Beiträge von Sammy Jankis

    In den USA ist es heute schon üblich, alles mit Kreditkarte zu bezahlen, zumindest ab der unteren Mittelschicht. Denn jemand, der eine Kreditkarte besitzt, ist zumindest schonmal überhaupt kreditwürdig. Eine Kreditkarte ist also ein Symbol, dass man überhaupt bezahlen kann. Ich schätze mal, das kommt noch aus der Zeit vor dem großen Finanzcrash 2007, als man gemerkt hat, dass Kredite auch irgendwann zurück gezahlt werden müssen.

    Ich frage mich, werden die aktuellen Filme wirklich immer seichter und belangloser, oder fehlt einem als alter Filmfreak nur irgendwann die nötige Objektivität, weil man einfach inzwischen schon viel zu viel gesehen hat, um sich für die neuen Produktionen noch ähnlich begeistern zu können, wie man es für viele ältere Filme getan hat?


    Ich denke, das kann daran und an vielen anderen Faktoren liegen. Als Hobby-Historiker warne ich generell vor dem "früher war alles besser"-Argument, weil es so gut wie nie zutrifft. Es ist einfach eine menschliche Eigenschaft, sich nur an die guten (oder extrem schlechten) Dinge zu erinnern. Auch früher wurden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tonnenweise mittelmäßige und schlechte Filme produziert, aber warum sollte man sich die alle merken? Bei der Auswahl, die inzwischen zusammengekommen ist, ist es schon schwer genug, alle guten Filme angemessen oft zu genießen. In realen Zahlen haben wir heute mehr Filme, aber prozentual sind das vermutlich nicht mehr oder weniger gute bzw. schlechte (andererseits kann man das objektiv sowieso nicht festlegen, da jeder "gut" und "schlecht" anders definiert).
    Was die Oscars angeht: da werden heute auch nicht mehr schlechte Wahlen getroffen als früher. Mit The Shape of Water konnte ich zum Beispiel auch nicht viel anfangen (für mich ein Film, den man mit wenig Erwartung genau einmal ansehen kann und danach nicht mehr sehen muss), aber es werden auch immer wieder regelmäßig Perlen gewählt, wie Departed, No Country for Old Men und Birdman. Und immerhin hat dieses Jahr auch Three Billboards ganz gut abgeräumt, auch wenn es leider nicht für den besten Film gereicht hat. Nicht zuletzt hat Gary Oldman, der garantiert kein blasses Milchbubi ist, endlich seine verdiente Trophäe erhalten :)
    Es gibt auch gute Gründe, warum sich einige/viele/mehrere Filmemacher heute so viel Mühe geben wie früher. Nur eine kleine Auswahl:
    Es gibt mehr Geld.
    Weniger Zensur. Stellt euch nur mal vor, wie viel großartiger Hitchcocks Filme hätten sein können, wenn er nicht jede Szene erst hätte genehmigen lassen müssen. Zu seiner Zeit war es zum Beispiel auch so, dass ein Film per Gesetz ein Happy End haben muss.
    Die technischen Möglichkeiten sind besser und umfangreicher. Alle paar Jahrzehnte müssen wir anscheinend eine 3D-Welle ertragen (die aktuelle scheint ja schon wieder abzunehmen). Aber CGI kann sowohl übertrieben sein (s. Michael Bay), als auch gut in den Film eingearbeitet werden (s. Christopher Nolan).

    Zitat von dian

    Ich vermisse Filme, von denen man auch in 20 oder 30 Jahren noch reden wird...


    Die gibt es zurzeit garantiert auch noch. Aber welche das sind, das können wir schlichtweg erst in 20 oder 30 Jahren wissen. Es gibt ja immerhin auch genug Filme, die an den Kinos gefloppt sind und sich erst mit der Zeit zu Kultobjekten entwickelt haben. Donnie Darko zum Beispiel. Ich kann mir gut vorstellen, dass Filmfreaks in ein paar Jahrzehnten auf die 2000er-/2010er-Zeit zurückblicken und fachsimpeln: "Ach ja, die Leute sind ja damals alle in diese actionlastigen Superheldenfilme geströmt, aber aus der Epoche stammen ja auch so viele Meisterwerke wie zum Beispiel ..."


    Außerdem: Wir leben gerade im Goldenen Zeitalter des Fernsehens. Wenn euch Filme langweilen, befasst euch mit Serien. Da gibt es vermutlich jetzt bereits genug gute, um die Zeit bis zum Ende der Marvel Cinematic Universe-Vorherrschaft zu überbrücken ;)

    Für nicht-aktuelle Filme haben wir den Der allgemeine Filme-Thread ;) Hier sollte es der Übersichtlichkeit halber eher um Filme gehen, die in den letzten Monaten erschienen waren. Ich wollte eigentlich mal ein paar eher unbekannte Filme empfehlen oder einen Thread über gesellschaftskritische Filme posten, aber zurzeit muss ich ständig arbeiten und tagsüber habe ich selten genug Zeit für lange Beiträge.

    Falling Down ist übrigens verdammt gut. Vielleicht gefällt dir God Bless America; hat ein ähnliches Thema, allerdings mit Vorgeschichte und einem Side-Kick.

    Danke sehr, Mr. Jankins!
    Wir wohnen übrigens anscheinend beide in Kassel!
    Wusstest du, dass vor Ort die "Reichskristallnacht" geprobt wurde, bevor die Aufführung dann am nächsten Tag in ganz Deutschland den Massenwahnsinn ausnutzen konnte?


    Ja, dass wir beide in Kassel wohnen, habe ich auch gerade gesehen. Das mit der Reichskristallnacht wusste ich tatsächlich noch nicht; ich wusste bisher nur von der weltweit ersten Fußgängerzone (Treppenstraße), Deutschlands erster Videothek (gibts immer noch) und einem der hässlichsten Bahnhöfe überhaupt. Außerdem gibts noch einen lustigen Spruch darüber, dass die Ossis damals gerne nach Kassel kamen, weil der optische Unterschied zum Osten nicht so groß war :D

    Dass es in diesem Forum häufiger mal zu stillen Phasen kommt, ist total normal und hat nichts mit dir zu tun ;)
    Bis vor kurzem hatten wir auch noch ein großes Trollproblem, das hat vermutlich einigen die Lust am regelmäßigen schreiben genommen, sowas muss erst wieder langsam aufgebaut werden. Es gibt aber eine handvoll alteingessesener User, die sporadisch vorbei schauen und dann gerne auch ausführlich antworten.

    Übrigens: Willkommen im Board!

    Was für Serien schweben dir denn so vor? Drama, Horror, Mystery, Comedy/Sitcom, amerikanisch, europäisch, japanisch?

    In Richtung Politik/Thriller fallen mir House of Cards ein, die Staffeln 3 und 4 von Prison Break und Netflix hat letztes Jahr mit einer Serie namens Designated Survivors begonnen (im Moment erscheinen bis April wöchentlich neue Folgen der zweiten Staffel). Da geht es um einen eher kleinen Politiker, der nach einem Anschlag, bei dem die gesamte amerikanische Regierung ausgeschaltet wird, plötzlich zum Präsidenten wird.
    Mein Bruder schwärmt seit einiger Zeit von Narcos, die Geschichte des berüchtigen kolumbianischen Drogen-Barons Pablo Escobar. Die dritte Staffel kam letztes Jahr raus, mindestens eine Weitere soll noch folgen (ebenfalls Netflix).

    Es folgen drei Serien, die in Amerika schon längst fest zum Kulturgut gehören - in Deutschland, wenn überhaupt, allerdings kaum ausgestrahlt werden und daher fast nur Serien-Nerds bekannt sind.

    Rick & Morty (seit 2013; 31 Episoden in 3 Staffeln; 22-minütige Episoden)

    Trailer

    Rick ist ein genialer Wissenschaftler, der "alles erschaffen kann, wenn er Bock darauf hat". Er ist ein zynischer Alkoholiker, der mit einem selbstgebauten Raumschiff oder seiner Portal-Gun (mit der er sich zu jeder Zeit zu jedem Ort in jeder Dimension portieren kann) und seinem schüchternen Teenager-Enkel Morty Abenteuer erlebt - welche sie auch selbst so bezeichnen.
    Die Serie war ursprünglich als Parodie auf Zurück in die Zukunft gedacht und stammt vom kreativen Genie Dan Harmon, der vor Rick & Morty die geniale Serie Community produziert hat. Und wie in Community spielen die Charaktere ständig mit der vierten Wand. Es gibt sogar die Theorie, dass Rick so ein depressiver, hedonistischer Alkoholiker ist, weil er sich bewusst ist, dass er nur eine Figur in einer Zeichentrickserie ist.
    Die Serie kann man sich ein bisschen wie Futurama auf Crack vorstellen. Durch Ricks Fähigkeit, zu jeder Zeit an jeden Ort des Universums zu reisen, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt - und das wird schamlos ausgenutzt. Und ermöglicht Anspielungen und Parodien auf die gesamte Film- und Fernsehwelt; so gibt es einen Mad Max-Planeten, einen Planeten, auf dem "gepurgt" wird und in Ricks Motor ist ein ganzer Planet, dessen Bewohner ihn mit Energie versorgt, ohne dass die es wissen - bis Wissenschaftler auf dem Planeten der Gedanke kommt, einen kleinen Planeten zu bauen, der sie mit Energie versorgt. Was dort passiert, könnt ihr euch denken und wird als "Sklaverei mit mehreren Stufen" beschrieben. Besondere Highlights sind die Folgen, in denen die Figuren selbst fernsehen: absurder Nonsense-Humor, den Family Guy zu seiner besten Zeit hatte; während in den Nebenplots tiefgründige Gespräche über den Wert des Lebens oder von Penissen geführt werden. Die Gag-Rate ist insgesamt hoch, die Qualität schwankt zwischen genial-tiefgründig und vollkommen bescheuert und sorgt für einen hohen Suchtfaktor.
    Für mich spielt die Serie in einer Liga mit den Simpsons, Futurama, Family Guy und den anderen Kult-Zeichentrickserien, die ihr so kennt.


    Modern Family (seit 2009; 194 Episoden in 9 Staffeln; 22-minütige Episoden)

    Trailer

    Ed O'Neill (Al Bundy) ist in die Jahre gekommen und hat nochmal geheiratet, eine Kolumbianerin mit einem Sohn aus erster Ehe. Seine Tochter Claire ist ebenfalls verheiratet, mit einem spaßigen Immobilienmakler, mit dem sie drei Kinder hat. Sein Sohn Mitchell ist homosexuell und hat mit seinem Partner ein vietnamesisches Waisenmädchen adoptiert. Zusammen ergeben sie nicht nur eine moderne, sondern eine der lustigsten Fernsehfamilien unserer Zeit.
    In jeder der fast 200 Episoden wird ein wahres Gag-Feuerwerk gezündet und dabei greifen die Macher aus dem Vollen. Slapstick, Running Gags, Wortspiele... die große Stärke liegt allerdings bei der klassischen Situation Comedy: Missverständnisse, die zu lustigen Situationen führen. Gedreht ist das Ganze als Mockumentary, also als Dokumentation, die keine ist. Die Figuren sitzen regelmäßig vor der Kamera und erklären ihr Verhalten.
    Eine Serie zum zurücklehnen und genießen. Wenn Pro7 nicht so dämlich wäre und diese Serie regelmäßig zur PrimeTime senden würde, hätte sie auch in Deutschland die Aufmerksamkeit, die sie verdienen würde und der Sender müsste nicht ständig sein Programm umschmeißen.


    It's Always Sunny In Philadelphia (seit 2005; 134 Episoden in 12 Staffeln; 23-minütige Serien)

    Fan-Trailer

    Fünf kaputte Typen schmeißen in Philadelphia eine Bar.

    Alle sind arrogant, egoistisch und chaotisch und zusätzlich noch wahlweise dumm, eingebildet, eklig, eitel oder drogensüchtig. Die Serie lief wohl vor ein paar Jahren mal auf ComedyCentral in Deutschland, dürfte aber der größte Geheimtipp von den dreien in diesem Beitrag sein. Und das, obwohl sie die langlebigste nicht-animierte Comedy-Serie ist und ihr Niveau über 12 Staffeln halten konnte. Ich habe sie spontan mal an einem freien Abend angefangen und hatte nach wenigen Tagen die ersten fünf Staffeln (mehr wurde nicht auf deutsch synchronisiert) durchgesuchtet. Eine der kränksten und kaputtesten Serie, die ich kenne, die es immer wieder schafft, sich selbst zu unterbieten. In einer Folge finden zum Beispiel zwei Figuren ein Baby in einer Mülltonne, wollen aus ihm einen Fernseh-Star machen und es in einem Sonnenstudio bräunen, damit es mexikanischer aussieht. In einer anderen werden ein paar von ihnen bewusst Meth-abhängig, als sie feststellen, dass sie mit den Sozialschecks des Staats mehr Geld verdienen als mit ihrer Bar. Dann machen sie einen Ausbeuterbetrieb in ihrem Keller auf, als einer von ihnen überzeugt ist, ein großer Mode-Designer zu sein - während er eigentlich nur Frauen mit großen Brüsten malt. Derselbe Typ schleicht sich in eine Gruppe Hippies ein und bringt einen von ihnen dazu, sich an einen Baum zu ketten, während er mit dessen Freundin pennt - weil er beleidigt wurde. Dann wechseln sie bei einer Demo für Frauenrechte spontan die Seite, weil die andere geilere Weiber hat. In einer Folge will einer von ihnen seine eigene Tochter heiraten, um an das Erbe seiner Frau zu kommen. Überhaupt intrigieren die Freunde ständig gegeneinander, verraten und beleidigen sich und bringen sogar einen Schwerverbrecher dazu, das Land zu verlassen, um nicht in ihrer Nähe sein zu müssen.
    In einer Folge über Patriotismus und Freiheit kommt es zu folgendem Dialog:
    "Ich war nicht in Vietnam, damit ihr mir hier meine Freiheit nehmen könnt!"
    "Dad, du hast in Vietnam einen Ausbeuterbetrieb geführt!"
    "Na und? Da sind auch Menschen gestorben."

    Der Komiker Charlie Day produziert die Serie und spielt die mit Abstand dümmste Figur. Ab Staffel zwei ist auch der bekannte Schauspieler Danny DeVito dabei, der auf der Suche nach etwas Neuem war.
    Eine Serie also für alle, die glauben, schon alles gesehen zu haben.

    Eine Netflix-Perle hätte ich fast vergessen:

    Stranger Things (seit 2016; 17 Episoden in 2 Staffeln; ca. 50-minütige Episoden)

    Trailer

    Im Jahre 1983 verschwindet in der Kleinstadt Hawkins der Junge Will Byers. Seine Freunde und die Erwachsenen versuchen, ihn zu finden. Wenig später verschwindet auch die Teenagerin Barabara und ihre Freunde machen sich auf die Suche nach ihr. So wird die Geschichte aus der Sicht der drei Gruppen erzählt, die die Verschwundenen suchen. Gleichzeitig taucht ein merkwürdiges Mädchen mit telekinetischen Fähigkeiten auf.
    Die Produzenten dieser Serie, die Duffer-Brüder, wollten eigentlich die Neuverfilmung von ES machen. Als sie dies nicht konnten, schufen sie den feuchten Traum aller Mystery- und 80er-Jahre-Fans. Es gibt unzählige Anspielungen auf Filme dieser Ära, auch das Setting und die Atmosphäre wirken wie ein klassischer 80er-Film.
    Gleichzeitig ist diese Serie eine der kurzweiligsten, die ich kenne. Dazu kommt ein toll zusammengesetzter Cast, die Jugendlichen, besonders Millie Bobby Brown überzeugt als "Elfi", spielen gut miteinander; dazu kommen Winona Ryder (Edward mit den Scherenhänden, Zeit der Unschuld, Black Swan etc.) als kämpferische Mutter, David Harbour (Black Mass, Suicide Squad) als Polizist und, in der zweiten Staffel, Sean Astin (Samweis Gamdschi aus Der Herr der Ringe) als schüchterner Held. Zusammen mit der Spannung und der Atmosphäre ist sie eine absolute Empfehlung auch für denjenigen, der vielleicht sonst nicht so viel mit Mystery anfangen kann.
    Eine weitere Staffel wurde bereits angekündigt, nach der vierten soll die Story auserzählt sein. Ich kann die letzten beiden Staffeln kaum erwarten.

    Netflix ist ein 1997 gegründetes Unternehmen, welches erst als Online-Videothek DVDs und Blu Rays versandte und seit 2007 Filme und Serien als Stream anbietet. Spätestens seit Netflix mit der Produktion eigener Filme und Serien begonnen hat, kommt man um das Unternehmen kaum noch herum. Die erste Eigenproduktion schlug auch gleich ein wie eine Bombe: House of Cards, eine Adaption einer britischen Serie, die von Korruption und Intrigen in Washington handelt. Weitere bekannte Eigenproduktionen sind Orange Is The New Black, Daredevil, Jessica Jones, Luke Cage, Iron Fist und Punsiher. Netflix führt aber auch bereits abgesetzte Serien fort oder produziert Spin Offs; zum Beispiel Fuller House, ein Spin Off der berühmten 80er und 90er-Serie Full House.
    Laut Wikipedia hat der Dienst 118 Millionen Abonennten weltweit.

    Seit letztem Dezember gehöre auch ich zu diesen Glücklichen (und weil ich nur die eine Hälfte eines Doppel-Accounts habe, ist das für mich sogar kostenlos - also genau meine Preisklasse).

    Ich muss allerdings sagen, dass ich bei meinem ersten Besuch im eigenen Account (mein Bruder ist schon länger dabei, daher war die Seite nicht komplettes Neuland), etwas enttäuscht war. Mir fehlen einige Optionen, um die Startseite individueller und übersichtlicher zu gestalten. Ich würde zum Beispiel gerne selber festlegen, welche Listen von Angeboten mir in welcher Reihenfolge angezeigt werden. Zumindest möchte ich Listen, die mich nicht interessieren, verstecken oder löschen können. Außerdem kann ich nur eine einzige "eigene Liste" anlegen. Ich hätte gerne eine Liste mit Filmen/Serien, die ich bereits gesehen habe und eine mit Angeboten, die ich irgendwann mal sehen möchte. Und eine "Vielleicht"-Liste. Oder eine nur mit Filmen und eine nur mit Serien. Überhaupt finde ich es schlecht gemacht, dass man nicht auf den ersten Blick sieht, ob es sich bei den Vorschlägen um einen Film oder eine Serie handelt. Ein großer Störfaktor ist für mich auch, dass Netflix keine Möglichkeit zum shuffeln innerhalb einer ausgewählten Serie anbietet - immerhin kann dafür extra ein Addon für Firefox/Chrome heruntergeladen werden.
    Dafür ist Netflix hervorragend fürs binge-watching (also das stundelange chronologische gucken einer Serie, ohne nach jeder Folge zur Maus greifen zu müssen). Wenn eine Folge vorbei ist, kommt eine 15-sekündige Pause, in der das Outro der letzten Folge läuft und man eine kleine Vorschau auf die nächste Folge hat, dann geht es automatisch weiter. Nur etwa alle paar Stunden kommt ein Button, ob man weiter sehen, die letzte Folge wiederholen oder nach etwas anderem suchen möchte - für den Fall, dass man eingeschlafen ist (leider scheint es keine Möglichkeit zu geben, den Mist zu deaktivieren).
    Das fetteste Plus ist aber definitiv das große Angebot. Allein die Eigenproduktionen könnten sich sehen lassen; noch dazu hat Netflix seit 2010 Rechte an Filmen von großen Studios wie Paramount Pictures, Lions Gate Entertainment und Metro-Goldwyn-Meyer.
    Eine Übersicht bietet werstreamt.es.


    Folgende Eigenproduktionen habe ich bereits genossen:

    Tote Mädchen lügen nicht (2017; 13 Episoden in einer Staffel; ca 50-minütige Episoden)

    Trailer

    In der Verfilmung des gleichnamigen Romans bekommt ein Schüler Kassetten mit Geschichten einer Freundin, die sich einige Zeit vorher das Leben genommen hat. Auf den Kassetten erzählt die Freundin, was sie in den Selbstmord getrieben hat; mobbing, Intrigen, hinterhältige Freunde... Auf jeder Kassette geht es um eine andere Person, die ihr etwas angetan oder nicht geholfen hat, das Ganze setzt sich immer mehr zu einem Gesamtbild zusammen. So ist der Protagonist auch nicht der erste, der die Kassetten hört; sie gingen bereits bei denen rum, die von dem Mädchen für ihr Unglück verantwortlich gemacht wurden.
    Die Serie schlug sofort ein und war lange ein Kritiker-Liebling. Besonders Pädagogen dürften sich sehr dafür interessiert haben. Mir haben die ersten Folgen auch noch sehr gut gefallen, sie sind gut produziert und besetzt und zumindest am Anfang noch schön mysteriös. Mit der Zeit verliert sie aber etwas an Glaubwürdigkeit. Interessant ist dafür aber der rote Faden: die Frage, warum der Protagnist, der eigentlich ein good-guy ist, auch die Kassetten bekommt. Man fragt sich, inwiefern er, ein guter Freund des Mädchens, für ihren Tod mitverwantwortlich gemacht wird.
    Insgesamt ist die Staffel mit 13 Folgen aber nicht zu lang geworden und gutes Material für ein verregnetes Wochenende.


    Anne with an E (2017; 7 Episoden in einer Staffel; 45-minütige Episoden)

    Trailer

    1890: Das ältere Geschwisterpaar Matthew und Marilla Cuthbert kommt mit der Arbeit auf ihrem Hof nicht mehr zurecht und besorgt sich einen Waisenjungen; denken sie jedenfalls. Stattdessen holt der verdutzte Matthew ein 13-jähriges Mädchen vom Bahnhof ab. Anne (mit einem E) ist lebhaft, sehr fantasiebegabt, redselig, wortgewandt und intelligent. Nach einigen Bedenken wird sie doch von den Geschwistern aufgenommen und mischt das Dorfleben auf.
    Von vorne bis hinten eine gelungene erste Staffel: Die drei Hauptrollen sind fantastisch besetzt (besonders der schweigsame, aber herzliche Matthew), das späte 19. Jahrhundert wurde gut in Szene gesetzt, es gibt emotionale Momente, die nicht melodramatisch wirken und die Konflikte sind weder langweilig, noch zu krass. Dazu sticht Annes dunkle Vergangenheit bei anderen Pflegefamilien immer wieder kurz hervor und reißt den Zuschauer aus der bunten, fröhlichen Welt, in die sie mit der Hauptdarstellerin gelockt werden.
    Gerne mehr davon!


    BoJack Horseman (seit 2014; 49 Episoden in 4 Staffeln; 25-minütige Episoden)

    Trailer

    Die Zeichentrickserie handelt von BoJack Horseman. Einem Pferd, das in den 90ern die Hauptrolle in einer berühmten Sitcom hatte. Jetzt ist BoJack ein abgehalfterter (hihi), reicher, erfolgloser, arroganter Schauspieler, der säuft, Drogen nimmt, vögelt, lügt und seinen Zynismus verbreitet. Um wieder etwas Erfolg zu haben, will er eine Biografie schreiben und scheitert natürlich dabei. Seine Assistentin/zeitweise Partnerin vermittelt ihm einen Ghostwriter.
    Ich liebe diese Serie! Sie ist von Anfang witzig (gecatcht wurde ich am Ende der dritten Episode) und wird mit der Zeit immer dramatischer und emotionaler. Sie ist böse, anarchisch, zynisch und eine konsequente Kritik an Hollywood; BoJack stiehlt zum Beispiel das große D aus dem berühmten, riesigen HOLLYWOOD-Schriftzug - danach heißt es immer nur noch Hollywoo. Dass die Tiere sich wie Menschen verhalten, die anthropomorphe Welt (man denke da an Brian von Family Guy), bietet nicht nur eine gute Vorlage für einige Gags, sondern lädt einen auch dazu ein, immer wieder den Hintergrund im Auge zu behalten (Vögel im Anzug gehen ganz normal ihren Geschäften und fliegen plötzlich davon, wenn sie erschreckt werden etc.).
    Als Netflix-Produktion ist die Serie zum binge-watchen ausgelegt, deswegen würde ich jedem, der nicht sofort damit warm wird, zum weiterschauen raten. Ab der zweiten Staffel wird die Serie noch eine Ecke besser und als nach dem grandiosen Finale der vierten Staffel plötzlich keine neuen Folgen mehr kamen, war ich erschüttert - eine der wenigen Serien, die ich am liebsten direkt wieder von vorne anfangen würde.
    Für Fans, die von Family Guy die Schnauze voll haben oder dort richtige emotionale Höhepunkte vermissen.


    Zuletzt habe ich auch noch Prison Break gesehen, aber da dass keine Eigenproduktion ist, werde ich darüber beizeiten im richtigen Serien-Thread erzählen.


    Im Moment stehen Doctor Who (Staffeln 5 bis 9 der aktuellen Serie), House of Cards, Fargo, Misfits, Orange Is The New Black, Bates Motel (ist an Alfred Hitchcocks Klassiker Psycho angelehnt), Master of None, Santa Clarita Diet, Sense8, FRIENDS, Dark und Everythings Sucks und diverse Dokus und historische Serien wie Marco Polo auf meiner to-watch-Liste.

    Wenn ihr weitere Empfehlungen habt, immer her damit :thumbsup: