Ich habe mich immer gefragt, wie es sein kann, dass manche (wenige) Menschen im Alter von 15 oder 16 Jahren schon so viel geblickt haben, wie die Welt funktioniert, und so viel kluge Gedanken und kreatives Potenzial haben und sich mit ihrem Dasein und ihrem Umfeld auseinandersetzen...
und dann schaust du dir einen typischen Durchschnitts-Teenager in dem Alter an, und er wirkt halt so dermaßen hohl im Vergleich dazu, so stupide, so desinteressiert und eindimensional.
Also ich rede nicht davon, dass jemand halt bisschen klüger ist als der andere, sondern von so krassen Unterschieden, dass man schon eher denkt, es handele sich um eine andere Spezies. Wie wenn man vielleicht die intellektuellen oder empathischen Fähigkeiten eines Hamsters mit denen von einem Delphin vergleicht oder so.
Da ist dann natürlich die Frage, wie das sein kann. Natürlich kann man es alles auch naturwissenschaftlich erklären, mit irgendwelchen Synapsen im Gehirn, die vielleicht bei den einen Menschen besser vernetzt sind als bei den anderen.
Aber eine andere mögliche Erklärung ist sicher auch, dass diese reiferen Menschen im Unterbewusstsein Zugriff auf einen Erfahrungsschatz oder Wissen haben, das aus einem anderen Leben oder einer anderen Dimension stammt.
Dass diese "alten Seelen" dann eher etwas finsterer drauf sind und genervt sind von ihrer Existenz, anstatt lichtdurchflutete, gütige und erleuchtete Buddhas zu sein, ist so eine Idee, die mir dann eben für meinen Roman "Reinkarnator" gekommen ist, weil ich nunmal diese Beobachtung so gemacht habe im Lauf meines Lebens, dass meistens nur die Dummen oder Unwissenden im Einklang mit sich leben, während die reiferen Geister oft verzweifeln an sich und dem Zustand der Welt.
In der Hinsicht würde sich meine Definition von alten Seelen dann auch etwas von der herkömmlichen esoterischen bzw. buddhistischen Sichtweise unterscheiden.
Gerade deshalb fand ich den Gedanken für meinen Roman aber auch so reizvoll... Was, wenn wir zwar reifen und im Lauf vieler Leben Unmengen an Erfahrung sammeln können, aber alles am Ende trotzdem keinen Sinn hat bzw. kein Ausweg existiert, wie ihn die Religionen oder Esoteriker versprechen?
Ob es tatsächlich so ist, weiß ich nicht. Ich sehe eben, dass ich bin, wie ich bin, obwohl ich in einem ziemlich normalen Umfeld aufgewachsen bin, keine besonders klugen Lehrmeister hatte oder Eltern, die mich zum Hinterfragen der Dinge erzogen hätten.
Es ist einfach so in mir drin gewesen... und eine gute Erklärung dafür finde ich schon, dass man viele Situationen in zahllosen früheren Leben schon so oft durchlebt hat, dass man sich irgendwann instinktiv daran erinnert und sich nichts mehr vormachen lässt.