Ich versuchs nochmal anders. Warum ich auf diese Thematik wieder aufmerksam geworden bin liegt auch daran, dass wir jetzt ein Jahr Mitglied bei einer lokalen Solawi waren. Kennt ihr die? Unsere hat einen sehr kollektiv anarchistischen Ansatz. Aber mit einem doch kulturellen kommunistischen Touch, wie ich finde.
Mit eben einer starken Betonung auf der Gleichheit.
Alles basiert auf einer kompletten Freiwilligkeit.
Seid ihr in irgendwelchen Gruppen Organisationen, die so funktionieren oder Erfahrung damit?
Folgende Problematiken haben sich da für mich herauskristallisiert:
Einige wenige stecken sehr viel Energie in die Gruppe, die meisten eher nicht.
Es gibt eben ein paar Idealisten und das Hofteam. Diese sind die Gründer und haben einen zentralen Charakter.
Es soll jeder immer den gleichen Anteil an Gemüse geben. Aber irgendwie bleibt bei der Verteilung dann was übrig oder ist schon weg wenn die letzten kommen.
Die Gruppe hat eine notwendige Menge an Ackertagen beschlossen. 4 pro Jahr pro Anteil.
In der Praxis werden, die aber scheinbar nicht erreicht.
Alle finden aber die Ackertage ganz toll und schwärmen davon wie schön das auf dem Acker ist.
Mir macht das keinen Spaß, aber ich weiß das es notwendig ist und deshalb tat ich es. Mehr als die 4x pro Jahr.
Es gibt gewisse AG's leider laufen einige sehr schleppend.
Es gibt auch immer Problem die Mitgliedsbeiträge zusammen zu bringen. Anonyme Bietrunden.
Es sind alles Menschen die sich von der Grundhaltung als sehr sozial und solidarisch ansehen.
Wieso passiert das?
Es sind eben nicht alle Gleich. Viele gehen nebenher einem Beruf nach, studieren, ...
Meines Erachtens würde dieser Struktur etwas mehr kapitalistische Denkweise gut tun,
Es wäre sinnvoller das Ganze individueller zu gestalten. Nach dem Prinzip, wer nicht auf den Acker will, macht etwas anderes oder zahlt halt einfach mehr.
Oder wenn ich viel mache, darf ich mir auch etwas mehr Gemüse nehmen.
Aber das sind kapitalistische Gedanken und das wollen die nicht.
Durch die Intransparenz in der Gruppe kann sich jeder auf seiner Anonymität ausruhen.
Es entstehen zu wenig Verbindlichkeiten und Verantwortung.
Wobei es wirklich erstaunlich ist wie gut es funktioniert.
Ich fände eben einen Touch in die Richtung, wie es z.b. der Semmler umgesetzt hat, also echte Transparenz sinnvoller. Dadurch entsteht aber mehr Bürokratie aber eben auch Ordnung und Kontrolle/Regulierung.
Den persönlichen Chef kann man eben durch Transparenz ersetzen. Die Kultur in der Gruppe entscheidet ob daraus Mobbing entstehen kann.
Die Gefahr sehe ich aber bei diesen Menschen überhaupt nicht.
Arbeit die keinen Spaß machen sollte besonders gut entlohnt werden. Das Problem die gibt es. Wie will man das antikapitalistisch lösen? Wer opfert sich hier freiwillig, wie viele denkt ihr tun das?
Der anfängliche Idealismus ist oft schnell verflogen und man findet immer gute ausreden...gerade in der Unpersönlichkeit
In der Praxis, nach meiner Erfahrung, echt verdammt wenige. Denn jeder ist sich selbst halt mal der Nächste. Asozial verhalten sich oft Menschen die das nicht sehen können oder in einen langfristigeren und tieferen Kontext zu setzen.
Ich denke genau in der Mitte zwischen Kollektiv und Individuum liegt das Lebensglück.