Beiträge von Lonewolf

    @Feldkatze: Ein weiterer Faktor, der gegen eine Durchseuchung spricht, ist eben Long Covid, denn hiervon ist ein Großteil betroffen und eben nicht nur Risikogruppen.

    Schützt die Impfung vor Long-COVID? | DW | 28.11.2021
    Die zugelassenen COVID-19-Impfstoffe schützen zuverlässig gegen einen schweren Verlauf. Aber beugen sie auch Long-COVID vor? Erste Studien zeigen: womöglich…
    www.dw.com

    Auch wenn die bisherigen Ergebnisse insgesamt ernüchternd sind, scheint eine Impfung dennoch das Risiko zu vermindern. Das allein wäre für mich schon ein Argument, auch unter 'Kerngesunden' eine Impfung zu empfehlen.

    Zu Omikron sind die Einschätzungen wohl noch zu früh. Aber wie es momentan aussieht, schützen auch hier die gängigen Impfstoffe verhältnismäßig gut vor einem schweren Verlauf. https://www.merkur.de/welt/omikron-c…r-91197893.html

    Report 50 - Hospitalisation risk for Omicron cases in England
    Report 50 - Hospitalisation risk for Omicron cases in England
    www.imperial.ac.uk

    Interessanterweise soll Astra sogar noch besser gegen Omikron als gegen Delta wirken.

    Mein Verweis auf die Raucher zielte noch in eine andere Richtung: Wir haben eine sehr große Gruppe an Menschen, die man als vulnerabel bezeichnen könnte. Wollte man also wirklich nur die eindeutig (!) in höherem Maße gefährdeten Menschen impfen, wäre das dennoch je nach Demographie eines Landes eine relativ große Menge. Wir reden hier eben nicht von der Grippe. Insofern frage ich mich, ob es in Bezug auf die Konsequenz, die in deinem verlinkten Artikel beschrieben wird, überhaupt einen substanziellen Unterschied zwischen einer 'breiten' Impfung und einer 'nur' auf Risikogruppen bezogenen Impfung gibt.

    Wir bewegen uns hier ohnehin nur im Bereich von Hypothesen, die an sich auch nicht neu sind: https://www.spektrum.de/news/virenevol…pfungen/1360467

    Ebenso können wir auch die Entwicklung von Mutationen nicht voraussagen. Daher erscheint mir die Ablehnung einer Impfung, die vielleicht keinen hundertprozentigen, aber dennoch hohen Schutz gegen schwere Verläufe bietet, immer noch nicht nachvollziehbar.

    Sinn machen würde, zumindest für eine freiwillige (!) Impfung zu werben und sich damit eben auch mit den Betroffenen zu solidarisieren,

    Hallo Lonewolf,

    ich hatte jetzt sehr viel geschrieben.

    Deshalb bitte verzeihe mir, wenn ich dir jetzt einen wichtigen Text gebe, der eben diese Mär der angeblichen Solidarität widerlegt.

    Wenn Du dich wirklich wegen "Solidarität" hast impfen lassen, dann ich dieser Test Pflichtlektüre!

    Nein, ich persönlich hab mich aus rein 'egoistischen' Motiven impfen lassen. Und die Frage, ob ich nicht doch zu den vulnerablen Gruppen gehöre, ist noch offen. Ein Punkt, den letztlich eben auch viele andere nicht für sich beantworten können (Stichwort Herzprobleme). Daher wäre mein erster Ansatz auch, statt einer allgemeinen Impfpflicht tatsächlich erstmal alle zu einer Impfung zu bewegen, die nachweislich Risikofaktoren aufweisen. Du warst derjenige, der ein Rauchverbot ins Spiel gebracht hat. Da dies tatsächlich ein unrealistisches Szenario ist, müsste man als Alternative eigentlich die Raucher zum Impfen bewegen bzw. verdonnern, wenn man der Logik folgt, dass Rauchen das Risiko eines schweren Verlaufs erhöht. Womit wir schon bei einer ziemlich großen Anzahl wären, oder?

    Ich bin kein Naturwissenschaftler, daher frage ich nach:

    Die Omikron-Variante ist nun in einem Land mit sehr geringer Impfquote entstanden. Wie genau passt das zu der Vorstellung, die Impfung würde Escape-Varianten in einem höheren Maße befördern als die ungebremste Durchseuchung?

    Was genau ist denn nun deine Perspektive? Impfung nur für vulnerable Gruppen (wozu dann deiner Argumentation auch alle Raucher gehören) und jeder, der vordergründig gesund und unbelastet ist, immunisiert sich durch eine ungeschützte Infektion? Gehst du davon aus, dass in diesem Szenario weniger neue Varianten auftauchen und insgesamt auch weniger oder zumindest nicht mehr schwere Verläufe entstehen als bei einer sehr hohen Impfquote? Insbesondere letztgenannter Punkt würde mich verwundern, schon allein wegen der Tatsache, dass schwere Verläufe nicht ausschließlich vulnerable Gruppen betreffen.

    Siehe hierzu auch: https://www.derstandard.de/story/20001315…ungen-entstehen

    Und auch wenn, wie wir wissen, correctiv.org sowieso von Gates und Soros finanziert ist, hier noch der Link:

    Begünstigen Impfungen Corona-Mutationen? Wissenschaftler widersprechen den Behauptungen von Geert Vanden Bossche
    Geert Vanden Bossche behauptet in einem offenen Brief, aktuelle Corona-Impfungen würden Mutationen des Virus begünstigen. Ein Faktencheck.
    correctiv.org

    Der Umgang mit der Impfung ist weitaus komplexer, da wir im Grunde sehr selektiv nach den Quellen suchen, die unsere Erwartungen bestätigen. Keine Impflicht ist eine Sache, aber wie ich schon in meiner mehrfach gestellten Frage angedeutet habe: Wie kann - meinetwegen aus 'anarchistischer' Perspektive - die Solidarität mit den Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, zusammengedacht werden mit der Solidarität für die Betroffenen, die eindringlich für das Impfen werben? Ist es sinnvoll, an dem Narrativ der 'gefährlichen' oder 'wirkungslosen' Impfung festzuhalten, oder sollten wir nicht eher die Vorstellung kritisieren, dass eine Durchimpfung die Bedingung für Freiheit ist? Weiter: Macht es Sinn, die drohende Überlastung des Gesundheitssektors zu leugnen? Ist es 'anarchistisch', hierüber einfach hinwegzusehen? Wenn nicht, wie sieht die Konsequenz aus, außer wieder nach dem handlungsfähigen Staat zu rufen (ist das dann noch 'anarchistisch'?) ?

    Ich behaupte überhaupt nicht, dass ich hierauf eindeutige Antworten habe. Nur irritiert mich schon die Selbstgewissheit, mit der manche Gegner der Maßnahmen durchs Leben gehen - und dies umso mehr, wenn sie gleichzeitig das Banner des 'Anarchismus' vor sich her tragen.

    zum vierten Absatz) diese leidliche Frage nach der Impfpflicht kann man aus menschenrechtlicher wie anarchistischer Sicht eigentlich sehr einfach beurteilen (zumindest fürs erste):

    Hier ist wohl nicht ganz rübergekommen, worum es mir geht. Ich plädiere nicht für eine Impfpflicht und wollte auch nicht deren Sinn diskutieren. Diese ist für mich aufgrund der bestehenden Datenlage auch abseits freiheitlicher Überlegungen fragwürdig. Mir ging es um die Frage bzw. das Dilemma, sich als 'Anarchist' oder 'Linker' in erster Linie mit den Impfverweigerern (im Gesundheitspersonal) zu solidarisieren, anstatt zu überlegen, ob es nicht eher Sinn machen würde, zumindest für eine freiwillige (!) Impfung zu werben und sich damit eben auch mit den Betroffenen zu solidarisieren, die genau hierzu aufrufen. Ich sehe hier momentan eine tiefe Kluft zwischen denjenigen, die sich nun primär auf den Kampf gegen eine kommende Impfplicht fokussieren, und denen, die die Impfung prinzipiell für sinnvoll halten (ohne dabei unbedingt für eine Pflicht einzutreten).

    Ich bin gegen eine Pflicht, da sie zwar seltene, aber dennoch ernsthafte Nebenwirkungen mit sich bringen kann. Ich bin für die Impfung, da sie zwar nur zu einem bestimmten Prozentsatz gegen eine (symptomatische) Infektion schützt, aber, nach allem was wir wissen, zumindest schwerere Verläufe unwahrscheinlicher machen kann und damit sowohl das individuelle Risiko senkt als auch die Belegung der Krankenhäuser vermindert.

    Dementsprechend geht es mir nicht um den Staat, sondern um die Frage der Eigenverantwortung. Deine allgemeinen Ausführungen zum Gesundheitssystem sind bestenfalls langfristige Visionen. Mir ging es eher um die Frage des kurz- bis mittelfristigen Handlungsspielraums. Dementsprechend sehe ich momentan nicht die Gefahr, dass ein Leben lang jährlich mehrfach geimpft werden muss (außer vielleicht Risikogruppen).

    Langfristige Perspektiven benötigen wir sicherlich nicht nur in Hinblick auf diese oder kommende Pandemien. Hier muss ganz klar die Systemfrage gestellt werden. Nur beantwortet das für mich immer noch nicht die Frage nach den kurzfristigen Handlungsmöglichkeiten. Mein Verweis auf die bestehende Triage-Problematik, die ja hier zu Unmut geführt hat (obwohl ich im Grunde nichts anderes geschrieben habe als Dian zuvor), ist schlichtweg eine Beschreibung der Ausgangssituation der beschränkten Kapazitäten. (Vermutlich ist dies der einzige Streitpunkt, da ich davon abgesehen die bestehende Lockdownpolitik ebenso ablehne. ) Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird es eben ein staatliches Gesundheitswesen sein, dass dich auffängt, solltest wider jeder Erwartung eben doch von Corona niedergerafft werden. Genau darauf zielte meine Formulierung des Staates ab, der alles können, aber nichts tun darf. Wobei die meisten Impf- und Maßnahmengegner ihrem Selbstverständnis nach sicherlich keine Anarchisten sind.

    Vielleicht sollte man eher den Begriff 'Anarchismus', der hier ständig bemüht wird, konkret mit Leben füllen und prüfen, wie eine 'anarchistische' Kritik und Praxis in einem Pandemiezustand überhaupt aussehen könnte. Alles, was ich lese, ist im Grunde eine Ablehnung von staatlicher Kontrolle über individuelle Entscheidungsfreiheit. Man muss das eigentlich nicht 'anarchistisch' nennen, zunächst mal ist es radikaler Individualismus. Interessanterweise geht dieser aber nicht so weit, dass man sich aus dem Gemeinwesen völlig ausklinken will - der Staat soll dann zumindest noch da sein, um einen zu behandeln, sollte man mit der Impfverweigerung doch falsch gelegen haben, und auch sonst.

    Wir haben es also eher mit einem 'Anarchismus' zu tun, bei dem (wie Carl Schmitt es in seiner Kritik des Liberalismus ausdrückte) der Staat zwar alles können soll (im Sinne des Gesundheitssystems), aber nichts tun darf. Diese Logik lässt sich nur dann aufrechterhalten, wenn man gleichzeitig das Narrativ aufbaut, dass Corona gar nicht so schlimm sei, wir alle nur belogen werden etc. Und prompt landen wir der wahnhaften Echokammer, in der sich auch Querdenker bewegen. Mir ist das schlichtweg zu billig, auch wenn ich jederzeit unterschreiben würde, dass der Staat so wenig wie möglich in unser Leben eingreifen sollte. Relevant wird ein 'Anarchismus' doch nur, wenn er als konkrete Kritik an einer bestimmten Form von Pandemiebewältigung auftritt, und nicht als schlichtes Antistaat-Statement.

    Dann wäre z.B. der Zustand anzugehen, dass sich die Maßnahmen von Anfang an primär auf die Aufrechterhaltung des kapitalistischen Betriebs fokussiert haben (trotz Lockdown) und zugleich als erstes die Sphäre des Privaten zur Zielscheibe von Sanktionen wurde. Weiter müsste man die Neoliberalisierung der Gesundheitspolitik viel stärker anprangern - hier besteht der Vorteil, dass es sogar schon Streiks im Gesundheitssektor gibt, die man unterstützen könnte.

    Man müsste vor allem das offizielle Narrativ angreifen, dass Pandemiebekämpfung scheinbar nur von der wissenschaftlichen Notwendigkeit diktiert wird, und nicht etwa eine politisches Programm mit eindeutigen Prioritäten darstellt.

    Der Umgang mit der Impfung ist weitaus komplexer, da wir im Grunde sehr selektiv nach den Quellen suchen, die unsere Erwartungen bestätigen. Keine Impflicht ist eine Sache, aber wie ich schon in meiner mehrfach gestellten Frage angedeutet habe: Wie kann - meinetwegen aus 'anarchistischer' Perspektive - die Solidarität mit den Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, zusammengedacht werden mit der Solidarität für die Betroffenen, die eindringlich für das Impfen werben? Ist es sinnvoll, an dem Narrativ der 'gefährlichen' oder 'wirkungslosen' Impfung festzuhalten, oder sollten wir nicht eher die Vorstellung kritisieren, dass eine Durchimpfung die Bedingung für Freiheit ist? Weiter: Macht es Sinn, die drohende Überlastung des Gesundheitssektors zu leugnen? Ist es 'anarchistisch', hierüber einfach hinwegzusehen? Wenn nicht, wie sieht die Konsequenz aus, außer wieder nach dem handlungsfähigen Staat zu rufen (ist das dann noch 'anarchistisch'?) ?

    Ich behaupte überhaupt nicht, dass ich hierauf eindeutige Antworten habe. Nur irritiert mich schon die Selbstgewissheit, mit der manche Gegner der Maßnahmen durchs Leben gehen - und dies umso mehr, wenn sie gleichzeitig das Banner des 'Anarchismus' vor sich her tragen.

    Guter Vorschlag, mit einem entscheidenden Haken: Kritikloses Einreihen und Mitlaufen ist gewiss nicht die Lösung, sondern der Todesstoß für jeden sozialen Protest. Aus Querfrontstrategien sind noch nie die progressiven Strömungen als Gewinner hervorgegangen.

    Nimm dir mal lieber ein Beispiel an der Gruppe, die Mathias vor kurzem verlinkt hat: https://twitter.com/antifaautonom?lang=de

    Den reinen Glauben an den manifestierten Volkswillen konnten vielleicht noch die Anarchisten des 19. Jahrhunderts hegen, heute sollten wir etwas weiter sein.

    Stell dir vor, ich war auch zwei Jahrzehnte in linken Zusammenhängen aktiv und erlaube mir gerade aus diesem Grund, soziale Bewegungen nach den Erfahrungen der Krisenproteste, Platzbesetzungen etc. auch kritisch zu hinterfragen,

    anstatt mich einfach nur dem 'In group'-Effekt einer angeblichen 'globalen Bewegung' hinzugeben. Dass du konsequent kritischen Nachfragen ausweichst, zeigt eben schön, wie es um deine Selbstreflexion bestellt ist. Scheinbar bist du nicht bereit, denselben kritischen Anspruch, den du an die Linke heranträgst, auch auf deine 'globale Bewegung' anzuwenden.

    Das zieht sich ja schön durch die entsprechenden sozialen Medien und ist auch hier im Thread zu beobachten: Man selbst hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und alle Verschwörungen durchschaut, die anderen sind dumme Schlafschafe, Lauterbachjünger etc.

    Diese Tendenz zur selbstgerechten Vereinfachung lässt mich eben sehr skeptisch auf die diffusen Alternativen blicken, die hier angeboten werden.

    Ich gebe nur wieder, was dort steht: 'Linke Solidarität' mit Impfverweigerern. Da besteht nicht unbedingt viel Interpretationsspielraum, daran ändert auch kein Nebensatz etwas. Nochmal: Solidarität mit den Betroffenen, die sich FÜR eine Impfung aussprechen, scheint hingegen keine Rolle zu spielen.

    Übrigens wusste ich gar nicht, dass bei den Querdenkern die Ärmsten der Armen mitlaufen, oder wie genau soll ich den Vorwurf der 'Wohlstandssesselfurzer' auffassen? Worin genau besteht denn 'linker Wohlstand'?