Ich sehe natürlich das Problem, und wieso es beispielsweise asiatische Menschen stören könnte, wenn sie auf so eine Weise lächelich gemacht welden. Generell ist das auch nicht unbedingt meine Art von Humor, wenn bis zum geht nicht mehr auf irgendwelchen Klischees rumgeritten wird. (Frauen können nicht Auto fahren, Polen klauen alles, etc. Laaaangweilig!)
Das ist eigentlich bis zu einem gewissen Punkt schon auch mein Humor, weil ich halt auch mit sowas aufgewachsen bin. Aber da ändert sich eben der allgemeinere Geschmack, vor allem wenn das einfach unreflektiert gemacht wird. Bei dem Sonneborn-Beispiel ging's ja um Trump, und ein Schlitzaugen-Witz war halt das Vehikel bzw. die Zutat. Dasselbe hätte man auch ohne so ein Ding hinbekommen.
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Aber wenn wir in Zukunft jeden Humor kritisch betrachten, der sich in irgendeiner Form über andere Menschen (oder gar über Minderheiten) lustig macht, dann gibt es in Zukunft halt eben nur noch halb so viel zu lachen auf der Welt, das sollte einem schon auch klar sein. Denn streng genommen gehen dann auch keine Ostfriesen-Witze mehr, keine Schotten-Witze, keine Witze über Frauen oder Männer, und natürlich schon gar keine Comedy mit irgendwelchen tollpatschigen Dicken, tuntigen Schwulen oder ungevögelten Nerds. Und wenn ich einen Witz erzähle über Hypochonder beim Arzt, können sich theoretisch auch Menschen davon verletzt fühlen, die an solchen psychischen Problemen leiden und für die das alles andere als witzig ist.
Also ich würde sagen, dass es da verschiedene Ebenen gibt. Einmal, ob man sich als Mehrheit über eine Minderheit mittels rassistischer/sexistischer/honosexueller, etc. Stereotype lustig macht, oder ob man nur auf Eigenheiten bzw. Konstrukte eingeht. Also z.B. Ostfriesenwitze. Ostfriesen werden jetzt nicht rassistisch herabgewürdigt. Polenwitze bestärken natürlich Ressentiments und sind daher auch doof, aber nicht ganz auf dem gleichen Level wie rassistische Klischees (zumindest wäre das mein Gefühl - aus deutscher Perspektive ist's natürlich eigentlich immer scheiße, sich über Polen lustig zu machen).
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Kaum zu glauben, dass Otto tatsächlich mal witzig war...
Aber das mit dem Neger ist wirklich ein Klassiker, das geht schon Richtung Monty Python, und die Szene bezieht ihren Witz auch gar nicht daraus, dass man sich über Schwarze lustig macht, sondern weil es eben so herrlich politisch inkorrekt ist, und weil das natürlich auch damals schon politisch inkorrekt war, einen Schwarzen "Bimbo" zu nennen und als Sklaven anzubieten. Das haben wir auch damals als Kinder schon geblickt, dass das ein bisschen provokant ist, was der Otto da macht. Gerade dadurch wurde es so witzig, genau wie man beispielsweise auch alles witzig fand damals, was irgendwie sexuelle Tabus betrifft, in irgendeiner Form "versaut" war oder was mit Schwulen zu tun hatte. Ich sag nur: "Police Academy, Blue Oyster Bar..."
Ach ja, die 80er... *seufz*
Provokation und sich über Tabus lustig machen, war schon immer ein wichtiger Teil des Humors, und wenn es in der heutigen Zeit zu einem Tabu wird, bestimmte Dinge auszusprechen, ist es völlig klar, was Humor und Satire in Zukunft zu tun haben.
Dies wird natürlich die eine oder andere erbitterte Auseinandersetzung nach sich ziehen... aber da müssen sich Gegner dieses Humors dann eben auch die Frage stellen lassen, wenn sie auf Humor so verbissen reagieren, ob sie dann wirklich so sehr anders sind als irgendwelche religiösen Hardliner, die auch keinen Spaß verstehen, sobald es um Werte geht, die ihnen heilig sind.
Also meine Meinung dazu ist klar: Kunst und Satire müssen alles dürfen. Ob man das dann auch gut findet und beklatschen möchte, bleibt ja jedem selber überlassen. Es wird ja auch kein Moslem dazu gezwungen, Charlie Hebdo zu abonnieren. Zivilisierte Menschen können solche Dinge auch einfach ignorieren, wenn es ihnen gegen den Strich geht.
Vielleicht macht es Sinn, wenn man die Entwicklung so versteht, dass es einen Zeitpunkt gibt, wo man Sachen auf die Schippe nimmt, indem man sie reproduziert, und der nächste Punkt ist dann, dass man so weit von der überwundenen Geschichte entfernt ist, dass man auch keine Referenzen in Witzen mehr darauf hören will.
Schwulenwitze gerade in 80er Filmen wären da ein gutes Beispiel. Denk man an die Bootszene in Lethal Weapon 3 als Murtaugh zusammenbricht, nachdem er den Kumpel seines Sohnes erschossen. Da versichern sich doch Riggs und Murtaugh doch dann auch gleich, dass sie ganz bestimmt nicht schwul sind. Das wirkt halt heute total dämlich, weil Schwulsein inzwischen sehr viel normaler und die Gesellschaft weniger verklemmt ist.
Oder auch die ziemlich dämliche Verasche der Psychologin durch Riggs, die sich durch alle Filme zieht.
Humor kann halt sowohl aufklärerisch sein als auch Leute runtermachen und den Status quo festigen und Vorurteile weitertragen.
Nun, ich als konservativer, alter weißer Hetero-Mann, der zu Uni-Zeiten, wie du weißt, mehr Jünger und Heidegger als Marx und Brecht gelesen hat, kann ohnehin auf Kunst mit erzieherischem Charakter verzichten
Aber ich verstehe gut, wieso das für viele andere wichtig ist. 'Die Partei' ist auch ein Vehikel, um bestimmte Inhalte zu transportieren. Dass (dir) das nicht so offen auffällt, ist gut und Teil des Plans
Na ja, Sonneborn ist da ja eher in ein Fettnäpfchen getreten. Der Plan war ja wohl kaum, Semsrott loszuwerden ;-). Und Heidegger und Jünger haben dich schon recht gut erzogen. Das hast du nicht bemerkt ;-).
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Wenn dir der Begriff 'PC' nicht gefällt, dann nutze einen anderen. Es geht schlicht um Sprachhygiene bzw. darum, ob man überhaupt noch Witze machen darf oder sollte, die irgendjemanden verletzen. Wenn du diese Frage verneinst, bist du auch schnell wieder beim Gotteslästerungsparagraphen. Was ist mit Charlie Hebdo bzw. Mohammed-Karikaturen im Allgemeinen? Ich denke, was die Verletzung religiöser Gefühle angeht, bist du vermutlich etwas flexibler.
Wie ich oben schon versucht habe, anzudeuten, geht's weniger um Gefühle, sondern was man als Vehikel benutzt. Rassistisches besser nicht, würde ich sagen. Vor allem nicht Zeug, was Leute, die damit zu kämpfen haben, oft in einem nicht lustigen Kontext zu hören kriegen. Und 'asiatische Sprachfehler' gehören da schon zu.
Bei religiösen Kram ist meine Position, dass man die durchaus loswerden kann. Die gehört nicht irgendwie zu Identität bzw. sollte das nicht. Obwohl mir natürlich klar ist, dass Rassismus da inzwischen schon reinspielt, indem man eben alle Araber zu Muslimen erklärt und so als zur eigenen Gruppe nicht zugehörig erklärt. Das sollte man da schon mitdenken.
Meine Position ist definitiv nicht, dass nur weil irgendwer einen Witz nicht geil findet, der nicht gemacht werden sollte. Da gehört schon mehr dazu. Das Beispiel von Lisa Eckhart illustriert das doch ganz gut. Da geht's halt darum, dass rassistische/antisemitische Klischees reproduziert werden, um einen Gag zu machen. Wenn man nicht rassistisch/antisemitisch sein will, sollte man das vielleicht nicht tun.
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'Konservative Abwehrreflexe' mag ich haben, ich würde aber eher sagen, dass ich vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen bestimmte Entwicklungen hin zur Erhöhung von Befindlichkeiten kritisch sehe, wie auch im Falle des 'Critical Whiteness'-Konstrukts. Wir sind dahin gekommen, dass in einigen Zusammenhängen Gruppen von Blockwarten auf die falschen Feindbilder einprügeln. Das Resultat ist noch mehr Spaltung und die Kultivierung von sprachlich gereinigten Wohlfühlblasen. Man muss die überspitzte Darstellung der Problematik nicht teilen, aber die Kritik an 'Identity Politics' würde ich schon ernst nehmen. Ich will nicht verschiedene Anliegen gegeneinander ausspielen, aber wenn der Eindruck entsteht, dass sich Linke nur noch auf Minderheitenanliegen fokussieren, dann ist das ein großes Problem.
Wenn man den Klassenkampf und Solidarität darüber vergisst, dann natürlich. Und generell finde ich persönlich, dass man versuchen sollte, Minderheiten mentalitätsmäßig eher in 'weiße (alte) Männer' zu verwandeln bzw. ihnen die Privilegien zu verschaffen, die die auch haben. Ob und wie das funktionieren kann, weiß ich natürlich nicht, aber das Ziel sollte schon eher in dieser Richtung liegen.