Dian ; ich bin mal so frei und schreib Dir mal ein Feedback - auch wenn ich erst bei 121/190 Seiten bin.
Falls es jemand noch nicht gelesen hat;
SPOILER-WARNUNG 
Cover:
Das Cover finde ich etwas schwach. Man erkennt nicht viel, es ist kein besonderer Hingucker,
vermittelt aber eine düstere Stimmung, die doch zum Inhalt passt.
Vielleicht wäre statt einem schwarzen Trenner, eine Burgmauer (wenn auch nur im Ansatz) interessant, wie das im Internat.
In welchem sich das Ganze doch größtenteils abspielt. Im Laden, wenn es neben 1000 anderen steht, hätte ich es nie angerührt - zu meinem Bedauern.
Grammatik/Rechtschreibung:
Das ist, so wie ich immer sage, eine Autorenkrankheit von mir - ich finde Fehler relativ schnell. Aber ehrlich gesagt; abgesehen von den Satzzeichen in den wörtlichen Reden, habe ich kaum Fehler gefunden bisher. Höchstens zwei oder drei. Ich lese aber auch nicht so akribisch, dass ich jeden Fehler sehen würde.
Wenn Du das so ohne Lektorat oder fremdes Korrekturlesen geschrieben hast - RESPEKT!
Ich finde in meinen Werken immer noch Fehler und mich graust es schon, wenn mein Buch von Bekannten korrekturgelesen wird.
Vielleicht interessiert es Dich, was ich mit Satzzeichen bei wörtlicher Rede meine:
Prolog;
„Das Abendessen ist gleich fertig! Geh dir die Hände waschen, und dann setz dich an den Tisch.“, rief mir eine mahnende Stimme aus der Küche zu.
Da gehört kein Punkt hin, wenn es dann mit Komma und Verb weitergeht.
https://www.studienkreis.de/deutsch/woertl…e-direkte-rede/
Was mich - und meiner Fehlerfind-Krankheit - freut, ist, dass Du keine alte "ß" Schreibweise verwendet hast.
Allgemein finde ich Deine Schreibweise sehr einfach und angenehm zu lesen. Ich bin nach wie vor fasziniert, wie wechselhafte Satzanfänge Du verwendest. Ich muss mich beim Schreiben immer wieder bewusst daran erinnern, dass ich nicht schon wieder mit "Ich" anfangen sollte.
Bayerisch ist auch dabei - hab aber oft kein Wort verstanden. Scheint aber auch nicht so wichtig zu sein. 
Inhalt/Zusammenhang/Logik:
Man startet nahezu ahnungslos, erfährt eine ganz kurze Hintergrundinfo zur Familie, was völlig ausreichend ist, bis es dann langsam losgeht mit den neuen Mitbewohnern und später dann dem neuen Lehrer.
Der Logikfehler mit dem Betthüpfen von Alex ist mir auch direkt aufgefallen; dachte auch "Hä? Geht doch gar nicht."
Aber da kann man drüber sehen.
Gegen Ende von Kapt. 13, schreibst Du:
„Pass auf, Jude!“, scherzte ich. „Du wirst dir an unseren stolzen arischen Körpern die Zähne ausbeißen.“
„Wie du meinst, Arier!“, rief Alex [...]
Ich finde das etwas kritisch. Einerseits sind sie immer so erpicht darauf, dass ja keiner etwas mitkriegt und dann schreien sie so offen rum - auch wenn es draußen & abgelegen ist - man weiß ja nie, wer lauscht, gerade in der damaligen Stasi-Zeit.
Auch, dass sie im Zimmer oft laut "Jude" sagen und so offen systemkritisch sind, finde ich sehr riskant.
Ich habe gemerkt, dass Du gemütlich versucht hast, dass der Leser Sympathie zu den Protagonisten aufbaut. Es wird viel erklärt, auf Sichtweisen, Gefühle und Probleme eingegangen. Es wird deutlich, wie das 'Klima' in dem Internat sein musste und wie hart der Abschnitt zur Außenwelt.
Das ist auch gut so mit der Sympathie - ich kann jetzt schon erahnen, dass bald etwas 'Grausames' passiert, wo sie zu Tätern werden.
Wobei Du das eigentlich auch oft vorwegnimmst; z.B. Ende Kapitel 13:
"Keiner von uns hat damals geahnt, dass es unser letzter gemeinsamer Abend auf dem Internat werden sollte.
Aber selbst, wenn wir es gewusst hätten... ich denke, wir hätten ihn keinen Deut besser begehen können"
Und einige Kapitel früher, hast Du das auch schon getan - quasi eine Wiederholung des Spannungsentzuges.
So empfinde ich das stellenweise. Anstatt das der Leser mit dem Protagonisten in die grausame Welt stolpert, wird direkt vorweg genommen, dass jetzt etwas passiert. Was es einerseits nicht unspannender macht, da man nicht weiß WAS passieren wird. Andererseits aber auch etwas die Energie nimmt, es selbst als etwas Schreckliches zu erkennen - man ist einfach nicht überrascht.
Genauso wie mit dem Traum, den Kai hat, wo Luca an den Pranger gestellt wird und schwups - kurz darauf ist die Gestapo da. - Gäähn.
Als der Major das Messer in Kai seine Hand rammte, war ich überrascht. Das kam unerwartet - aber der Charakter des Majors ist auch äußerst unberechenbar und sehr wechselhaft.
Was mir auch aufgefallen ist, dass Du oft an Kapitelenden in die "ich weiß das alles schon und erzähle es euch nur" - Perspektive wechselst.
Sonst, sind wir immer mit dabei und dann heißt es wieder:
Ende Prolog: Was ich an jenem Tag im August allerdings noch nicht wusste war, wie radikal sich alles verändern sollte.
Ende Kap. 11: Den Winter, der uns alle enger zusammenrücken lassen würde... und an dessen Ende nichts mehr so sein sollte wie zuvor.
Ist keine Kritik per se - finde das nur sehr gewöhnungsbedürftig.
Fazit:
Es kommt nicht so häufig vor, dass ich in der lese-freien Zeit überlege, wie es weitergehen könnte. Das schaffen nur wenige Bücher bei mir.
Aber wenn man das schafft, dann ist das ein sehr gutes Zeichen. Ich bin schon seit Tagen am Überlegen, wie es weitergehen könnte und warte auf den Ausbruch und auf das Gemetzel (dabei lese ich jeden Tag). Gleichzeitig überlege ich über das worum es geht: Über den Menschen und wie wenig unterschiedlich wir schlussendlich sind. Das Rasse, Religion, Politik nur Mittel sind, die uns Abgrenzen. Und wie wichtig Berührungen/Nähe und Vertrauen schlussendlich sind.
Man erkennt, dass Freunde die (oft auch) bessere (Wahl-)Familie ist und hinterfragt seine eigenen Sichtweisen.
Vermutlich alles, was Du beabsichtigt hast - auch wenn die Themen mir nicht neu sind 
Was ich nun aber befürchte, ist, dass es ein sehr schnelles Ende haben wird. Ich glaube Du hast für den Anfang, für die Sympathie zu viele Seiten verwendet. Ich bin jetzt ja bei 121 von 190 Seiten, sind noch 69 Seiten - und da soll noch was Grausames passieren? Flucht, Kampf, etc.
Vielleicht ahne ich aber auch das Falsche und es kommt doch anders, wie erwartet. Ich werde es in den nächsten Tagen erfahren.
Auf jeden Fall: Danke, dass Du Dir so viel Zeit und Muse genommen/gemacht hast, das zu schreiben und nach so vielen Jahren nochmal zu überarbeiten.