Beiträge von _604_

    Ich hab voriges Jahr an einem öffentlichen Demonstrationsort auch von jemandem direkt gesagt bekommen, dass er fix vor hat und breits alle Vorbereitungen dafür getroffen hat, gezielt Assassinationen durchzuziehen, wenn es so weiter geht mit dem immer-enger-ziehen der Schlinge durch den Staat. Er hat das aber nicht "nur gesagt", um mich zum Nachdenken zu bringen (er konnte davon ausgehen, dass ich als dort Anwesender nicht unbedingt ein Befürworter des aktuellen politischen Geschehens bin), sondern ganz sachlich und neutral, "so ist das halt". Ich hab nichts dazu gesagt sondern nur jegliches Interesse an dem Menschen verloren. Wer sowas ernsthaft in Erwägung zieht, ist von meiner Haltung so weit entfernt, dass kein konstruktiver Dialog möglich sein wird, und wenn es nur daran liegt, dass mir allein vom Hören der Argumente, die so jemand dann bringen müsste entweder schlecht werden würde oder ich Angst haben müsste, dass ich auf irgendeine Art "dumm" davon werden würde (das ist kein Witz).

    Welche "gehaltenen"/"extatischen" Philosophen? Ich dachte, es geht um Anarchisten - nicht jeder Philosoph vertritt die Idee der Anarchie, tatsächlich wahrscheinlich sogar relativ wenige.

    Naja, das was ich ganz am Anfang gesagt habe, dass (denke ich) die Verzückung eines "jungen Philosophen" [extatisch] schon bald nüchternheit weicht [gehalten], wenn man erstmal erkannt hat, dass man eigentlich gar nichts weiss und nicht jede erkenntnis, die eigentlich stückwerk ist, in den Himmel lobt- z.b. Das ist ja auch eine Sache, die man egal bei welchem Thema erfahren kann, gar nicht auf Anarchismus festgemacht jetzt.

    Natürlich weicht Extase in der Regel früher oder später einer gewissen Nüchternheit, aber diese muss nicht unbedingt eine Ernüchterung in Bezug auf die Extase (z.B. ein "Bereuen") sein - dass es nicht immer nur aufwärts geht, scheint mir ganz natürlich. Es kommt auch was ich das Problem von "Geschwindigkeit und Beschleunigung" nenne hinzu: Wenn man zuerst stark beschleunigt, ist das aufregend, man erreicht eine gewisse neue, hohe Geschwindigkeit, und die ist dann auch eine Zeit lang aufregend. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an die hohe Geschwindigkeit (die Extase nimmt langsam Richtung Nüchternheit ab) - es kann einem also so vorkommen, als würde man gebremst werden (oder sich bremsen), dabei ist einfach die Beschleunigung nicht mehr da und die Geschwindigkeit verliert den Reiz des Neuen. "Transzendiert" setzt sich dieses "Problem" fort: Wenn man konstant beschleunigt, wird die Geschwindigkeit konstant höher und die Extase bleibt länger aufrecht, aber irgendwann gewöhnt man sich sogar an die Beschleunigung und obwohl man konstant beschleunigt und die Geschwindigkeit konstant steigt, beginnt die Extase wieder in Richtung Nüchternheit abzunehmen. Falls man das nicht merkt und dem unbewusst auf Biegen und Brechen entgegenwirken möchte, z.B. weil man zum ersten Mal oder zu einem der ersten Male an diesem Punkt ist und gar nicht mitbekommt, zu welch wahnwitzigen Geschwindigkeiten man sich gerade hinreißen lässt, eventuell nur, weil "es sich gerade so gut anfühlt", kann es gefährlich werden.

    "Ich weiß, dass ich nichts weiß" ist meiner Meinung nach die vielleicht wichtigste Grundhaltung eines Philosophen überhaupt. Ich finde es faszinierend, auf wieviel verschiedene Arten man diese scheinbar so einfach Aussage auslegen, interpretieren und anwenden kann. Das zentrale Problem bei "Wissen" (rationales Wissen entspricht immer einer Art Dogma, etwas "eingefrorenem", das man aus einer Vergangenheit in eine Gegenwart hinüberretten und anwenden möchte) ist die generelle Kontextabhängigkeit jeglicher Kommunikation, inklusive der, die man "mit sich selbst" betreibt. Es gibt keine allgmeingültigen Aussagen - und dass sich diese Aussage selbst widerspricht, ist in ihrem eigenen Sinn.

    Irrwege sind natürlich immer optional, weshalb man das nicht zwangsläufig erfahren muss.

    Es ist "mit Sicherheit" optional, welchen Irrweg man wählt. Ob man permanent wählen kann, keinerlei Irrwege zu besschreiten, scheint mir fragwürdig. Im Endeffekt kommt es vielleicht wieder darauf an, was man aus einem "Irrweg" macht: Kann man die unangenehme Situation und wie man sie für sich verursacht hat, nüchtern genug und ohne Schuldzuweisungen oder "falsche Reue" (Selbst-Schuldzuweisung) betrachten und nicht nur "Lehren" daraus ziehen, sondern vielleicht sogar noch eventuell angerichteten Schaden angemessen ausgleichen - oder möchte man nicht selbst die Verantwortung dafür übernehmen und schreitet so weiter in eine eventuell noch irrigere Richtung?

    Ich denke z.B, man kann vom Junkie zum Philosophen werden, ohne dazwischen der Künstler gewesen zu sein. Oder auch z.B. vom Philosophen zum Junkie, ohne dazwischen zum Künstler werden zu müssen.

    Seh ich auch so. Deshalb ist sein Model nur eines von vielen. Nett um sich zu unterhalten, aber für manche werden solche Modele halt zu einem Götzen.

    Ich seh das gar nicht als wirkliches "Modell", sondern einfach nur als seine Erklärung, warum ein "Erleuchteter" (vollständig realisiertes Individuum, das nur, indem es sich als integraler Bestandteil von allem auch jenseits der scheinbaren, individuellen Grenzen vollständig erkannt hat, überhaupt als Individuum realisieren konnte) notwendigerweise "ein perfekter Anarchist"/das perfekte Beispiel für einen wahren Anarchisten ist. Die anderen 6 Arten von Anarchisten, die er beischreibt sind einfach nur seine Beispiele für "unvollständige" Anarchisten, die jeweils auf verschiedene Arten unvollständig, und daher in sich widersprüchlich, sind und nicht irgendeine Art von Progressions-Modell darstellen sollen (meiner Meinung nach). Wenn man sich anstrengt, kann man sicher noch andere Arten unvollständiger Anarchisten finden. Man kann auf mehrere Arten gleichzeitig unvollständig sein, oder nur auf eine und "theoretisch" beliebig "wechseln".

    Das sehe ich generell auch so

    Ja wenn es uns nach unmensch gehen würde, müssten wir uns jetzt die Köpfe einschlagen oder verblöden, weil einigkeit ja sowas von unkonstruktiv ist :p

    Na dann sollten wir das wohl tun. Wir haben einander in manchen Punkten zugestimmt. Das heißt, wir finden zumindest teilweise zu einer Art "gemeinsamer Wahrheit", von der aus wir das Thema weiter beleuchten können, statt praktisch jeden Punkt des anderen von Anfang an nicht anerkennen zu wollen und dessen Schein-Widerlegung bis in alle Unendlichkeit zu verteidigen. Das heißt, aus unserer Sicht werden wir klüger, da Unmensch unsere Meinungen aber zumindest scheinbar überwiegend nicht Teilt, aus Unmensch's Sicht aber dümmer, da wir beide ja dumm sind und unsere Dummheit so gemeinsam weiter verfeinern, also noch weiter expandieren. Unsere Teileinigkeit ist aus seiner Sicht also nicht nur unkonstruktiv, sondern sogar kontraproduktiv.

    Stufe 7 zeichnet vor allem durch das innere Erleben aus (ein konstantes Gefühl der Freiheit, welches auf Dauer immer zu einem ekstatischen Erleben führen wird). Ob er dabei philosphiert oder malt oder Alkohol säuft, spielt meiner Meinung nach keine Rolle.

    Ok, ne. Für mich ist das der ekstatische Philosoph, der irgendwann mal von seinem Hohen felsen herunterfällt. Für mich ist eher erstrebenswert: Friede statt Freiheit, Ruhe statt ekstase.

    Dass man die - ich nenns mal - Spiritualität - höher wertet als irgendwelche weltlichen Vergnügungen ist mit sicherheit erstrebenswert.

    Also ich hab ja manchmal auch solche enthausiastischen Zustände. Ich war aber auch mal manisch/depressiv. Eine gewisse ausgeglichenheit ist halt schon gut, denke ich.

    In dem Video geht es um gar keine Philosophen, sondern um (Teil-)Anarchisten. Der "vollständige" "Philosoph der Freiheit", wird aus seiner Sicht automatisch zum ekstatischen Anarchisten, da er es zustandebringt, seine Ideen und Ideale nicht nur theoretisch im Kopf zu wälzen, sondern weitestgehend permanent praktisch zu leben.

    Ich habe schon relativ schwere Depressionen erlebt, aber ich hab mich irgendwann dazu entschieden, nicht mehr depressiv zu werden, sondern "im Zweifelsfall stattdessen" manisch/"psychotisch" zu werden.

    wo ich etwas auf welche Art anders als jemand anderer interpretiere, weiß ich nicht.

    Na ich meinte konkret, dass du und ich die "Gehaltener Philosoph" vs "Extatischer Philosoph" stufenmässig vertauscht sehen.

    Welche "gehaltenen"/"extatischen" Philosophen? Ich dachte, es geht um Anarchisten - nicht jeder Philosoph vertritt die Idee der Anarchie, tatsächlich wahrscheinlich sogar relativ wenige.

    Wenn wir von Stufen sprechen möchten, ist der ekstatische Anarchist für mich Stufe 1 und alle anderen sind gleichermaßen Stufe 0. ;P

    Also ich hab ja manchmal auch solche enthausiastischen Zustände. Ich war aber auch mal manisch/depressiv. Eine gewisse ausgeglichenheit ist halt schon gut, denke ich.

    Für mich ist Lebensfreude der Normalzustand, oft wirklich intensive Lebensfreude. Ich halte aber "gleichzeitig" auch oft sehr starke, unangenehme Gefühle aus, aber ich finde dann, dass das "dazugehört", ich sehe, welches Risiko ich bewusst eingegangen bin, sehe was mir das gebracht hat und weiß, dass ich nur noch mehr dazulernen kann, wenn ich mit diesen unangenhmen Gefühlen einigermaßen verantwortungsvoll umgehe. Ich sehe akuten Schmerz als die Saat zukünftigen Glücks.

    03.10.2021

    "Stability is a continous process, wherein progress is made through deliberate experiments in balance in order to gain an intuitive understanding of equilibrium and restorative readjustment within and without."

    "Ok. Also meinst du, "der echte Anarchist" würde auf Stufe 7 vom Himmel fallen?"

    Nein. Obwohl ich glaube, dass das in Ausnahmefällen passieren kann.

    "Ich sehe es schon als progression, vom egomanen Junkie (stufe 1- der "von substanzen abhängige mensch"), über diesen Künstlertypen, den Philosophen bis hin zum absolut woken erleuchteten (Stufe 7)."

    Ich denke z.B, man kann vom Junkie zum Philosophen werden, ohne dazwischen der Künstler gewesen zu sein. Oder auch z.B. vom Philosophen zum Junkie, ohne dazwischen zum Künstler werden zu müssen.

    "Ich denke, kein Mensch ist nur stufe 1 oder stufe 7 (Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?)"

    Das sehe ich generell auch so.

    "Was macht denn der erleuchtete wenn er mal ein Bild malt? Läuft er dann Gefahr auf Stufe 5 zurückzufallen und schwebt deshalb den ganzen tag nur in einem halben meter höhe in der Luft und meditiert?"

    Stufe 7 zeichnet vor allem durch das innere Erleben aus (ein konstantes Gefühl der Freiheit, welches auf Dauer immer zu einem ekstatischen Erleben führen wird). Ob er dabei philosphiert oder malt oder Alkohol säuft, spielt meiner Meinung nach keine Rolle.

    "So eiert jeder zwischen solchen Archetypen/vl. auch idealen, die du ganz anders interpretierst."

    Ja, finde ich "auch", dass er jederzeit von jedem Archetyp/Ideal, zu jedem anderen eiern kann... wo ich etwas auf welche Art anders als jemand anderer interpretiere, weiß ich nicht.

    "Aber wie er es jetzt gemeint hat, ist vl auch nicht ganz klar, mit diesen wenigen Worten kann man das vl. nicht so fest machen. Kann aber schon sein, dass du in englischen Sachen fitter bist wie ich. Sowas gebe ich mir selten auf englisch."

    Für mich waren nach dem Ansehen des Videos keine Unklarheiten offen.

    "Frei sein bedeutet für mich, frei von solchen Zwangsvorstellungen, stufe 7 in allem erreichen zu müssen"

    Wenn Du frei von der Idee, etwas erreichen zu wollen/müssen bist, bist Du bereits erleuchtet. Vielleicht nicht unbedingt "ekstatischer Anarchist", aber wohl zumindest etwas sehr ähnliches.

    Wenn wir von Stufen sprechen möchten, ist der ekstatische Anarchist für mich Stufe 1 und alle anderen sind gleichermaßen Stufe 0. ;P

    Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, inwiefern sich ein 'ekstatischer Anarchist' beispielsweise von einem 'philosophischen Anarchist' unterscheiden soll. In beiden Modellen scheint 'Anarchie' vor allem ein geistiger Zustand zu sein. Zu viel Esoterik für meinen Geschmack. Wenn wir von 'Anarchie' sprechen, würde ich mir schon einen lebensweltlichen Bezug wünschen, der sich auch abseits von schön klingenden, prosaischen Sätzen vermitteln lässt.

    Was mir gefällt, ist der Verweis auf die innere bzw. Bewusstseinsarbeit. Äußere Autoritäten ablehnen, aber sich nicht seinen inneren Dämonen stellen, ist ein Problem.

    'Anarchismus' in linker Traditionslinie ist tatsächlich meist zu materialistisch aufgeladen. Das Problem wird im Grunde am Beispiel moderner Identitätspolitik sichtbar, die zwar nicht dezidiert anarchistisch ist, aber aufzeigt, wohin der Anspruch 'umfassender Befreiung bzw. Emanzipation' führen kann, nämlich zu Sektiererei, Dogmatismus und letztlich der Verleugnung persönlicher Freiheit im Namen der angeblichen 'Freiheit aller'.

    Als politisches Projekt ist bzw. war Anarchismus natürlich immer ein bißchen widersprüchlich, denn 'herrschaftsfrei' ist es natürlich auch nicht unbedingt, wenn anarchistische Gruppen in bestimmten historischen Situationen die Macht übernehmen. Hier wurde bzw. wird dann in der Regel mit der Idee des Übergangs argumentiert, obwohl das ja eigentlich eine marxistische Idee ist, die aus anarchistischer Sicht zurückgewiesen wird.

    "Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, inwiefern sich ein 'ekstatischer Anarchist' beispielsweise von einem 'philosophischen Anarchist' unterscheiden soll. In beiden Modellen scheint 'Anarchie' vor allem ein geistiger Zustand zu sein. Zu viel Esoterik für meinen Geschmack."

    Der ekstatische Anarchist erlebt seine eigene Freiheit (in Form eines Gefühls/geistigen Zustand) so intensiv, dass es einem ekstatischen Gefühl entspricht. In diesem Fall muss man zuvor wohl sogar ein philosophischer Anarchist gewesen sein, um sich als ekstatischer Anarchist wahrnehmen zu können, denn erst als philosophischer Anarchist hat man erlebt, wie man sich in Gedanken als idealerweise frei definieren kann, aber im alltäglichen Leben und praktischen Handeln trotzdem sehr unfrei und unterdrückt fühlen kann. Wer das nicht erlebt hat ist einfach nur ekstatisch und frei, aber würde sich selbst nicht als Anarchist bezeichnen, da er sich nicht über seinen Gegensatz (den Unterdrücker und Unterdrückten) definiert und gar nicht definieren kann. Ja, es geht hier um den geistigen Zustand und das ist definitionsgemäß etwas esoterisches (innerliches), aber ich denke, dass die Unterscheidung zwischen diesen beiden Formen des Anarchisten trotzdem auf breites Verständnis stoßen sollte. Wir alle wissen, wie es sich anfühlt, sich nicht frei zu fühlen und zumindest die meisten können sich hoffentlich noch an irgendwelche Zeiten erinnern, wo sie sich absolut frei gefühlt haben.

    "Als politisches Projekt ist bzw. war Anarchismus natürlich immer ein bißchen widersprüchlich, denn 'herrschaftsfrei' ist es natürlich auch nicht unbedingt, wenn anarchistische Gruppen in bestimmten historischen Situationen die Macht übernehmen."

    Unter anderem genau das habe ich mit den von mir niedergeschriebenen Gedanken zum Ausdruck bringen wollen. Anarchismus wird als politisches Projekt meist höchst widersprüchlich betrieben. Wenn anarchistische Gruppen "Macht übernehmen" ist das der offensichtlichste Gipfel einer pseudoanarchistischen Selbstwidersprüchlichkeit. Als Anarachist ist es mein oberstes Anliegen, meine eigenen Grenzen zu wahren und als "politischer"(sozialer!) Anarchist muss es mein direkt nächst-wichtiges Anliegen sein, die Grenzen aller, mit denen ich zu tun habe, zu wahren, in erster Linie _vor mir selbst_, aber sicher nicht in Form einer unaufgeforderten Einmischung in die Angelegenheiten Dritter (Ich (A) muss (B) vor (C) schützen, egal was B und C davon halten). Eine Gruppe von Anarchisten kann nur auf Konsensentscheidungen beruhend gegründet und organisiert werden. Ein Kompromiss kann erforderlich sein, muss aber von allen beteiligt voll unterstützt und gewollt werden. Wird auch nur ein einziges mal über ein Gruppenmitglied hinweg-entschieden, muss das "überstimmte" Gruppenmitglied das Projekt als gescheitert betrachten, oder, genaugenommen, aufhören sich selbst als Anarchist zu bezeichnen, da es zulässt, unterdrückt zu werden; wie auch, meiner Meinung nach, der Rest der Gruppe, der damit überfordert war, den scheinbaren Widerspruch zwischen Einzelinteresse und Gruppeninteresse aufzulösen. Möglicherweise ist das etwas eng dargestellt, aber in Ermangelung einer konkreten Situation, ist es hier schwer, die praktische Irrelevanz mancher theoretischer Scheinwidersprüche auszuführen.

    "Hier wurde bzw. wird dann in der Regel mit der Idee des Übergangs argumentiert, obwohl das ja eigentlich eine marxistische Idee ist, die aus anarchistischer Sicht zurückgewiesen wird."

    Das kann ich bis zu einem Grad noch als legitim betrachten. Streng anarchistisch gesehen, ist das natürlich Humbug, aber in der Praxis kann oft auf Ansprüche verkopfter/idealisierter/dogmatischer Normen oder Ideologien keine Rücksicht genommen werden; oder zumindest nicht in einer Form, in der diese darunter nicht noch mehr leiden würden, als wenn man sie erstmal hinten anstellt.

    Ich hab beim Schreiben meines Textes an niemand konkreten gedacht. Ich finde "nicht-buckeln" und die Wahrung der eigenen Würde gut und wichtig und denke auch, dass man damit eine Vorbildwirkung erzielen kann, wenn man es einigermaßen konsequent durchzieht.

    "Wer als Sklave berufen wurde, der werde frei, wer als freier Berufen wurde, der werde ein Sklave (Christi)." Ganz klar ist mir nicht, was das bedeuten soll. Es scheint mir am ehesten einfach ein Aufruf zu sein, sich dem vermeintlichen eigenen Schicksal nicht zu fügen, sondern eigenverantwortlich eine Entscheidung zu treffen wer oder was man sein will und wie man wirken möchte.

    "PS : Er meinte damit nicht Pseuod-Anarchisten sondern 7 Stufen auf "seinem" Heilsweg."

    Den Eindruck habe ich nicht. Mir scheinen diese 7 Arten der Anarchie/der Anarchisten recht klar definiert und abgegrenzt und dass man sogar einige davon gleichzetig oder auch überhaupt keiner davon sein kann und auch dass man unabhängig von der Reihenfolge seiner Aufzählung jederzeit aufhören oder beginnen kann ein Anarchist einer dieser Arten zu "sein". Die Ausnahme ist natürlich der extatische/absolute Anarchist, da dieser in seinem Sein im Widerspruch zu den 6 anderen Arten steht, wobei man auch nicht einmal zu diesem wird und dann auf ewig dieser bleiben muss... mir scheint das ein Ideal zu sein, das man erreichen kann, aber das einem auch wieder entgleiten kann, sodass man es dann wieder erreichen kann oder eben auch trotzdem noch immer daran scheiter kann, es jemals wieder zu erreichen.

    Zitat von _604_

    Phrasendrescherei ist genauso nutzlos, wie mittels militärischer Schlagkraft niemals Frieden "hergestellt" werden können wird.

    Ja weiß auch nicht. Das Problem ist halt der Mensch. Solange es Menschen gibt, die Gewalt, Militär, Krieg als legitimes Mittel ihrer Interessen sehen, wird sich da leider nicht viel ändern dran, denke ich.

    Bin ja auch absolut dafür, dass sich global alle Menschen für den Frieden entscheiden, einschließlich Abrüstung, von mir aus Vernichtung aller Waffen. Das ist ne schöne Utopie. Nur mit der Menschheit, wie sie ist, wird das nicht geschehen. Wir werden es immer mit empathielosen Kriegstreibern zu tun haben, und solange solche Menschen ganze Armeen befehligen können, siehts düster aus. Und leider finden sich zahlreiche Menschen, die es akzeptabel finden, sich von Sesselpupsern in "schicken" Anzügen herumkommandieren zu lassen und auf Befehl andere Menschen zu töten.

    Die Realität ist leider so, wie sie ist. Was könnte man in dieser Realität anstellen, also genau genommen was könnte man gegen Putins Kriegstreiberei unternehmen? Gibt es einen diplomatischen, gewaltlosen Weg? Ist der Verzicht der Gegengewalt die Lösung? Was würde dann passieren? Würde Russland sich einfach mit der Ukraine zufriedengeben? Würde er sich dann das nächste Land vornehmen? Würdest du unter Putins Herrschaft leben wollen, um auf Gegengewalt zu verzichten?

    Auch an SeeBee: hättet ihr international was zu sagen, wie würdet ihr die ganze Sache angehen? Wie würdet ihr auf diese Gewalt Putins reagieren?

    "Ja weiß auch nicht. Das Problem ist halt der Mensch. Solange es Menschen gibt, die Gewalt, Militär, Krieg als legitimes Mittel ihrer Interessen sehen, wird sich da leider nicht viel ändern dran, denke ich."

    Tendenziell stimmt das. Ich sehe das nur weniger fatalistisch, da "das Böse" prinzipiell immer in größerem Widerspruch zu sich selbst steht als "das Gute". Das Gegeneinander und gegenseitige Wegnehmen ist prinzipiell weitaus weniger effizient als die verschiedenen Formen der Kooperation und generell werden sich Systeme nach innen immer ähnlich wie nich außen verhalten. Was nach außen destruktiv, zersetztend und schwächend wirkt, unterliegt auch selbst genau diesen eigenen Wirkungsmechanismen.

    "Wir werden es immer mit empathielosen Kriegstreibern zu tun haben, und solange solche Menschen ganze Armeen befehligen können, siehts düster aus. Und leider finden sich zahlreiche Menschen, die es akzeptabel finden, sich von Sesselpupsern in "schicken" Anzügen herumkommandieren zu lassen und auf Befehl andere Menschen zu töten."

    Solche können nicht "einfach so" Andere oder gar ganze Armeen befehligen. Es muss schon auch eine einigermaßen entsprechende Akzeptanz im politischen/sozialen Umfeld dafür vorhanden sein, damit Befehle als solche anerkannt und akzeptiert werden. Diese ist wie Du richtig schreibst leider tatsächlich vorhanden. Sonst wäre Desertation nicht die Ausnahme und empfindlich sanktioniert, sondern es würden nur diejenigen töten und getötet werden, die Krieg und systematische Gewalt wirklich selbst als gut und sinnvoll bewerten und das Verursachen von Kollateralschäden würde sanktioniert/bestraft werden, nicht der Versuch, sich einem System, das einen als Kollateral (Kanonenfutter) bewertet und missbrauchen möchte, zu entziehen.

    "Gibt es einen diplomatischen, gewaltlosen Weg? Ist der Verzicht der Gegengewalt die Lösung? Was würde dann passieren? Würde Russland sich einfach mit der Ukraine zufriedengeben? Würde er sich dann das nächste Land vornehmen?"

    Ich gehe davon aus, dass es immer (diplomatische/gewaltlose) Alternativen gibt; die Schwierigkeit dabei ist, dass diese eventuell nicht rechtzeitig erkannt werden. Ein Interesse, das sich "endlos" aufschieben lässt, besitzt kaum aktuelle Relevanz; es geht hier in der Regel also um relativ drängende Angelegenheiten. Irgendwann entscheidet irgendjemand, dass "es reicht" und dann wird eben undiplomatisch gehandelt, wenn die "Kosten" (Zeit-Faktor, "Kosten des Wartens") für eine hypothetische dimplomatische Lösung (z.B. wegen zu geringer Verhandlungs-/Kompromissbereitschaft des Gegenübers) als höher vermutet werden, als die einer gewaltsamen Lösung.

    "Würdest du unter Putins Herrschaft leben wollen, um auf Gegengewalt zu verzichten?"

    Diese Frage kann ich so nicht beantworten. Zur Anwendung von Gegenwalt gezwungen würde ich mich erst sehen, wenn ich eine Ecke getrieben wäre. Ich bin unabhängig und kann jederzeit entscheiden, Gewalt auszuweichen, anstatt eine gewaltsame Auseinandersetzung zu riskieren. Auf meiner Meinung nach illegitime Ansprüche von außen reagiere ich allerdings in Form eines geordneten Rückzuges, nicht eines widerstandslosen Nachgebens. Terrain wird erst dann hergegeben, wenn es taktisch/strategisch erforderlich wird - nicht früher und nicht später.

    "Auch an SeeBee: hättet ihr international was zu sagen, wie würdet ihr die ganze Sache angehen? Wie würdet ihr auf diese Gewalt Putins reagieren?"

    Da ich über die realpolitischen Verstrickungen der Beteiligten wenig Kenntnisse und vor allem kaum Kenntnisse, die ich als "gesichert" ansehen kann, habe, kann ich diese Frage als jemand, der "internation nichts zu sagen" hat und deshalb auch nicht mit den erforderlichen Informationen aus hinreichend glaubwürdigen Quellen versorgt wird, nicht beantworten.

    @_604_ Man kann ja gerne skeptisch gegen über den Osterweiterungen sein aber jetzt mit dem weinenden Russen ankommen ist schon sehr albern. Mit der gleichen Argumentation kann man übrigens die Osterweiterungen verteidigen weil Polen durch aus öfter mal durch seine Nachbarn (vor allem Deutschland und Russland) aufgeteilt wurde und dadurch durch aus ein sehr berechtigtes Interesse daran hat von den USA beschützt zu werden. Ganz nebenbei, das wirklich mächtige in den USA ist nicht mehr der Militärische Komplex sondern Silicon Valley. Da muss man sich einfach mal die Aktienmärkte ansehen.

    Small wonder that our refusal to deny NATO membership to Ukraine has been met by the current awful violent onslaught and invasion by Russia.

    Vor allem dieser Satz ist einfach Falsch. Es war sehr überraschend das Russland angreift. Nicht weil die Nato keine Bedrohung von seiten des Westens ist. Das kann sein, wenn auch nicht so schlimm wie es in dem Text dargestellt wird. Sondern weil der Krieg aus Russischer Sicht keinen Sinn macht. Dieser Krieg wird Russland ordentlich an Wohlstand Kosten und auch an Reputation denn Russland blamiert sich ordentlich. Und wenn jetzt jemand ankommt mit oh China. Hier ein paar Fakten: Seit dem Kriegsbeginn ist der Dollar gegenüber dem Yuan gestiegen. China und Russland sind zwar Nachbarn aber das Wirtschaftszentrum Russland ist an der Westküste, das Wirtschaftszentrum Chinas ist an der Ostküste. Der Wichtigste Handelspartner Chinas ist die EU und das wird sich in den nächsten paar Jahren auch nicht ändern. Der beste Fall wäre das Russland als Vasall, Chinas Rohstoff Lieferant wird. Ganz toll Putin. China stichelt zwar gegen den Westen, was ein Wunder, jedoch hat China auch zugesagt die Sanktionen nicht zu untergraben. Weil der Westen für China einfach wichtiger ist als Russland.

    Also ja es war ein wunder denn es macht keinen Sinn. Zumindest aus Russlands Sicht nicht.

    >"@_604_ Man kann ja gerne skeptisch gegen über den Osterweiterungen sein aber jetzt mit dem weinenden Russen ankommen ist schon sehr albern."

    Falls Du meinen solltest, dass ich(!) jetzt "mit dem weinenden Russen" ankomme: Das tue ich nicht, denn es geht mir nicht darum, die Meinung von irgendjemanden zu dem Thema in irgendeiner Form zu ändern. Ich schaue einfach nur ob sich jemand (der zu dem Thema vielleicht schon mehr als ich weiß oder zumindest glaubt zu wissen) in einer inhaltlich stichhaltigen Weise mit dem Artikel auseinandersetzen möchte, um eventuell mir selbst ein etwas klarers Bild von dem ganzen Themenkomplex machen zu können.

    Falls Du meinen solltest, dass der Autor des verlinkten Artikels "jetzt mit dem weinenden Russen" ankommt, hast Du denke ich den Text einfach falsch gelesen. Ich denke nicht, dass es dem Autor in seinem Aritkel darum geht mit dem "Guide" oder im weiteren Sinne mit "den Russen überhaupt" für diese(n) Sympathie zu wecken. Ich halte diese Textstelle für einen persönlichen Erfahrungsbericht. Ein "neutrales" Statement über sein Erlebnis seines persönlichen Perspektivenwechsels/seiner persönlichen Perspektivenerweiterung.

    >"Vor allem dieser Satz ist einfach Falsch [...] weil der Krieg aus Russischer Sicht keinen Sinn macht."

    Wie definierst Du "aus russischer Sicht"? Wer ist das Subjekt, welches "als Russland" sieht oder wer sind die Subjekte, welche "als Russland sehen"?

    Ist das die russische Regierung? Sind es die, welche in Russland die politische Macht haben, also deren russische Sicht als einzige eine relevanz hat, die Herrschenden, die politisch und wirtschaftlich Mächtigen, die aber nicht unbedingt Teil des "offiziellen" russischen Machtapparates sein müssen? Ist es die gesamte Russische Bevölkerung, die Armen, Bessergestellten und Einflussreichen Anteile der Bevölkerung gleichermaßen?

    Möchtest Du sagen, dass "Russland"/"der Russe"/"die Russen"/die russische Regierung zu diesem Krieg manipuliert(geätuscht/täuschend verführt) worden sind oder dass die relevante(n) Person(en) in Russland gekauft worden ist/sind durch irgendwelche Vertreter nicht-russischer Interessen? Oder siehst Du, abgesehen von der eben genannten, eine Möglichkeit, in der Du Dich nicht als jemand hinstellst, der besser beurteilen kann, was russisches Interesse ist als "Russland" selbst?

    >"China und Russland sind zwar Nachbarn aber das Wirtschaftszentrum Russland ist an der Westküste, das Wirtschaftszentrum Chinas ist an der Ostküste."

    Das mag eine gewissen Rolle spielen. Ich bezweifle, dass es eine so große Rolle spielt, wie man im ersten Moment zu intuieren vermag. Geographische Distanz spielt heutzutage (Videokonferzen, schnelle und sichere Flüge, es ist völlig normal geworden, Produkte und Rohstoffe über riesige Distanzen zu schicken) wohl bei weitem keine so große Rolle mehr, wie sie das noch vor wenigen Jahrzehnten tat.

    Ähnlich dem Aktivismus ist als Anarchist Anarchismus meiner Meinung nach allein schon aufgrund der Nachsilbe "-mus" abzulehnen. Ich bezeichne mich auch nur eher widerwillig als Anarchist, zum Beispiel wenn jemand unbedingt etwas so komplexes wie eine politische Weltanschauung in einem einzigen (und damit sehr leicht missverständlichen) Wort zusammengefasst haben möchte und ich gleichzeitig gute Gründe habe, anzunehmen, dass beim Gegenüber das Bedürfnis nach differenzierter Betrachtung bereits ausreichend groß und die Gewohnheit, vorschnell Schlüsse zu ziehen ausreichend klein ist, dass diese "Abkürzung" sich nicht als riesiger Umweg herausstellen sollte.

    Als aufmerksamer, selbstreflexionsfähiger "Anarchist", sollte einem bewusst sein, dass selbst eine Ideologie, die das Bedürfnis nach und die Umsetzung von Freiheit zelebrieren möchte, ihre eigene Idee in der Praxis ganz schnell in ihr Gegenteil wandeln kann, sobald sich genug Idioten für diese Ideologie/Bewegung begeistern und diese missverstehen können. Dazu bedarf es nicht einmal eines großen, bewussten "Irreführers". "Die Revolution" frisst ihre eigenen Kinder, da man eine eigenverantwortliche und weitestgehend unabhängige Lebensführung nicht Leuten, die dafür nicht bereit sind, gewaltsam auf's Aug drücken kann, so gerne man das vielleicht auch würde.

    Die verschiedenen Arten der (Pseudo-)Anarchisten:

    The Red Scare - World Beyond War . . .
    In 1954 I attended Queens College during the years before Senator Joseph McCarthy finally met his comeuppance at the Army-McCarthy hearings after terrorizing…
    worldbeyondwar.org

    "

    At one point, my guide asked, “Why don’t you Americans trust us?” “Why don’t we trust you?” I exclaimed, “What about Hungary? What about Czechoslovakia?” He looked at me with a pained expression, “But we had to protect our borders from Germany!” I looked into his watery blue eyes and heard the fervent sincerity in his voice. At that moment, I felt betrayed by my government and the years of constant fearmongering about the communist threat. The Russians were in a defensive posture as they built their military might. They used Eastern Europe as a buffer against any repetition of the ravages of war they had experienced at the hands of Germany. Even Napoleon had invaded straight through to Moscow in the previous century!

    It’s clear that we’re creating bad will and hatred again with the unseemly expansion of NATO, despite Regan’s promises to Gorbachev that it wouldn’t expand “one inch to the east” of Germany, while keeping nuclear weapons in five NATO countries, placing missiles in Romania and Poland, and playing war games, including nuclear war games, on Russia’s borders. Small wonder that our refusal to deny NATO membership to Ukraine has been met by the current awful violent onslaught and invasion by Russia.

    It is never mentioned in the unrelenting media assault on Putin and Russia that at one point, Putin, despairing of ever being able to halt the eastward expansion of NATO, asked Clinton if Russia could join NATO. But he was rejected as were other Russian proposals to the US to negotiate for the elimination of nuclear weapons in return for giving up missile emplacements in Romania, to return to the ABM Treaty and the INF Treaty, to ban cyberwar, and to negotiate a treaty to ban weapons in space.

    In a Matt Wuerker cartoon Uncle Sam is on a psychiatrist’s couch fearfully clutching a missile saying, “I don’t understand—I have 1800 nuclear missiles, 283 battleships, 940 planes. I spend more on my military than the next 12 nations combined. Why do I feel so insecure!” The psychiatrist answers: “It’s simple. You have a military-industrial complex!”

    "