Das ist halt echt Humor von gestern. Und es sind schon rassistische Stereotype, die da reproduziert werden. Bis zu einem gewissen Punkt ist das sogar mein Humor, aber die Zeit dafür ist echt abgelaufen.
Beiträge von Calgmoth
-
-
Komplex ist das Verhältnis zum 'Feind Staat' doch immer, denn von heute auf morgen können wir ihn nicht abschaffen oder bis zur Unkenntlichkeit in etwas Besseres transformieren. Ich warne lediglich davor, sich einer 'Politik der Notwendigkeiten' zu ergeben, die vermeintlich durch äußere Umstände diktiert wird. Hier sollte doch der Ort sein, an dem man genau dieses kritische Bewusstsein kultiviert, anstatt nur seine Schicksalsergebenheit zum Ausdruck zu bringen. Klar, nicht jeder hier sieht sich als Anarchist, aber ein bißchen mehr als 'alles ist unausweichlich' sollte dann eben schon kommen.Na, aber man kann doch Alternativen nur entwickeln, wenn man sich auf das maßgebliche Wissen bezieht. Man muss doch wissen, wie sich so ein Virus (höchstwahrscheinlich) verhält. Wie man selbst dazu steht, ist doch eigentlich eher irrelevant.
Und 'no boders' hat eben am Ende keine Gültigkeit mehr, wenn man faktische Bedrohungen anerkennt, die unterschiedlicher Art sein können. Da sollte man eben auch ehrlich genug sein, sein sehr idealistisches Weltbild zu hinterfragen, wenn einem in der heutigen Situation auch nix anderes einfällt als die Einsicht in die Notwendigkeit.
Hm, aber niemand würde doch sagen, dass 'no borders' jetzt heißt, dass Leute in einen Landstrich gehen, wo 'ne Hungersnot herrscht ... oder dass sie, wie im gegenwärtigen Fall, rumlaufen sollen, um eine Krankheit zu verbreiten bzw. zu bekommen. Analog würde ja auch niemand jemanden auffordern, irgendwo hinzugehen, wo gerade ein heftiger Vulkanausbruch ist, ein Erdbegen tobt usw.
Du musst da echt zwischen Extrem-/Ausnahmesituation und Normalzustand differenzieren.
-
Hier mal ein gutes öffentlich-rechtliches Radio-Feature:
Umgang mit Verschwörungsanhängern in Familie und Freundeskreis
- SWR2 -
Was mich stört, ist diese einseitige und kritiklose Verteidigung staatlicher Maßnahmen, die an vielen Stellen durchdringt, so als gäbe es nur die beiden Varianten 'Masken runter/alles auf' oder totale Unterordnung. Der dritte Weg zwischen Querdenkern und Staatsgläubigkeit wird nicht ausreichend beschritten. Da wird auch die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis verkannt, denn wir haben insbesondere in Sachsen gesehen, wie die Hygiene-Maßnahmen z.B. im Rahmen von Versammlungen angewendet werden - bei Nazis und Querdenkern bis zum letzten Samstag in Dresden nämlich überhaupt nicht, und bei missliebigen Gruppen als weiterer willkommener Vorwand, um diese auseinanderzuprügeln. Wir reden hier immer noch vom selben Staat, der wird nicht plötzlich zum wohlmeinenden Beschützer, nur weil bestimmte Maßnahmen nötig werden. Insofern wünsche ich mir eine kritischere Debatte und vor allem den Entwurf eigener Positionen. Das findet gerade in linken Kreisen immer noch zu wenig statt, zumindest im direkten Vergleich zu der Bereitschaft, hinter Querdenkern hinterherzurennen und sich als Hygiene-Blockwart aufzuspielen. Ich verstehe gut, dass viele orientierungslos und unsicher sind, nur ist es jetzt genauso wichtig wie sonst auch, sein kritisches Bewusstsein nicht aufzugeben.Na ja, du weißt ja jetzt, dass ich nicht den Staat als solchen verteidige ... ich meine, es ist doch klar, dass die sächsische Regierung AfD-/CDU-Wähler besser behandelt als linke Zecken. Das ist da doch kein Wunder.
Aber das hat doch nichts damit zu tun, wie einzelne Maßnahmen bezogen auf die Pandemie zu bewerten sind. Das solche Dinge nicht im luftleeren Raum stattfinden und man die auch instrumentalisieren kann, ist doch klar.
Bei Masken gibt's nur ein 'ja', da gibt's schlicht kein 'nein'.
Und der Grund, weshalb die Linke halt nichts mit Spinnern und Verschwörungsidioten zu tun haben will, ist halt, weil man da in der Regel nicht wissenschaftsfeindlich ist. Und weil die meisten 'Argumente' aus der Querdenker-Fraktion halt sozialdarwinistisch-kapitalistisch sind, also darauf setzen, dass das Leben für 'die Mehrheit' normal weitergehen sollte, weil die Seuche ja nur Alte und Kranke betrifft, um die's ohnehin nicht allzu schade ist. Da wird dann mit den verschiedensten Scheinargumenten argumentiert - Virus gibt's nicht, ist nicht so schlimm, Tests bilden Situation falsch ab, Todesfälle sind/werden nicht so hoch usw.Ich meine, du vermischst da doch Positionen: In einer Pandemie-Situation ist 'no border'-Freizügigkeit halt tatsächlich nicht so geil. Aber das gilt doch nicht, wenn die Pandemie irgendwann mal wieder vorbei ist. Genauso gilt: Wenn ich heute sage, geh nicht ins Kino, dann heißt das doch nicht, dass ich selbst nicht wieder ins Kino gehen oder andere davon abhalten will, wenn das wieder gefahrlos möglich ist.
-
Zur Risikogruppe:
Das sind hier in Deutschland dank der Überalterung ungefähr 40 % der Gesamtbevölkerung. Und man will dieses verdammte Virus auch als junge Person nicht, gerade auch wegen der recht großen Chance, nicht wieder ganz gesund zu werden.
Was die Impfung angeht:
Leute, die mRNA-Impfung ist prinzipiell eine Verbesserung zu herkömmlichen Impfungen und ihr Vögel hier kriegt die eh nicht in den nächsten Wochen oder Monaten. Das Zeug geht zuerst ans medizinische Personal, die heftigsten Risikogruppen und dann irgendwann an die breite Bevölkerung. Und die Zahlen werden auch erst dann runtergehen, wenn's die jüngeren Leute weitgehend durchgeimpft sind, weil Altersheiminsassen oder alleinstehende Rentner halt nun doch nicht mehr so viel außerhalb des Hauses tun.
Aber auch nur darüber nachzudenken, ob man sich nicht impfen lassen sollte, ist total absurd. Da muss man schon ziemlich weit in abseitige Sphären abgedriftet sein.
-
Na ja, du solltest doch wissen, dass autoritäre Ideologien ein bißchen komplexer sind und sich nicht auf reinen Gehorsam runterbrechen lassen. Was der verlinkte Text schön verdeutlicht. Das Kollektiv steht über dem Individuum, gesellschaftliche Fehlentwicklungen werden auf das Versagen oder die Niedertracht von Individuen reduziert, die nicht funktionieren (wollen). Gefährlicher, regressiver Stuss, der so auch von den Mullahs kommen könnte, da passt das Feindbild des dekadenten Westens gut ins Bild. Der Kampf gegen Drogenkonsumenten inkl. Hinrichtungen kann mit denselben Argumenten der 'Humanität' geführt werden, denn unterm Strich töten Drogen, wie wir wissen, auch ne Menge Menschen.
Ich hab ja nicht gesagt, dass wir uns jetzt mentalitätsmäßig alle in Asiaten verwandeln sollen. Wollte nur aufzeigen, dass das Problem hier eben auch an der hier herrschenden Mentalität liegt, und es vielleicht besser wäre, wenn man sich in bestimmten Punkten an den Leuten orientiert, die's besser machen.
Und da meinte ich nie staatliche Vorschriften/Bestrafungen, sondern immer wie sich die Sache aufs Handeln der einzelnen Leute und deren persönliche Entscheidungen auswirkt. Denn wie ich ja gesagt habe - es funktioniert nur, wenn die Leute mitmachen. Der Staat kann das nicht erzwingen. Sieht man doch schön in Sachsen, wo die Bizarro-Alltagsregulierung wohl nicht unbedingt zu tollen Ergebnissen führt bzw. geführt hat.
Die Drogenfrage scheint mir damit nicht wirklich zu tun zu haben - da muss man unterscheiden, was Leute mit sich selbst machen und was sie anderen antun. Stichwort: in der Wohnung rauchen vs. mir im Café Gift in die Lunge zu blasen. Oder auch meinetwegen: Das Recht auf körperliche Unversehrtheit vs. die kapitalistische Freiheit, Tabak industriell anzubauen, in ein giftiges, suchterzeugendes Produkt zu verwandeln und das auch noch zu verkaufen und zu bewerben. Letzteres ist schon sehr pervers, wenn man's mal so formuliert. Ich würde Leuten das Rauchen nicht verbieten, wenn sie's zu Hause machen und den Tabak selbst anbauen. Aber dass Leute damit Geld machen dürfen, sollte man als Gesellschaft eigentlich nicht hinnehmen. Beim Rauchen kann man ja nicht mal von einem messbaren/relevanten 'Rauschgefühl' sprechen, das man jetzt gegen die Giftigkeit in Stellung bringen könnte.
ZitatEs ist halt fatal, alles auf die Verfehlung der bösen, unsolidarischen Spaßgesellschaft runterzubrechen. Denn dieses Horn muss letztlich auch geblasen werden, um jede fundamentale Kritik am System abzuschmettern. Schon so banale Dinge wie bessere Anreize für Pflegekräfte sind ja, wie wir sehen, alles andere als eine Selbstverständlichkeit, ganz zu schweigen von bedingungslosen Grundeinkommen oder auch 'nur' einer bedingungslosen Kompensation der angerichteten Schäden.
Klar, aber man muss halt auch da sagen, dass wirtschaftliche Schäden/Probleme klar hinter Leben und Tod zurückstehen. Ich meine, du siehst ja hier, wie's inzwischen in deinem Bundesland zugeht:covid-19-erzgebirge-corona-intensivstation-notfallmedizin
Damit singe ich nicht das Loblied auf den Staat/Kapitalismus. Mein Problem ist eher mit den Leuten, die sich gegen staatliche Maßnahmen wenden, indem sie die Gefahr der Seuche kleinreden oder wirtschaftliche Interessen höher gewichten, als den Schutz vor dem Virus. Und wenn man sich den öffentlichen Diskurs anschaut, dann verstecken sich halt gerade die Kapitalinteressen hinter dem Wunsch der Leute, dass alles wieder normal sein sollte und wir doch jetzt bitte wieder so weitermachen wie vorher.
ZitatDass Freiheit im Namen der Sicherheit geopfert werden darf, ist in der Regel eine rechte Forderung. Ja, es geht nicht ohne Regelungen und es gibt auch diverse asoziale Leute, vor denen man andere schützen muss (wer infiziert ist oder bei dem ein hoher Verdacht besteht, sollte tatsächlich nicht mehr vor die Tür gehen). Aber Menschen auf reinen Verdacht wegsperren, ist eine üble Umkehr der Beweislast. Für die längerfristigen Implikationen einer solchen Herangehensweise (neue Krisen, fehlende kurz- bis mittelfristige Lösungen etc.) scheinst du leider ziemlich blind zu sein.
Es geht hierbei nicht um Opfer, sondern um zeitlich begrenzte Einschränkungen. Das kann man nicht mit 'normalem Kram' vergleichen. Das ist eine Katastrophe, die letztlich auf den Bestand der Gesellschaft als solcher Auswirkungen hat. Da reden wir nicht von 'Beweislastumkehr', sondern einfach von der schlichten Tatsache, dass du als Mensch das Virus bekommen und weiterverbreiten kannst, und dass du allein aufgrund dieser Möglichkeit eine Gefahr für andere darstellst. Das kann man nicht durch die Brille 'aber ich bin nur gefährlich, WENN ich das Virus auch habe' betrachten, weil man so nicht in der Lage wäre, die Verbreitung zu stoppen.Und natürlich haben jetzt Seuchenangelegenheiten wenig bis gar nichts mit der Argumentation von normaler Unterdrückung zu tun bzw. werden dann halt nur aus dem Arsch gezogen. Unser Job ist es halt, festzustellen, wann tatsächlich eine Seuche vorliegt (jetzt, zum Beispiel) und wann der Staat nur eine erfindet, um irgendwas zu rechtfertigen.
Das Ekelhafte hierbei aber z.B. ist, wenn man jetzt Seuchentote gegen Unfallopfer o.ä. ausspielt - und damit die perverse Normalität gegen die perverse neue Entwicklung ausspielt. Man sollte auch letztere reduzieren, nicht erstere normalisieren, indem man sie zu Opfern erklärt, die unser Lebenswandel notwendigerweise bedingt. Das ist nämlich einfach nicht so.
Ich mache mir hauptsächlich darüber Sogen, dass staatliche Willkürmaßnahmen salonfähig gemacht werden durch diese Pandemie. Und was erstmal salonfähig ist bzw. akzeptiert wurde von den Bürgern, wird uns auch über die Pandemie hinaus in der einen oder anderen Form erhalten bleiben, dann vielleicht zur Terrorismus- oder Kriminalitätsbekämpfung."Nächtliche Ausgangssperren" beispielsweise ist etwas, wo für mich vor ein paar Jahren noch völlig unvorstellbar gewesen wäre, dass sowas überhaupt mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar ist (ja, ich weiß, ist sehr naiv von mir gewesen).
Jedenfalls hörte man früher vor allem dann etwas von Ausgangssperren, wenn irgendwo in Afrika gewählt wurde, und der Diktator Ongabonga gewährleisten wollte, dass es nach seiner Wahlmanipulation nicht zu Ausschreitungen kommt. "Ausgangssperren" wurden als ein Werkzeug von Diktaturen und Bananenrepubliken betrachtet, um das Volk unter Kontrolle zu halten. Und wenn das Ganze jetzt nach dem Motto "Der Zweck heiligt alle Mittel" auch in westlichen Demokratien salonfähig wird, wird mir schon etwas Angst und Bange um unsere Zukunft. Zumal die sozialen Spannungen und gesellschaftlichen Ungleichheiten ja in Zukunft auch nicht geringer werden dürften.
Daher empfinde ich es von Menschen, die ihre Gesundheit über alles andere stellen, schon etwas kurzfristig gedacht, wenn sie dafür notfalls auch einen Deal mit dem Teufel abschließen würden und jede noch so freiheitseinschränkende Maßnahme begrüßen.
Klar, Gesundheit geht tatsächlich über alles. Vor allem wenn es einen selbst betrifft. Aber man sollte sich trotzdem nicht mit den einfachen Antworten abfinden, die einem unsere Politiker liefern, sondern lieber nach Alternativen suchen, wie man Gesundheitsschutz, individuelle Freiheitsrechte und Lebensqualität in Einklang bringen kann, ohne das eine gegen das andere auszuspielen oder eintauschen zu müssen.
Denn Langzeitschäden verursacht leider nicht nur das Virus, sondern auch viele der Maßnahmen, die heute im Namen der Virusbekämpfung getroffen werden.Na ja, das hier ist Deutschland. Du glaubst nicht, dass es hier Diktatur/Faschismus geben könnte ;-)?
Sobald es hier auch nur den Ansatz einer breiten Revolte gibt, wird der Staat alles, aber auch alles tun, um die zu zerschlagen. Das war doch schon immer klar.
Der Unterschied zu 'ner Ausgangssperre in diesem Kontext, ist, dass doch niemand an Ausgangssperren Interesse hat ... wenn nicht gerade Leute versuchen, Revolution zu machen. Dass der Kram bleibt, davor muss man doch keine Angst haben. Oder denkst du, der Staat versucht, einen geheimen Kreuzzug gegen die Club- und Bierzeltszene zu führen ;-)?
Das Problem gerade ist einfach, dass wir nicht einfach normal weiterleben können. Es gibt halt keine echte Alternative zu 'daheim bleiben' und 'Kontakte vermeiden'. Es wäre schön, wenn das anders wäre, aber das ist es halt leider nicht.
Und der Staat spiegelt das ja auch nur wider. Wir sind jetzt gerade ja in der Misere, weil man in der Politik im Frühjahr/Sommer zu zögerlich war und mehr den Stimmen gelauscht hat, die uns glauben machen wollten, dass es nicht so schlimm kommen wird.
-
Von Neuseeland mal abgesehen (die als Insel in der komfortablen Lage waren, sich einfach abzuschotten, bevor das Virus so richtig Fuß fassen konnte) sind das alles Länder, in denen die Menschenrechte mit Füßen getreten werden, und in denen Gehorsam und rigorose Strafen bei Verfehlungen eine lange Tradition haben.So gesehen ist es aus asiatischer Sicht natürlich logisch, dass man vor allem den bösen Individualismus im Westen kritisiert, der einem sowieso schon immer ein Dorn im Auge gewesen ist.
Na ja, die urbanen Asiaten sind wahrscheinlich noch ein Gutteil hedonistischer vergleichbare Gruppen im Westen, aber der Unterschied ist halt, dass man sich zurücknehmen kann. Das Zerrbild ist ja, dass die Leute da nur tun, weil der böse Staatsbüttel sie zwingt, und dafür haben die ja überhaupt nicht die Mittel. Die Leute halten sich eben einfach an Regelungen, weil sie ihre Verwandten und Freunde und sich selbst nicht gefährden wollen.
ZitatDas Zerrbild von hemmungslosen Partys und hedonistischen jungen Leuten, die nur an sich selbst denken und keinerlei Rücksicht nehmen (und dass jene die Treiber der Pandemie wären), kann ich aber so aus meinem Alltag nicht bestätigen. Jedenfalls nicht in den letzten paar Monaten. Ist schon alles deutlich zurückgegangen im Vergleich zu früher, und es gab weitaus weniger Krawalle und Widerstand gegen die Maßnahmen, als ich eigentlich erwartet (und erhofft) hatte.
Formulieren wir es so: Viele Menschen haben ein bisschen mehr Rücksicht genommen als sonst. Auch die Jungen. Dies war aber offensichtlich nicht genug, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.Klar, es sind ja tatsächlich eher nicht die jungen Leute, die krass Party gemacht haben, sondern eher Mittelalte bis Ältere. Die hat man im Sommer wieder krass in den Cafés usw. weiter gesehen. Klar, dass auch irgendwelche Kinder die Sache erstmal nicht so ernst genommen haben, sind ja auch nicht so gefährdet, aber so diese Beharrungskräfte, dass jetzt alles wieder so werden soll, wie vorher, und zwar so schnell wie möglich, geht eher von den behäbigen, fetten, verwöhnten älteren Leuten aus.
ZitatAber wie gesagt (und darin scheinen wir uns ja weitestgehend einig zu sein): So lang die Schulen offen haben und jeder jeden Tag zur Arbeit muss in vollbesetzten Zügen, sollte man vielleicht eher dem kapitalistischen System und dem damit verbundenen Leistungszwang die Schuld an der Misere geben, und nicht so sehr die Schuld bei ein paar "verantwortungslosen" Individuen suchen, die es nicht einsehen, auf ihr Besäufnis am Wochenende zu verzichten, während sie die ganzen übrigen Tage buckeln und arbeiten gehen müssen wie immer.
Ja, klar, das macht es nicht einfacher. Obwohl's da natürlich auch sehr viele Branchen gibt, wo jetzt von zu Hause gearbeitet wird und so. Es sind bestimmte Gruppen, die gezwungen werden, immer noch zu arbeiten, und das ist natürlich alles andere als ideal.ZitatAlso wäre jetzt tatsächlich ein guter Zeitpunkt, die Menschen einfach mal für einen Monat komplett in Urlaub zu schicken, oder gern auch für zwei. Dann muss aber auch die Bezahlung gewährleistet sein, notfalls in Form eines Grundeinkommens für diesen Zeitraum für alle.
Und was die Kontaktbeschränkungen im Freizeitbereich angeht, sollte man einen Weg finden, die Kontakte möglichst weit zu reduzieren, aber ohne deshalb in die Privatsphäre der Menschen einzugreifen, erbsenzählerisch die Anzahl der Freunde zu zählen, die man besuchen darf, oder gar die Unversehrtheit der Wohnung in Frage zu stellen und die ganze Bevölkerung pauschal zu verdächtigen, potenzielle Staatsfeinde bzw. Gesundheitsfeinde zu sein.
Na ja, es ist ja nicht wirklich damit zu rechnen, dass die Bullen bei jedem an Weihnachten auf der Matte stehen, um zu checken, mit wem man da jetzt feiert. Aber wenn's da Vorschriften gibt, überlegen die Leute halt, ob sie ein größeres Fest machen oder nicht. Faktisch sind das doch eher Richtwerte. Und es jetzt ja auch nicht wirklich so, dass ein Großteil der Leute, nicht mehr arbeiten oder ins kommunistische Wunderland fliehen wollte - wir sind hier in Deutschland, Antikommunismus gehört zu unserer Identität ;-).ZitatWenn das alles anders gehandhabt worden wäre, weniger mit der Arroganz der Mächtigen, und mit mehr Respekt voreinander (so wie in Schweden etwa), dann hätte die Querdenken-Bewegung auch längst nicht so viel Zulauf von "normalen" Bürgern erhalten, sondern dann wären das wirklich nur die üblichen Verschwörungsnazis dort. Aber es wurde eben mit ordentlich Selbstherrlichkeit von oben herab festgelegt, welche Menschen systemrelevant sind und welche nicht, und es wurden massive Eingriffe in die Freiheitsrechte der Bürger unternommen, ohne deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegen zu können. Sicherlich muss man in einem Katastrophenfall auch mal Dinge ausprobieren, über deren Wirksamkeit man noch nichts weiß, weil sowas noch nie vorgekommen ist. Aber die Freiheitsrechte und die Freizügigkeit des Individuums sollte man bei sowas als allerletztes opfern. Es war aber so ziemlich das Erste, was geopfert wurde. Und das hat eben mal wieder schön gezeigt, wie die Prioritäten verteilt sind, und dass "Freiheit" in unserem System allerhöchstens eine sekundäre Priorität hat, aber im Zweifelfsfall zu vernachlässigen ist. Dann sollen sie das Wort aber bitteschön auch aus ihrer Hymne streichen, und stattdessen in Zukunft lieber "Einigkeit und Recht und Gesundheit" singen!
Na ja, in Stockholm bricht gerade das Gesundheitssystem zusammen. Die Idioten brauche jetzt Hilfe, von den anderen skandinavischen Ländern:Sweden's coronavirus surge causes alarm at capital's hospitals - Business Insider
Ist auch richtig geil, einer Bevölkerung ein Virus aufzuhalsen, dass in 10-20 % (auf der milden) Fälle ekelhafte, noch nicht vollständig bekannte Langzeitfolgen haben kann. Das dürfte in den nächsten Jahrzehnten auch noch einen schönen Effekt aufs Gesundheitssystem haben.
Die Querdenker-Spinner kann man doch getrost ignorieren. Das ist doch nur eine kleine, irrelevante Minderheit.
Und, wie gesagt, wenn du keinen Kontakt hast, hilft das sehr wohl. Das ist schon alles belegt. Was nicht klar ist, welchen konkreten Effekt jetzt bestimmte Einzelmaßnahmen haben.
Ich finde definitiv nicht, dass meine Gesundheit - und die meiner Familie und Freunde - unter deiner oder meiner Freiheit steht. Und ganz bestimmt dann nicht, wenn sich's nur um temporäre Einschränkungen handelt. Die Leute sind im Zweifel leider für immer tot oder für immer eingeschränkt. Das ist nicht wirklich eine Abwägungsfrage.
-
Es ist möglich und wird nach wie vor auch praktiziert. Natürlich nicht bei RTL 2, sondern zum Beispiel auf Phoenix in der Reihe "persönlich". Solche Reihen gab es immer schon. Der Duktus der Menschen hat sich natürlich geändert, und das Bild ist auch nicht mehr schwarz-weiß, aber da kann ja das Fernsehen nichts für.Ich denke auch nicht, dass oben gezeigte Sendungen früher unendlich hohe Quoten erhalten haben. Heute gibt es diese Interview-Formate auch noch, viele schalten aber lieber zum Dschungelcamp rüber, weil ihnen das mehr gibt. Und das war auch schon früher so, als die Leute zwar nicht so einfach umschalten konnten, aber dann halt in die Kneipe gegangen sind, und sich unterhalten haben, dass sie jetzt einen Türken in der Fabrik haben, der ganz schwarze Haare hat und man ihn vorsichtshalber mal im Auge behält!
Klar, ähnliche Formate gibt's schon noch, aber dass heute mal jemand ins Fernsehen eingeladen würde, der einfach mal so erklären darf, wieso er den Parlamentarismus für Quatsch hält (wie Dutschke), ist nicht besonders wahrscheinlich. Phoenix hat schon noch so eine Interviewsendung, aber besonders in die Tiefe gegangen wird da nicht.
Man merkt halt doch, dass man sich z.B. auf das Gespräch mit Hannah Arendt richtig vorbereitet hat und auch versucht, nicht unter Niveau zu gehen, die Leute ausreden zu lassen usw.
Und das war ja teilweise bei den ersten 'Talk Shows' im Fernsehen auch so, die ja auch erstmal nur Gesprächssendungen waren. Das hat sich dann halt immer mehr verflacht.
-
Gerade öffentlich-rechtliche Satire - vor allem recht tiefgehendes und provokatives Zeug, wie es 'Die Anstalt' manchmal macht - würde es im Privatfernsehen nicht mehr geben. Da würde dann alles auf Personen runtergebrochen und systematische Kritik durch Satire, die hier ja durchaus noch üblich ist, würde vollständig verschwinden. Über die Mont-Pèlerin-Gesellschaft wüsste ich ohne 'Die Anstalt' zum Beispiel nichts:
Die Tendenz kann man ja sehr schön sehen, wenn sich z.B. mal liberale englischsprachige Nachrichtensender anschaut. Fox News ist da gar nicht 'der Feind', sondern eher CNN oder CBS.
Die Ausgewogenheit kannst du auch über andere Medienformate erreichen. Das Fernsehen überlebt sich doch (hoffentlich) sowieso. Ich hab weder Fernseher noch Radio und zahl trotzdem. Und wenn immer weniger Menschen diese Medien konsumieren, hat sich das Thema irgendwann erledigt. Okay, man könnte irgendwann alles über die Mediathek laufen lassen, das wäre sowieso sinnvoller in Bezug auf die freie und zeitunabhängige Programmgestaltung. Arte seh ich z.B. schon als Bereicherung.
Na, ein Radio solltest du dir schon leisten. Damit kann man durchaus interessantes Zeug hören.
Das Problem mit den Streaming-Angeboten ist ja eigentlich zweierlei - man wird total überwacht, weil Netflix und Co. all deine Daten analysieren, so wie auch der übrige Online-Kram, aber auch weil der Fokus da total auf die Kulturindustrie von Großkonzernen abgestellt ist. Ja, wahrscheinlich gibt's da gute Unterhaltung und auch die eine oder andere gute Doku, aber nichts das auch nur vorspielt, irgendwo am Gemeinwohl interessiert zu sein oder ggf. gewisse Dinge grundlegender in Frage zu stellen.
Zur Zeit gibt's schon noch spendenfinanzierte Medienangebote wie z.B. die Interviews von Jung & Naiv, die ja doch für Politikerinterviews recht umfassend sind, aber in der Influencer-Landschaft sieht man doch sehr gut, in welche Richtungen Internetangebote hingehen. Und das gute am öffentlich-rechtlichen System, so wie es besteht, ist, dass es da halt doch immer noch einen Topf für Journalisten gibt, die jetzt öffentlich finanziert längere, teure Recherchen u.ä. machen können. Wenn das fehlen würde, sähe die Medienlandschaft schon bedeutend anders aus.
Das Problem beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist halt, dass er sich von Information/Bildung zum großen Teil verabschiedet hat, und der Spaß- und Unterhaltungsindustrie der Privaten nacheifert.
Wettbewerb in der Medienlandschaft führt grundsätzlich zur Verflachung, wenn die Orientierungsgröße Quoten bzw. Klickzahlen sind. Das sieht man doch sehr schön daran, dass alle ihre Formate gegenseitig nachäffen und gerade bei unterirdischen Formaten einander in der Qualität unterbieten wollen, indem man z.B. die künstlichen Hartzer noch stärker als Untermenschen darstellt als der Konkurrenzsender.
Und solange sowas werbefinanziert ist, ist da sowieso nichts prinzipiell kritisch bzw. hängen die Sender auch direkt am guten Willen ihrer Werbekunden, die ihnen durchaus auch sagen (können), was sie im Programm sehen und was sie nicht sehen wollen.Deswegen ist's ja auch totaler Schwachsinn, dass es bei den Öffentlich-Rechtlichen auch wichtig ist, wie viele Leute dazuschauen. Ihr Geld kriegen die ja unabhängig vom 'Erfolg in Quoten'. Wieso die eigentlich messen und nicht einfach gutes Material raushauen? Das ist schon ein Fehler im System.
Oh, und 'Das literarische Quartett' ist natürlich auch eher Unterhaltungs- als Bildungssendung. Was früher im deutschen Fernsehen möglich war, kann man z.B. hier sehen:
Die Vorstellung, dass derart formulierte Fragen - geschweige denn die Antworten - heute im Fernsehen noch möglich wären, mutet ja schon etwas absurd an.
Recht cool in der 'Zur Person'-Playlist ist v.a. das Interview mit Rudi Dutschke. Hier mal ein Direktlink:
-
Man kann nur noch darauf hoffen, dass wenigstens die größten Idiotien und ungerechtfertigten Eingriffe in das Privatleben der Bürger wieder von den Gerichten gekippt werden. Etwa nächtliche Ausgangssperren, wie hier in BaWü aktuell ab 20 Uhr. Was für eine Idiotie, wenn man nun nicht mal mehr in die Geschäfte darf zu den Uhrzeiten, wo es dort weniger voll ist als tagsüber. Eigentlich sollte man das Gegenteil tun und alle Supermärkte rund um die Uhr öffnen, damit sich alles entzerrt und sich nicht alle Menschen zur selben Zeit dort versammeln. (Ich muss nachher auch noch einkaufen gehen, und ich ahne schon, was dort für ein Gedränge sein wird, weil sie alle nochmal gründlich hamstern gehen. Gibt sicher wieder keine Tomatensauce.
)Eine nächtliche Ausgangssperre bei geschlossenen Läden dürfte in der Tat nahezu keinen Effekt haben, das ist ganz klar Schwachsinn.
Einkaufen dürftest du da aber sowieso noch gehen, nehme ich an, weil das doch noch unter 'wichtiger Grund' fallen dürfte. Wobei mir nicht klar ist, wieso Ausgangssperre sein sollte, wenn da noch Läden aufhaben bzw. wieso Läden während der Ausgangssperre von sich aus noch öffnen sollten. Da dürfte dann ja weniger in den Läden los sein.Was jetzt wahrscheinlich einen Effekt hätte, wäre die Schulen zu schließen und auch den Einzelhandel weitgehend zuzumachen. Weihnachten kommt nächstes Jahr ja wieder. Aber die Gefahr, dass man sich nachts in der Kälte auf dem Schwäbischen Alb irgendwo ansteckt ist, glaube ich, ziemlich klein.