Mein Religionslehrer!
(Oder Ethik ... denn Religion kam - bis auf die Tatsache, dass wir uns eine Bibel anschaffen mussten - auch letztes Jahr nicht ein einziges mal vor.)
Letzte Woche hat die Schule angefangen (keine Frage - freilich kotzt mich das am meisten an) und da fand ich ihn eigentlich noch ganz sympathisch, der hat so 'nen seltsamen Humor und erweckte den Eindruck, ungewöhnliche Ansichten zu vertreten.
Die Hoffnung konnte ich nach dem ersten Unterrichtsthema schnell in die Tonne stampfen, sie sind nämlich absolut konservativ und sein Denken/Verhalten in vollem Maße autoritär.
Das Thema war das Instanzenmodell nach Siegmund Freud, woran er selber keine Schuld vertritt, aber wie er uns nachher die Lücken eines Arbeitsblatts ausfüllen ließ, oh je ...
Hier eine kurze Übersicht, für den, der vielleicht außergewöhnliche Lehrer hatte, die so einen Scheiß nicht unterrichtet haben:
„Das Instanzenmodell ist ein von Sigmund Freud geprägtes Persönlichkeitsmodell, in dem zwischen "Es", "Ich" und "Über-Ich" unterschieden wird. Dieses Drei-Instanzen-Modell ist ein zentrales Konzept psychodynamischer Ansätze, die auf der Psychoanalyse beruhen.
Das "Es" ist von Geburt an existent und wird durch das Lustprinzip gesteuert. Alle lustvoll erlebten Aktivitäten bedürfen sofortiger Befriedigung, ohne Berücksichtigung der momentanen Situation. Die Vorgänge im "Es" laufen unbewusst ab, es stellt den Sitz für Eros, den Liebestrieb, und Thanatos, den Todestrieb, dar.
Das "Über-Ich" stellt das Gewissen und die Moral des Menschen dar. Es kann mit einem Richter verglichen werden und wird während der Erziehung durch Sozialisation, die Verinnerlichung von Werten und Normen, gebildet. Das "Über-Ich" ist der Gegenspieler des "Es". In ihm befinden sich bewusst, vorbewusste und unbewusste Anteile.
Das "Ich" stellt das Realitätsbewusstsein dar und ist stets um Unabhängigkeit bemüht: das "Ich" ist der Vermittler zwischen den Trieben des "Es" und den Werten und Normen des "Über-Ich" unter Berücksichtigung der Realität. Wenn nicht gerechtfertigte Wünsche von "Es" und "Über-Ich" abgewehrt werden sollen, greift das "Ich" auf Abwehrmechanismen zurück. Das "Ich" enthält bewusste und unbewusste Anteile.”
Nun, er zeigte uns ein Video, auf dem sich ein Mann auf so einem typischen Psycho-Arbeitsplatz befand, mit diesen grauen, zellenartigen Kabinen, in denen jeder mit vielleicht drei Quadratmetern Platz, einem Tisch und einem alten Computer aus den 90ern "arbeitete". Na gut, arbeiten trifft es nicht ganz, eigentlich rastete er aus und schlug auf seinen PC ein.
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Dann teilte uns der Lehrer ein Arbeitsblatt aus und ließ uns dazu einen dämlichen Steckbrief ausfüllen, dessen Inhalt er wirklich absolut ernst meinte:
Name der Patientin/des Patienten: (das überließ er uns, ich hab's leergelassen, weil mir nix einfiel, das provokant genug wäre)
Krankheitsbild: Unkontrollierte Triebe - Nein! Fortgeschrittener Verlust der Menschlichkeit, Selbstentfremdung und übermäßige Angepasstheit.
Diagnose: Hab's gar nicht erst mitgeschrieben ... Opfer des Durchschnittsalltags.
Therapievorschlag: Stärkung und Training des "Ich"s um Wutausbrüche zu vermeiden. - Ach, viel besser: den PC in die Luft jagen, den Chef vermöbeln, kündigen und als Berufsuser der Unity beitreten. (Letzteres habe ich ausgelassen - nicht, dass er irgendwann doch noch die Mappen für Bewertungenen einsammelt.)
Ich hoffe, äh, bete für den Typen und aus Selbstmitleid, oder so ... ![]()
(Während der Pausen auf den Schultoiletten vegetieren ist auch doof.)