Beiträge von Calgmoth

    Ich bezog das darauf, dass den 'Provinz-Nazis' jetzt die Schuld für die steigenden Fallzahlen gegeben wird, und das ist eben fraglich (mal diplomatisch formuliert). Die Rechten profitieren auch insgesamt bisher nicht von der Krise, außer dass es ein paar Spielfelder für Nazis gab, auf denen sie sich dank der sächsischen Behörden austoben durften.Wer weiß, wie lange das noch so bleibt. Deshalb mein Appell, deutlicher als linke Opposition, die den Namen verdient, aufzutreten und sowohl Freiheit als auch Solidarität einzufordern.

    Natürlich sind die Sachsen, die sich infiziert haben und das Virus weiter verbreiten, dafür verantwortlich, wenn sie sich entsprechend verhalten - also z.B. wenig/keine Anstalten machen, das Zeug nicht weiter zu verbreiten. Und davon ist schon zu einem Gutteil auszugehen, angesichts der Politik, die da kürzlich noch gefahren wurde.

    Das ist halt der Mentalitätunterschied zwischen hedonistisch-dekadenten, fetten Mitteleuropäern und unseren Freunden in Ostasien und dem Pazifikraum. Die hatten ihre SARS-Erfahrung und sind in der Lage, selbst zurückzustecken, wenn's um das Wohl der Allgemeinheit geht. Die brauchen da nicht unbedingt den Knüppel des Staates für.

    Es ist ja ein totaler Trugschluss, anzunehmen, dass irgendein Staat die Mittel hätte, jeden Bürger zu überwachen oder daran zu hindern, irgendwann mal rauszugehen. Der Unterschied ist, dass die Leute da selbst einsehen, dass es besser ist, das nicht zu tun. Und dazu kommt natürlich, dass es z.B. in Taiwan ein geiles System gab, um sich um Leute zu kümmern, die in Quarantäne sind. Da kommt jemand vorbei, fragt nach dem Zustand, bringt Essen und notwenige Sachen usw.

    Und das erstreckt sind nicht nur auf das, was man tut, wenn die Sache gerade richtig schlecht läuft, sondern auch auf das danach. Auch wenn die Cafés und Restaurants wieder auf sind, geht man da nicht hin, solange es noch Fälle gibt und man sich theoretisch noch anstecken kann. Aber dir kann man ja einfach irgendein 'funktionierendes Hygienekonzept' verkaufen, und dann frisst du wieder brav aus der Konsumentenschüssel wie ein guter, deutscher Schäferhund.

    Der Staat hat nicht darüber zu entscheiden, wer wo wann hingeht und sich mit wem trifft. Dahingehend sind wir uns hoffentlich einig - ansonsten empfehle ich Hygiene-Freaks die Auswanderung in gewisse vorbildliche asiatische Länder, die die Pandemie-Bekämpfung sicherlich besser hinbekommen als westliche Demokraturen. ;)

    Doch, das hat er bzw. das Gemeinwesen in dieser Situation schon. Vielleicht nicht mit wem konkret, aber schon mit wie vielen verschiedenen Leuten, weil die Scheiße nicht weiter verbreitet werden soll. Das ist das Allgemeinwohlinteresse.

    Und, nein, das hat nichts mit Diktaturen zu tun, sondern schlicht mit einer Bevölkerung, die weniger 'rumjammert und in der Lage ist, in einer Extremsituation zum Wohle aller mal zurückzustecken. Südkorea, Australien, Taiwan, Neuseeland sind alles keine Diktaturen ... und da lief das alles sehr gut. Und man sieht ja z.B. an den USA bzw. Kleinbritannien, wie's läuft, wenn die Leute überhaupt nichts machen bzw. vielleicht hin und wieder ein paar Ratschläge raushauen.

    Du zeigst auch sehr schön, wo du emotional stehst, indem du das gute, alte 'Dann geh doch nach drüben!'-Argument auspackst...

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    Ja, wir leben im Kapitalismus, und gerade deswegen ist es umso verfehlter, ausgerechnet den Bereich der Reproduktion reglementieren zu wollen, während die Leute weiterhin zur Arbeit dackeln müssen, größtenteils auch noch in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln. Das reißt es jetzt auch nicht mehr raus, ein paar Theater und Kinos oder gar kleine Läden dichtzumachen (ich rede nicht von irgendwelche großen Festen, auf denen man dichtgedrängt rumsteht). Gegen Masken habe ich mich übrigens nie ausgesprochen.


    Natürlich hilft die Reglementierung im Privaten. Die hat ja auch im Frühjahr geholfen. Und es ist ja nicht so, dass man in den Ländern, in denen es geklappt hat, komplett mit dem Arbeiten aufgehört hätte. Jeder Kontakt, der unterbleibt, hilft. Es könnte besser helfen, wenn man auch mit dem Arbeiten aufhören würde ... aber das ist kein Argument dafür, normal im Privaten weiterzumachen oder die beiden Ansätze gegeneinander auszuspielen.

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    Der Staat bzw die politische Verantwortlichen haben das Vertrauen nicht verdient, das ihnen leider von vielen entgegengebracht wird.
    Schon komisch, dass ich das in diesem Forum extra betonen muss. Insofern ist jede Erweiterung staatlicher Befugnisse abzulehnen, wir steuern auch so schon auf dystopische Zeiten zu, ohne dass nun zusätzlich nach dem starken Staat geschrien wird. Polizeikontrollen an innerdeutschen Grenzen? Na dankeschön, wer jetzt nicht protestiert, soll mir bitte in Zukunft nicht mehr mit 'No borders' kommen.


    Ist halt ein Katastrophenfall. Im kommunistischen oder anarchistischen Wunderland lief das auch nicht anders. Auch da müsste man die Leute überzeugen bzw. zwingen, einen gefährlichen Krankheitserreger im Interesse der Gemeinschaft nicht weiterzuverbreiten.

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    Menschen gängeln und bevormunden und gleichzeitig Betroffene unzureichend schützen - was 'eigene Vorschläge' angeht, denke ich nicht, dass ich es viel schlechter machen könnte. Tatsächlich hat ausgerechnet Palmer gute Konzepte umgesetzt (Taxifahren zum Buspreis, regelmäßige Tests in Pflegeheimen, Entzerrung der öffentlichen Begegnungen durch den Aufruf, je nach Altersgruppe zu unterschiedlichen Zeiten einkaufen zu gehen). Ich habe viele Freunde, die in betreuten Gruppen bzw mit Risikogruppen arbeiten - was denkst du, wie oft die in sechs Monaten getestet wurden? Hotels öffnen und Menschen aus dicht gedrängten Wohnverhältnissen dort unterbringen wäre noch ein weiterer sinnvoller Ansatz, ebenso wie gewisse Hotspots (Tönnies) dichtzumachen und die Mitarbeiter entsprechend weiterzubezahlen.


    Inzwischen sind die Hotspots nicht mehr nur irgendwelche Fleischfabriken. Klar, Pfleger müssten konstant getestet werden, Schulen müssten (wenn man die überhaupt offen lassen will, wofür ich eigentlich keinen Grund sehe) Luftfilteranlagen haben, wie das der Lauterbach verlangt hat (die Dinger bringen nämlich tatsächlich was bezüglich der Aerosole).
    Aber es ist doch absolut lächerlich, dass man mit so Kinkerlitzchen 'ne Pandemie in den Griff kriegen kann. Wenn das Virus so weit verbreitet ist, dass man's fast überall kriegen kann, dann werden mehr und mehr systemrelevante Berufsgruppen - also z.B. Pfleger, in deinem Beispiel - ausfallen, weil sie nach positiven Tests in Quarantäne bzw. selbst krank sind. Das hat dann Effekte aufs Gesundheitssystem und die Gesellschaft.
    Dir scheint nicht wirklich klar zu sein, um was für Zahlen es geht, wenn erst eine recht große Zahl Menschen schwer erkrankt ist. Und das kann man halt vermeiden, wenn man die Verbreitung bremst. Es ist vollkommen illusorisch, dass das mit so kosmetischen Maßnahmen geht.

    Zum Osten noch, da orientiere ich mich in meiner Verachtung an diesem Artikel hier:

    Rechtsextremismus in Ostdeutschland: Die Jungen radikalisieren sich - taz.de

    Das sind halt signifikante Unterschiede zum Westen, gerade auch bei der jüngeren Generationen. Die Leute da scheinen ja noch schlimmer drauf zu sein, als die Wessis in der Nachkriegszeit - bei denen gab's immerhin den 'Kriegsniederlageschock', der die Hitlerbegeisterung doch etwas gedämpft hat. Bei den Ossis bloß familiär weiter traditierten Autoritarismus plus Ostalgie sowie Kontinuitäten im Schulbetrieb.

    Welche 'rationale Argumentation' denn? Es ist ein einziges Experimentierlabor ohne Sinn und Verstand. Ausgangsbeschränkungen, Beherbergungsverbote, Schließung des Einzelhandels und kultureller Einrichtungen mit funktionierenden Hygienekonzepten. So gut wie keine Maßnahme lässt sich irgendwie faktenbasiert verteidigen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Der Text von Ulla Jelpke sticht positiv heraus, aber insgesamt ist die Kritik von links doch eher verhalten. Im Gegenteil, manche schreien undifferenziert nach noch härteren Maßnahmen und der Großteil dackelt lieber Querdenker-Demos hinterher, anstatt eigene Standpunkte überhaupt zu entwickeln. In erster Linie sehe ich Orientierungslosigkeit, und das ist fatal.

    Es gibt keine 'funktionierenden Hygienekonzepte' ... oder besser gesagt, weil irgendwelche Leute, die Geld verdienen wollen, davon faseln, dass es sicher wäre, sich irgendwo aufzuhalten, stimmt das nicht. Größere Menschenansammlungen gehen, wenn die Lage entspannt genug ist, dass Kontaktpersonen gefunden und in Quarantäne gehen können - aber auch das ist ja nicht ideal. Wenn du so deine Freunde/Familie infizierst, geht's denen möglicherweise sehr schlecht. Wenn Kontakte aber nicht mehr nachvollzogen werden können, kann man sich so Kram schlicht nicht mehr leisten.

    Das kommt doch ein Multiplikatoreffekt zu. Leute gehen arbeiten, in die Schule, machen Sport, hängen 'rum usw. ... und dann gehen sie zusätzlich noch auf Konzerte und andere Großveranstaltungen. Wenn die Kontaktgruppen, die's immer noch gibt, möglichst klein sind, dann bleiben halt auch die Zahlen klein. Aber wenn man zusätzlich noch große Events hat, dann eskaliert die Sache total. Ist ja auch jetzt nur schwer händelbar, obwohl Theater und Co. schon seit Ewigkeiten zu sind ... und da auch im Sommer nicht allzu viel ging.

    Da ist auch nicht viel Experimentieren dabei - das Ziel ist klar: Leute sollen so wenig wie möglich miteinander in engen Kontakt treten. Im Kapitalismus heißt das schon, dass weiter gearbeitet werden muss, aber - Überraschung - man kann das auch so in den Griff kriegen, wenn man sich dann Privaten mal ein paar Wochen einschränkt. Das ist jetzt auch nicht mein favorisiertes Szenario ... aber ich kann leider nicht ändern, dass wir im Kapitalismus leben.

    Und natürlich hat sich die Faktenlage stark geändert - der Effekt von Masken war zuerst nicht so klar, Aerosol-Übertragung war auch eine Weile nicht klar belegt, inzwischen wissen wir auch, dass Schmierinfektionen eigentlich nicht vorkommen, man also z.B. keine große Angst vor Türklinken haben muss.

    Die Idee, dass man Maßnahmen zur Eindämmung einer globalen Pandemie empirisch untersuchen muss, bevor man sie - auf der Grundlage von Modellen und Analogien mit anderen ähnlichen Erregern - ausprobiert, ist aber absurd. Wenn man das täte, könnte man auch gleich gar nichts tun. Und es ist definitiv nicht so, dass 'zu Hause bleiben und nicht mit Menschen in Kontakt treten' nicht helfen würde. Das hilft definitiv.

    Wenn man mehr über die Sache weiß, kann man ggf. auch feiner justieren, aber das ist jetzt ja ohnehin wieder vom Tisch, weil dieser Spielraum von der Zahl der Infizierten abhängt.

    Dieses ständige Provinz-Ossi-Bashing seitens der Großstadthipster geht mir schon in Leipzig auf den Sack. Der Hauptgrund, wieso Leipzig besser dasteht als die Provinz, ist meines Erachtens die krasse Überalterung letzterer. Ist ja nicht so, dass in Leipzig nicht auch Menschen in beengten Wohn- und Arbeitsverhältnissen zusammenhocken.

    Da scheinst du Fallzahlen und Verlaufsform zu verwechseln. Die Leute werden ja nicht nach Alter getestet. Provinzkäffer im Osten sind doch größtenteils leer, also theoretisch sollte da nichts stattfinden, wenn's nicht da stattfindet, wo die Leute immer noch sind bzw. sein müssen - also in der Schule und bei der Arbeit.
    Da ist's schon wahrscheinlicher, dass der Großstadtmensch vorsichtiger ist. Evidenz zeigt wohl zur Zeit, dass starke Anstiege in Schulen und bei den Älteren kurz vor der Rente stattfinden. Und beide Gruppen gibt's bestimmt auch immer noch in Sachsen...

    Das ist eben die kurzsichtige Herangehensweise von Politikern. Langfristig wird massiver gesellschaftlicher (Kollateral-)Schaden angerichtet, vor allem wenn es sich um völlig schwachsinnige und willkürliche Maßnahmen und Ratschläge handelt, die den Experimentier-Charakter deutlich machen und die Weltfremdheit der Herrschenden offenbaren (Kniebeugen im Unterricht, Glühwein-Verkauf als putzige Brauchtumspflege statt dem verzweifelten Versuch von Gastronomen, ein paar Einnahmen zu generieren).
    Meine einzige Hoffnung besteht ja noch darin, dass eine aufkommende Wirtschaftskrise ohne einfache Feindbilder der 'Fremden' eher zu einem Erstarken linker anstatt rechter Positionen führt. Das geht aber nur, wenn Linke den Kopf aus dem Arsch ziehen, anstatt sich zu Erfüllungsgehilfen der Regierung zu machen. Kritik bzw scharfe Ablehnung bestimmter Maßnahmen in Kombination mit der Einforderung sozialer Kompensation wäre schon mal ein Anfang. Sich permanent an 'Querdenkern' abzuarbeiten ist jedenfalls der falsche Weg.

    Also im Osten wird sich ganz bestimmt niemand an linken Positionen orientieren, schon gar nicht die Jugend. Ist doch auch schon lange klar, dass uns Corona 'die Schlitzaugen' eingebracht haben.

    Und man macht sich nicht 'zum Erfüllungsgehilfen der Regierung', wenn man rationaler Argumentation folgt, die auch empirisch gestützt ist.

    Als ich im September in der wunderschönen Stadt Chemnitz :! gestrandet war, ist mir schon aufgefallen, dass die Sachsen mit den ganzen Corona-Maßnahmen etwas lockerer umgegangen sind als anderswo. Niemand wollte im Restaurant deine Adresse haben, und mit Mundschutz sah man auch nicht viele rumlaufen. Das kann man jetzt natürlich so sehen, dass das alles bekloppte Corona-Leugner-Nazis sind. Aber vielleicht sind sie auch einfach ein bisschen Diktatur-Erfahrener als die Westdeutschen, und nehmen deshalb das Geschwätz der Regierung nicht mehr ganz so ernst wie es die Wessis tun, die noch glauben, dass sie in einer Demokratie leben. ;) Es ist schon bemerkenswert, wie schnell die Infektionszahlen im Frühjahr gesunken sind, kaum dass es draußen wärmer geworden ist. Und pünktlich mit den kälter werdenden Temperaturen ist das Virus plötzlich wieder in voller Stärke zurückgekehrt. Das wirkt schon ein wenig so, als ob es was mit den verstärkten Indoor-Aktivitäten der Menschen zu tun hat..Andererseits arbeiten die Menschen im Sommer ja auch in Gebäuden, und die Kinder sind im Sommer genauso in ihren Klassenzimmern eingesperrt wie im Winter, und in Bussen und Bahnen fährt man im Sommer meistens auch mit geschlossenem Fenster... Dazu kommt noch, dass die Menschen im Sommer üblicherweise auch kontaktfreudiger sind, während man sich im Winter sowieso in seinen eigenen vier Wänden einigelt und die meiste Zeit vor dem Fernseher verbringt. So gesehen hätte das Virus im Sommer auch mehr als genug Gelegenheiten gehabt, sich zu verbreiten, hat es aber offensichtlich vorgezogen, auf den nächsten Winter zu warten. Vielleicht, weil niedrige Temperaturen die Menschen anfälliger machen oder ihr Immunsystem dann nicht so gut funktioniert?

    Wie gesagt, das Wetter hat mehrere Effekte. Dass die Leute weniger häufig drin sind, ist nur einer von mehreren Faktoren. Viren überleben länger, breiten sich leichter drinnen aus, halten länger durch, weil weniger UV-Licht rumgeistert und die atmosphärischen Bedingungen anders sind usw. Das ist bei den winterlichen Grippewellen dasselbe - das hat nur teilweise damit zu tun, dass man mehr drinnen ist.

    Inhaltlich hab ich natürlich massive Problem mit der Programmgestaltung der öffentlich-rechtlichen Medien (Sportfokus, debile Vorabendserien usw.), aber die dürfen natürlich nicht verschwinden, weil nur privat zu einer Medienlandschaft wie in den USA führen würde.

    Natürlich sind die öffentlich-rechtlichen Nachrichten staatstragend und nicht etwa linke Propaganda, aber da ist sehr viel mehr Ausgewogenheit dabei als ein privater Nachrichtensender anbieten würde, wenn's nur noch die geben würde.

    Dass die ARD so plural aufgestellt ist, ist eigentlich auch nicht so schlecht, weil das halt eine Übernahme durch eine zukünftige AfD-Regierung erschweren würde.

    Ganz grundsätzlich gilt, dass Wettbewerb in der Medienlandschaft grundsätzlich zu einem Abflachen des Niveaus führt, insbesondere wenn's im Prinzip nur darum geht, Zeug zu verkaufen - was ja der Punkt bei werbefinanziertem Kram ist.

    Trotzdem erklärt das nicht, wieso gerade ländliche Regionen in Bayern und Sachsen besonders betroffen sind, weil Schulen und Arbeitsplätze gibt es ja anderswo auch. Söder hat es heut mal wieder auf die bösen Ausländer geschoben, weil da ja die Grenze zu Tschechien verläuft. Macht aber auch wenig Sinn, weil Tschechien vermutlich auch keine dramatisch höheren Corona-Zahlen haben dürfte als Deutschland.Wer mal da durch die Gegend gefahren ist, im Erzgebirge oder dem bayerischen Wald, der weiß, wie wenig dort üblicherweise los ist... auch in den Ortschaften begegnet man da normalerweise keinen großen Menschenansammlungen. Bei den Bayern könnte man vielleicht noch vermuten, dass sich die meisten am Sonntag in den Gottesdiensten anstecken... die Sachsen sind aber vermutlich nicht ganz so religiös. Also frage ich mich schon, was die da treiben. Sind die so gesellig, dass ständig das ganze Dorf beim Schlachtfest zusammensitzt? Im Frühjahr war es ja wohl so, dass in einigen Gemeinden Karnevalsumzüge und sowas stattgefunden haben, aber jetzt in den letzten Wochen dürfte es ja eher weniger solche Events gegeben haben... auf dem Land schonmal gar nicht.Ich hätte daher eben auch eher erwartet, dass die Hotspots vor allem die großen Städte sind, Berlin, München, oder im Ruhrgebiet, wo eben auch ein Kommen und Gehen herrscht. Aber da in der Pampa, da sind doch die Einheimischen meist den ganzen Tag nur unter sich, und Fremde verirren sich da nur äußerst selten mal hin. Also so ganz kapier ich das irgendwie auch nicht, wieso es ausgerechnet da diese Hotspots gibt.

    Also, der generelle Kaltwetter-Anstieg ist ja multifaktoriell, angefangen beim bekannten 'die Leute sind viel mehr und länger drinnen' bis hin zu den atmosphärischen Bedingungen bei weniger Sonne, die Viren das Überleben und Verbreiten im Winter einfacher machen.

    In Bayern vermute ich, dass die gegenwärtigen Zahlen zu einem Großteil auf der Verbreitung im Frühjahr aufbauen. Ischgl usw. haben das Virus ja schön über Süddeutschland verteilt. Man ist das Virus hier ja nirgendwo losgeworden, es gab nur weniger Fälle. Und egal wie klein der Grundstock ist ... wenn du exponentielles Wachstum über einen gewissen Zeitraum hast, dann werden das schnell mehr Fälle.

    Aber man muss auch berücksichtigen, dass es eben unterschiedliche Grundstöcke an unterschiedlichen Orten gibt. Das Virus war ja nie gleich stark verteilt bzw. überall gleich aktiv. In einem Arbeits-/Lebensumfeld mit weniger Viren, wird's weniger häufiger Infektionen geben, selbst wenn sich die Leute da gleich verhalten, wie anderswo. Und in Bayern gab's ja auch im Frühjahr viele Hotspots.

    In Tschechien gibt's schon auch sehr viele Fälle, aber da wird's über die Grenze auch nicht sehr viel mehr Kontakt geben als zwischen bayerischen Landkreisen. Denke ich jetzt mal.

    Und je mehr Fälle du hast, desto größer ist die Infektionsgefahr über den Tag - es ist halt was anderes, wenn du vielleicht einen Infizierten im Bus oder Café hast, oder mehrere im Bus, Zug, bei der Arbeit, in der Schule und zu Hause.

    Der große Unterschied zum Frühjahr was die Maßnahmen angeht, scheinen mir die Schulen zu sein ... die sind ja immer noch auf, und die Verbreitung über symptomlose Kinder dürfte gerade jetzt keine kleine Rolle spielen. Gerade weil die Sache mit dem Lüften wahrscheinlich nicht wirklich vernünftig händelbar ist. Und ähnliches dürfte ja auch an vielen Arbeitsstellen der Fall sein, nicht nur in Fleischfabriken.

    In Sachsen dürfte aber das Problem schon sehr stark sein, dass die Leute nicht mehr aufpassen bzw. ihnen die Sache scheißegal geworden ist. Ist ja auch kein Wunder, wo der Nazi-Kretschmer die Sache auch öffentlich nicht so ernstgenommen hat. Obwohl's wahrscheinlich unter der arbeitenden Bevölkerung da schon einige Pendelei gibt; viele Leute werden nicht in ihrem Kaff arbeiten, und viele Schüler werden auch zum Gymnasium oder die Berufsschule in einen größeren Ort müssen.

    Das ist ja auch meines Erachtens das psychologische Problem mit den Maßnahmen. Ich halte nichts von Bestrafungsaktionen usw., aber wenn der Staat nur Empfehlungen abgibt und die Leute nett bittet, dann hält sich ja kaum wer dran, mit der Begründung 'dass mir schon nichts passieren wird'. Nur wenn ein bisschen Panik gemacht wird, nehmen die Leute die Sache ernst. Das ist ja auch der Vorteil/Mehrwert von geschlossenen Läden usw. Wenn man nicht ins Café darf, überlegt man sich vielleicht auch, ob das Besäufnis/Treffen zu Hause sinnvoll ist oder nicht. Aber wenn man das Gefühl hat, das alles mehr oder weniger normal ist, dann verhält man sich auch wieder normal.

    Und gerade dieses asoziale Element ist halt gerade in Asien nicht so ausgeprägt. Aber auch Neuseeland und Australien sind den Mist schon losgeworden. Die haben die Fälle auf Null gebracht und lassen Reisende nur nach Quarantäne rein. Geht auf Inseln natürlich leichter, aber sowas muss man wollen (die Engländer wollen das z.B. definitiv nicht). Und es ist ja nicht, dass das nicht krasse Vorteile hätte - da wird überall wieder gefeiert, und man lebt wieder wie früher, was hier nicht einmal als theoretisches Ziel ausgegeben wird.

    Andererseits sollte man wahrscheinlich auch aufpassen, dass wir jetzt März/April nicht mit Herbst/Winter zusammen werfen. Im Frühjahr war das Wetter schon recht schön, und man ist dann ja gerade gern schon ins Grüne bzw. einfach raus gegangen, weil das auch angenehm war. Das macht man jetzt wahrscheinlich nicht mehr ganz so häufig und gleichzeitig werden die Verbreitungsbedingungen für das Virus in Innenräumen immer günstiger.

    Aber ganz grundsätzlich - die Tatsache, dass die Fallzahlen gerade nicht runtergehen, obwohl viele Läden zu sind, und wahrscheinlich nur sehr wenige der Neuinfizierten auf irgendwelchen geheimen Partys waren, deutet wohl daraufhin, dass die Verbreitung da passiert, wo's jetzt noch möglich ist. Das sieht man schon sehr gut auch daran, dass verglichen zum Sommer eben auch die Fallzahlen unter Risikopatienten steigen, die zu einem Gutteil wahrscheinlich schon einiges tun, um sich zu schützen bzw. eigentlich auch von ihrem Umfeld geschützt werden.

    Diese amerikanische Studie, die Verbreitung auf der Basis von ausgewerteten Handy-Standortdaten erhoben hat, hatte ja gerade Restaurants und Cafés mit Innenräumen als ziemlich bedeutende Hotspots ausgemacht. Und die Bedingungen in den Läden sind ja doch auf sehr viele andere Innenräume übertragbar, z.B. Großraumbüros, Klassenzimmer usw.

    Das Bashen von jungen Leuten ist doch eigentlich nur eine Ablenkung, weil eine Mehrheit der jungen Leute die Maßnahmen nicht nur gutheißt, sondern sich auch daran hält. Ist doch auch nicht so, dass Leute in Großstädten besonders betroffen wären - jetzt gerade sieht man doch toll in Sachsen, wie die Dorftrottel-Nazis in Bautzen und Co. massive Zuwächse zeigen, wohingegen es in Dresden und Leipzig ja noch recht gut aussieht. Es muss ja doch andere Übertragungsszenarien geben, wenn's in krass ländlichen Regionen zur Zeit massive Anstiege gibt - also wahrscheinlich schon auch beim Arbeiten, in der Schule usw.