Alles anzeigenDass Marla der Schlüssel zu allem ist, wird schon in der Anfangssequenz festgestellt. Was ihre Funktion angeht, hab ich ja schon einiges dazu geschrieben (Aufbruch der Rückzugsräume des Protagonisten, eigentliche Seelenverwandte anstatt Tyler).
Palahniuk trifft einen Nerv. Sein Hauptthema ist eben primär Selbstentfremdung und Konditionierung, und nicht unmittelbar Klassenkampf. Wenn dir das zu wenig emanzipatorisch ist, dann ist das eben so :-) Ich muss wirklich nicht alles durch die marxistische Brille betrachten.
Wobei man Palahniuk auch nirgends reaktionäre Positionen unterstellen kann, im Gegenteil, solche Ansätze werden immer ironisch gebrochen. Zudem muss eben sein Gesamtwerk betrachtet werden und nicht nur Fight Club. Das kommt dann auch ohne Fights Clubs und dergleichen aus.Bitteschön: https://www.theguardian.com/books/2018/jul…-incel-movement
Palahniuk doesn’t see Fight Club as particularly gendered anyway. “It was more about the terror that you were going to live or die without understanding anything important about yourself.”
Auch interessant:
https://gen.medium.com/how-chuck-pala…fa-6c2fe8a2d616
Maybe it’s not your intention, but I think there are a lot of guys who have grown up reading ‘Fight Club’ and taking from it lessons on what it is to be a man.
And I think there are a lot of women who have read it and taken lessons on what it is to be a human being, which is the larger message. I have a sofa pillow that a young woman knit for me that says, “The things you own end up owning you.” It sits in the middle of my sofa. And it wasn’t made by a man.
Wo sind die denn bitte Seelenverwandte? Der Erzähler kennt Marla doch nicht mal. Kann sein, dass er sie heiß findet (deswegen fickt 'Tyler' sie wahrscheinlich), aber die reden doch nie über irgendwas. Und Tyler IST einfach der Erzähler, der war niemals sein Seelenverwandter. Der ist 'ne Wahnvorstellung, nichts weiter. Was Tyler tut, ist Kram den der Erzähler selbst tun will, aber nicht kann, weil er keinen vernünftigen Vater hatte.
Marla ist doch eher die Krankheit, die Tyler erst richtig zum Vorschein bringt, weil sie die Selbsthilfegruppen 'sabotiert' - wo man auch wieder sieht, wie kaputt der Typ ist, dass er meint, nur er dürfe sich als Totkranker ausgeben und hätte ein Reicht, die Frau zu zwingen, das nicht mehr zu tun.
Im Film wird auch klar, dass Marla nicht bewusst beim Erzähler anruft bzw. sich nicht daran erinnert, ihn angerufen zu haben.
In dem Fortsetzungscomic erinnert sich Chucks Lektor sehr genau, dass die Message, dass Männer ohne Krieg Weicheier werden, der selling point war, der ihn überzeugt hat, das Ding zu kaufen. Der ist auch der Idiot, dem wir es verdanken, dass Marla im Roman nur mit dem Erzähler quatscht, weil er der Ansicht war, wenn Tyler nicht existiert, könne Marla nicht mit beiden reden (was natürlich Quatsch ist, wenn der Protagonist irre ist und halluziniert).
Und natürlich ist der Film nicht schlecht ... würde sogar sagen, dass der recht gutes 90er Kino ist. Aber das hier ist ja ein Thread darüber, dass das Ding irgendwie *mehr* sein sollte, oder nicht? Das würde ich halt bestreiten.
Und, klar, Palahniuk ist jetzt nicht rechts ... ich wollte nur darauf raus, dass der Film nicht als emanzipatorisch oder links gelesen werden kann. Wer Tyler geil findet, findet letztlich 'nen Typen geil, der eine faschistoide Zombie-Armee aufstellt. Wenn das für dich ein Problem ist, ist das dein Problem ;-).
Ich weiß auch, dass Chuck noch anderen Kram geschrieben hat, aber der wäre nur relevant, wenn ich gesagt hätte, das Chuck Palahniuk der Autor und sein Werk Faschisten sind. Aber das stand ja nie im Raum. Ich denke, ich lese die Tage auch mal den anderen Kram von ihm.
Ganz grundsätzlich geht der Roman ja auf eine Kurzgeschichte zurück, deren Aufhänger war, dass Chuck mal in 'ne Schlägerei geraten ist, ein paar Blessuren davongetragen hat, und dann bei der Arbeit von niemandem darauf angesprochen wurde. Er fand das ungewöhnlich ... und intuitiv stimmt man dem auch zu. Aber als Mann wird man halt recht oft nicht auf Dinge angesprochen, von denen man denkt, dass andere die bemerken sollten. Kannst das ja mal beim Training testen. Lass dir ein paar blaue Augen hauen und checke dann, ob du von Halbfremden drauf angesprochen wirst. Danach kannst du's mit deiner Freundin testen ... ich wette, die wird bei der Arbeit oder auf der Straße mit anderen Reaktionen rechnen dürfen, wenn sie Blessuren hat, die darauf hindeuten, dass sie verprügelt wurde.
Männer mit Blessuren, Narben usw. wirken gefährlich, Frauen wie Opfer. Schon allein daran kann man erkennen, dass der Roman jetzt nicht unbedingt 'geschlechtsneutral' geschrieben wurde.