Trotzdem erklärt das nicht, wieso gerade ländliche Regionen in Bayern und Sachsen besonders betroffen sind, weil Schulen und Arbeitsplätze gibt es ja anderswo auch. Söder hat es heut mal wieder auf die bösen Ausländer geschoben, weil da ja die Grenze zu Tschechien verläuft. Macht aber auch wenig Sinn, weil Tschechien vermutlich auch keine dramatisch höheren Corona-Zahlen haben dürfte als Deutschland.Wer mal da durch die Gegend gefahren ist, im Erzgebirge oder dem bayerischen Wald, der weiß, wie wenig dort üblicherweise los ist... auch in den Ortschaften begegnet man da normalerweise keinen großen Menschenansammlungen. Bei den Bayern könnte man vielleicht noch vermuten, dass sich die meisten am Sonntag in den Gottesdiensten anstecken... die Sachsen sind aber vermutlich nicht ganz so religiös. Also frage ich mich schon, was die da treiben. Sind die so gesellig, dass ständig das ganze Dorf beim Schlachtfest zusammensitzt? Im Frühjahr war es ja wohl so, dass in einigen Gemeinden Karnevalsumzüge und sowas stattgefunden haben, aber jetzt in den letzten Wochen dürfte es ja eher weniger solche Events gegeben haben... auf dem Land schonmal gar nicht.Ich hätte daher eben auch eher erwartet, dass die Hotspots vor allem die großen Städte sind, Berlin, München, oder im Ruhrgebiet, wo eben auch ein Kommen und Gehen herrscht. Aber da in der Pampa, da sind doch die Einheimischen meist den ganzen Tag nur unter sich, und Fremde verirren sich da nur äußerst selten mal hin. Also so ganz kapier ich das irgendwie auch nicht, wieso es ausgerechnet da diese Hotspots gibt.
Also, der generelle Kaltwetter-Anstieg ist ja multifaktoriell, angefangen beim bekannten 'die Leute sind viel mehr und länger drinnen' bis hin zu den atmosphärischen Bedingungen bei weniger Sonne, die Viren das Überleben und Verbreiten im Winter einfacher machen.
In Bayern vermute ich, dass die gegenwärtigen Zahlen zu einem Großteil auf der Verbreitung im Frühjahr aufbauen. Ischgl usw. haben das Virus ja schön über Süddeutschland verteilt. Man ist das Virus hier ja nirgendwo losgeworden, es gab nur weniger Fälle. Und egal wie klein der Grundstock ist ... wenn du exponentielles Wachstum über einen gewissen Zeitraum hast, dann werden das schnell mehr Fälle.
Aber man muss auch berücksichtigen, dass es eben unterschiedliche Grundstöcke an unterschiedlichen Orten gibt. Das Virus war ja nie gleich stark verteilt bzw. überall gleich aktiv. In einem Arbeits-/Lebensumfeld mit weniger Viren, wird's weniger häufiger Infektionen geben, selbst wenn sich die Leute da gleich verhalten, wie anderswo. Und in Bayern gab's ja auch im Frühjahr viele Hotspots.
In Tschechien gibt's schon auch sehr viele Fälle, aber da wird's über die Grenze auch nicht sehr viel mehr Kontakt geben als zwischen bayerischen Landkreisen. Denke ich jetzt mal.
Und je mehr Fälle du hast, desto größer ist die Infektionsgefahr über den Tag - es ist halt was anderes, wenn du vielleicht einen Infizierten im Bus oder Café hast, oder mehrere im Bus, Zug, bei der Arbeit, in der Schule und zu Hause.
Der große Unterschied zum Frühjahr was die Maßnahmen angeht, scheinen mir die Schulen zu sein ... die sind ja immer noch auf, und die Verbreitung über symptomlose Kinder dürfte gerade jetzt keine kleine Rolle spielen. Gerade weil die Sache mit dem Lüften wahrscheinlich nicht wirklich vernünftig händelbar ist. Und ähnliches dürfte ja auch an vielen Arbeitsstellen der Fall sein, nicht nur in Fleischfabriken.
In Sachsen dürfte aber das Problem schon sehr stark sein, dass die Leute nicht mehr aufpassen bzw. ihnen die Sache scheißegal geworden ist. Ist ja auch kein Wunder, wo der Nazi-Kretschmer die Sache auch öffentlich nicht so ernstgenommen hat. Obwohl's wahrscheinlich unter der arbeitenden Bevölkerung da schon einige Pendelei gibt; viele Leute werden nicht in ihrem Kaff arbeiten, und viele Schüler werden auch zum Gymnasium oder die Berufsschule in einen größeren Ort müssen.
Das ist ja auch meines Erachtens das psychologische Problem mit den Maßnahmen. Ich halte nichts von Bestrafungsaktionen usw., aber wenn der Staat nur Empfehlungen abgibt und die Leute nett bittet, dann hält sich ja kaum wer dran, mit der Begründung 'dass mir schon nichts passieren wird'. Nur wenn ein bisschen Panik gemacht wird, nehmen die Leute die Sache ernst. Das ist ja auch der Vorteil/Mehrwert von geschlossenen Läden usw. Wenn man nicht ins Café darf, überlegt man sich vielleicht auch, ob das Besäufnis/Treffen zu Hause sinnvoll ist oder nicht. Aber wenn man das Gefühl hat, das alles mehr oder weniger normal ist, dann verhält man sich auch wieder normal.
Und gerade dieses asoziale Element ist halt gerade in Asien nicht so ausgeprägt. Aber auch Neuseeland und Australien sind den Mist schon losgeworden. Die haben die Fälle auf Null gebracht und lassen Reisende nur nach Quarantäne rein. Geht auf Inseln natürlich leichter, aber sowas muss man wollen (die Engländer wollen das z.B. definitiv nicht). Und es ist ja nicht, dass das nicht krasse Vorteile hätte - da wird überall wieder gefeiert, und man lebt wieder wie früher, was hier nicht einmal als theoretisches Ziel ausgegeben wird.
Andererseits sollte man wahrscheinlich auch aufpassen, dass wir jetzt März/April nicht mit Herbst/Winter zusammen werfen. Im Frühjahr war das Wetter schon recht schön, und man ist dann ja gerade gern schon ins Grüne bzw. einfach raus gegangen, weil das auch angenehm war. Das macht man jetzt wahrscheinlich nicht mehr ganz so häufig und gleichzeitig werden die Verbreitungsbedingungen für das Virus in Innenräumen immer günstiger.
Aber ganz grundsätzlich - die Tatsache, dass die Fallzahlen gerade nicht runtergehen, obwohl viele Läden zu sind, und wahrscheinlich nur sehr wenige der Neuinfizierten auf irgendwelchen geheimen Partys waren, deutet wohl daraufhin, dass die Verbreitung da passiert, wo's jetzt noch möglich ist. Das sieht man schon sehr gut auch daran, dass verglichen zum Sommer eben auch die Fallzahlen unter Risikopatienten steigen, die zu einem Gutteil wahrscheinlich schon einiges tun, um sich zu schützen bzw. eigentlich auch von ihrem Umfeld geschützt werden.
Diese amerikanische Studie, die Verbreitung auf der Basis von ausgewerteten Handy-Standortdaten erhoben hat, hatte ja gerade Restaurants und Cafés mit Innenräumen als ziemlich bedeutende Hotspots ausgemacht. Und die Bedingungen in den Läden sind ja doch auf sehr viele andere Innenräume übertragbar, z.B. Großraumbüros, Klassenzimmer usw.