatt vom 'Stadtbild' zu faseln. Es ist vollkommen klar, dass sich viele Menschen genau von dieser Form des Artikulierens diffuser Bauchgefühle und 'Überfremdungsängste' bedroht fühlen - gerade vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen. Insofern sollten diejenigen, die auf ihre eigenen Ängste verweisen, im selben Atemzug nicht ignorieren, dass es eben verschiedene Perspektiven in Bezug auf Bedrohungslagen gibt.

    Und ich mache mal ein sehr großes Fragezeichen hinter die Behauptung, dass jemand wie Merz, du oder die Masse an besorgten Bürgern tatsächlich zwischen potenziell gewalttätigen bzw bedrohlichen Individuen und irgendwelchen migrantisch gelesenen Menschen zu unterscheiden weiß bzw unterscheiden will. Auch den Aufenthaltsstatus wird Herr Merz den Menschen nicht an der Nasenspitze ansehen.

    Man kann sehr konkret bestimmte Dinge problematisieren - z.B. bestimmte Formen organisierter Kriminalität - ohne mit diffuser Zuschreibung von Merkmalen zu arbeiten. Und wenn man 'seine Töchter' schützen will, gibt es zielführendere Stellschrauben als vom 'Stadtbild' zu labern.

    Aggressiv auftretende Männergruppen kann man natürlich immer problematisieren. Die Auffassung, dass diese größtenteils 'nicht deutsch' aussehen, kann ich wiederum nicht nachvollziehen. Das ist halt rassistisch konnotierte selektive Wahrnehmung. Ich kann zu bestimmten Uhrzeiten und nach jedem Fußballspiel solche Gruppen ausmachen, um die man vielleicht besser einen Bogen macht. Dass dieses grundlegende Problem patriarchaler Dominanzvorstellungen durch neu zugewanderte Jungmänner nicht besser wird, ist auch klar. Aber wenn ich das angehen will, brauch ich ein generelles Umdenken. Da reicht dann halt 'protect your Daughters' nicht aus, sondern man braucht auch ein 'educate your sons'.

    Der Dian von heute macht solche Videos nicht mehr, denn er weiß: Die rechten Wutbürger trifft keine Schuld, sondern a) die ganzen Volksfremden, die sich nicht benehmen, b) die Linken/Woken, die das Problem nicht sehen wollen, und c) die Politiker, die keine Lösungen bieten. Der Rechtswähler handelt quasi aus Notwehr, der kann gar nicht anders.

    Ich denke, es ist alles ein bisschen komplexer. Für mich ist das Ganze einfach kein Thema, wo man zwei einander gegenüberliegende Meinungen hat, und sich dann für eines der beiden Extreme (entweder "Ausländer raus", oder "Rassismus bekämpfen") entscheiden muss, weil es dazwischen nichts anderes gibt.

    Das ist ja das, was durch die immer gern beschriebene Spaltung der Gesellschaft suggeriert wird... dass man entweder für die einen oder für die anderen sein muss. Weil es nur zwei Lager gibt und der, der sich nicht für die "richtige" Seite entscheidet, dann automatisch die "falsche" unterstützt.

    Aber das ist letztlich eine Sichtweise vor allem der politisch radikalen Kräfte auf beiden Seiten. Tatsächlich gibt es zwischen den beiden Extremen auch noch viele Grautöne, und ich behaupte einfach mal, die politisch unbedarfte (oder sollte ich sagen: politisch noch nicht so fanatisierte?) Mehrheit der Bevölkerung denkt auch eher in diesen Grautönen und unterstützen weder in allem die Sichtweise der radikalen Rechten, noch die der radikalen Linken.

    Sondern sie verfolgen über die Medien, was die einen und was die anderen sagen, und schauen dann, was mit ihrer Lebenserfahrung und ihren Beobachtungen in Einklang zu bringen ist. Und wenn sie dann sehen, die eine Seite des politischen Spektrums spricht Dinge an, die sie ähnlich sehen, und die andere Seite sagt, sie sind dreckige Nazis, wenn sie so denken, wie sie denken, dann ist es relativ vorhersehbar, zu welcher Ideologie sich diese Mehrheit eher hingezogen fühlen wird. Und wenn sie sich dann entscheiden sollen zwischen links und rechts, werden viele eben zu denen tendieren, von denen sie den Eindruck haben, dass sie eher die Probleme ansprechen, die dem unpolitischen Normalbürger auch schon aufgefallen sind.
    Und vor diesem Hintergrund sollte man sich eben über diese Dinge Gedanken machen. Weil ich darin eben auch einen großen Faktor für das Erstarken der AfD sehe. Man kann natürlich auch so argumentieren, dass die AfD deshalb erstarkt, weil viele Menschen dank des Internets den inneren Nazi in sich entdeckt haben. Aber fakt ist ja, Parteien wie die NPD gab es auch schon in den 80ern, und da wurden sie von kaum jemandem als wählbar erachtet. Wären 20 Prozent der Bevölkerung schon immer einfach dumme Rassisten gewesen, hätten die auch damals schon NPD wählen können, Wahlen sind schließlich anonym. Haben sie aber nicht, weshalb ich eben davon ausgehe, dass auch veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen bzw. die Erfahrung, dass vieles gerade etwas aus dem Ruder läuft, zur Erstarken der Rechten geführt haben.

    Es gibt natürlich einen Unterschied zwischen Denkweisen und Vorurteilen auf der einen und gefestigten Ideologien auf der anderen Seite. Und vor allem macht es einen großen Unterschied, ob bestimmte Ansichten und Positionen am Ende wahlentscheidend werden. Ein SPD-Stammwähler könnte theoretisch Rassist sein, aber sich aus Abwägungen dennoch dagegen entscheiden, plötzlich AfD zu wählen - einfach weil ihm andere Themen wichtiger sind.

    Das Erstarken der Rechten hat daher natürlich AUCH seinen Ursprung in der Erosion von Stammwählerschaften.

    Zudem kann man nicht die AfD mit der NPD vergleichen, was die Art des Auftretens und Agitierens angeht. Die Anschlussfähigkeit ist eine ganz andere.

    Als ich vor über 20 Jahren in die ersten antifaschistischen Zusammenhänge eingetreten bin, war uns klar: Wir haben es hier NOCH eher mit Banden und Gangs zu tun. Das Potenzial für faschistische Bewegung ist viel größer als man annimmt - es liegt nur brach, weil es nicht die richtige Partei bzw Organisation gibt - UND weil die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen noch nicht den Raum hierfür bieten. Der Faschismus ist Teil der gesellschaftlichen DNA.

    Denn hier liegt der Hase im Pfeffer. Was du als 'gesellschaftliche Missstände' ansiehst, sehe ich eher als systemische Krisenhaftigkeit. Der Faschismus bietet eine scheinbare Antwort auf die gescheiterten Heilsversprechen des bürgerlichen kapitalistischen Liberalismus. Er präsent konkrete Feindbilder angesichts von Abstiegsängsten. Damit setzt er im Grunde das brutale nach unten treten der bürgerlichen Mitte noch konsequenter um. Dieses Potenzial kann man wecken, auch wenn es verborgen zu sein scheint.

    Die von dir beschriebene angebliche Zerrissenheit zwischen 'Extrempositionen' sehe ich im Übrigen nicht. Wenn du mal genau hinsiehst, worin z.B. die Kritik an den Äußerungen von Merz besteht, wirst du viele gute und differenzierte Positionen finden. Lager- und Schützengrabendenken ist vollkommen unnötig. Man muss eben nur mal lernen, tatsächlich anderen zuzuhören und ggf. seine eigenen Positionen zu hinterfragen, vor allem wenn sie auf dumpfen Bauchgefühlen basieren. Nimm nur als Beispiel deine 'Zigeunererlebnisse' - was zum Henker willst du damit zum Ausdruck bringen? Wenn du von konkreten Personen z.B. überfallen wirst, ist das eine klare Sache. Aber die Stigmatisierung von Menschen aufgrund wahrgenommener Merkmale - und genau das hat auch Merz getan - schlägt eben in eine andere, deutlich rassistische Kerbe.

    ich hab z.B. genau gewusst, dass du ausgerechnet zu diesem Quatsch nun einen Thread aufmachen wirst :thumb_up4:

    Und ich wusste genau, dass du der Erste sein wirst, der darauf antwortet. Hat ja nicht mal eine Stunde gedauert.:hi:

    Tja, ich bin dein Schatten :evilgrin:

    Und als solcher halte ich an der These fest, dass du früher mal geistreicher warst. Denn ich habe Beweise: Dein Pegida-Video. Da fasst der alte Dian alles zusammen, was es zu rechten Wutbürgern und deren Sorgen und Ängsten in aller Kürze zu sagen gibt. Der Dian von heute macht solche Videos nicht mehr, denn er weiß: Die rechten Wutbürger trifft keine Schuld, sondern a) die ganzen Volksfremden, die sich nicht benehmen, b) die Linken/Woken, die das Problem nicht sehen wollen, und c) die Politiker, die keine Lösungen bieten. Der Rechtswähler handelt quasi aus Notwehr, der kann gar nicht anders. Also lässt man sich von ihm die Themen diktieren, die auf die Tagesordnung gesetzt werden - so schließt sich am Ende wieder der Kreis zwischen dem Fritze und dem Saint ;)

    Und da wundert sich irgendjemand noch, dass die AfD so viel Zuwachs bekommt? Erinnert mich auch ein bisschen an mich selbst, wenn ich mich nach einer Zugfahrt darüber auslasse, dass da überall nur ukrainisch/russisch gesprochen wurde und keifende Zigeuner am Bahnsteig einen Tumult veranstaltet haben, und dann Lonewolf kommt und mir vorwirft, dass ich mich zum Schlechten hin verändert habe, anstatt mir vielleicht einfach mal dahingehend zuzustimmen, dass es fragwürdige Veränderungen in der Gesellschaft gibt.

    Wahrscheinlich warst du eben schon immer ein kleiner Schwabenspießer, insofern können wir uns darauf einigen, dass du dich nicht zum Schlechten VERÄNDERT hast ;-)

    Ich käme nicht im Traum darauf, es zu problematisieren, wenn irgendwelche Typen in einer fremden Sprache sprechen oder meinetwegen auch rumschreien. Und wenn ich mich recht entsinne, kam diese geistreiche Anekdote von dir, als ich eine meiner Erfahrungen mit rechten Gewalt(!)tätern geschildert habe. Vor dem Hintergrund ist es halt ein ziemlich dämlicher, im Grunde genommen rassistischer Move, darauf zu antworten, indem man irgendwelche subjektiv als unangenehm empfundenen 'Ausländerbegegnungen' anführt.

    Also sei mal ein bisschen selbstkritisch: Du springst schon sehr oft über die falschen Stöckchen - ich hab z.B. genau gewusst, dass du ausgerechnet zu diesem Quatsch nun einen Thread aufmachen wirst :thumb_up4:

    Der *herzallerliebste Kanzler* hat eben nicht irgendwelche Probleme konkret und differenziert angesprochen, sondern er hat drauflosgeraunt. Von einem Bundeskanzler - oder von jeder Person des öffentlichen Lebens- sollte man eben erwarten könne, dass sie ihr Hirn einschaltet, bevor sie das Maul aufmacht. Und dass sie mehr zum Besten gibt als pure ominöse Befindlichkeiten. Was eben vielen Merz-Verstehern - und auch dir - wieder mal entgeht, ist die Perspektive der Menschen, die sich eben zu Recht massive Sorgen wegen Rassismus und Rechtsruck generell machen müssen. Wieder mal der übliche Reflex, das drängendste Problem in der Gewalt durch Zuwanderer sehen zu wollen - und sich dann als Stimme der schweigenden Mehrheit zu sehen, die endlich das ausspricht, das angeblich sonst verschwiegen wird.

    Dass der *herzallerliebste Kanzler* dann noch Frauen bzw deren Ängste instrumentalisiert, ist eben der blanke Hohn, ebenso wie wenn Spahn Migranten die Schuld dafür gibt, dass sich nun Schwule angeblich nicht mehr sorgenfrei in der Öffentlichkeit zeigen können - ganz so, als hätten sie es vorher gekonnt. Ganz so, als müssten Frauen nicht auch ohne die zusätzlich hinzukommende Bedrohung durch zugewanderte MÄNNER Gewalt und Übergriffe als Teil ihres Alltags erfahren - und das meist im eigenen direkten sozialen Umfeld.

    Dabei sind es Rechte und Konservative wie Merz und Spahn, die die allerletzten Fürsprecher von Frauen oder queeren Menschen darstellen - gerade das macht dieses Gefasel so verlogen.

    tja, wieso macht das also der *herzallerliebste Kanzler*? Sicher nicht um Problem zu lösen, und noch weniger weil es ihm um Frauen geht. Er will eben das 'konservative Profil' schärfen - und wie das am Ende aussehen soll, ist ein noch ergebnisoffener Prozess. Wir leben nicht in den USA. Aber es ist kein Automatismus, dass wir uns nicht auch vllt in diese Richtung entwickeln, wenn wir nicht aufpassen. Daher bin ich sehr froh über die 'aufgeregten Linken', die auf diese Entwicklungen dünnhäutig reagieren.

    Was meine eigenen Erfahrungen mit dem 'Stadtbild' angeht: Meine Güte, kommt drauf an, wo man wohnt. Ich geh ungern nachts in bestimmte Bahnhofsecken, einfach weil man sich da vorkommt wie in 'Night of the living Dead'. Persönlich habe ich in den letzten Jahren ausschließlich Stress mit Biodeutschen gehabt. Aber natürlich machen andere andere Erfahrungen, und ich bin auch keine Frau.

    Und da ich mal schwer davon ausgehe, dass du ebenso wenig ich ein Freund von Law and Order bist, können wir vielleicht mal anfangen, auch dieses Problem differenziert zu betrachten - und Konservative und Rechte als die letzten potenziellen Problemlöser zu sehen.

    Im Gegensatz zu dir, habe ich nicht Mal ein "Smart Phone" und bin kein Gruppenmitglied - egal wo.

    Außerdem war ich nur 3 Tage lang halb-freiwillig in der Klapse, weil es auf der Seite dieser Pseudo-Wissenschaftler ein Missverständnis gab - und ich habe auch noch nie irgendwelche Psychopharmaka geschluckt. Es sind genau diese voreiligen Vorurteile deinerseits, die mich glauben lassen, dass du keine Ahnung von der Welt hast - schon gar keine über Russland, CONVID oder deine Gesprächspartner. Aber wenn du bereit bist, dir ein bisschen RU Propaganda von mir antust, schaue ich mir deinen neuesten, russischen, wahrscheinlich gut bezahlten Propagandisten für den Westen, gerne ebenfalls Mal näher an. Deal? - Wohl eher nicht, hm? War ja auch klar, du Leuchte.

    Jetzt sei doch nicht so inkonsequent, Lydia, du weißt doch, wo der Ausgang ist :badluck:

    Na, das wolltest du noch schnell loswerden, bevor du dich wieder in deine Schwurbler-Telegramgruppen trollst, oder kommt da noch mehr? :bla:

    Weißt du, es gibt Menschen, die in der Zeit, in der du wohl sediert in der Klapse gelegen bist, konkret in entsprechenden anarchistischen Zusammenhängen unterwegs waren und ein recht gutes Bild der Verhältnisse in Russland gewinnen konnten. Dafür braucht man auch keine 'Propaganda', sondern einfach Menschen vor Ort. Wenn du nicht dumm sterben willst und eine konkrete ansprechbare Quelle brauchst, kannst du es mal beim ABC Belarus versuchen, vielleicht geht auch dir irgendwann mal ein Lichtlein auf.


    Menschen, die sich als Anarchisten und Freidenker sehen, verurteilen JEDE Form von Herrschaft und Unterdrückung. Sie relativieren nicht eine Seite mit den tatsächlichen oder angeblichen Schandtaten der anderen, indem sie z.B. den russischen Angriffskrieg dadurch rechtfertigen, dass Russland ja 'eingekreist' wurde und die böse NATO ja der eigentliche Aggressor sei.

    Sie verhöhnen auch nicht anarchistische und antifaschistische Menschen im Widerstand gegen diktatorische Regime, indem sie von 'Propaganda' faseln, wenn sie auf deren Erfahrungsberichte stoßen, die mit ihrer 'Russia today'-Weltsicht kollidieren.

    Sie hängen nicht bekloppten Verschwörungstheorien an, nur weil sie mit der Art und Weise, WIE ein Staat eine Krisensituation bewältigt, unzufrieden sind. Sie erkennen, dass ein Staat per se ein Instrument der gewaltvollen Ordnung ist und dass es daher überhaupt keine wirren Theorien braucht, um zu verstehen, warum der Staat als Souverän über den Ausnahmezustand entscheidet.

    Sie stellen sich gegen Kriegspropaganda, aber nicht weil sie die Augen vor tatsächlichen Bedrohungen verschließen, sondern weil sie sich nicht der Machtlogik von Staaten und den Befehlen politischer Führer unterwerfen wollen.

    Vor allem erkennen sie, dass der Feind des Feindes nicht automatisch ein Freund sein muss. Sie orientieren sich an Grundsätzen und Idealen, die zu einem freieren Leben für alle führen, anstatt sich in ideologischen Schützengräben zu verschanzen oder sich stur auf eine Seite in einem geopolitischen Konflikt zu schlagen.

    Das nur als kleiner Gedankenanstoß. Speziell an dich gerichtet: Komm mal lieber von deiner weinerlichen, pathetischen Rebellennummer runter. Das ist Querdenkervibe - das Ego steht vor der Erkenntnis bzw dem ehrlichen Suchen nach Antworten.

    Das ist sicher etwas, auf das man sich einigen kann als zivilisierter Mensch, als so eine Art kleinster gemeinsamer Nenner.

    Aber es ist ja auch sehr viel Auslegungssache... "and respect those of differing yet humane views." Da gehen die Meinungen dann schon weit auseinander, was noch humane Ansichten sind. Für manche ist schon "Ich lasse mich nicht impfen" eine inhumane Ansicht, andere finden es inhuman, von Polizisten durch den Park gejagt zu werden. Wieder andere finden Grenzkontrollen und Ablehnung von Flüchtlingen inhuman, andere finden es inhuman, nachts in der Großstadt Angst vor Vergewaltigern haben zu müssen. Und wie positioniert man sich als Humanist im Ukraine-Konflikt? etc.

    Mein Lateinlehrer war ja auch ein großer Humanist. Sein Problem war nur, dass er in der Zeit von Hermann Hesse stecken geblieben war. Er hat es gut gemeint und konnte nicht verstehen, warum ihn keiner versteht, und warum er ständig an seinen Schülern vorbeigeredet hat und keinen Zugang zu ihnen fand, obwohl er doch so voll war voller humanistischer Erziehungsideale.

    Das war fast schon eine tragische Gestalt. Und weil dem so ist, denke ich, es kann nichts schaden, gute Ideen von vielen Richtungen her anzugehen, damit auch Menschen Zugang dazu finden, die sonst damit vielleicht nicht so warmgeworden wären.

    Vermutlich würden weitaus weniger Menschen dem Manifest zustimmen, als man denkt. Ich bin erstmals durch Matt Dillahunty darauf gestoßen, u.a. durch seine Podiumsdiskussion mit Jordan Peterson. In Zeiten des Trumpismus und des zunehmenden Einflusses radikaler religiöser Gruppen ist das mal eine andere Stimme aus den USA, die man vllt. etwas mehr wahrnehmen sollte. Nicht nur, wenn es um Themen wie Atheismus geht, sondern auch in Bezug auf einen im progressiven Sinne skeptischen Zugang zur Welt. Man lernt auch noch was über richtiges (philosophisches) Argumentieren bzw. logische Fehlschlüsse ;)

    Dass der Text offen und allgemein gehalten ist, ist sicherlich Absicht. Konkrete Dinge gehören in den Aushandlungsprozess und sind nicht Gegenstand einer verbindlichen Ethik - genau darum geht's ja auch beim 'secular humanism'.

    Totgesagt wurde der Humanismus in den letzten 150 Jahren schon oft und auch in versch. phil. Lagern. Wirkliche Alternativen wurden allerdings nicht präsentiert, im Gegenteil, wir sehen, dass diverse Ansätze gescheitert sind - Kulturkämpfe und rechte wie linke Identitätspolitik sind ein Ausdruck davon. Man dachte, das freie, vernunftbegabte Individuum nicht mehr in der Gleichung zu benötigen, und verließ sich stattdessen zu sehr auf Konstrukte der Kollektivität, sei es 'Volk', Klasse, Identität, etc.

    Vielleicht sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.