Beiträge von Lonewolf

    Rechtes Geheimtreffen: Brandenburger AfD unterstützt Inhalte des rechtsextremen Treffens
    Die Brandenburger AfD hält an ihrem Sprecher fest, obwohl dieser an dem rechten Treffen teilnahm. Auch die rassistischen Deportationsforderungen bekräftigte…
    www.zeit.de

    Wird schon nicht so schlimm werden. Ein paar weniger Ausländer hier und da, weniger Schwule und Transen in den Medien und der Volkszorn wird sich wieder legen. Die haben doch nur Angst vor den Zumutungen des 21. Jahrhunderts, da muss man nachsichtig sein. Und ganz wichtig ist natürlich der Dialog, denn Sorgen muss man ernst nehmen!

    - Wunsch nach mehr Abschottung und Abwehr 'unerwünschter Menschen'

    Wenn du es unbedingt als "Rechtsruck" bezeichnen magst, dann wird das wohl am ehesten auf diese Thematik zutreffen, dass ich ein paar meiner früheren Ansichten heute etwas differenzierter sehen würde. Aber ich muss dir ja nicht erzählen, aus welcher Zeit ich bzw. wir kommen, und wie das damals in den 90ern noch war, als Asylantenheim brannten und Skinheads durch die Straßen marschiert sind. Da fiel es wahrlich nicht schwer, sich zu positionieren und für eine Seite zu entscheiden, und es war selbstverständlich, als intelligenter aufgeklärter Mensch "gegen Nazis" zu sein.

    Seither hat sich viel geändert, und die Dinge sind eben doch ein bisschen komplizierter geworden, auf so vielen verschiedenen Ebenen,

    Vielleicht noch hierzu, auch vor dem Hintergrund der furchtbar überraschenden gegenwärtigen Entwicklungen in der AfD:

    Ich kenne einige Menschen im Osten, die die 'Baseballschlägerjahre' von Anfang bis Ende miterlebt haben und die u.a. an der Verteidigung von Zentren bzw Vierteln beteiligt waren. Es mag sein, dass wir heute nicht mehr in der Form mit rechter Straßengewalt konfrontiert sind, wie es in den 90ern der Fall war. Trotzdem würde keiner von den Leuten sagen, dass es heute 'besser' ist oder dass sich irgendwelche Fronten verschoben hätten. Wir erleben eine beispielslose Faschisierung breiter Teile der Bevölkerung, da kann die Front der Verharmloser (in deren Horn auch du bläst) so lange dagegen anreden, wie sie will. Es sind ja primär Konservative, die hier verharmlosen, da sie sich selbst eine 'Rückkehr zu den alten Werten' wünschen. Für Menschen, die ein Problem mit Autorität und 'überkommenen Wertvorstellungen' haben, sollte vollkommen klar sein, wo der Feind steht. Dass neue Probleme hinzugekommen sind, ändert daran überhaupt nichts. Auch mit dem Islamismus und der Gewalt durch migrantische Bandenstrukturen wird man angemessen umgehen müssen. Nur geht die politische Gefahr hierzulande nun mal eindeutig von Rechts aus, und nein, die Rechten haben in keiner Weise 'freiheitliche' Positionen vertreten, es sei denn, man ist so blöd, die Ablehnung von Masken zum elementaren Bürgerrecht zu verklären.

    Ich denke, wir sind über den Punkt weit hinaus, in dem der Fokus aus Überzeugungsarbeit liegen sollte. Natürlich kann bzw sollte man mit den Leuten reden, die politisch unentschlossen sind. Aber der rechten Symbiose aus Mob und Elite (eine Kerneigenschaft des Faschismus) muss die Stirn geboten werden. Und jemand, der sich selbst als 'Anarchist' begreift, sollte die legitime und notwendige Kritik an politischen Fehlentwicklungen nicht mit dem existenziellen Kampf gegen Faschismus und autoritäre Formierung auf eine Stufe stellen.

    Mittlerweile habe ich 'X' nachgeholt. Erwartungsgemäß einer der besseren Horrorfilme der letzten Jahre. Für mich nicht ganz so herausragend wie das Prequel 'Pearl'. Mia Goth vollführt zwar kein irres Acting wie in letztgenanntem Streifen, darf aber in einer Doppelrolle als älteres Ich ihre jüngere Version befummeln :golly:

    Eine geile Hommage an 70er-Jahre Slasher- bzw Revenge-Movies mit einer klasse Hauptdarstellerin, auf die man sich natürlich auch im dritten Teil 'MaXXXine' freuen darf, der dieses Jahr rauskommen soll.

    Der 'linke Zwang' ist mir in der Vergangenheit wohl entgangen, ich sehe nur eine Verschiebung hin zu mehr 'wohldosierten Grausamkeiten' in Bezug auf den Umgang mit ohnehin schon marginalisierten Gruppen, sowie zunehmende Tendenzen, selbst die geringsten gesellschaftlichen Fortschritte (Abschaffung der Wehrpflicht, Sanktionenlockerung) wieder zurückzunehmen. Das ist eigentlich das Traurige und Bezeichnende am Wahrnehmungshorizont des politischen Mainstreams, dass die gegenwärtige Regierung ernsthaft als 'links' gilt, dass selbst der CDU ein 'Linksruck' seit Merkel unterstellt wird, und dass es demzufolge völlig am Glauben an eine freiere und zugleich gerechtere Welt in großen Teilen der Gesellschaft mangelt. Überall herrscht nur die Schafsmentalität der Bürgerschaft, die politische Dienstleister will, die aber nicht bereit ist, als aufgeklärte Individuen an einer progressiven Veränderung der Gesellschaft mitzuwirken.

    Insofern wird 2024 wieder ein Jahr des Abwehrkampfes werden, um den Reaktionären nicht zu erlauben, die Uhr noch weiter zurückzudrehen. Mit ein wenig Optimismus wird es vllt auch ein Streikjahr, aber wie soll das was werden, wenn es wieder nur um Partikularinteressen geht und wenn jede Solidarität mit anderen Kämpfenden auf sich warten lässt?

    Persönlich war mein Jahr ruhiger, entspannter, sicherlich positiver als die vorherigen, sowohl was meine geistige als auch meine körperliche Gesundheit angeht. In meinem Bekanntenkreis macht sich der Wunsch nach Rückzug und Landflucht immer deutlicher bemerkbar. Allerdings vollziehen sich auch Generationswechsel, und an die Stelle der alten Recken treten jüngere. Dennoch bleibt die Perspektivlosigkeit bestehen, und ich kenne da auch keinen Ausweg, außer einer Rückbesinnung auf sehr grundlegende Dinge wie persönliches Wachstum, das Pflegen guter, positiver Beziehungen und den Aufbau von solidarischen Netzwerken. Im Grunde ist Pessimismus eine alberne Eigenschaft angesichts der unausweichlichen menschlichen Reise zum Endpunkt. Leben erfordert so oder so Mut (oder Verdrängungsleistung, wenn es unbewusst geführt wird), was soll uns da noch ängstigen an dieser ver-rückten Welt? Ich hoffe, dieses Jahr noch viel mehr zu lesen, zu trainieren und zu reisen. Die Kreativität lässt auch weiter auf sich warten, aber vielleicht ergeben sich ja doch wieder Gelegenheiten, zumindest im gesellschaftlichen Sinne etwas inspirierend zu wirken und andere mitzunehmen.

    Ich gehe ja mittlerweile meist zu Vorführungen alter Filme, aber ein neuer, der mit letztes Jahr in Erinnerung geblieben ist, ist 'Pearl':

    Was soll ich sagen, Filme mit Mia Goth stehen von nun an auf meiner Must-See-Liste :diablo:

    Der Film ist zusammen mit 'X' und 'Maxine' (hab ich beide noch nicht gesehen) Teil einer Trilogie, die zugleich als Hommage an Slashermovies als auch an das Kino der jeweiligen Ära (50er, 70er, Gegenwart) gesehen werden kann.

    Cixin Liu war mir als Autor ein Begriff, aber ich wusste gar nicht, dass 'Die wandernde Erde' verfilmt wurde. Ich bekomm auch nix mehr mit. Werd ich mir wohl anschauen.

    Tatsächlich stammt eines der besten Zitate zum Thema von Dian: 'Die Anarchie ist wie ein ferner Stern, wir können ihn vielleicht nie erreichen, aber sein Licht kann uns den Weg weisen' (sinngemäß). Weiß gerade nicht, ob das aus der Philosophie oder aus einem der anderen Texte stammt. Aber dies trifft es in Bezug auf praktischen Anarchismus ganz gut.

    In philosophischer Hinsicht gibt es sicherlich einige Konzepte zum Thema radikaler Freiheit und gesellschaftliche Befreiung, die nicht unbedingt unmittelbar anarchistisch sind. Das Interessante ist ja auch gerade die Dialektik, oder die Frage, wie Ideen der Befreiung wiederum in Unfreiheit umschlagen können. Einige undogmatische Marxisten widersprechen Anarchisten auch nicht in der Frage der Autorität (wie es klassisch der Fall war/ist), sondern primär hinsichtlich der Analyse. Das war z.B. mein Eindruck bei den griechischen Autonomen, die den anarchistischen Dualismus und den fehlenden Blick auf ein Verständnis der gesellschaftlichen Dynamik in Bezug auf Autoritarismus bemängelten.

    Mir geht es hier tatsächlich weniger um die Frage der Machbarkeit, sondern um Kohärenz und Widerspruchsfreiheit. Geht ja schließlich um die Unity-Philosophie in diesem Thread und Dians praktische Konsequenzen in Bezug auf gesellschaftliche und politische Fragen. Was die Frage der Utopie anbelangt, würde ich das Anarchismus-Verständnis in der Unity-Philosophie tatsächlich als utopisch einstufen, mein eigenes Verständnis hingegen eher 'existenzialistisch', sprich auf Handeln im Hier und Jetzt ausgelegt. Was den historischen Anarchismus vom Marxismus unterschied, war ja unter anderem gerade die Ablehnung von als notwendig angenommenen Übergangsstadien hin zur befreiten Gesellschaft, vielmehr muss sich der Zweck bereits in den Mittel widerspiegeln, anders gesagt: Mit autoritären Mitteln gelangen wir nicht zu einer freien Gesellschaft. Was eben immer wieder zum bekannten Dilemma führte, der Veränderung der Verhältnisse und der Verteidigung des Neuen, ohne wiederum Herrschaft zu reproduzieren. Dass der Anarchismus nur an äußeren Umständen scheitert(e), halte ich für ein Gerücht, das dem anarchistischen Ego sicherlich dienlich ist.

    Ich sehe überhaupt keinen Widerspruch darin, sowohl den Terror der palästinensischen Seite als auch die Natanjahu-Regierung oder die Angriffe rechter Siedler zu verurteilen. An sich könnten also Menschen und Gruppen, die emanzipatorische Ansprüche geltend machen, durchaus differenzierte Positionen formulieren. Das Problem ist eben die Frage der Parteiergreifung. Und wenn die identitätspolitisch aufgeladen ist (nationale Befreiungsbewegung und 'Antiimperialismus' ist ja nichts Neues), dann ist dies im Grunde schon der erste Schritt hin zu Relativierung der Verbrechen, die die favorisierte Gruppe begeht.

    Natürlich hat es auf den Konflikt selbst wenig Einfluss (man könnte hier aber schon über den Einfluss von Bidens Wählerbasis auf dessen Politik diskutieren), allerdings, und das ist in der gegenwärtigen Lage das Fatale, ist es eben ein weiterer Sargnagel für linke Bewegungen. Man könnte etwas optimistischer natürlich auch von längst überfälligen inneren Reinigungsprozessen sprechen. Das Dilemma ist, dass man nun viele ausschließen muss, die an anderer Stelle - z.B. bei den genannten sozialen Kämpfen - Verbündete wären, wäre da nicht der ideologische Standpunkt. Das ist schon ein Problem: Die 'roten' Gruppen sind ideologisch indiskutabel, aber sie fokussieren oft soziale Kämpfe mehr als der undogmatische, anti-autoritäre Teil der Linken, der zwar bessere Theoriearbeit macht, aber in konkreten Kämpfen weniger aktiv zu sein scheint. Vielleicht bieten sich holzschnittartige Weltbilder, klares Feindbilddenken und platte Revoluzzerromantik eher an, wenn man Menschen mobilisieren will? Ich hoffe das nicht, aber es hat sich leider schon gezeigt, dass selbsternannte 'Berufsrevolutionäre' oft einen längeren Atem haben.