Beiträge von Lonewolf

    Der Konflikt lädt zu einer Menge whataboutism ein, der natürlich auch nun abgespult wird, teilweise auch zu Recht. ('völkerrechtswidrige' Angriffe der NATO in der Vergangenheit, Überfall der Türkei auf Rojava etc.). Man hat aber schon den Eindruck, dass Russland bzw. der neue russische Faschismus immer ein wenig außen vor war, wenn es um Kritik von Seiten derjenigen ging, die ansonsten in Bezug auf NATO und auch Türkei deutlichere Worte fanden. Putinversteher findet man eben nicht nur im rechten Lager. Dabei ist Faschismus schon das richtige Wort. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie einer meiner Philosophie-Dozenten damals die Umbettung des weißen Generals Denikin nach Moskau durch Putin als Ausdruck eines neuen großrussischen Nationalismus deutete, der vom Westen unbemerkt bliebe.

    Wenn man hierzulande als Normalo was tun will, wäre es vllt. tatsächlich eine gute Idee, den Putin-Freunden in gewissen Lagern deutlicher in den Arsch zu treten. Letztlich äußert sich hier ein Ungeist, der im Keim erstickt werden sollte (wobei es mit dem 'Wehret den Anfängen' ohnehin viel zu spät ist).

    So, da mein Risikokontakt mit meinem infizierten Bekannten nun schon fünf Tage her ist und sich bei mir bisher keine Symptome zeigen bzw. die Schnelltests bisher negativ waren, gehe ich einfach davon aus, dass mich entweder die Impfung geschützt hat ;-)

    ...oder dass er einfach zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht ansteckend war. Letzteres erscheint mir wahrscheinlicher, da er selbst sich ja auch trotz Impfung angesteckt hat. Von den Symptomen her bleibt es wie bei einem anderen bekannten Impfdurchbrecher momentan bei einer verstopften Nase - für die meisten Menschen ist Omikron eben ein Schnupfen.

    Das sind vermutlich keine unbedingt schwerwiegenden Einwände, wenn man tatsächlich eine Impfpflicht durchsetzen will. Mit der abnehmenden Wirkung gegen neuere Varianten wackelt die Argumentation für eine Pflicht zwar, aber man könnte immer noch argumentieren, dass der Nutzen nach wie vor da ist, ergo müssen sich alle impfen lassen. Wir leben in einem 'freiheitlich-demokratischen Land' , in dem das willkürliche Wegsperren der Bevölkerung und Berufsverbote von den obersten Richtern abgesegnet wurden. Wieso sollte hier keine Impfpflicht kommen, einfach auf Grundlage der Möglichkeit, dass diese irgendwie hilft, die Kliniken etwas freier zu bekommen? Wie gesagt: Wir haben eine wissenschaftliche Debatte auf der einen und ein Krisenregime auf der anderen Seite. Und hinter letzterem steht eben auch eine nicht geringe Anzahl an Hysterikern und Sicherheitsjüngern in Medien und Bevölkerung, die das absolut angemessen findet. Ich sehe hier keinen großen Sinn mehr, über wissenschaftliche Evidenz zu streiten. Man kann immer alles irgendwie 'sicherer' machen für die Personen, die sich gerne von Autoritäten behütet fühlen wollen. Und diese Erhöhung des subjektiven Sicherheitsgefühls scheint mittlerweile zum Teil des Zeitgeistes geworden zu sein. Es ist schon bizarr, früher hieß es mal: 'Wer Freiheit für Sicherheit opfert, wird am Ende beides verlieren'. Heute ist es schon verpönt, den Begriff 'Freiheit' überhaupt in den Mund zu nehmen - man hat ihn den 'Schmuddelkindern' überlassen, und was übrig bleibt, ist ein totalitärer Solidaritätsbegriff.

    Sagen wir mal so: Schwurbler gibt es auch auf Seiten der Maßnahmenverteidiger und Corona-Hysteriker. Das Gerede von 'unsolidarischem/egoistischem/bockigem Verhalten' in Bezug auf angeblich 'unnötige Tätigkeiten' würde ich hier einordnen, ebenso wie die Sehnsucht, Abweichler zu gängeln. Es gibt einen Unterschied zwischen wissenschaftlicher Evidenz und 'zielführenden Maßnahmen' und dem, was aus einer freiheitlichen Perspektive auch tatsächlich umgesetzt werden sollte. Man kann die Impfung für sinnvoll halten und gleichzeitig eine Impfpflicht ablehnen; man kann auch anerkennen, dass sich die Pandemie theoretisch abbremsen lässt, wenn man Menschen einsperrt oder einfach mal alle Freizeiteinrichtungen schließt, und dennoch solche Maßnahmen für illegitim halten. Das Problem ist, wenn mit einer Ablehnung von Maßnahmen gleichzeitig Verschwörungstheorien und Realitätsverweigerung einhergehen - das ist das Einfallstor für allerlei modernen Aberglauben und auch politische Verirrungen. 'Querdenker' sind leider zur Schublade geworden, in der man sehr schnell landet, wenn man keinen Bock mehr auf dieses Krisenregime hat. Andererseits verabschieden sich leider viel zu viele aus einer sachlichen Debatte und konstruieren sich ihre Wirklichkeit nach Belieben. Dieser Thread ist quasi die verfahrene gesellschaftliche Debatte 'in a nutshell'.

    Man muss nicht das Narrativ des 'rechtsextremen Anarchismus' erfinden, denn das gibt es ja schon lange bzw. entspricht dieses dem, was wir hier ja schon angedeutet haben bzw. insbesondere in den USA beobachten können. Der Begriff des 'Libertarian' ist hier im Grunde schon rechts besetzt, womit die starke Fokussierung auf Eigentum, Recht des Stärkeren/Sozialdarwinismus, Bellizismus und auch ein gewisser 'Traditionalismus' gemeint ist.

    @Mathias: Eine positive Besetzung des kapitalistischen Vertragsprinzips in dem Zusammenhang sehe ich tatsächlich in Gestalt von Ansätzen wie den Mietersyndikaten, bei denen Räume nicht besetzt (und damit der staatlichen Repression ausgesetzt) sondern käuflich erworben werden. Das ist schlicht eine Frage der Gewaltverhältnisse - ein Anarchismus auf verlorenem Posten ist eben immer auch von staatlicher Duldung abhängig. Hier ist die Umsetzung auch unabhängig vom Menschenbild ein Problem.

    Da die Feldkatze nach einer Abgrenzung von Long Covid gefragt hat, hier eine recht interessante vorläufige Studie mit einer nichtinfizierten Kontrollgruppe:

    Association between vaccination status and reported incidence of post-acute COVID-19 symptoms in Israel: a cross-sectional study of patients tested between March 2020 and November 2021
    Background Long COVID is a post-severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 (SARS-CoV-2) infection syndrome characterised by not recovering for several…
    www.medrxiv.org

    Demnach wurden von erkrankten Geimpften (zwei Dosen) nicht mehr Long-Covid-Symptome berichtet als von Menschen, die überhaupt nicht an Corona erkrankt waren.

    Plakate aufzustellen gehört ja zur Webefreiheit, Meinungsfreiheit und Co. Kein Unternehmen wird dazu gezwungen.

    Und da es aktuell DAS Thema ist und manche Menschen immer noch DIE Lösung darin sehen, wird eben darauf hingewiesen an Orten, wo es viele erreicht. Die Impfung wird doch nicht im Supermarkt durchgeführt - oder habe ich was verpasst?

    Impfzentren gibt's doch überall, auch in Einkaufszentren. Sollte meines Erachtens noch viel mehr an solchen niedrigschwelligen Orten angeboten werden, wobei sich das Angebot schon etwas verbessert hat. Aber in den Provinzen ist das teils schon schlecht organisiert mit wenigen Anlaufpunkte und stundenlangen Wartezeiten.

    Mir geht es weniger um die Ablehnung von Kampf oder Wettbewerb als solchem, sondern konkret um die Konkurrenz um lebensnotwendige Ressourcen. Ich würde mich darüber hinaus nicht als (Anarcho-)Kommunist bezeichnen, zumindest wenn wir damit die vollkommene Beseitigung von Eigentum und Tauschprinzip meinen. Man sollte eher darüber sprechen, welche 'commons' tatsächlich kollektiv verwaltet werden sollten, und in welchen Bereichen wir hingegen weiterhin als Privatiers bzw Individuen agieren. Insofern ja, eine Mischform in ökonomischer Hinsicht erscheint mir sinnvoller als eine ideologiegetriebene Vergötterung oder aber totale Ablehnung von 'Privateigentumswirtschaft'.

    Wir sprechen hier ja über die Möglichkeit 'herrschaftsfreier' Zustände. Herrschaft assoziiere ich mit Verfügungsgewalt und (institutionellen) Abhängigkeitsverhältnissen. Wenn man also auf dem 'anarcho' in seiner Selbstbezeichnung beharren will, muss man sich schon ehrliche Gedanken um die Vermeidung solcher gefestigter Hierarchien machen. Und ich sehe nach wie vor nicht wirklich, inwiefern 'Anarchokapitalismus' hier eine mögliche Ergänzung oder Inspiration darstellen könnte. Sinnvoller wäre es, wenn wir generell wieder mehr 'Liberalität' in linke Zusammenhänge hineintragen würden. Ich fürchte, die Wiederentdeckung des Marxismus war hier rückblickend nicht sonderlich hilfreich.

    Die Verdrängungsthematik:

    Das ist eine Frage der Natur und des Menschenbildes. Sterben gehört zum Kreislauf des Lebens, verdrängt werden auch.

    Stell dir vor jedes Leben ist absolut heilig. Kann das funktionieren?

    Kann Unsterblichkeit funktionieren und wenn auf Kosten von wem?
    Kann Evolution ohne Wettkampf existieren?

    Ich würde sagen, dass Evolution natürlich auch ohne Wettkampf existieren kann, insofern sich die effektiveren Konzepte durchsetzen. Soll heißen, auch in einer 'anarcho-kommunistischen' Gesellschaft würde Evolution stattfinden. Verbesserung setzt nicht unbedingt Wettkampf voraus.

    In der bestehenden Diskussion stellt sich für mich eher die Frage, wie 'anarchistisch' oder auch nur 'möglichst gewaltfrei' vor dem Hintergrund von Konkurrenz und Verdrängung funktionieren sollen. Schon im 'Anarcho-Kommunismus' etablieren sich schnell informelle Hierarchien. Wenn nun der Kampf um Ressourcen hinzukommt, wie soll hier noch eine möglichst 'hierarchiearme' Gesellschaft realisiert werden?

    Ein anderer Punkt sind die Aufzüge vor Impfzentren oder Klinken. Ich verstehe es absolut, dass man seinen Unmut zu den Verantwortlichen der Maßnahmen trägt, also zu Politikern. Gegen medizinische Einrichtungen zu demonstrieren ist allerdings eine miese Einschüchterungstaktik, das ist dann z.B. tatsächlich ein Beispiel, bei dem ich zünftige Gegenaktionen befürworte.

    Das Off-topic vermeiden wir, indem wir an jeden Post ein Stück Punk dranhängen :lol::monster: