Der 'linke Zwang' ist mir in der Vergangenheit wohl entgangen, ich sehe nur eine Verschiebung hin zu mehr 'wohldosierten Grausamkeiten' in Bezug auf den Umgang mit ohnehin schon marginalisierten Gruppen, sowie zunehmende Tendenzen, selbst die geringsten gesellschaftlichen Fortschritte (Abschaffung der Wehrpflicht, Sanktionenlockerung) wieder zurückzunehmen. Das ist eigentlich das Traurige und Bezeichnende am Wahrnehmungshorizont des politischen Mainstreams, dass die gegenwärtige Regierung ernsthaft als 'links' gilt, dass selbst der CDU ein 'Linksruck' seit Merkel unterstellt wird, und dass es demzufolge völlig am Glauben an eine freiere und zugleich gerechtere Welt in großen Teilen der Gesellschaft mangelt. Überall herrscht nur die Schafsmentalität der Bürgerschaft, die politische Dienstleister will, die aber nicht bereit ist, als aufgeklärte Individuen an einer progressiven Veränderung der Gesellschaft mitzuwirken.
Insofern wird 2024 wieder ein Jahr des Abwehrkampfes werden, um den Reaktionären nicht zu erlauben, die Uhr noch weiter zurückzudrehen. Mit ein wenig Optimismus wird es vllt auch ein Streikjahr, aber wie soll das was werden, wenn es wieder nur um Partikularinteressen geht und wenn jede Solidarität mit anderen Kämpfenden auf sich warten lässt?
Persönlich war mein Jahr ruhiger, entspannter, sicherlich positiver als die vorherigen, sowohl was meine geistige als auch meine körperliche Gesundheit angeht. In meinem Bekanntenkreis macht sich der Wunsch nach Rückzug und Landflucht immer deutlicher bemerkbar. Allerdings vollziehen sich auch Generationswechsel, und an die Stelle der alten Recken treten jüngere. Dennoch bleibt die Perspektivlosigkeit bestehen, und ich kenne da auch keinen Ausweg, außer einer Rückbesinnung auf sehr grundlegende Dinge wie persönliches Wachstum, das Pflegen guter, positiver Beziehungen und den Aufbau von solidarischen Netzwerken. Im Grunde ist Pessimismus eine alberne Eigenschaft angesichts der unausweichlichen menschlichen Reise zum Endpunkt. Leben erfordert so oder so Mut (oder Verdrängungsleistung, wenn es unbewusst geführt wird), was soll uns da noch ängstigen an dieser ver-rückten Welt? Ich hoffe, dieses Jahr noch viel mehr zu lesen, zu trainieren und zu reisen. Die Kreativität lässt auch weiter auf sich warten, aber vielleicht ergeben sich ja doch wieder Gelegenheiten, zumindest im gesellschaftlichen Sinne etwas inspirierend zu wirken und andere mitzunehmen.