Beiträge von Lonewolf

    Ich kenne es auch seit je her nur so, dass in Israel, "Palästina" und Umgebung sehr viel Mord und Totschlag und alles darunter stattfinden. Warum sich Menschen so sehr hassen, habe ich mich immer gefragt, also auf der interpersonellen psychologischen Ebene ("People are people"), zumal ich ja selbst bisweilen extrem ausgeprägte Hass-Gefühle hatte und habe. Das ist eine Frage, die man sich zuerst einmal selbst stellen sollte und man wird zu Antworten kommen, nicht zu allen möglichen, aber eben zu vielen.

    Die Menschen können friedlich zusammenleben, jüdische und muslimische Israelis, Christen und Moslems etc. Meine Familie ist maronitisch-christlich und die meisten unserer Bekannten und Freunde aus dem Libanon und Syrien sind hierzulande Muslime, egal ob sunnitisch oder schiitisch. Das Problem sind reaktionäre Gruppen und bekloppte Fanatiker, die nebenbei bemerkt unterschiedslos morden, wie der 7.10. gezeigt hat. Nach der Konfession der Opfer hat dort sicher niemand gefragt. Das eigentlich Problem ist und war immer der Einfluss der Mächte im Hintergrund, die aus geopolitischen, ganz profanen Machtinteressen die Strippen ziehen (z.B. Syrien im Libanon, Iran im Nahostkonflikt etc.). Natürlich ist der (vererbte und vermittelte) Hass, die Psychologie, ein massives Problem. Aber ich denke, es ist vermutlich noch das kleinere.

    Die naheliegendste Erklärung für das Versagen der Sicherheitskräfte mag tatsächlich die israelische Hybris sein, man hat diese Form der Eskalation einfach nicht für möglich gehalten angesichts der jahrelangen überschaubaren 'Tradition' des Terrors. Für die rechte Regierung war die Hamas einfach ein Faktor, um die Spaltung der palästinensischen Bevölkerung aufrechtzuerhalten, die Interessen der rechten Israelis beziehen sich wohl ohnehin auf das Westjordanland und die Siedlungen, Gaza war einfach ein Ghetto vor der Haustür, regiert von Banditen, mit denen man sich nicht politisch auseinandersetzen muss. Insofern hat man die eben mehr oder weniger gewähren lassen, auch weil, wie wir jetzt sehen, eine Alternative verdammt schwer umzusetzen ist. Wir reden hier schließlich von Jahrzehnten des Konflikts, gescheiterten Friedensprozessen und der Dominanz von reaktionären Stimmen auf beiden Seiten.

    Über das palästinensische und arabische Opfernarrativ könnte man lange historisch diskutieren. Ich verweise da nur auf den Libanon als Beispiel: Die Christen haben den Bürgerkrieg mehr oder minder verloren, also sprechen wir heute nur noch über Sabra und Schatila, über die Massaker an den Palästinensern, aber wir reden nicht über die palästinensischen Massaker an den Christen, über die Rolle, die die PLO und ihre Nachfolger selbst im Krieg gespielt haben. Das ist es, was wir auch als verfestigtes 'antikoloniales Narrativ' im Bewusstsein westlicher Organisationen sehen. Palästinenser und Araber als ewige Opfer, der böse Westen als Täter. Dass die Menschen in erster Linie Opfer ihrer eigenen Herrscher sind, wird gerne außer Acht gelassen. Und diese Kombination aus antiwestlicher Propaganda von außen und antiwestlichem Selbsthass von innen ist bedenklich. Vor allem, da wir ja tatsächlich eine Gratwanderung vollziehen müssen zwischen notwendiger Kritik (z.B. an den Siedlungen, an der Doppelrolle der NATO-Staaten etc.) und der gleichzeitigen Verteidigung nicht nur der israelischen Demokratie, sondern dem demokratischem Anspruch als solchem (denn Linke und Anarchisten werden sicher auf absehbare Zeit keine Alternativen schaffen).

    Warum hat der anarchistische Artikel angeblich keinen Adressaten?

    Er hat keinen Adressat, der einen Unterschied machen könnte. Solche Texte - und ich habe selbst so einige in der Form geschrieben - haben eher Flaschenpostcharakter bzw. sind eine Form der Selbstvergewisserung. Und im vorliegenden Fall ist das Fatale, dass die eigene Logik nicht zu Ende gedacht wird. Die Abkehr von militärischen Mitteln hätte nichts anderes zur Folge als die Vernichtung Israels und auch den Tod oder die Vertreibung der paar 'Anarchisten' in Israel, die der Text vielleicht anspricht. Natürlich ist die Situation ein Dilemma. Allerdings geht es hier um die existenzielle Frage des Überlebens. Der übliche linke Reflex, der Verweis auf Klasseninteressen, Imperialismus und Nationalismus, ändert an diesem Problem zunächst mal nichts. Die Konfrontation mit einem Feind in der Form erfordert leider - wie auch im Falle der Ukraine - im Augenblick und noch auf unabsehbare Zeit eine militärische Dominanz, um zumindest einen Rahmen zu sichern, in dem auch 'alternative' Lebensmodelle Platz finden können.

    Ich mache eher die Erfahrung, dass Subkulturen wie Gothic und Metal deutlich gealtert sind. Natürlich gibt's auch Jüngere, aber mir scheint die Altersspanne doch eher zwischen 30 und 50 zu liegen.

    Dass Jugendliche respektloser geworden sind, kann ich nun auch nicht unbedingt bestätigen. Wir haben uns auch teils ziemlich assig benommen, davon heben sich die Kids heutzutage nicht sonderlich ab. Ich habe die meisten eigentlich als ziemlich entspannt und friedlich wahrgenommen, wenn ich in warmen Nächten an den üblichen Treffpunkten vorbeigekommen bin.

    Und da ihr hier gerne Linken-Bashing betreibt, hier mal ein tatsächlich Grund dafür, Teile der Linken auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen: Die Rote Hilfe Ortsgruppe Berlin hat sich offen gegen die Kriminalisierung von Samidoun ausgesprochen und damit auch dem Beschluss der Bundesorganisation widersprochen, die die Unterstützung für Samidoun nach den jüngsten Anschlägen eingestellt hat. Das zeigt, wie kaputt Teile der Linken sind.

    Und darüber hinaus, dass es eben nicht nur um islamistische Zielsetzungen geht, sondern eher um einen primitiven 'Antiimperialismus' und Antizionismus, der als Bindeglied zwischen weltanschaulich unterschiedlichen Gruppen (Nazis, Leninisten, Islamisten) fungiert.

    Man kann hier allerdings anerkennend hinzufügen, dass gerade die deutsche Linke im Gegensatz zur internationalen - auch durch den Einfluss antideutscher und antinationaler Debatten - auch kritische Positionen zu diesem Irrsinn vertritt. Leider gewinnen die 'Roten' teilweise aufgrund des inhaltlichen und organisatorischen Erschöpfungszustands der Linken wieder etwas an Bedeutung.

    Ich schätze, dass der progressive Teil der Israelis zunehmend auswandert, insbesondere die Jungen. Andererseits gab es natürlich, wie wir gesehen haben, eine breite Bewegung gegen die rechte Regierung. Auf der palästinensischen Seite vermisse ich sowas wie eine glaubhafte Strömung, die sich aktiv gegen Hamas und Co. einsetzt. Das Verhältnis zu den Dschihadisten scheint da im besten Fall so auszusehen wie Wagenknechts Position zu Putin ("Ja, die sind schlimm, ABER DER US-IMPERIALIAMUS(ZIONISMUS blabla). Insofern sehe ich mich dann doch eher im Lager derjenigen, die die Vernichtung der ganzen arabischen Reaktionäre als erstes Ziel ansehen (die israelischen sind auch scheiße, aber die können zumindest abgewählt werden). Nun haben mich meine eigenen familiären Bindungen im Nahen Osten in der Frage nie so beeinflusst, aber im vorliegenden Fall wünsche ich mir nur, dass der Konflikt nicht auf den Libanon überschwappt. Mit dem sogenannten 'palästinensischen Befreiungskampf' hat man da ja einschlägige Erfahrungen. Bei der PLO war damals übrigens nicht nur die RAF, sondern auch die Wehrsportgruppe Hoffmann zu Gast.

    Es ist eben offensichtlich nicht jedem klar, wohin die Reise mit einer AfD gehen würde. Ich denke, dass du massiv die gesellschaftliche Ignoranz in manchen Bereichen unterschätzt. Daher, auch wenn wir uns hier im Kreis drehen: Überzeugungsarbeit bei AfD-Wählern würde ich sehr kritisch bis aussichtslos sehen. Denn die teilen größtenteils die Positionen der Partei und wünschen sich eine entsprechende Gesellschaft. Du kannst vielleicht einen bestimmten Prozentsatz noch abholen. Allerdings nicht dadurch, dass du dich an rechten Positionen abarbeitest, sondern indem du tatsächliche Gegenentwürfe präsentierst und deine eigenen Narrative stärkst. Deine Logik entspricht eher der von Friedrich Merz oder Konservativen generell: 'Erfüllen wir die Forderungen des reaktionären Teils der Bevölkerung, dann werden sie aufhören, rechte Parteien zu wählen'. Das wird nicht funktionieren, als Gewinner wird nur die Rechten hervorgehen, denn deren Klientel wählt eben das Original.

    Ansonsten sehe ich Menschen als Individuen und nicht als Repräsentanten irgendeiner Gruppe. Zugewanderte, auch aus muslimischen Gesellschaften, sind bei weitem nicht so homogen, wie du es in deiner kulturalistischen Weltsicht darstellst.

    Als Beispiel sei nur die neue Welle an Türkei-Auswanderern genannt, die explizit vor Erdogans Regime fliehen. Ein Vorschlag: Komm doch mal raus aus deinem Schneckenhaus und tritt in Kontakt mit den Menschen. Ich war seit 2012 in Dutzenden Flüchtlingsheimen, war mit afghanischen Anarchisten in Athen unterwegs, hab mit nigerianischen Linken demonstriert und mit Nordafrikanern in besetzten Häusern gelebt. Du kannst das nun gern als 'nicht repräsentativ' abtun, aber die Welt ist ein bißchen komplexer, als es uns kulturalistische Narrative weismachen wollen.

    P.S. Dass Wege gefunden müssen, mit dem rückständigen Teil umzugehen, müssen wir nicht mehr betonen. Da sind wir uns sicherlich einig, ebenso wie in der Tatsache, dass viele Linke auch hier ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht werden bzw. mit zweierlei Maß messen.

    Die Frage, warum man solche Leute überhaupt ins Land lässt, und sich dann hinterher darüber empört, was sie für rückständige Ansichten haben, stelle ich mir aber trotzdem. Genauso wie ich mich frage, wieso man einerseits mit irgendwelchen Staaten kooperiert, die Homosexuelle verfolgen, und dann gleichzeitig die Regenbogenfahne schwenkt. Da passt manches für mich nicht so recht zusammen, und ich glaube, mit dieser Ansicht bin ich auch nicht ganz allein.

    Letzteres nennt sich eben 'pink washing' :zombie:

    Ansonsten ist es eben nicht immer leicht, Menschen in den Kopf zu zu schauen und zu prüfen, ob die nun reaktionäre Scheiße drin haben oder eben auch vor jener Scheiße geflohen sind (Gesinnungsprüfungen dürften sich etwas kompliziert gestalten). Wobei ich deine Logik nicht so ganz verstehe: Am besten gar nicht reinlassen, aber wenn sie schon mal da sind, dürfen sie hetzen wie sie wollen? Da würde ich schon widersprechen wollen.