Beiträge von Jack

    Bin mir nicht sicher, dass meine Botschaft angekommen ist :huh:

    Es ist völlig sinnlos die Details eines besseren Zusammenlebens oder gar eines Gesellschaftsmodells festlegen zu wollen. Das haben zahllose Philosophen und Politiker vor uns versucht. Unser gesamter Gesetzesdschungel ist z.B. aus einer einzigen Prämisse entstanden: Gesetze und Regeln müssen allgemeingültig sein. Angeregt von Kant's kategorischen Imperativ und dem Gefühl, dass die Welt fair sein muss. (Ja, ich vernachlässige Jahrtausende an Geschichte, die hier zusätzlich ihre Rolle spielten.)
    Doch schon allein über das, was "fair" sein soll, gibt es keine allgemeingültige Meinung. Der eine findet es fair, wenn er als Herr über seine Sklaven lebt und unser aktuelles Grundgesetz hat da eine andere Meinung.

    Meine fünf Punkte sind aber alles andere als schwammig, sondern ein starkes Fundament. Du vergisst, dass ich naturwissenschaftlich geprägt bin. Mich interessiert keine große Anzahl an Regeln zum auswendig lernen, lehren und durchsetzen, sondern ein System von Axiomen bzw. Grundaussagen, die erfüllt sein müssen, damit man zu jeder Situation die passende "Regel" herleiten kann.

    Nehmen wie ruhig dein Beispiel:
    Du möchtest Menschen töten und ich soll dir helfen?

    Helpokratie habe ich sicherlich besser beschrieben, oder? Es geht nicht darum, DEINE Wünsche zu erfüllen, sondern die eines JEDEN.
    Es beginnt mit der Realisation, dass es keine moralisch schlechten Wünsche gibt und sich die gleichberechtigten Wünsche mehrerer Menschen widersprechen können.
    Klar möchte ich dir helfen, die Person zu töten. Gleichzeitig ist mein Ziel jedoch der anderen Person zu helfen, wenn sie nicht getötet werden möchte. Und überlagert wird das mit meinem eigenen Wunsch, aufgrund von den bestehenden Gesetzen nicht ins Gefängnis zu kommen, weil dein Vorhaben in der aktuellen Gesetzgebung (nicht in meiner!) als illegal angesehen wird.
    Somit ist meine Strategie in diesem Fall folgende: Warum willst du sie tot sehen? Was hindert dich daran, deinen Wunsch zu realisieren? Hast du den jeweiligen Personen deine Ansichten bereits mitgeteilt oder versucht, das, was dich an ihnen stört, unschädlich zu machen (insofern es nicht deren äußeres Erscheinungsbild ist)? etc.

    Mit einer Regel ("Helfe allen anderen bei der Umsetzung ihrer Wünsche") verbinde ich Mitgefühl, Verständnis für die Bedürfnisse anderer und eine Strategie für ein friedliches Miteinander.

    Und nein, die goldene Regel oder gar der kategorische Imperativ funktionieren nicht, weil sie die Entscheidung, was richtig und falsch ist entweder bereits getroffen haben oder auf eine persönliche Sichtweise reduzieren.

    Helpokratie ist die goldene Regel plus "Spare dir moralische Urteile über die Wünsche anderer" (Wenn du jemanden umbringen willst, ist das für mich vollständig gleichwertig zu dem Wunsch der anderen Person nicht getötet zu werden)

    willst du wirklich, dass innerhalb von einer neuen Weltordnung, alle dem gleichen Führer-Ziel nachfolgen, im Namen derselben, monotonen Ideologie?

    Wenn du mit monotoner Ideologie, Umweltschutz und das Streben nach mehr Wissen meinst, ja, dann fände ich das durchaus eine erstrebenswerte neue Weltordnung. Nur im Führer-Style wird das nicht gehen, denn Wissenschaft kann nur durch Gedankenfreiheit betrieben werden. Wer das Denken einschränkt, wird jede echte Forschung töten.

    >Wo sind wir? Wer sind wir?<
    Well, Du bist Hier. Und den anderen geht das übrigens auch so.

    Wo ist hier? Relativ zu was? Leben wir in einer Simulation? Startete alles mit einem Urknall? Gibt es mehr als diese Dimension? Besitzen wir eine Seele?
    Sorry, diese Frage kannst du für dich abgeschlossen haben, die Wissenschaft und ich wollen das etwas genauer wissen.

    Die wesentlich interessantere Frage ist die, die du leider ausgelassen hast: Wohin und Warum zur Hölle eigentlich überhaupt??

    Die Fragen waren absichtlich nicht dabei, da die für mich ziemlich offensichtlich sind - ich mein die Frage nach dem "Wohin?" ist zu sehr damit verbunden, wie die Welt aufgebaut ist und funktioniert. Aber eine Antwort auf "Warum?" kann es nicht geben. Selbst wenn wir nur eine Simulation einer anderen Existenzebene sind oder die Schöpfung eines oder mehrerer Götter. Letztlich wird es uns geben, weil es keine Alternative gibt. Es existiert alles was existieren kann, in der Form in der es existieren kann. Ein höherer Sinn unseres unbedeutenden Lebens ist nicht erkennbar. Was soll das denn sein?
    Um einem Gott zu dienen? Um danach sinnlos eine unendliche Zeitspanne im Paradies zu verbringen? Oder ... Vielleicht fehlt mir Fantasie, aber ein Sinn des Lebens ist Wunschdenken. Irgendwann ist von der Menschheit in dieser Zeitlinie nichts mehr übrig, sie wird verschwinden. Vielleicht kommt sie wieder, vielleicht in anderer Form, vielleicht ist auch alles für immer weg, aber im Grunde ist alles egal.
    Es ist auch schwer zu beschreiben. Für mich macht alles Sinn, auch wenn das Universum/die Welt keine höhere Bedeutung hat, als dass es existiert, weil das Gegenteil von ALLEM, ein NICHTS nicht möglich ist (weil ich etwas wahrnehme).

    Ich sage: Akzeptieren wir lieber, das jeder von uns auch die "dunkle Seite der Macht" in sich trägt - reden wir offen darüber - und KANALISIEREN wir das: Denn wegzaubern lässt sich unsere traditionelle Programmierung auch mit dem besten Willen nicht. Jedenfalls: nicht so schnell.

    Habe ich da irgendwo was dagegen geschrieben? Volle Zustimmung.

    Wie lebst du dein Ideal bitteschön aus? Tust du immer völlig frei, was DU selber für richtig hältst? Als anbetungswürdiges Vorbild, geknebelt einzig durch sein öffentliches Amt? Oder indem du (erfolglos) dein bestes bei "der Rettung" von Kindern gibst, die in deine Obhut gezwungen wurden - ohne große Wahlmöglichkeit? [...] Und wie sieht dein gemeinsames Ziel für jeden einzelnen noch mal IM DETAIL aus?
    Bist du stolz darauf, einen Teil deiner Arbeitskraft der aktuellen Gemeinschaft zu widmen? Erhältst du bereits eine dementsprechende Wertschätzung von allen? 20 Jahre allein dafür??

    Wir leben nicht in der Welt, in der alle meine Punkte oben anerkennen. Das schränkt ein. Aber Helpokratie war bei mir in der Hardware bereits fest installiert. Habe im Laufe der Jahre noch einiges an Software installiert. Ich mache prinzipiell keine Werturteile und versuche alle meine Mitmenschen zu unterstützen.
    Ja, ich bin glücklich über meine Arbeit der Gemeinschaft etwas zurück zu geben, die es mir immerhin ermöglicht, mir über mein tägliches Brot und meine Sicherheit kaum Gedanken machen zu müssen ("Nenne mir eine Sache, die die Römer für uns getan haben ..."). Nein, ich bekomme nicht die Wertschätzung, die angebracht wäre (wenn man z.B. dagegen die Wertschätzung für Fußballstars, Unternehmensberater etc. zum Vergleich heranzieht)
    - Aber geht ja auch darum, selbst Vorbild zu sein. Natürlich gelingt mir nicht alles optimal, aber ich denke, ich mache mich nicht schlecht.

    Im Detail für jeden Einzelnen?
    1. Einen Beitrag für die Wissenschaft leisten bzw. diese durch seine Arbeitskraft unterstützen ("Es braucht auch Bäcker für die Nahrungsversorgung der denkenden Köpfe")
    2. Jeden der sich Tätigkeiten widmet, die allen dienen, die entsprechende Wertschätzung zeigen (Es reicht ja schon, die "Putzfrau" freundlich und als gleichwertig zu behandeln)
    3. Bei all dem, die Umwelt nicht verschmutzen (Dazu gehört natürlich auch die reifliche Überlegung, ob die eigenen Gene wirklich so wertvoll sind, um einem weiteren Menschen, eine Existenz zuzumuten)
    4. Sich überlegen, was man selbst mit seinem Leben anfangen möchte und diesen Wunsch zu äußern
    5. Realisieren, dass der eigene Wunsch nicht mehr oder weniger Wert ist als der aller anderen!
    6. Die Wünsche der anderen nicht nach Inhalt, sondern nach dem einordnen, wie wichtig dem anderen der Wunsch ist (jeder hat unterschiedliche Intensitäten - z.B. Lust auf einen Burger ist deutlich unwichtiger als der Wunsch am Leben zu bleiben)
    7. Die Wünsche anderer nicht moralisch bewerten, sondern versuchen, sie im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu unterstützen - Eine mögliche Frage an sich selbst könnte lauten: "Gibt es einen gewichtigen Grund, dem anderen nicht zu helfen?"


    Und ja, nach 20 Jahren, finde ich mein Ergebnis relativ gut. Aber wie ich in der Diskussion mit dir bemerke, werde ich die nächsten 20 Jahre daran arbeiten müssen, die Idee in die Köpfe meiner Mitmenschen zu pflanzen lol

    Wie schon im anderen Thread geschrieben wurde: Das sind alles keine echten neuen Ideen. Das meiste haben wir schon ausprobiert und es ist gescheitert. Oder, wenn man es genau betrachtet, haben wir schon viele verschiedene Gesellschaftsmodelle, die sich zum Großteil erstaunlich friedlich miteinander austauschen. Noch vor 30 Jahren musste man damit rechnen, dass die Atombomben fliegen und heute findet man von Los Angeles bis über Europa nach Japan in allen Großstädten der Welt einen McDonalds etc. - unabhängig von der Regierungsform. Die aktuelle Weltumspannende und -vereinende Werteordnung ist der Kapitalismus.
    Warum wird es erstmal keinen dritten Weltkrieg geben? Weil chinesische Investoren das Ausland einfach kaufen und russische Oligarchen es angenehm finden an den Stränden der Welt Urlaub machen zu können. Selbst Saudi Arabien öffnet sich langsam dem Westen (Frauen dürfen schon Auto fahren :-))

    Okay, wenn die fossilen Brennstoffe aufgebraucht sind, endet diese lange Friedensphase. Also macht es sicherlich Sinn, jetzt über das Gesellschaftsmodell der Zukunft nachzudenken. Meine Antwort ist wohlüberlegt (ca. 20 Jahre lang), dennoch bin ich noch nicht vollständig zufrieden:

    1. Die Menschheit als Ganzes (und insbesondere jeder Einzelne) braucht ein gemeinsames Ziel.

    Mein Vorschlag: Abgesehen von dem absolut notwendigen Umweltschutz als Grundvoraussetzung (allem voran eine Strategie der Bevölkerungskontrolle!) sollte die Menschheit herausfinden "What the fuck is this shit!?". Wissenschaftliche Forschung und Philosophie sind die sinnvollste Methode, um herauszufinden, was hier eigentlich gespielt wird. Wo sind wir? Wer sind wir? Wie kann man alles Leid stoppen und Lust maximieren? Wie die Existenz der Nachkommen und den Erhalt unserer Erkenntnisse für alle Zeiten sichern? Wie schützt man die Umwelt? etc.

    2. Nachdem Fund des Ziels ergibt sich der Rest fast automatisch, wir haben jedoch mehrere Probleme:

    a) Wir sind etwas intelligentere Tiere, deren Hardware viele Makel besitzt
    b) Manche Gruppen haben bereits Ziele - z.B. Juden: Warten auf den Messias, Christen: Warten auf das jüngste Gericht/Missionierung, Moslems: Bekehrung aller zum Islam (mit friedvollem Dschihad oder dem anderen) etc.
    c) Manche/Viele Individuen interessieren sich nicht für das Schicksal der Menschheit, sondern nur für das eigene bzw. das der eigenen Familie (ist denke ich aber auch bedingt durch a))

    Deswegen würde ich vorschlagen:

    3. Jeder muss einen Teil seiner Arbeitskraft der Gemeinschaft widmen (in welcher Form auch immer und in den Grenzen der eigenen Fähigkeiten).
    4. Jeder erhält eine dementsprechende Wertschätzung von allen (Z.B. Bezahlung, Lob und Preis (dem Busfahrer))
    5. Alles weitere regelt mein Konzept der Helpokratie (systematische Unterstützung jedes Einzelnen in der Erfüllung all seiner Wünsche) in den Grenzen der Punkte 1,3 und 4

    Nach 20 Jahren eine etwas kurze Liste, aber im Moment mein bestes Ergebnis (Ich habe vor, weiter darüber nachzudenken - bis ich sterbe). Die Umsetzung ist relativ einfach: Werbung dafür machen und es vorleben.
    Obwohl das Konzept simpel ist und funktionieren müsste, braucht es vermutlich einige Jahre, bis auch nur eine Person seine biologische Programmierung überwunden hat, um danach leben zu können. Ganz zu schweigen, von den zusätzlichen Jahren der Aufarbeitung von persönlichen Schicksalsschlägen (z.B. Eltern, Umwelteinflüsse, Propaganda etc.).

    Allgemeingültige Gesetze gibt es bei mir so gut wie keine. Das meiste ergibt sich aus den Gesprächen mit seinen Mitmenschen.

    Horst Seehofer (S) und Angelika Merkel (M) sitzen zusammen.
    S: Mensch was machen wir gegen die AfD, damit die bei der nächsten Wahl nicht soviele Stimmen gegen uns sammeln?
    M: Ich habe eine Idee. Die meisten Wähler in Bayern finden Moslems bedenklich, wegen Terror und so ...
    S: Ja.
    M: Pass auf. Wenn wir dich zum Innenminister und Heimat(schutz)minister
    machen und du sagst "Der Islam gehört nicht zu Deutschland.", dann
    gefällt denen das und niemand hat einen Grund die AfD zu wählen.
    S: Aber denkt doch jeder die Regierung ist rassistisch. Na, des gefällt mir nicht.
    M: Bin noch nicht fertig. Ich sag dann "Der Islam gehört zu Deutschland."
    S: Ah. Good Cop, bad Cop? Die rechten Wähler finden die CSU gut und die linken, die CDU?
    M: Genau. Dann diskutieren wir das breit aus, dann springt die Presse ein.
    S: Ja genau. (lacht) Die schreiben dann, wir würden streiten und wären
    uneins. Und dann nach der gewonnen Wahl in Bayern ist das Thema so
    ausgelutscht, dass wir uns wieder ganz einig zeigen können, für die
    nächste Bundestagswahl. Super Idee, Angelika.
    borg

    Vielleicht sollte man besser langfristig mal einen Weg finden, die Idioten aus der Gesellschaft herauszuzüchten, anstatt wegen den Idioten alle anderen Bürger auch wie Idioten zu behandlen.

    :D
    Ich denke, irgendwie sind wir schon einer Meinung.
    Wir wollen nicht unsinnige Gesetze aufgestülpt bekommen. Und selbst wenn ein Gesetz irgendwie Sinn macht (Abbiegespur), sollte man uns zugestehen Fehler zu machen.

    Ich sehe es ganz ähnlich Die Anzahl an Gesetzen kann man sehr reduzieren. Es reicht, den Menschen von klein auf beizubringen Rücksicht auf die Wünsche anderer zu nehmen. Zusammenarbeit ist der schnellste Weg zur Glücksmaximierung.

    Auf das Alltagsbeispiel von Dian übertragen heißt das: Was spricht zum Beispiel gegen einen Kreisverkehr, um die Unfallquote zu senken und gleichzeitig ein Abbiegen ohne Umweg zu ermöglichen? (Es gibt meist mehr als zwei Lösungen für ein Problem)

    Worum es aber ursprünglich ging:
    Ich glaube, wir können uns auf ein Fazit einigen, dass es mehr Sinn macht, Menschen durch Bildung und Ausbildung zu intelligenterem Verhalten zu bewegen, als sie nach Gesetzesübertretungen zu bestrafen.

    P.S.: Und, so seltsam das von jemandem wie mir auch klingen mag: ich glaube sehr wohl, dass sich unsere Rasse seit der Steinzeit tatsächlich kulturell EIN KLEIN BISSCHEN weiterentwickelt hat. Nicht bloß biologisch betrachtet, sondern auch moralisch.

    Das Sache ist nicht die, dass wir als Menschheit klüger geworden sind, sondern, dass dein Ansatz nur funktionieren würde, wenn der Einzelne sich weiterentwickelt hätte. Und nein, das kann ich nicht beobachten.
    Wir werden völlig leer geboren. Es mag sein, dass sich der über 50 jährige Frieden auf die Psyche der Kinder positiv auswirkt, aber da bin ich skeptisch.
    Alle Weiterentwicklung, die du ansprichst, basiert auf staatliche Bildung und die geistige Arbeit unserer Vorfahren. In unserem Rechtssystem stecken Jahrhunderte von Gedanken über Recht und Unrecht. Und vor allem: Die Lösung, sich vernünftig zu einigen, widerspricht unserer Natur. Es wird nicht jeder Bürger sich mit dem Thema mit dem nötigen Ernst beschäftigen wollen.
    Ich finde es auch nicht sinnvoll, da unsere heutige Zivilisation so viel Wissen und Technik angesammelt hat, dass eine Person nicht mehr den Überblick haben kann über die Folgen seiner Taten.
    Mit anderen Worten: Eine regelfreie Welt, in der die Einzelnen die richtigen Entscheidungen intuitiv fällen können, ist unmöglich geworden. Zumindest wenn du nicht mehr im Zelt im Wald leben willst.

    Es braucht neue Systeme und Regeln des Miteinander, die dem Einzelnen jeweils die zu seiner Entscheidung notwendigen Informationen gibt bzw. ihm die richtige Entscheidung plausibel machen kann.

    Um beim Beispiel Brücke zu bleiben:
    Es wird nicht jeder genug Bildung erreichen, um zu wissen, dass Harnsäure die Bausubstanz angreift. Deswegen gibt es den Staat, der es verboten hat im Freien zu pinkeln.
    Auch ich würde manchmal gegen einen Baum pinkeln, jedoch auch das ist nicht wirklich sinnvoll, da es unhygienisch ist. Bei vielen Großveranstaltungen in der nähe von Stadtparks ist das zuweilen ein Problem für die Umwelt. Mit der Erfindung der Toiletten haben wir einen weiten Schritt nach vorne getan - dennoch sind selbst offenbar wir beide hier nicht immer vernünftig.
    Wie kannst du das dann in weitaus komplexeren Fragen von jedem einzelnen Menschen verlangen?

    Hab deinen Text gelesen. Du sprichst einige der Kritikpunkte am aktuellen System an, die ich ganz genauso sehe.
    Mit deiner Lösung bin ich jedoch weniger zufrieden. Klar, bin ich der Meinung, dass jeder persönlich mehr Recht sprechen können soll, als bisher - zumindest weit mehr in den Prozess eingebunden werden muss als bisher.
    Aber wenn du jeglichen Staat abschaffen möchtest und das nur auf die individuelle Ebene reduzieren, dann hat das mindestens zwei Folgen, die ich nicht begrüßen kann:
    1. Wir hatten diese Art des Zusammenlebens bereits. Jahrtausendelang gab es keine Gesetzestexte und die Menschen machten sich ihre Regeln selber. Wir lebten in Stämmen, hierarchisch gegliedert und führten dauernd Krieg miteinander. Das ist die natürliche Rechtsprechung, die Menschen vom Gefühl her praktizieren. Diese Art des Miteinander war universell in der gesamten Welt. Es gab Unterschiede in Gebräuchen und der Struktur der verschiedensten Gesellschaften, aber Krieg untereinander, Ausschluss von Andersdenkenden etc. war allen gemeinsam.
    2. Du hast richtig erkannt. Der Einzelne hat das große Ganze nicht mehr im Bild. Wenn einer an den Brückenpfeiler pisst ist das in Ordnung, er erkennt richtig, dass er dadurch keinen Schaden anrichten kann. Wenn das jedoch alle tun, geht es weder der Brücke noch dem Grundwasser gut. Eine anarchistische Menschheit kann diese Probleme, vor allem den Umweltschutz, niemals in den Griff bekommen und wird aussterben.

    Unser Rechtssystem ist vollkommen falsch, da sind wir uns einig. Es jedoch mit anarchistischer Selbstjustiz ersetzen zu wollen, macht es nicht besser. Denn unser Rechtssystem entstand aus dem Bedürfnis etwas besseres zu erschaffen, als genau das. Es ist genau deshalb so schlecht.
    Wenn früher jemand für einen Mörder gehalten wurde, wurde der am nächsten Baum aufgeknüpft. Heute reicht es nicht mehr, der Meinung zu sein, jemand hätte etwas getan, um ihn zu bestrafen (Selbstjustiz). Um Unschuldige zu schützen und dennoch den Hinterbliebenen das Gefühl zu geben, ihre Rache zu bekommen, haben wir ein komplettes Rechtssystem der Rache und Bestrafung erzeugt, bei dem es nie darum ging, Verbrechen zu verhindern oder gar das Zusammenleben zu verbessern. Es ging ursprünglich nur um Genugtuung der Gefühle der Hinterbliebenen und heute ist dieser Zweck verzerrt worden, durch Pseudogutmenschen, die Verbrechern jegliche echte Konsequenz für ihre Tat ersparen wollen.

    Wir brauchen einen neuen Ansatz, nicht einen Schritt zurück.

    @daryus:
    Interessante Kurzgeschichten. Finde ich sehr schön, weil sie zum Nachdenken anregen und die Lebensweisen von diversen Menschen kritisieren.

    Mein Geschriebenes ist im Moment nur über Amazon erhältlich:
    Meine Bücher

    Wenn ich genügende Aufsätze zusammen habe, wollte ich ein großes systemkritisches Buch daraus machen. Deswegen möchte ich das nicht einfach so online stellen. Aber wenn du willst, ich würde dir einen der Aufsätze schicken. Auch weil du deine Texte hier so offen anbietest (und meine wohl bis auf weiteres niemand kauft, bis auf ein, zwei Schüler von mir :-))

    Ich weiß, dass Helpokratie nicht neu ist. Umso trauriger, dass diese nicht Basis unseres täglichen Miteinanders ist. Danke für dein Angebot mit dem Schnaps und Süßigkeiten :-) Aber ich bin noch gut versorgt, dank deines Cookies :) .

    Jo. Entschuldige bitte noch mal, dass ich dich (dummerweise) beleidigt habe, Jack.

    Ich bin Physiker. Wir sind unheimlich schwer zu beleidigen. (Aussagen jeder Art sind falsch, unwichtig oder wahr. Falsche kann man als solche identifizieren und verbessern und wahre sind ernst zu nehmen - letzteres war hier der Fall. Wäre ich die Person, als die du mich verstanden hattest, hättest du ja Recht gehabt :) )
    Außerdem bin ich mit einem Vater aufgewachsen, bei dem "Depp" und "Bei dem Kopf kann eh nichts kaputt gehen" (wenn ich mir den angehauen hab, normaler Umgangston war. "Vollidiot" ist Kosename meines Bruders, daher nicht ernsthaft negativ besetzt :-). Mit anderen Worten: Danke für den Cookie.

    Im Moment habe ich ein Buch geschrieben, wie ein Lehrer in einer Schule mit einem Paintballgewehr Amok läuft. Ziemlich viele angefangene Romane. Drei systemkritische Aufsätze (Über Religionsfreiheit, Nazideutschland und etwas über utilitaristische Einteilung von Wirtschaftssektoren - Vermieter sind darin zum Beispiel natürlich Schmarotzer der Gesellschaft) und zwei in Arbeit. Am liebsten würde ich später einmal als professioneller Systemkritiker arbeiten - Romanautor wäre auch toll, aber mich interessiert vor allem Science Fiction und das geht nicht gut. Versuche mich im Moment an einem Fantasy-Krimi, den ich hoffe noch dieses Jahr fertig zu haben.
    In einer Zeit in der jeder auf Amazon veröffentlichen kann, fehlt es folglich nur noch an der richtigen Werbung - deswegen mein Amokbuch als Lehrer - warte immer noch auf das Aufspringen der Presse.
    Am Ende geht es mir jedoch um Aufmerksamkeit für meine systemkritischen Themen - Praktisch jeder Bereich des menschlichen Zusammenlebens kann verbessert werden. Und mit verbessert meine ich das Ziel alle Menschen zufriedener zu machen - siehe auch meinen Beitrag Helpokratie in diesem Forum. Bedeutet zugleich natürlich erhebliche Einschränkung der Wirtschaft/des Kapitalismus zugunsten der Umwelt ...

    Sagen wir besser: Du hast es ihnen immerhin mal erzählt. Ob sie das dann auch wirklich verinnerlicht haben, ist leider eine komplett andere Geschichte.

    Oder anderes Beispiel: Nehmen wir mal unsere lieben muslimischen Mitbürger. (gut, das Problem hast du als Gymnasiallehrer vermutlich eher weniger)
    Eigentlich sollte man denen meiner Meinung nach beibringen, dass Religionen ein rückständiger Haufen Mist sind, und dass der ganze Schwachsinn wie "Du darfst kein Schweinefleisch essen, weil das so im Koran steht" einfach nur billige Gehirnwäsche ist.

    Naja, erzählt habe ich es nicht direkt. Klar habe ich mal gesagt "Es gibt kein absolutes Gut und Böse", aber im Grunde habe ich ihnen zahllose solche Botschaften ein halbes Schuljahr lang untergeschoben (in verschiedensten Kontexten, sogar in der Ex). Natürlich reden die da nicht drüber. Meistens interessiert es sie auch nicht wirklich - höchstens den ein oder anderen Schüler. Aber ich behaupte, allen 10 habe ich etwas eingepflanzt. Wenn Sie später im Leben vor schwierigen Entscheidungen stehen, haben sie mehr Möglichkeiten. Nicht, dass sie sich besser entscheiden werden durch mich, aber ihr Horizont ist nun weiter.

    Zum Beispiel, steht auf meinem Ordner der Aufkleber: "Die Bibel ist ein Märchenbuch."
    Ich thematisiere das nicht weiter. Viele sehen es, manche fragen. Meist ist meine Antwort knapp, es ist nicht wichtig, mein Ziel ist erreicht: Mehrere hundert Schüler haben diesen Satz gelesen, gehört und er nagt an der katholischen Umgebung in der sie auch heute noch aufwachsen (die meisten Lehrer, beten jeden Morgen in der ersten Stunde mit den Schülern).

    Und ja, ich habe zu einer Schülerin mit Kopftuch gesagt, als sie geklagt hatte, dass ihr zu heiß sei: "Du kannst ja deine Kapuze abnehmen, dann ist dir nicht mehr heiß."
    Und was denkst du, wer da im Ethik Unterricht sitzt? Zwei bis drei Türken schaffen es dann doch pro Jahrgang ins Gymnasium. Warum das so wenige sind und viele davon oft unheimlich schlecht sind, kann ich nicht beantworten.

    @daryus:
    Ebenfalls danke für deine sehr interessante Lebensepisode. Das bestärkt mich nur noch mehr in meiner Analyse des Rechtssystems.
    In Norwegen zum Beispiel führen sie Kriminelle, lange bevor sie wieder auf die Welt losgelassen werden, in einer normalen Atmosphäre langsam zurück ins Leben. Teilweise arbeiten sie dann bereits wieder gewöhnliche Berufe und sind nicht mehr "eingesperrt" (zumindest in dem Sinne, wie wir das kennen).
    So wie mit dem Nazi, den du (hoffentlich) reformiert hast, stelle ich mir das in etwa auch vor. Bin da ganz deiner Meinung, die brauchen einfach jemanden der ihnen zuhört und sie ernst nimmt. Wenn du einem Nazi sagst, er dürfe Ausländer nicht hassen, weil das rassistisch ist, nicht nett und weil das Menschen seien wie er selbst, dann hilft das gar nichts. Er muss mit einem Nichtrassisten, den er an seiner Seite akzeptieren kann in Kontakt mit Ausländern kommen und selbst erkennen, dass seine Vorurteile falsch sind. Nur durch den Widerspruch seiner Fehlvorstellungen mit der Wirklichkeit, wird er lernen können.
    Ich freue mich, dass es Personen wie dich gibt. Ich wünschte nur, es bräuchte nicht Zufälle und Gefängnisse dieser Art, um so etwas passieren zu lassen.

    Die Tatsache, dass du teilweise über andere Leute sprichst, als wären sie NUR berechenbare Massenware, die es ausschließlich gezielt zu manipulieren gilt, lässt dich in meinen Augen nicht wie ein besserer Übermensch wirken, sondern bloß wie ein gewöhnlicher Vollidiot dastehen. (Sorry)

    crazy Seit ich erhebliche Skepsis an echtem freien Willen habe, ist mein Menschenbild tatsächlich etwas geringer. Wenn jedoch Manipulation nicht funktionieren würde, warum steckt so viel Geld in Werbung?
    Und nur, weil massive Propaganda und Informationskontrolle funktioniert, muss man damit ja nicht Lemminge produzieren. Und ja, eine Menge an Menschen ist nicht einheitlich. Jede Idee auf die ein Mensch bereits kam, wird irgendwann wieder einer kommen. D.h. wenn man die Filme Saw 1-4 und alle ähnlichen zensieren würde und zahllose Propaganda benutzt, um Menschen zu sozialen Wesen zu erziehen, wird es immer einen Menschen geben, der seine Mitmenschen sezieren möchte.
    Was ich sagen möchte: Manipulation/Propaganda/Zensur sind Werkzeuge, die man genauso präzise verwenden muss wie Pistolen und Panzer. Vor allem sollte man sie nicht jedem Vollidioten in die Hand drücken. Somit offenbar nicht mir :D

    Was ICH irgendwann mal sehen will, sind selbstständig entscheidende, eigenständig denkende Mitbürger, die GANZ OHNE JEDE GESETZGEBUNG dazu neigen, sich verantwortungsbewusst und ehrlich zu benehmen. Wir kommen daher vermutlich auf keinen gemeinsamen, grünen Zweig.

    Wenn du mir eine ausreichende Menge an solchen Personen zeigen kannst, dann kommen wir durchaus zusammen. Ich würde das auch gerne sehen, bin da auf deiner Seite. Aber man muss halt arbeiten mit dem was vorhanden ist. Und ich bin mir noch nicht mal 100% sicher, dass ich in diese Kategorie falle. Ganz zu schweigen von den vielen Menschenaffen, die um mich herum leben. Etwa 90% meiner Kolleg_innen, die bekanntermaßen die klügsten Kopfe Deutschlands unterrichten, holen für jede winzigste Entscheidung, den Rat und die Anweisung des Schulleiters ein.
    Und wenn ich einem nahezu 18 jährigen durchfallen lasse, weil er nicht lernt und nicht mal seine Hausaufgaben macht, dann bekomme ich Ärger, weil ich ihn nicht genügend motiviert habe (es sei denn ich kann nachweisen, dass ich es probiert habe)
    Menschen sind Rudeltiere und daher nicht fähig anarchistisch zu leben bis sie sich per Evolution zu einer neuen Spezies entwickelt haben. (Kann jedoch keinen solchen Evolutionsdruck erkennen.

    Selbst wenn jener Helden-Regent so freundlich wäre, seine Herrschaft danach wieder freiwillig in die Hand einer selbstlos agierenden demokratischen Regierung zurück zu legen, könnte ich den Typen jetzt schon nicht leiden.Man hätte das Recht auf die eigene Entscheidungsfreiheit von Anfang an niemals aus den Händen der Bevölkerung entreißen sollen!!

    Ja, du hast ja Recht. War ja nur eine Idee. Mir ist doch selber klar, dass es einen solchen Helden-Regenten nicht gibt. Ich bin überzeugt, dass ich einer wäre. Drei Gründe, die deutlich dafür sprechen:
    a) Ich kann den Job.
    b) Ich will den Job nicht.
    c) Niemand will, dass ich den Job mache.

    Versteh mich nicht falsch: Wenn wir von einer Vernichtung der menschlichen Spezies reden, um den Planeten vor seinem drohenden Untergang zu retten, dann stehe ich voll und ganz hinter dir. Sprichst du aber vom Weltuntergang, um die menschliche Rasse zu retten, dann kann ich dir echt nicht mehr ganz dabei folgen... ...was war doch gleich noch mal der Sinn und Zweck dahinter? Deren geistige Weiterentwicklung? Fang lieber mal bei dir selbst damit an...
    ...nichts für ungut. Aber Leute wie du, die lieber nach Anführern suchen, als eigenständig Entscheidungen treffen zu wollen, SIND meiner Ansicht nach das Problem.

    Vernichtung der Menschheit - habe kein Problem damit, aber nein, das meinte ich nicht.
    Ich möchte keinen Weltuntergang in dem Sinne, sondern einen Zusammenbruch jeglicher Staatsgewalt, damit man aus den Ruinen der menschlichen Konstrukte, einen Neuanfang starten kann. Wenn man Menschen tötet, stirbt nicht die Regierungsform/Wirtschaftsform. Man muss die Regierungsform/Wirtschaftsform töten, um von vorne anfangen zu können. Eine Revolution oder eine Eroberung durch einen Feind reichen dafür auch aus.

    Hey! X( Ich will eigenständig Entscheidungen treffen und bin am stetigen geistigen weiterentwickeln! Tu was ich kann. Ich suche nicht ernsthaft nach einem Anführer. Ich suche nach einem Weg, dein Ziel zu erreichen:
    Aus den Menschen selbstständig entscheidende, eigenständig denkende Mitbürger machen, die GANZ OHNE JEDE GESETZGEBUNG dazu neigen, sich verantwortungsbewusst und ehrlich zu benehmen.

    Wenn du eine Idee hast, wie das geht ohne invasive Maßnahmen, raus damit!
    Mein Ansatz ist zur Zeit, Geld zu sammeln/Bücher zu schreiben, unterrichten etc., um Menschen durch Werbung und gezielte Propaganda auf den richtigen Weg zu lotsen.

    P.P.S.: >Enders Game< kannte ich doch schon. Es gibt allerdings einen guten Grund dafür, dass er mir nicht weiter in Erinnerung blieb. Ich empfehle dir, meine nicht-aktuellen Film-Empfehlungen mal näher anzuschauen...

    Naja, ehrlich gesagt, meinte ich weder Enders Game, noch den dazugehörigen Film, sondern mehrere der Folgebücher von Orson Scott Card (übrigens Autor der Dialoge zum Schwertkampf aus Monkey Island dem Computerspiel). Welches weiß ich nicht mehr, jedoch Peter Wiggin, der Bruder von Ender, führt dort die Menschheit zu einer Weltregierung zusammen.