@Shinobi , @Unmensch :
Wie ich bereits geschrieben habe, das jetzige System gefällt mir auch nicht und mein Vorschlag, funktionierende Methoden zu verwenden, bezieht sich nur bedingt auf mein ideales Bildungssystem.
Aber grundlegend seid ihr davon ausgegangen, dass ich davon sprach Kinder zu gehorchenden Lakaien auszubilden. Nur weil ein Kind durch Leckerlis etc. dazu trainiert wurde im Unterricht nicht vom Hocker zu fallen und Papierflieger zu werfen, ist es doch noch nicht willenlos.
Wenn man versucht Meinungen einzupflanzen, gebe ich euch Recht - das wäre fatal. Ein Mensch kann jedoch ohne weiteres der Meinung sein, die Erde wäre flach und gleichzeitig in der Lage sein, das in Worten zu äußern, statt es dem Nachbarn in das Hirn einzuprügeln.
Zudem bezieht sich das Training allein auf das Verhalten im Klassenzimmer. Deswegen kann doch das Kind zuhause immer noch den Teppich mit Scheiße beschmieren und später einmal Graffitti an Wände kritzeln.
Und überhaupt, wenn die Schule so gut wäre im Erzeugen von Einheitsmenschen, wie sind dann wir als frei denkende Menschen raus gekommen?
Ich durfte mir immerhin zuhause Bücher durchlesen, die ich mir selber aussuchen durfte. Und wie ich oben ebenfalls bereits erwähnte, sind die Lehrinhalte aus der Geschichte und vor allem der Ethik-Unterricht Gold wert. Selbst wenn die LehrerInnen noch so indoktriniert sind, werden die Schüler anhand der Taten der Vorfahren alleine erkennen, dass es auch andere Wege gibt zusammen zu leben. Und ich erinnere mich sehr gut daran, von der französischen Revolution in der Schule gelernt zu haben, in der die Bürger sich gegen den dekadenten Adel erhoben haben.
Der Mensch ist kein Pudel. Und die Pubertät in Kombination mit Bildung bietet genug Mittel und Wege frei zu denken. Und so Kacke wie ich "Jugend debattiert" finde, lernen Kinder damit z.B. sich eben gerade auch mal mit anderen Meinungen auseinander zu setzen...
Im Berufsleben dasselbe: Widersprich deinem Vorgesetzten. Das wird nicht gut enden, selbst wenn du dir in der Qualität deiner Arbeit nie hast was zu Schulden kommen lassen.
Das was du hier ansprichst, ist das Rudelverhalten des Homo Sapiens. Wie gesagt, finde ich die Strukturen ebenfalls nicht gut, aber du und ich sind hier evolutionäre Ausreißer. Zumindest ich bin weder Rudelführer, noch Mitläufer, sondern derjenige, der sich mit dem Rudelführer auf der gleiche Stufe sieht. Ich hinterfrage die Entscheidungen des Rudelführers, berate ihn und bin durchaus gewillt lieber das Rudel zu verlassen, als ihm die Position streitig zu machen - auch weil mir oft genug die Stärke und das Auftreten fehlte, um die Mitläufer auf meine Seite zu ziehen.
Man mag es Kacke finden und von einer idealen Anarchie träumen, aber leider musste ich erkennen, die Menschen sind biologisch nicht in der Lage für eine andere Gemeinschaftsstruktur. Du kannst über manche Mechanismen das Rudelgefüge aufweichen, aber egal wo du hinsiehst, du wirst keine Gruppe Menschen finden, die nicht eine gewisse Hackordnung haben (Hallo, sogar hier im Forum gibt es eben einen der alle rauskicken oder es ganz dicht machen kann)
Es gibt allerdings noch eine andere Form des Anarchismus. So möchte ich zum Beispiel in Ruhe gelassen werden und mein Ding machen. Gleichzeitig bin ich der Letzte, der durch rücksichtsloses Verhalten andere belästigt oder nicht hilfsbereit wäre, wenn er gebraucht wird. Ein Wort und ich bin zur Stelle!
Das ist genau die Art von Anarchismus, die ich mir auch wünsche bzw. genauso verstehe auch ich Anarchismus und deswegen bin ich ja auch hier.
Aber selbst wenn wir es nicht mit nur intelligenten Rudeltieren zu tun hätten - manche komplexere Zusammenhänge sind für Einzelgänger nicht mehr erkennbar. Wie ich anderswo bereits geschrieben hatte. Für einen Einzelnen ist es völlig klar, wenn ich Wasser lassen muss, ist der Brückenpfeiler genauso gut wie alles andere. Auch wird kein Stadtpark der Welt zugrunde gehen, wenn ich da an einen Baum pisse.
Viele Verhaltensweisen scheinen harmlos (Müllberg nach einer Party etc.), aber sie sind es nicht. Der Mensch hat mit seiner Technik und allein durch seine pure Anzahl ein Level erreicht, in der wir entweder uns irgendwie sinnvoll organisieren/absprechen oder den Abgrund hinunterspringen.
Sorry, aber wer glaubt, er könne durch anarchistische "Scheiß auf den Staat"-Haltung oder durch Steine werfen auf Polizisten den Zug anhalten, der ist genauso ein Lemming, wie der biedere Durchschnittsbeamte. Während die BRD mit all den braven Bürgern mit Vollgas und freudestrahlend auf die Klippe draufhält, saufen sich viele Anarchisten im Speisewagen zu, rauchen Gras und machen sich lustig über die anderen.
Ich bin übrigens der, der sowohl den braven Bürgern als auch den Anarchisten mitteilt, dass der Zug anhalten könnte, wenn wir alle gleichzeitig an der Handbremse ziehen, während mir beide Parteien sagen "Du wirst nie alle davon überzeugen können, mitzumachen."
Ausgerechnet in Bayern, wo man jetzt in jedem öffentlichen Gebäude mit Religion und dem Glauben an eine Märchenfigur belästigt wird.
Ja, ist schon lustig hier. Hab gelesen, viele Verbrecher ziehen z.B. nach Berlin, weil es ihnen hier zu streng zu geht. ("Was haben die Römer denn je für uns getan?" ...)
Welche Freiheit noch mal? Jene im Supermarkt zwischen zehn verschiedenen Joghurtsorten wählen zu dürfen, aber bei der Bundestagswahl nur zwischen zwei Parteien?
In etwa so. Übrigens sind die meisten (alle) Menschen zu doof zwischen zehn verschiedenen Möglichkeiten zu wählen - das überfordert sie nämlich - Studien haben herausgefunden, dass die Kunden dann lieber ohne Joghurt nach Hause gehen, wenn sie zuviel Auswahl haben. Ideal sind zwei oder drei. Oder denkst du es ist Zufall, dass es nur zwei große Parteien gibt?
Die können nur daran anschließen, was in der Schule in jungen Jahren begonnen wird, in die Köpfe zu pflanzen. Nämlich Leistung, Wachstum und streben nach Erlösung.
Soweit ich weiß, wurde das Schulsystem erst nach dem Kapitalismus erfunden. Und bereits vor dem Turbokapitalismus gab es Menschen, die mehr wollten als zu essen und zu schlafen.
Ich ärgere mich übrigens manchmal, dass ich so sehr beschäftigt war das System verbessern zu wollen, dass ich zu wenig Energie darauf verwendet habe, überhaupt zu lernen, wie das System funktioniert, wie es entstanden ist, wer es erfunden hat und welche Kritikpunkte es heute und früher dazu gab.
In der Physik zum Beispiel wird man neue Erkenntnisse tatsächlich erst dann finden können, wenn man den Schrott einfach lernt. Höhere Mathematik ist der einzige Weg, um mehr über das Universum zu erfahren. Es gibt keine Abkürzung.
Und ähnlich ist es mit der Demokratie oder dem Bildungssystem. Man muss sich mal genauer anschauen, wie es aufgebaut ist, welche Theorien es dazu gibt, um bessere Wege zu finden.
Und glaub mir, je mehr "unnötiges" Wissen den SchülerInnen "aufgezwungen" wird, desto besser. Die Alternative ist, wir lassen die Jugendlichen alleine mit ihren Eltern und Freunden. So gern ich glauben will, dass sich alle (!) mit Geschichte, Mathematik etc. beschäftigen würden, viele würden sich nur für ihr Lieblingsthema interessieren.
Gerade Mathematik und die Naturwissenschaften sind die Bereiche in denen es sowieso am meisten mangelt. Die Politik kann uns nur deshalb Elektroautos oder Energiesparlampen als toll verkaufen, weil man den Lehrern in der Schule nicht zugehört hat. Am Ende klingelt es in der Kasse der Wirtschaft und die Umwelt ist schlechter dran als vorher.
Du wirst in erster Linie dazu ermuntert eine Meinung zu bilden die den festgelegten Erwartungen der Institutionen entspricht und die dich dazu befähigkeit ein produktives Mitglied der Gesellschaft zu sein.
Das ist korrekt. Die Grenzen des Rahmens werden aber vom System her gar nicht einmal so stark eingegrenzt. Ich mein den Holocaust darfst du nicht leugnen (Straftat) und in Religion wird man mit der Behauptung, es gibt keinen Gott sicherlich anecken, aber keine Bestimmung verbietet dir, deine kommunistischen oder anarchistischen Gedanken zu äußern.
Da kommt die Begrenzung eher aus den Köpfen der Mitmenschen (SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen). Die gab es auch schon bevor es Schulen gab. Und wird es bei dieser Menschheit immer geben, solange die Mehrheit ähnliche Ansichten vertritt.
Und ehrlich gesagt, habe auch ich etwas davon, wenn die ausgelernten Erwachsenen produktive Mitglieder der Gesellschaft werden. Wenn jeder Hartz IV Empfänger oder Erbe wird, dann muss ich mir mein Essen selber anbauen - und da hab ich keinen Bock drauf.
Schon wenn du dich weigerst, den traditionellen und pathetischen Diensteid zu schwören, kannst du das mit deiner Beamtenlaufbahn vergessen.
Ich bezweifle dass du als offener Gegner des Systems als Beamter arbeiten kannst.
Beides richtig. In Bayern muss man als angehender Beamter angeben zu welchen verfassungsfeindlichen oder extremen Parteien/Religionen man gehört. Und da wird man als Parteimitglied der Linkspartei es eventuell schwer haben (offiziell zwar nicht, weil ein Aussieben nach Parteiangehörigkeit verfassungswidrig wäre, aber ich bin mir derzeit ziemlich unsicher, wie ernst meine KollegInnen und Vorgesetzten ihren Eid überhaupt nehmen - siehe Söders Kreuz) .
Hab aber bereits "lebenslänglich" ("auf Lebenszeit ...") gekriegt, bin daher schwer aufgrund meiner Ansichten aus dem Beruf zu katapultieren.
Es sei denn ich wäre Reichsbürger. Da kann ich die Haltung des Staates aber durchaus verstehen.
Reichsbürger behaupten, eine BRD gibt es gar nicht und das deutsche Reich bestehe fort. Sie zu entlassen ist nur konsequent. Wie soll man denn ein Beamter der BRD sein, wenn man deren Existenz leugnet? Nicht existente Staaten zahlen keine Gehälter.