Ich kann nicht behaupten, dass ich mich in diese Philosophie arg tief eingelesen hab, die idee habe ich aber erfasst und das reicht eigentlich immer, um die daraus folgenden Schlüsse nachvollziehen zu können. Lange bevor ich auf den Begriff gestossen bin, ist mir aber die Tendenz der Leute aufgefallen, alles als "relativ und bloße geschmacksfrage abzutun".
Es ist ja nicht das erste mal, dass die blöde masse gescheite Dinge, die von klugen köpfen auserkoren wurden, auf eine dümmliche Sicht reduzieren und damit aufs Maul fallen. Aus "Der Mensch hat eine subjektive Sichtweise" und "seine Wahrnehmung wird durch seine Gesinnung und Meinung beeinflusst" wird [1]: "Es gibt keine objektive Realität" - zumindest und auf jeden Fall dann nicht, wenn mir die valide Sichtweise meines Gegenübers nicht in den Kram passt. Das schließt ja dann direkt an Schopenhauers eristische Dialektik an, die auch einige Leute als den Stein der Weisen erachten, obwohl Schopenhauer darin nur die dümmliche Argumentationsweise dokumentiert hat, was ihn an seinen Mitmenschen ankotzt. Ein weiteres Beispiel, wie die breite Masse valide Dinge in ihr Gegenteil verdreht.
Ja das stimmt natürlich, dass man im Diskurs seine Sichtweisen verfeinern oder auch mal korrigieren sollte. Nur sich von Leuten widerlegen zu lassen, die z.b. mit solchen Fehlschlüssen [1] "argumentieren" ist ja wohl aber auch nicht im Sinne eines radikalen Konstruktivisten - oder wenn Leute immer wenn sie an den Punkt der kognitiven dissonanz kommen beleidigen und dummschwätzen, so wie der @Unmensch das gerne betreibt.
Dagegen ist diese Verdrehung der idee des radikalen Konstruktivismus ja noch fast als intellektuell zu bezeichnen...
In dem Fall verwehre ich mich also gerne einer Einsicht in diese verkehrte Welt. Obwohl ich schon einiges an Energie dafür vergeudet hab, diese Leute bei sowas nachzuvollziehen. Es ist einfach verkehrt. Das ist das passendste Wort das ich dazu kenne - da gibt es keine Logik, die einen dazu treibt.
Aber eine konkrete Frage an dich, _604_ , wenn du dich schon damit auskennst: Für was steht noch der Begriff "Radikal" an der Stelle?
Ich vermute, dass ich Dich entweder einfach falsch verstehe, oder Du tatsächlich eine Kausalität siehst, wo keine ist.
Die Leute verhalten sich so, als hätten sie sich mit radikalem Konstruktivismus auseinandergesetzt und würden diesen jetzt Missbrauchen, um eine generelle absolute Beliebigkeit in jeglicher Hinsicht zu "argumentieren". Du beobachtest das lange Zeit, bis Du irgenwann über den Begriff des "radikalen Konstruktivismus" stolperst und diese Parallele siehst, dass die Leute Ideen, mit denen sich _auch_ die Philosophie des radikalen Konstruktivismus auseinandersetzt, missbrauchen. Also es gibt 2 oder 3 Ideen/Perspektiven/Grundannahmen/Grundanschauen, derer sich sowohl die Philosophie als auch Leute, die sich argumentativ in eine Beliebigkeit flüchten, bedienen. Beide sind und machen aber in Wirklichkeit etwas völlig anderes. Und beide haben tatsächlich direkt nichts miteinander zu tun, außer dass sie sich einiger weniger, gleicher oder ähnlicher Konzepte bedienen.
Du sprichst von der Art, wie Unmensch kommuniziert. Aber indem er inhaltlich ja fast nie auf irgendetwas, oder wenn dann nur auf "eine Fußnote" und wenn auf die Fußnote, dann nicht bis in letzter Konsequenz, sondern bis er sich eben in der Auseinandersetzung mit diesem Sub-Thema von der inhaltlichen wieder auf irgendeine Art von persönlicher Ebene zurückzieht, kommt es ja überhaupt nie dazu, dass er etwas widerlegt. Es kann ja auch gar nicht dazu kommen, schließlich muss man sich zuerst einmal weitestgehend darüber einig werden, dass man einander versteht und tatsächlich "vom gleichen" spricht, damit in weiterer Konsequenz einer den anderen in irgendeinem Punkt widerlegen kann.
"Radikal" bedeutet einfach "an der Wurzel", also am möglichst Grundlegenden überhaupt ansetzend. Im radikalen Konstruktivismus ist das einfach "die Tatsache", dass wir sämtliche Wahrnehmung ausschließlich in unserem eigenen Bewusstsei verorten können. Wenn tatsächlich niemand ausschließen kann, dass er vielleicht nicht mehr als ein Gehirn in einem Gurkenglas ist, das elektrisch stimuliert wird, mit welcher Begründung sollte man diesen Umstand dann einfach ignorieren können und behaupten "Nein, nein, wir können über "da draußen" natürlich Dinge wissen und zweifelsfrei feststellen."