Beiträge von '"'"'

    In der Theorie wirken viele Ansätze ersteinmal gut. Und problematisch wird es, wenn reale Menschen sie umzusetzen versuchen mit ihrer Begrenztheit, ihrem Nichtverstehen und falschen Annahmen.

    "Nation" scheint mir eigentlich nie wirklich statisch zu sein, die Traditionen entwickeln sich weiter, andere verblassen. Aber es gibt immer Leute, die eine Sache so beibehalten möchten, wie sie sie kennen. Ich würde sogar sagen jeder Mensch nimmt in irgeneinem Punkt seines Lebens eine solche Haltung sein.

    Was die Identität eines Menschen angeht würde ich sagen, daß jeder sich damit beschäftigen sollte, wer er ist, was sein Wesen ausmacht, welche Bedürfnisse er wirklich hat, ob sein Verhalten im Alltag von ihm so wie er es lebt wirklich gut gefunden wird. Zu reflektieren, in die Stille zu gehen und sich zu betrachten ist für viele Menschen etwas zu dem sie sich schwer nachhaltig durchringen mögen. Sie werden mit schmerzhaften Dingen konfrontiert, werden von ihrer Lebensrealität herausgefordert. Erstarrung scheint mir ein Leben zu sein, das sich nicht oder kaum hinterfragt, kaum Rückanbindung an die eigentliche eigene innere Natur sucht. Und ich denke, daß wenn ein Mensch sich für so ein Leben entscheidet, dem eine Sehnsucht entspricht, die eben von echter Lebendigkeit abgewandt ist. Z.B. soetwas wie Sehnsucht nach irgendeiner Anerkennung indem man sich in irgendwelche gegebenen Bestätigungssitten einfügt. Man kauft sich ein neues Auto, weil man Menschen kennt, die auf das neue Auto in bestimmter Weise reagieren. Oder noch wichtiger alle Menschen ausgenzen, die den Konsumterror nicht mitmachen und äußerlich daher anders erscheinen, z.B. "ungepflegt", "verwahrlost", "arm" Das sind genau betrachtet oft brutale Sektenstrukturen. Aber die Frage ist ja tatsächlich: Wo sind die Menschen, die das relativ konsequent nicht mitmachen? Wenn man eben schon sein Leben teilweise mit Menschen verbingen möchte, die zu einem passen. Aus Erfahrung kann ich sagen: Gar nicht so einfach. Und ich denke da müßte man eventuell ansetzen?

    Vorpolitisch, nachpolitisch, ich weiß nicht, ob es das trifft. Nationalismus ist für mich soetwas wie eine Ideologie der Zugehörigkeit von Bürgern einer Nation, die oft auch irgendein staatliches Gebilde ist. Es ist eine Art Fußballclubfantum, das in der Regel ein staatliches Gebilde zu festigen sucht. Vielleicht kann man es mit einer Groß-WG vergleichen, die so ihre eigenen Regeln erstellt und mit der Zeit eigene Traditionen hervorbringt. Anarchismus grenzt Menschen aus, die andere Vorstellungen von gesellschaftlicher Organisation haben?

    Angst, Trägheit. Aber wieso? Eine Rolle spielt wohl die Verheißung, daß der "Arbeitgeber", der eigentlich die Arbeit nimmt, sich dafür sorgt, daß immer regelmäßig eine relativ konstante Summe Spielgeld rüberwächst, von dem dann alles mögliche gekauft werden kann, das ich persönlich nicht brauche. Es geht also auch um Materialismus, um eine Verfasstheit, die einen Lebensschwerpunkt an dieser Stelle setzt. Vernünftiger als bei Schimpansen ist das wahrscheinlich nicht begründet?

    Irgendwo glaube ich aber, daß jeder Mensch letztlich das lebt, wonach er sich sehnt, egal was ihm von außen vermittelt wird.

    Ist "Nationalismus" systematisch gesehen eine so andere Kategorie als "Anarchismus"? Die Vorstellungen davon wie man ein Gebiet verwalten sollte unterscheiden sich so wie emotionale Begriffe in diesem Zusammenhang verschieden sind. Daher bin ich mir nicht sicher, ob es hier nicht doch vor allem um ein Messen mit zweierlei Maß geht.

    Letztlich weiß ich aber nicht, was in einem Menschen vorgeht, der für Geld Dutzende Stunden in der Woche andere bestimmen läßt, was er tut. Ich habe glaube ich noch nie nachvollziehen können, wie man so leben kann.

    Viele Menschen sehnen sich soweit ich sehe nach jemandem, der ihnen sagt was sie tun sollen. Sie lassen sich sagen, was sie zu tun haben um "gut" zu sein und tun anderen Gewalt an, wenn sie diese Vorstellungen nicht erfüllen. Wieso ist ein Mensch so?

    Eine solche kollektive Identität wäre dann z.B. "Anarchist"? Oder geht es immer nur um Identitäten, die man für sich selbst nicht zutreffend findet? ;)

    Einflußreiche Gruppen ziehen immer einen Schwarm hinter sich her, der wenig tiefgründige Identifikation aufweist, dem es vielleicht auch stark darum geht sich Macht zugehörig zu fühlen. Zu sehr verallgemeinern sollte man das aber glaube ich nicht. Auch wenn es bequem ist gerade wenn die eigene Bezugsgruppe gerade nicht viel gesellschaftliche Macht besitzt.

    Was würde es bedeuten sich als Individuum zu erfinden? Eigene Begriffe zu erfinden? Keine aufzugreifen, die ähnliches zu verkörpern scheinen wie das, was man selbst gut findet? Bedeutet sich selbst in etwas zu finden, das man gut findet nicht immer automatisch auch Abgrenzung?

    Vielem würde ich zustimmen, glaube ich.

    Seit unzähligen Generationen wird den religiös dogmatisierten Menschen vorgeschrieben, dass Sexualität etwas Schmutziges ist, für das man sich schämen muss, und das man nur heimlich im stillen Kämmerlein ausleben darf.


    Eine Anmerkung: Prüderie, wie wir sie aus den letzten Jahrhunderten kennen ist eher eine Erscheinung der Neuzeit?

    Beispiel, wenn ich Drogen nehme, die mir selber schaden, dann schade ich damit automatisch der gesamten Gemeinschaft, da diese sich Verpflichtet hat mir zu helfen, was ja Kosten für die Gesellschaft verursacht.


    Eine sehr gefährliche Denkweise, richtig. Sie spielt in der Art in vielen Bereichen staatlicher Bevormundungsideologie eine fragwürdige Rolle. Deswegen gibt es mittlerweile ja auch eine Krankenversicherungspflicht, die z.B. geeignet ist Menschen zu ruinieren, die einfach auf einem Stück Land ihr eigenes Essen anbauen ohne Geld zu verwenden.

    Ein Problem ist wahrscheinlich, daß Menschen mitunter Dinge tun, die anderen Menschen nicht gefallen. Etwa einen Gegenstand mitnehmen, den der andere hergestellt hatte. Nun könnte das jeder selbst regeln, dann würde vermutlich meistens derjenige der das letzte Wort haben, der die meisten Freunde hat oder eben zu einer starken gewalttätigen Gruppe gehört. Früher fühlten sich Menschen oft zu ihrem Stand zugehörig, von ihm und der Familie und Gerichten eines Herrschers bekam man eventuell Unterstützung. Das alles hat auf der anderen Seite auch seinen Preis, aber vielen Menschen scheint mir tatsächlich sehr wichtig zu sein, daß gewisse Grundegeln beachtet werden. Der Nationalismus brachte Menschen vor einer Weile dann dazu sich zueinander zugehörig zu fühlen, weil man in einem bestimmten Gebiet lebt. Das hat gegenüber ständischem Denken durchaus Vorteile und heutige Sozialstaatsideen beruhen auf solchem allgemeinen Gefühl der Zugehörigkeit zu allen möglichen Arten Mensch. Man kann nun sagen, daß die Nation als Konstrukt unsinnig ist. Andererseits sehe ich darin auch Vorteile kleinere Einheiten zu haben, weil ich dezentrale Lösungen mag. Bedingungslos identifizieren tun sich dabei wohl die wenigsten mit allem, was mit einem bestimmten Staat zu tun hat?

    Ist es nicht so, daß sobald jemand überlegt, was er denn tun will oder gut findet, die Antwort etwas mit seiner Identität zu tun hat?

    Eigentlich habe ich ja nicht mal so ein großes Problem mit Identitäten, eher mit ihren Entstehungen und Folgewirkungen. Menschen eignen sie sich meistens relativ oberflächlich und ohne genaueres Nachdenken an und wollen sich dann daran ketten.

    Was ist dann das eigentliche Problem? Die Oberflächlichkeit? Findest du es verwerflich sich zu etwas bekennen, an dem man etwas identifizierungswürdig findet obwohl man kein umfassendes Bild von Konzepten hat, die dahinterstehen?