Beiträge von Madhias

    Nur kurz hierzu, da wir doch wiedermal ins off topic abgestürzt sind ;)

    Ich habe anarchistische Projekte kennengelernt und auch einige Wochen in diesen verbracht, sodass ich eindeutig eher die positiven Seiten hervorheben kann, auch wenn solche Projekte natürlich auch an den menschlichen Problemen teilweise scheitern. Das würde ich auch nicht als grundlegendes Problem sehen, menschliche Beziehungen sind eben nicht immer für die Ewigkeit gemacht, vor allem in Bezug auf Gruppen.

    Ein Problem, das des Öfteren entsteht, ist - und hier bin ich mal ganz politisch inkorrekt - der 'Assi-Faktor' bzw die Tendenz, dass sich kaputte (Verlierer-)Typen in alternativen Räumen aufgehoben fühlen und dort dann ihre destruktive Energie ausleben. Ich denke, hierauf müsste besonders geachtet werden, auch bei aller Sympathie für die 'Außenseiter der Gesellschaft'.

    Ich persönlich bin wohl noch zu sehr Einzelgänger, als dass ich mich in einer Gemeinschaft aufgehoben fühlen könnte. Zeitweise, unverbindlich, als Supporter, klar, aber etwas in mir treibt mich einfach weg von anderen Menschen (mit Ausnahme des Menschen, mit dem ich eine Beziehung führe, auch wenn das widersprüchlich klingen mag). Als Nutznießer, na ja, eher auf einer Ebene des Gebens und Nehmens finde ich solche Projekte super, gerade was Selbstversorgung, Lebensmittel etc. angeht. Oder auch als zeitweise Retreats/Rückzugsorte. Gerade letzteres sollte es vielmehr geben in diesen Zeiten, Orte in der Natur, an denen man Zuflucht finden kann. Insofern wäre es vllt eine Idee, solche Projekte teilweise für 'Roamer' offenzuhalten, die sich dann eben in einer Art und Weise beteiligen bzw zum Erhalt dieser Orte beitragen.

    Die "Assi" Problematik ist mir durchaus bekannt, daher auch meine "pro Eigentum" Einstellung, eine klassische Kommune will ich persönlich nicht, aber man könnte eine solche integrieren. Erstmal wäre eher der Gedanke mit einer relativ kleinen Kerntruppe zu starten. Ich habe das auch bei einer lokalen anarcho-Solawi Gruppe erlebt. Allerdings war das bei denen kein Assi Problem, sondern eher organisatorischer Natur, es hat ganz deutlich an klaren Regeln gefehlt und der individuellen Anpassung von diesen. Auf die unterschiedlichen Bedürfnisse wurde nicht so recht eingegangen. Es war zwar alles freiwillig, aber irgendwie auch nicht. Es gab dann ein paar Wenige auf deren Schultern es ausgetragen wurde.
    Ich bin aber ehrlich gesagt bzgl. eines Gruppenprojektes auch immer etwas hin und hergerissen, da ich sehr gerne Zeit mit mir allein oder mit wenigen anderen Menschen verbringe. Ich brauch auf jeden Fall meinen Rückzugsort und Leute, die das auch respektieren können.
    Aber umso weiter man aufs Land geht, umso wichtiger werden Menschen. Auch im Alter wird das immer wichtiger.
    Ich bin aber davon überzeugt, dass sich das irgendwie zusammenbringen lässt.
    Was ich mir gut vorstellen kann, wäre so eine Art Übernahme einer verlassenen Gemeinde.
    Nach außen bleibt man im System drin, es gibt vielleicht einen Gemeinschaftsplatz/Haus/Werkstatt/etc., aber ansonsten hat jeder sein Haus, Häuschen oder Bauwagen.
    Darüber hinaus kann man dann verschiedenste Gemeinschaftsprojekte starten, ein sanfter Übergang.

    Bei der sportlichen Tätigkeit selbst, oder nur wenn man sich in der Halle aufhält? Ich kenne das so von Kampfsportgyms, dass die Maske natürlich zum Training auf der Matte abgenommen wird. Ist auch wohl kaum gesund, bei körperlicher Anstrengung mit nem Lappen im Gesicht rumzulaufen.

    Ja das kenne ich auch vom Yoga, was natürlich kompletter Quatsch ist, wenn man dann zusammen im Gruppenraum ist. Ich glaube in der Praxis gehen sie dann raus wenn es geht. Aber die Regelung sieht vor beim Sport in der Halle Maske zu tragen.

    Da braucht es in einer Kommune sicher nicht nur eine gemeinsame Philosophie, sondern auch eine gute, konstruktive Streitkultur. Und ich bin mir nicht sicher, ob menschliche Wesen zu sowas überhaupt in der Lage sind. :D

    Eine Fehlerkultur ist auch wichtig, ja es ist eine Frage der Kultur, ob sowas klappt oder nicht. Ein Paradies wird man nicht schaffen können, aber nichts weniger sollte das Ziel sein, sonst wären wir ja auch keine Anarchisten. Besser als die aktuelle Art zu leben kann es auf alle Fälle werden. In der Vorstellung sind die Sachen dann meistens immer besser, aber ich mache mir dahingehend auch keine Illusion. Für mich ist das der einzige vernünftige Weg raus, sich selbständig zu machen und vorleben.

    Mein Traum ist es, die 2te Hälfte meines Lebens einem weitgehend selbstversorgendem Wohnprojekt zu widmen.

    Ich kenne viele Menschen, welche mit einer anarchistischen Lebensweise liebäugeln, aber nur sehr wenige welche bereit sind diesen Schritt mit all seinen Risiken zu gehen.

    Ich habe mein letztes Vertrauen in den Staat und die Gesellschaft verloren, die Coronakrise hat dies in einer unerträglichen Weise extremiert, bietet aber vielleicht auch Chancen.

    Für mich wäre es Horror irgendwann in ein Heim oder ähnliches abgeschoben zu werden oder weiter in diesem Hamsterrad gefangen zu bleiben.

    Der Staat bietet mir nicht die Lebensqualität und die Sicherheit, welche ich suche.

    Mir ist vollkommen bewusst, dass dies kein einfacher Weg ist, welcher vermutlich mit vielen Hindernissen und Problemen verbunden ist.

    Die größte Problematik sehe ich in zwischenmenschlichen Konflikten und der Wechselwirkung mit dem Staat, viele nennen nicht die nötige Reife ihr eigen und sind wahrscheinlich nicht fähig zu einer anarchistischen Lebensweise.

    Mir geht es dabei nicht darum die Welt zu retten, sondern meine Motivation ist rein egoistisch.

    Ich träume davon für mich und meine Nächsten eine Kultur, eine Gemeinschaft aufzubauen welche ein menschenwürdiges Leben ermöglicht, welches auf Liebe, Freiheit und Vertrauen basiert.

    Diese Projekt soll keine klassische Commune werden.

    Eigentum lehne ich nicht ab, Eigentum zu verschenken oder zinsfrei zu verleihen befürworte ich stark. Soziales und solidarisches Verhalten soll nicht erzwungen werden sondern freiwillig sein.

    Asoziales Verhalten und Ausbeutung lehne ich ab.

    Das gilt also auch für Menschen, welche sich einen schönen Lenz, auf den Kosten von anderen machen wollen.

    Das ganze soll aber einen offenen Charakter haben, hier gilt es die richtige Balance zu finden.

    Ich konnte schon einige Projekte beobachten, war Teil davon und habe, wie ich meine viele grundlegende Probleme erkannt.

    Gerad die Organisation hatte oft einen chaotischen Charakter. Ich mag schöpferisches Chaos, destruktives Chaos lehne ich weitgehend ab.

    Die Organisation könnte ich mir gut mit Techniken aus der agilen Softwarentwicklung vorstellen.

    Technik im allgemeinen befürwortet ich stark, ich möchte nicht in die Steinzeit zurück.

    Automatisierung befürworte ich stark, denn Arbeit die keiner machen will ist Scheiße.

    Ich möchte das Rad nicht neu erfinden sondern einen Luxusschlitten bauen.

    Mit Luxus meine ich aber keinen materiellen Reichtum sondern Lebensqualität, dazu gehören aber auch für viele Menschen materielle Dinge.

    Die Selbstversorgung soll nicht den Charakter einer Selbstkasteiung bekommen.

    Das Projekt soll im deutschsprachigen Raum bleiben, mein persönlicher Favorit wäre Mecklenburg, da ich die Seenplatte liebe. Inzwischen weiß ich aber, dass Menschen wichtiger als der Ort sind.

    Ich habe dazu auch schon einige Gespräche geführt, folgende Problematiken haben sich herausgestellt:

    • Bedürfnisse müssen auf einen Nenner gebracht werden, vor allem die örtliche Lage hat sich als Problem herausgestellt. Viele sind nicht bereit, ihre "Heimat"/lokalen Freundeskreis zu verlassen.
    • Es muss eine gute Lösung gefunden werden bzgl. Ein- und Ausstieg. Hier sehe ich nur den Weg über Eigentum. Die Kombination aus privatem und gemeinschaftlichen Eigentum befürworte ich. Gemeinschaftliches Eigentum wäre über Anteile(Aktien) denkbar, aber echtes Gemeinschaftseigentum wäre auch schön, basierend auf Schenkung, welches dann in der Gruppe bleibt, wenn jemand aussteigt.

    Es müssen also Leitsätze und Regeln gefunden werde, eine Philosophie welche weitgehend geteilt wird.

    Es soll ein Projekt sein in welchem Menschen mit unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen Platz finden. Geld wird aber erst einmal notwendig sein.

    Selbstverständlich darf Diskriminierung keinen Platz finden.

    Das Ganze soll generationenübergreifend werden und auch Möglichkeiten fürs Alter bieten.

    Ältere Menschen in der Regel mit etwas mehr Eigenkapital unterstützen jüngere Menschen. Jüngere Menschen sollten sich dann im Gegenzug um ältere Menschen kümmern, na wie das halt so ist.

    Den Weg in die Praxis sehe ich darüber Menschen zu finden die darauf Bock haben und als ersten Schritt Bedürfnisse zu sammeln, um einen gemeinsamen Nenner zu finden.

    3 Komponenten haben sich für mich herauskristallisiert. Ein gemeinsames Ziel, welches durch die beiden Pfeiler Haltung und Bedürfnisse getragen wird.

    Die DNA einer Gemeinschaft, hier gilt es die Balance zu finden.


    Destination Needs Attitude

    Ich kann nicht sagen ob das nur ein unverbindlicher Traum bleibt, aber vielleicht gibt es hier Menschen, welche generell an einem solchen Projekt interessiert sind, Erfahrungen gesammelt haben oder Gedanken dazu äußern möchten.
    (:

    Ja, wobei natürlich noch ein Gefälle zwischen West und Ost besteht. Aber der völlige Mangel an Selbstreflexion scheint leider recht durchgängig vorhanden zu sein.

    Ich sehe das als generelles Problem und nicht als spezifisches. Da brauch ich nur in den Spiegel schauen und weiß was Sache ist.