Beiträge von Calgmoth

    In welchem tema war nochmal das mit dem sonneborn-bashing? Mit der verarsche von angeblichen sprachfehlern von chinesen? Und dass mit der cancel culture?

    Sollte man sich von 15 jährigen pc-aposteln zurechtweisen lassen wenn man eine frau 'fotze' nennt oder ist es jetzt richtiger sagen zu dürfen "wo bleibt dein selbstanerzogener feminismus- du FOTZE!?!"

    Wer satire nicht versteht sollte nach hause gehen aber nicht alleine damit gelassen werden!

    Hier sitzt du, glaube ich, einem Irrtum auf. Ist doch auch ganz üblich, dass in der Rap-Szene Schwarze selbstermächtigend das N-Wort benutzen. Da wird schon ein Unterschied gemacht. Analog ist das auch mit beleidigenden Begriffen in anderen Szenen.

    Kurz zur Ausgangsfrage:

    Der Aufhänger in der Rant des Moderators war der Vergleich der Band mit einem Virus, für das man auch einen Impfstoff erfinden müsste. Das passt sehr stark zusammen mit dem Corona-bedingten Rassismus, den Asiaten seit Beginn der Pandemie überall erleben. Und das ist echt heftig, wenn ihr mal Erfahrungsberichte checkt - Leute wurden vermehrt angespuckt, Masken wurden vom Gesicht gerissen, Leute haben sich (gerade in der Frühzeit) vermehrt weggesetzt, unterstellt, dass asiatisch aussehende Leute Corona haben usw.

    Wir wissen jetzt nicht, ob der Vogel bewusst darauf angespielt hat, aber es könnte sein ... ich würde aber in jedem Fall sagen, dass der Vergleich einer populären Boygroup mit einem Virus durchaus gerechtfertigt sein kann - die können ja Scharen von Anhängern generieren, Memes (auch asiatische) gehen viral usw.

    Der Blacklash in dem Zusammenhang ist wohl die Gemengelage zwischen Anhängern der Band und der (gerechtfertigten) Interpretation des Virus-Vergleichs als rassistisches Stereotyp.

    Dass man sich darüber aber besonders aufregen sollte/müsste erschließt sich mir eher nicht. Die Solidarität mit reichen, kleinen Pissern sollte generell eher nicht Priorität haben ;-).

    Naja, die Diskussion hatten wir ja schon mit Calgmoth an anderer Stelle.

    Für mich ist Rassismus etwas, was überall vorkommt, in allen Kulturen und allen Nationen, und was erstmal nichts mit Weiß oder Nicht-weiß-sein zu tun hat.

    Als in Ruanda die Hutus die Tutsis abmassakriert haben, war das auch Rassismus. Und die waren beide so schwarz wie man nur sein kann. Auf dem Balkan sind die Leute extrem rassistisch gegen ihre (eigentlich ziemlich ähnlich aussehenden) Nachbarn. In Japan gibt es Rassismus gegen Koreaner, und umgekehrt genauso.

    Ich fand das auch völlig lächerlich. Das Corona-Virus kommt nunmal (vermutlich) aus Asien. Und wenn noch was anderes ansteckendes, ekliges aus Asien kommt wie diese geklonten Boygroup-Schleimbolzen, dann kann man das ja auch mal miteinander in Verbindung bringen, ohne dass es deshalb gleich was mit Rassismus zu tun hat.

    Vielleicht sollte man den Begriff "Rassismus" auch nicht so überstrapazieren, wie es derzeit in unserer Gesellschaft gemacht wird.

    Da gibt's halt diverse Ebenen - verschiedene rassistische Ideologien gehen von bestimmten 'Rassen' aus, aber rassistische Diskriminierung braucht das nicht wirklich. Du musst nicht wirklich denken, dass Polacken Untermenschen sind oder einer anderen Rasse angehören, wenn du denen aus Prinzip keine Wohnung vermietest. Du diskriminierst sie dann aber trotzdem rassistisch.

    Und natürlich gilt das auch für alle 'unbewusste Reproduktion' von rassitischen Stereotypen. Wenn du dem Neger einfach so unterstellst, dass er gut tanzen kann, ohne groß drüber nachzudenken, ist das trotzdem Mist, auch wenn das jetzt gar nicht böse gemeint war.

    Und natürlich ist es jetzt global eben mitnichten so, dass es Rassismus überall in der Weise geben würde, dass die Einheimischen was gegen (scheinbar) 'Fremde' hätten. Weiße werden im Prinzip in Ländern mit nicht-weißer Mehrheitsbevölkerung nicht als Weiße diskriminiert. Das kommt einfach nicht vor. Im Gegenteil, die haben die weiße Überlegenheit ja so internalisiert, dass die echt Aufhellungscremes verwenden, ihre Haare glätten wollen usw. Und das betrifft, wie ich ja schon mal ausgeführt habe, nicht nur Schwarze sondern auch Araber (die Probleme mit ihren Nasen haben) und Asiaten. Weiße Menschen sind global mehr oder weniger der Standard für den Menschen an sich.

    Das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch Rassismen und rassistische Ideologien unter Nicht-Weißen gibt. Aber die müssten halt erstmal die Welt kolonisieren und ordentliche Genozide begehen und Leute in Massen versklaven und deportieren bevor die diese Ideen irgendwie als Mechanismen etablieren könnten, die dann auch noch einfach reproduziert werden.

    Übrigens wird auch Charlie Hebdo mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. Die Frage ist eben, ob diese Fokussierung auf Kunst nicht völlig verfehlt ist.


    Völlig verfehlt ganz bestimmt nicht. Denn ansonsten wäre ja Nazi-Humor vollkommen problemlos, nicht? Charlie Hebdo hab ich nie gelesen, aber nur weil man von Islamisten zusammengeschossen wird, heißt das nicht, dass man nur gute Satire macht. Und keiner hier ist ja irgendwo die Inquisition. Ich hatte ja nie gesagt, dass der olle Sonneborn seinen Kram nicht machen dürfen soll - nur, dass das was er macht, schon rassistisch ist. Und dass es halt problematisch sein kann, wenn man das in Satire unreflektiert reproduziert.

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    Dort, wo Rassismus tatsächlich ein großes Problem darstellt - in Institutionen, auf dem Wohnungsmarkt etc. - ist die Empörung um einiges leiser als im Falle irgendwelcher Verbalausfälle von prominenten Personen. Es sind eben einfache Feindbilder bzw Angriffsflächen.


    Die Presse stellt im Prinzip nie irgendwelche armen, benachteiligten Individuen ins Zentrum - sondern fokussiert sich auf Leute, die eine gewisse Prominenz/Bedeutung haben. Und deshalb wird halt auch über deren Fehler berichtet. Das macht doch jetzt keinen Sinn, das gegeneinander auszuspielen, als hätte das eine mit dem anderen irgendwas zu tun.

    Wieso man mit 'der Partei' Probleme haben kann, wird hier ja auch schön zusammengefasst:

    die-partei-nico-semsrott-rassismus-martin-sonneborn-kritikfaehigkeit-maennerpartei

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    Ganz zu schweigen von der unseligen Debatte um ''kulturelle Aneignung' , die wie ja bereits bei dem Critical-Whiteness-Thema angesprochen haben. Mit dem Kampf gegen strukturelle Ungleichheit hat dies nun wirklich nix mehr zu tun - im Gegenteil, hier werden 'kulturelle Identitäten' verteidigt, im Grunde wird also der Job der Nationalisten und Kulturrelativisten erledigt.


    Ab einem bestimmten Punkt kippt das wahrscheinlich in komisches Getue ab - aber z.B. die Tatsache, dass bestimmte Moden, Stilrichtungen, Musikrichtungen erst dann geil werden, wenn die weiße Mehrheit das toll findet, ist ja sowohl beim Jazz als auch beim Rap hinreichend dokumentiert. Die kapitalistische Verwertung ist da definitiv nicht farbenblind.

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    Mit Befindlichkeiten meine, dass der Begriff der Definitionsmacht problematisch verwendet wird. Natürlich sollte man zunächst mal Betroffenen zuhören, wenn es um Diskriminierung geht. Aber an Typen wie Erdogan oder türkischen Rechten generell merkt man eben auch schnell, wie der Vorwurf des Rassismus missbraucht wird.

    [/quote]Da, das ist doch die rechte Ecke. Denen sollte man generell nicht zuhören. Aber natürlich sind auch die Grauen Wölfe hier durchaus Rassismus ausgesetzt, gleichgültig, was sie selbst so tun.

    Was für mich klar nach Depression klingt, sind Formulierungen wie die markierten im Beitrag:

    Ich fühle mich in der letzten Zeit furchtbar und dieses Gefühl nimmt kein Ende mehr. Es fing bereits im Sommer an, allerdings noch begründet mit der Angst, wieder in die Schule zu gehen. Es war berechtigt und besserte sich mit der Zeit, aber seit ungefähr diesem Zeitpunkt wird es phasenweise, von Woche zu Woche schlimmer. Eigentlich konnte ich gut im Voraus erkennen, wenn es in den nächsten Tagen wieder bergab gehen würde, weil diese unergründliche Traurigkeit selten bei einer kurzen Zeit blieb. Mittlerweile jedoch hört es nicht mehr auf. Diese „Phasen” nehmen zu und scheinen sich deutlich weiter auszuprägen. Vielleicht war der Schulstress einige Male der Auslöser, aber nun erkenne ich keinen Zusammenhang mehr zu irgendetwas und kann es mir nicht mehr erklären. Etwas hat da den Schlussstrich gezogen.Ich habe niemanden im realen Leben mehr und kein sehr gutes familäres Umfeld, was mir bisher allerdings niemals Schwierigkeiten bereitet hat. Ich komme nicht mehr zurecht und da steht mir nur das Internet zur Verfügung. Es ist eine Mischung aus belastender Traurigkeit, Einsamkeit und lähmenden Angstzuständen, bzw. Panikgefühlen. Auch Schlafprobleme und Appetitlosigkeit sind ein Bestandteil, was alles zu deutlich verstärkten Derealisationen beiträgt. Es gibt Momente, in denen sich alles nur noch dreht, die Gedanken unerträglich werden, meine Wahrnehmung wie betäubt ist oder verblasst und jede Logik schwindet. Dieser Zustand führte bereits leider zu selbstverletzendem Verhalten und fühlt sich unbezwingbar an. Nur noch vereinzelnte Teile mancher Tage geben mir das Gefühl, stabil zu sein oder zu wissen, dass ich nicht gleich durchdrehe. Dieses Anders-Sein hat mir zu viel genommen und ich kann es nicht ändern, weil mir die Möglichkeiten fehlen und die Zugehörigkeit zu anderen in allen möglichen Bereichen fehlt. Gleichaltrige sind ausgeschlossen, Ältere haben eigene Vorurteile , bzw. die ihres Umfeldes, aber Erwachsene, die sich überhaupt darauf einlassen, einem Kind zuzuhören? Die gibt's nur im Internet ... Es entsteht mir der Eindruck, dass ich nicht von dieser Welt sei und das ist sehr belastend. Ich weiß nicht, ob es mir einfach an Verständnis und Mitgefühl mangelt oder meine kleine heile Welt im Internet nicht mehr ausreicht, weil die echte schlicht kaputt ist. Dieses Doppelleben ist derbe anstrengend und macht mich so fertig. Ich weiß nicht, ich kann nicht mehr und ich weiß nicht, wo das Problem liegt oder wie das alles nur aufhören kann. Es beginnt Morgens mit dem Gedanken „Warum?!”, warum beginnt ein weiterer Tag, dessen Scheiß nun erneut seinen Lauf nimmt und endet Abends oder Nachts damit, dass ich mich in den Schlaf heule. Wie soll ich auch schlafen, wenn mein Kopf die ganze Zeit tickt, wenn ich nicht zur Ruhe kommen kann und die letzte Ablenkung nicht mehr da ist. Diese Sehnsucht nach einem Ende, sie fühlt sich nicht berechtigt an, ich sehe keinen Grud dazu, aber sie ist da. Ich will, dass es aufhört, ich werde verrückt, ich drehe durch ...
    Ich komme damit nicht mehr zurecht und ehrlich gesagt hat das hier nur noch mehr aufgewirbelt.
    Ach, keine Ahnung ... Vielleicht habt ihr ja ein paar Gedanken dazu ...

    Klar, Grundlage scheint schon der Umstand zu sein, dass du dich in deinem Umfeld nicht wohl fühlst. Aber wenn der Punkt erreicht ist, sich furchtbar fühlen der Normalzustand ist, dann läuft irgendwas auf einer anderen Ebene nicht mehr rund. Und das ist halt riskant, weil man da möglicherweise nicht mehr alleine rauskommt.

    Es ist auf keinen Fall normal, wenn man (starke) Todessehnsucht ohne konkreten Anlass verspürt bzw. innerlich gegen das Gefühl nicht mehr leben zu wollen kämpfen muss.

    Ich selbst hab keine Erfahrungen mit Therapeuten, aber ein bisschen kenne ich mich da aus. Sinnvoll wäre da ohnehin nur ein verhaltenstherapeutischer Ansatz (der Rest ist unwissenschaftlicher Mist) wo's darum geht, dass du die Dinge an dir zu ändern versuchst, mit denen du nicht zufrieden bist.

    Aber natürliich sind Therapien stigmatisiert und es ist auch richtig, dass man denen nicht unbedingt sagen sollte, dass man sich umbringen will (wenn das so wäre), weil man dann in der Tat eingewiesen werden könnte. Und dann ist's ja sowieso auch schwer, einen Therapieplatz zu kriegen.

    Wenn das für dich keine Option ist, wäre mein Ratschlag Dinge zu finden oder wieder zu entdecken, die dir (früher) Spaß gemacht haben. Damit könnte es dir wieder besser gehen. Auch natürlich wenn du mit Leuten reden kannst, von denen du dich verstanden fühlst. Dieses 'Nicht von dieser Welt'-Gefühl ist auch im autistischen Spektrum relativ weit verbreitet - und falls das für dich zuträfe, wären echte menschliche Kontakte auch potenziell schwierig.

    @Dian Bei unseren toten Freunden war schon mehr im Argen als nur 'zu intelligent fürs Umfeld'. Da kann man nämlich weg, sobald man alt genug ist. Und beide hatten ja auch jede Möglichkeit, das zu tun bzw. sie hatten das ja schon hinter sich. Gesunde Leute denken nicht ständig an Selbstmord oder gehen eben mal so in die Scheune und testen, wie sich das mit der Schlinge um den Hals so anfühlt.

    Das klingt, als ob du definitiv eine akute Depression hast. Komplett anlasslose, tiefe Traurigkeit ist da im Prinzip das Schlüsselsymptom.

    Idealerweise solltest du dir professionelle Hilfe suchen, am besten über eine Bezugsperson an, der du vertraust.

    Du bist damit nicht allein, wobei es richtig beschissen ist, wenn dir das schon während der Schulzeit passiert.

    Das hier finde ich persönlich extrem lustig:

    Wurde ja leider abgesetzt, da das deutsche Publikum ja angeblich den Humor nicht verstand. Ich habe allerdings den Eindruck, dass deutscher Humor (bzw der Humor der deutschen Unterhaltungsindustrie) tatsächlich meist ziemlich plump ist.

    Das ist auch ziemlich gut. Ist zwar schon etwas älter, aber man sieht da ja schon den Unterschied zu Sonneborn. Ist ohnehin ein Comedy-Setting und dann werden ja auf lustige Art Kommunikationsprobleme auf die Schippe genommen.

    Ich sehe natürlich das Problem, und wieso es beispielsweise asiatische Menschen stören könnte, wenn sie auf so eine Weise lächelich gemacht welden. Generell ist das auch nicht unbedingt meine Art von Humor, wenn bis zum geht nicht mehr auf irgendwelchen Klischees rumgeritten wird. (Frauen können nicht Auto fahren, Polen klauen alles, etc. Laaaangweilig!)


    Das ist eigentlich bis zu einem gewissen Punkt schon auch mein Humor, weil ich halt auch mit sowas aufgewachsen bin. Aber da ändert sich eben der allgemeinere Geschmack, vor allem wenn das einfach unreflektiert gemacht wird. Bei dem Sonneborn-Beispiel ging's ja um Trump, und ein Schlitzaugen-Witz war halt das Vehikel bzw. die Zutat. Dasselbe hätte man auch ohne so ein Ding hinbekommen.

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    Aber wenn wir in Zukunft jeden Humor kritisch betrachten, der sich in irgendeiner Form über andere Menschen (oder gar über Minderheiten) lustig macht, dann gibt es in Zukunft halt eben nur noch halb so viel zu lachen auf der Welt, das sollte einem schon auch klar sein. Denn streng genommen gehen dann auch keine Ostfriesen-Witze mehr, keine Schotten-Witze, keine Witze über Frauen oder Männer, und natürlich schon gar keine Comedy mit irgendwelchen tollpatschigen Dicken, tuntigen Schwulen oder ungevögelten Nerds. Und wenn ich einen Witz erzähle über Hypochonder beim Arzt, können sich theoretisch auch Menschen davon verletzt fühlen, die an solchen psychischen Problemen leiden und für die das alles andere als witzig ist.


    Also ich würde sagen, dass es da verschiedene Ebenen gibt. Einmal, ob man sich als Mehrheit über eine Minderheit mittels rassistischer/sexistischer/honosexueller, etc. Stereotype lustig macht, oder ob man nur auf Eigenheiten bzw. Konstrukte eingeht. Also z.B. Ostfriesenwitze. Ostfriesen werden jetzt nicht rassistisch herabgewürdigt. Polenwitze bestärken natürlich Ressentiments und sind daher auch doof, aber nicht ganz auf dem gleichen Level wie rassistische Klischees (zumindest wäre das mein Gefühl - aus deutscher Perspektive ist's natürlich eigentlich immer scheiße, sich über Polen lustig zu machen).

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    Kaum zu glauben, dass Otto tatsächlich mal witzig war...
    Aber das mit dem Neger ist wirklich ein Klassiker, das geht schon Richtung Monty Python, und die Szene bezieht ihren Witz auch gar nicht daraus, dass man sich über Schwarze lustig macht, sondern weil es eben so herrlich politisch inkorrekt ist, und weil das natürlich auch damals schon politisch inkorrekt war, einen Schwarzen "Bimbo" zu nennen und als Sklaven anzubieten. Das haben wir auch damals als Kinder schon geblickt, dass das ein bisschen provokant ist, was der Otto da macht. Gerade dadurch wurde es so witzig, genau wie man beispielsweise auch alles witzig fand damals, was irgendwie sexuelle Tabus betrifft, in irgendeiner Form "versaut" war oder was mit Schwulen zu tun hatte. Ich sag nur: "Police Academy, Blue Oyster Bar..." :D Ach ja, die 80er... *seufz*
    Provokation und sich über Tabus lustig machen, war schon immer ein wichtiger Teil des Humors, und wenn es in der heutigen Zeit zu einem Tabu wird, bestimmte Dinge auszusprechen, ist es völlig klar, was Humor und Satire in Zukunft zu tun haben.
    Dies wird natürlich die eine oder andere erbitterte Auseinandersetzung nach sich ziehen... aber da müssen sich Gegner dieses Humors dann eben auch die Frage stellen lassen, wenn sie auf Humor so verbissen reagieren, ob sie dann wirklich so sehr anders sind als irgendwelche religiösen Hardliner, die auch keinen Spaß verstehen, sobald es um Werte geht, die ihnen heilig sind.
    Also meine Meinung dazu ist klar: Kunst und Satire müssen alles dürfen. Ob man das dann auch gut findet und beklatschen möchte, bleibt ja jedem selber überlassen. Es wird ja auch kein Moslem dazu gezwungen, Charlie Hebdo zu abonnieren. Zivilisierte Menschen können solche Dinge auch einfach ignorieren, wenn es ihnen gegen den Strich geht. ;)


    Vielleicht macht es Sinn, wenn man die Entwicklung so versteht, dass es einen Zeitpunkt gibt, wo man Sachen auf die Schippe nimmt, indem man sie reproduziert, und der nächste Punkt ist dann, dass man so weit von der überwundenen Geschichte entfernt ist, dass man auch keine Referenzen in Witzen mehr darauf hören will.

    Schwulenwitze gerade in 80er Filmen wären da ein gutes Beispiel. Denk man an die Bootszene in Lethal Weapon 3 als Murtaugh zusammenbricht, nachdem er den Kumpel seines Sohnes erschossen. Da versichern sich doch Riggs und Murtaugh doch dann auch gleich, dass sie ganz bestimmt nicht schwul sind. Das wirkt halt heute total dämlich, weil Schwulsein inzwischen sehr viel normaler und die Gesellschaft weniger verklemmt ist.
    Oder auch die ziemlich dämliche Verasche der Psychologin durch Riggs, die sich durch alle Filme zieht.

    Humor kann halt sowohl aufklärerisch sein als auch Leute runtermachen und den Status quo festigen und Vorurteile weitertragen.

    Nun, ich als konservativer, alter weißer Hetero-Mann, der zu Uni-Zeiten, wie du weißt, mehr Jünger und Heidegger als Marx und Brecht gelesen hat, kann ohnehin auf Kunst mit erzieherischem Charakter verzichten :D Aber ich verstehe gut, wieso das für viele andere wichtig ist. 'Die Partei' ist auch ein Vehikel, um bestimmte Inhalte zu transportieren. Dass (dir) das nicht so offen auffällt, ist gut und Teil des Plans :P

    Na ja, Sonneborn ist da ja eher in ein Fettnäpfchen getreten. Der Plan war ja wohl kaum, Semsrott loszuwerden ;-). Und Heidegger und Jünger haben dich schon recht gut erzogen. Das hast du nicht bemerkt ;-).

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    Wenn dir der Begriff 'PC' nicht gefällt, dann nutze einen anderen. Es geht schlicht um Sprachhygiene bzw. darum, ob man überhaupt noch Witze machen darf oder sollte, die irgendjemanden verletzen. Wenn du diese Frage verneinst, bist du auch schnell wieder beim Gotteslästerungsparagraphen. Was ist mit Charlie Hebdo bzw. Mohammed-Karikaturen im Allgemeinen? Ich denke, was die Verletzung religiöser Gefühle angeht, bist du vermutlich etwas flexibler.


    Wie ich oben schon versucht habe, anzudeuten, geht's weniger um Gefühle, sondern was man als Vehikel benutzt. Rassistisches besser nicht, würde ich sagen. Vor allem nicht Zeug, was Leute, die damit zu kämpfen haben, oft in einem nicht lustigen Kontext zu hören kriegen. Und 'asiatische Sprachfehler' gehören da schon zu.

    Bei religiösen Kram ist meine Position, dass man die durchaus loswerden kann. Die gehört nicht irgendwie zu Identität bzw. sollte das nicht. Obwohl mir natürlich klar ist, dass Rassismus da inzwischen schon reinspielt, indem man eben alle Araber zu Muslimen erklärt und so als zur eigenen Gruppe nicht zugehörig erklärt. Das sollte man da schon mitdenken.

    Meine Position ist definitiv nicht, dass nur weil irgendwer einen Witz nicht geil findet, der nicht gemacht werden sollte. Da gehört schon mehr dazu. Das Beispiel von Lisa Eckhart illustriert das doch ganz gut. Da geht's halt darum, dass rassistische/antisemitische Klischees reproduziert werden, um einen Gag zu machen. Wenn man nicht rassistisch/antisemitisch sein will, sollte man das vielleicht nicht tun.

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    'Konservative Abwehrreflexe' mag ich haben, ich würde aber eher sagen, dass ich vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen bestimmte Entwicklungen hin zur Erhöhung von Befindlichkeiten kritisch sehe, wie auch im Falle des 'Critical Whiteness'-Konstrukts. Wir sind dahin gekommen, dass in einigen Zusammenhängen Gruppen von Blockwarten auf die falschen Feindbilder einprügeln. Das Resultat ist noch mehr Spaltung und die Kultivierung von sprachlich gereinigten Wohlfühlblasen. Man muss die überspitzte Darstellung der Problematik nicht teilen, aber die Kritik an 'Identity Politics' würde ich schon ernst nehmen. Ich will nicht verschiedene Anliegen gegeneinander ausspielen, aber wenn der Eindruck entsteht, dass sich Linke nur noch auf Minderheitenanliegen fokussieren, dann ist das ein großes Problem.


    Wenn man den Klassenkampf und Solidarität darüber vergisst, dann natürlich. Und generell finde ich persönlich, dass man versuchen sollte, Minderheiten mentalitätsmäßig eher in 'weiße (alte) Männer' zu verwandeln bzw. ihnen die Privilegien zu verschaffen, die die auch haben. Ob und wie das funktionieren kann, weiß ich natürlich nicht, aber das Ziel sollte schon eher in dieser Richtung liegen.

    Ich wäre mir jetzt nicht so sicher, dass 'schwul' auf dem Schulhof heute keine Beleidigung mehr darstellt.


    Nicht mehr in dem Maße wie in den Neunzigern. Und natürlich auch nicht bezogen auf die Vorstellung, dass Männer/Frauen heiraten können. Für die Generation, die um 2000 geboren wurde, ist das total normal. Die Dinge ändern sich eben.

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    Ich weiß auch nicht, ob man pauschal von einer Änderung des Zeitgeistes sprechen kann.


    Welcher Humor heute noch akzeptabel ist, ändert sich schon auf breiterer Ebene. Hab letztens mal wieder alte Tarantinos geschaut, und die die Neger- und Schlitzaugenwitze, die's in 'Reservoir Dogs' und 'Pulp Fiction' gibt, sind heute z.B. nicht mehr so machbar. Als wir jung waren, war 'Neger' in unserer Ecke die Standardbezeichung für Schwarze. Das hat sich später sehr gedreht. In Amerika früher und stärker als hier, aber dass das nicht mehr geht, hat inzwischen ja sogar Joachim Herrmann gemerkt - sollte man zumindest hoffen.

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    Was sich wohl ändert, ist das Klientel, das 'Die Partei' cool findet. Meiner Erfahrung nach waren das früher eher Linke bis Linksradikale, die keinen Bock auf 'political correctness' hatten und mit den Mitteln der Satire Missstände im politischen System anprangern wollten. Mittlerweile ist die Szene eben weitaus mehr 'woke' als früher. 'Cis-Männer' und weiße Menschen sollen 'ihre Privilegien checken', die gute alte Vokü heißt jetzt Küfa, und Männer und Frauen werden korrekterweise als 'männlich bzw. weiblich gelesene Personen' bezeichnet. Anders gesagt: Die SJW sind nun voll und ganz angekommen und dominieren viele linke Gruppen.


    Die Partei war nie irgendwie linksradikal. Da gab's manche gute Gags, aber eigentlich brandmarken die doch Politik als Spiel bzw. Show und delegitimieren die dadurch. Da geht es darum, absurd und überdreht zu erscheinen, und so 'echte politische Forderungen' lächerlich zu machen. Manches ist da gut, anderes ziemlicher Mist. Und gerade Sonneborn macht das gerne aus der Perspektive des alten weißen Mannes, der sich schon gerne am kolonialen Klischeebaukasten bedient. Und das ist halt inzwischen überkommener Humor.

    Bei dir sieht man da schon einen recht konservativen Abwehrreflex - du findest es halt nicht so geil, dass sich die Dinge ändern und Sachen mehr in den Vordergrund kommen, mit denen du nichts anfangen kannst oder willst. Aber es ist doch nicht wirklich schwierig, nicht mehr 'Negerkuss' zu sagen, oder sich zumindest rudimentär mit gewissen Gender-Aspekten vertraut zu machen.

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    Das Problem ist, dass Satire und PC nicht wirklich zusammenpassen. Dementsprechend ist es wohl tatsächlich das Medium der Satire als solches, das sich für genanntes Klientel als ungeeignet herausstellt. Im Grunde ist Sonneborn doch ohnehin der Einzige, der teilweise witzig war. Der Rest - na ja.


    Das geht da doch nicht um PC. Das ist ein rechter Kampfbegriff. Die Linke hat sich meiner Erinnerung zufolge nie für political correctness eingesetzt oder auch nur das Wort verwendet. Das würde ja implizieren, dass sie irgendwann einmal 'das Establishment' war, das entscheiden konnte, was angemessen ist und was nicht. Und das in Deutschland definitiv nie der Fall.

    Es geht darum, dass bestimmter Humor Rassismen transportiert und es vielleicht nicht so geil ist, das gut zu finden und dabei mitzumachen.
    Ich weiß ja, was du lustig findest - aber Humor ist nicht (nur) der pubertäre Tabubruch oder das Herumhacken auf Minderheiten aus weiß-männlicher Perspektive, sondern kann auch etwas komplexer sein.

    Das Problem mit den Spinnern sind die Argumente, die die nutzen, um die Maßnahmen zu kritisieren. Wer grundsätzliche Fakten leugnet, verdreht, verharmlost steht halt jenseits des rationalen Diskurses, gleichgültig ob jetzt bestimmte politische Maßnahmen in Ordnung sind oder nicht.

    Das ist halt Rassismus, weil durchaus eine Mehrheit asiatischer Leute in der Hinsicht seit, na ja, immer stereotypisiert und lächerlich gemacht werden. Es ist mitnichten so, dass sich hier irgendwelche Weißbrot-Gutmenschen über diese Satire aufgeregt haben. Das ging von asiatischstämmigen Leuten im deutschsprachigen Raum aus. Genauso wie die auch auf den krassen Rassismus hinweisen, den sie zu Beginn und immer noch wegen der Corona-Geschichte abbekommen.

    Aber natürlich ist es mehr Sonneborns Rechtfertigungsversuch, der als problematisch gesehen wird, nicht die Sache also solche. Wenn er Eier hätte, hätte er halt zugegeben, dass er gerne rassistische Stereotype/Klischees in seiner Arbeit nutzt. Das stimmt nämlich. Aber das wollte er dann nicht sagen. Genauso wie er nicht wirklich zugeben wollte, dass das beleidigend ist/sein kann und ihm das eigentlich egal ist.

    Warum? Wer sagt das? Wer definiert den Zeitgeist?

    Schau halt mal raus. Die Generation, für die schwul bzw. Schwuchtel noch eine normale Beleidigung war, kriegt halt langsam graue Haare. Wir sind halt langsam die Muppet-Opas die meinen, alles besser zu wissen, aber schon längst nicht mehr cool sind. Genauso wie unsere Großeltern wahrscheinlich weniger Probleme mit Judenwitzen hatten.

    Und das erstreckt sich inzwischen eben auch auf rassistische Stereotypisierungen.

    Dieses Lustigmachen über ne Sprechweise finde ich nicht lustig. Aber nur, weils mich halt nicht abholt. Wenn andere den Humor gut finden, dann akzeptiere ich das aber auch. Es ist wie im Fall von Sonneborn eben schlichter Humor, aber kein rassistisches Statement. Aber Sonneborn ist halt nicht mit dem Zeitgeist gegangen, in dem man jetzt jedes Wort dreimal überprüfen muss, bevor man es raushaut. Echt schade (dass man ständig aufpassen muss, was man sagt).

    Na ja, wenn wir ehrlich sind, hätte Sonneborn doch exakt dieselbe Botschaft bringen können, ohne sich nochmal über den Chinesen an sich lustig zu machen. Das war nicht nötig.

    Wenn man sich halt ernsthaft mit Rassismus beschäftigt, dann fällt halt schon auf, dass Inhalte gerade auch über so Stereotypisierungen und Klischees in Humor geprägt werden. Mein Polenbild ist z.B. ganz stark von Polenwitzen bzw. Polenklischees geprägt ... und das gilt natürlich in viel stärkerem Maße für Gruppen, die körperlich anders aussehen. Wenn also in irgendwelchen Gags, die eigentlich eine andere Pointe haben, vom 'Neger' die Rede ist, dann verfestigt und perpetuiert das natürlich schon ein bestimmtes Konzept bzw. Weltbild.

    Und da muss man sich schon fragen lassen, ob man das denn will oder nicht. Und Sonneborn steht schon da drauf.