Niemand ist schuld, es ist der Moloch

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  • Dieser Text hier hat mich ziemlich sprachlos zurück gelassen:

    Meditations On Moloch
    I. Allen Ginsberg’s famous poem on Moloch:What sphinx of cement and aluminum bashed open their skulls and ate up their brains and imagination? Moloch!…
    slatestarcodex.com

    Nur das Ausgangsgedicht von Ginsberg:


    Hier eine kleine Zusammenfassung des ganzen Artikels von ChatGPT (ja ich weiß...):

    Hier ist eine deutsche Zusammenfassung von „Meditations on Moloch“ von Scott Alexander:

    Der Text benutzt das Bild des alten Karthager-Gottes Moloch — bekannt aus düsteren Kindopfer-Mythen — als Metapher für Systeme und Prozesse, die alle Beteiligten unter Druck setzen, sich gegenseitig auszuschalten, zu optimieren oder sich selbst zu opfern — auch wenn niemand das eigentlich will. Slate Star Codex

    Moloch steht für „multipolare Fallen“, in denen Konkurrenz, Anreize und Rationalität dazu führen, dass selbst moralisch oder emotional wünschenswerte Werte — Gemeinschaft, Kunst, Nachhaltigkeit, Mitgefühl, Freiheit — Schritt für Schritt weichen müssen, damit man in der Konkurrenz bestehen kann. Slate Star Codex

    Beispiele im Text sind: Unternehmen, die nur Profit maximieren (zu Lasten von fairer Bezahlung oder guter Arbeitsbedingungen); Konkurrenz um Wohnraum, Bildung und soziale Stellung, durch die Familien Werte wie Zeit mit Kindern oder Sicherheit aufs Spiel setzen; Staaten, die sich in Rüstungswettläufen gegenseitig überbieten — obwohl Frieden für alle optimal wäre. Slate Star Codex

    Aus der „Gott-Perspektive“ (also mit idealen Rahmenbedingungen und Kooperation) wären bessere Lösungen möglich: nachhaltige Wirtschaft, gerechte Politik, soziale Werte. Doch aus der Innenperspektive des Systems existiert kein praktikabler Ausweg — einzelne Akteure sind gefangen in Logik und Zwängen des Systems. Slate Star Codex

    Letztlich warnt der Text davor, dass unser Fortschritt und unsere Zivilisation — Technologie, Wirtschaft, Wachstum — uns in Fallen führen können, in denen wir unsere menschlichen Werte und unsere Autonomie aufgeben, ohne daß wir das bewusst wollen. Moloch ist kein Dämon im wörtlichen Sinn, sondern der unsichtbare Mechanismus, der uns kollektiv antreibt und zerstört.

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    Was ich so krass fand, war die Idee, dass all das was wir tun und scheiße finden und kritisieren, irgendwie unausweichlich ist. Nicht wegen einem Schicksal oder einer höheren Macht, oder bösen Akteuren, sondern aufgrund individueller Entscheidungen, die im "kleinen" Rahmen logisch und korrekt sind aber insgesamt zu diesem großen System führen, das am Ende ungerecht und von oben betrachtet nicht so gut für uns alle ist. Man könnte jetzt sagen, dass es einfach nur billige Kapitalismuskritik ist, doch ich denke der Punkt geht darüber hinaus. Es würden auch ohne den Kapitalismus andere Systeme entstehen, die dann in sich ebensolche Dynamiken haben welche für uns alle negative Auswirkungen haben.

    Ja das macht nicht gerade Hoffnung, denn genau was der Text 2014 beschrieben hat ("eine neue Technologie entsteht, jemand wird sie nutzen und Werte werden über Bord geworfen" konnte man zuerst bei Social Media und jetzt bei KI beobachten). Vielleicht sollte man also einfach Buddhist werden oder sich um sein kleines Leben mit guten Freunden und möglichst vielen angenehmen Tagen kümmern. Oder sich dem Autor anschließen und hoffen, dass wir in eine Art Transhumanismus kommen (da stimme ich am Ende nicht zu).

    Eine weitere Idee habe ich dann doch:

    - Viele der Beispiele am Anfang begründen das individuelle Handeln und den Zusammenbruch guter Systeme ja damit, dass eine Abweichung im Handeln für einen persönlich ein Vorteil ist. So folgen dann schlussendlich alle diesem Vorteil oder diejenigen, die anders Handeln sterben einfach aus oder werden abgehängt.

    Was aber wenn es versteckte Vorteile gibt, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind? Zum Beispiel könnte man aus Social Media und KI aussteigen und mit der damit frei gewordenen Zeit oder Aufmerksamkeit einige Veränderungen in die Welt bringen. Oder es zeigt sich später, dass man dadurch Skills hat, die andere aktuell verlernen. Man verabschiedet sich vom "vorteilhaften" "systemoptimiertem" Verhalten und wird am Ende doch nicht abgehängt. Die Frage ist, ob es solche versteckten Verhaltensweisen gibt.

    Also Kooperation, Verhalten, dass auch von oben gesehen für uns alle besser ist und gleichzeitig nicht zu unserem Nachteil führt. Somit könnte man den Moloch am Ende bewegen, eine kleine Gruppe löst eine Veränderung aus, sehr langsam, sanft und fast unbemerkt. Geht das? Und an welchem Punkt kann man ansetzen? Das frage ich mich sehr häufig.

    Einmal editiert, zuletzt von Tzak (9. Dezember 2025 um 23:00)