Beiträge von Lonewolf

    Den Diskurs um die Transformation der Demokratie

    Ich weiss. Schon seit den 70ern reden Leute vom Verfall (Nicht nur Transformation) der Demokratie. Ich frage nur, warum man diese Meinung dann kleinreden muss, nur weil einige Leute, die das meinen, das erst seit gestern meinen oder bestimmte Namen haben. Auch dein neuerliches "Ein echter Anarchist muss XXX denken" halte ich für nen groben ideologischen Unfug.

    Meine Kritik zum Thema "Medien und autoren abwerten statt auf den inhalt einzugehen" hast du ja elegant ignoriert.

    Banalitäten und Quatsch ignoriere ich eben, deal with it. Ich hab nicht die Geduld wie Unmensch, dir jede Aussage oder die Bedeutung von Begriffen nochmal extra zu erklären. Bilde dich, denn Einbildung ist keine Bildung :facepalm:

    Und was ein 'echter Anarchist' macht, lässt du dir am besten von Mathias oder Feldkatze erklären, für die scheint diese Kategorie ja ziemlich identitätsstiftend zu sein. :thumb_up_:

    Kurz und knapp: Linke Parteien bzw. Weltanschauung leben von der Definition des politischen oder gar revolutionären Subjekts. Wenn dieses Subjekt wegbricht, so wie die historische Arbeiter- und Bauernschaft, und wir in postmoderne Kategorien eintreten, wird es immer schwerer bestimmbar, wer eigentlich der Adressat linker Politik in großem Maßstab sein soll. Das Dilemma ist, dass die Linke als pragmatische, soziale Forderer und Kümmerer zu wenig und als ideologische Bilderstürmer zu sehr wahrgenommen werden. Wobei gerade letzteres doch eher ein Kennzeichen linker 'Szene' und weniger linker Parteiprogramme ist, aber es wird eben so wahrgenommen.

    Insofern sage ich ganz illusionslos: Auf parteipolitischer Ebene geht es momentan nur noch um das kleinere Übel. Und diese Wahl ist eben gerade jetzt mit einer faschistischen Vernichtungsarmee vor der europäischen Haustür keine Nebensächlichkeit, die man ignorieren sollte. Daher wird es eben leider auch die Dummheit von linken Nichtwählern oder anderen 'Systemgegnern' sein, die Le Pen ins Amt befördert.

    Es ist relativ simpel: Wer denkt, angesichts der Corona-Maßnahmen in einer Diktatur zu leben, scheint ja ziemlich große Stücke auf das Konzept der repräsentativen Demokratien zu halten. Besonders lustig ist dies, wenn Diktatur-Vorwürfe von selbsternannten 'Anarchisten' kommen. Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass z. B. Ausgangssperren verfassungsgemäß waren. Dies macht nicht die BRD zu einer Diktatur, sondern zeigt, dass auch in der bürgerlichen Demokratie letzten Endes der Souverän (natürlich ist hier nicht das 'Volk', sondern der Staat gemeint) über den Ausnahmezustand entscheidet. Eventuell sollten sich alle, die von Diktatur schwadronieren, besser von ihren Illusionen in Bezug auf Verfassung und Rechtsstaat verabschieden. Klar, hier herrscht letztlich eine große Bildungslücke, da die meisten ja erst seit der Corona-Krise zu 'Systemkritikern' geworden sind. Den Diskurs um die Transformation der Demokratie und das Prinzip des Ausnahmezustands haben wir seit Jahrzehnten. Ist natürlich etwas höherschwelliger als Xavier Naidoo, Todenhöfer und Ballwegs Gurkenverein.

    Tatsächlich gibt's gar nicht so viele Filme, die in diese Kategorie fallen.

    Das ist wirklich schwer. Die meisten Filme, die solch einen Vorhang aufmachen, spielen die Show bis zum Ende und schließen entsprechend ab (Horrorfilme inklusive). Sonst hätte ich Zimmer 1408 oder Das Waisenkind (Orphan) emphohlen. Vielleicht geht aber Nightcrawler noch am wahrscheinlichsten in deine gesuchte Richtung?

    Nee, an Nightcrawler hätte ich jetzt nicht gedacht. Generell ist es eher die völlig pessimistische Darstellung des Bösen und Ungerechten in der Welt, die ich meine. Entscheidend ist, dass hier jede Katharsis ausbleibt. Die entsprechenden Stories lassen nicht mal irgendeinen moralischen Schluss zu, sondern sind einfach nur ein Schlag in die Magengrube. 'Funny Games' ist vielleicht auch zu nennen. Oder 'The Girl next Door', wobei ich hier nur das Buch von Jack Ketchum kenne (im Grunde eine üble Missbrauchsgeschichte auf wahren Begebenheiten verpackt als Horrorthriller).

    Selbst einen Film wie 'Sieben' würde ich hier nicht nennen, ebenso wenig wie die Werke von Cormac Mccarthy (The Road, No Country for old men). Bei 'Sieben' ist der Killer eine verzerrte Reflexion des pessimistischen Helden, ähnlich wie bei True Detective, aber am Ende wird der Kampf wieder aufgenommen, auch wenn er aussichtslos erscheint und das Böse oft triumphiert. Bei Mccarthy bekommt das Böse einen mythischen Charakter und auch hier gibt es die Menschen, die 'das Licht weitertragen'.

    'Eden Lake' ist hingegen nur eine zynische realistische Darstellung menschlicher Abgründe ohne jede Hoffnung.

    Es gibt Filme, die sind so finster und pessimistisch, dass ich es fast bereue, sie gesehen zu haben, denn im Grunde will ich immer zumindest einen Schimmer an Inspiration für mich mitnehmen, und nicht mit dem fahlen Gefühl zurückgelassen werden, dass die Welt nichts als ein Jammertal und das Schlechte und Böse unüberwindbar ist.

    Tatsächlich gibt's gar nicht so viele Filme, die in diese Kategorie fallen. Zu 'Eden Lake' ist kürzlich noch 'The Dark and the Wicked' hinzugekommen. 'Galveston' ist hart an der Grenze. Habt ihr auch solche dunklen 'Favoriten'?

    Ich weiss nicht, wo Todenhöfer sich oder andere ihn verorten. Gegen die Kriegstreiber der eigenen "Seite" anzuschreiben macht ihn in diesem Punkt linker als jemand, der die Hetzbegriffe des Establishments wiederkäut.

    Es macht ihn nicht 'links' oder 'linker', sondern zu einem Heuchler mit doppelten Standards, denn gegen die Kriege seines Freundes Erdogan (Todenhöfers Mini-Partei wird von der türkischen Regierung unterstützt) hat er nichts einzuwenden, Opfer interessieren ihn nur, wenn es sich um arabische Muslime handelt.

    Kurden oder Armenier sind für ihn irrelevant. Wie war das noch mit 'Fresse halten, wenn man nicht vorher xy kritisiert hat'?

    Genozidleugnung: Jürgen Todenhöfer biedert sich an - HAYPRESS
    Der Kriegsreporter und Publizist Jürgen Todenhöfer hat die Armenien-Resolution des Bundestages kritisiert und die Faktizität des Völkermords an den Armeniern…
    haypress.de

    Sein politischer Background ist der rechte Flügel der CDU, die sogenannte 'Stahlhelmfraktion', seine ursprüngliche Motivation in erster Linie extremer Antikommunismus. Sehr 'links'.

    Woher kennst du eigentlich Todenhöfer? Lass mich raten: Aus den pösen Leitmedien bzw. den Talkshows, durch die Todenhöfer vor einigen Jahren regelmäßig gedackelt ist, um sich als Friedensengel zu inszenieren, damit Leichtgläubige wie du, die keine fünf Minuten Recherche betreiben können, auf ihn reinfallen und sein neues Buch kaufen.

    P.S. Ich halte dich nicht für einen Putin-Versteher (Todenhöfer allerdings schon). Du stellst nur ein weiteres Mal unter Beweis, dass du nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte bist und buchstäblich kein Fettnäpfchen auslässt. Kleiner Tipp: Lies dir einfach nochmal den Link zu Crimethinc auf der ersten Seite durch, oder andere differenzierte Analysen von tatsächlichen Linken oder Anarchos. Dann musst du keine populistischen Rattenfänger wie Todenhöfer und Co. zitieren.

    Hier gibt es z.B. einige Stellungnahmen und Analysen von Anarchisten aus Russland und der Ukraine: https://avtonom.org/en

    Insofern ist das Argument, es kritisiere ja auch niemand die USA, ziemlich verfehlt.

    Sogar der Todenhöfer, den ich da gerade zitiert habe, hat mal für die Welt oder FAZ oder sowas geschrieben und selbst der ist unkonformer / linker / kritischer als so manch einer hier...

    Ich glaube da verwechselst du was. Todenhöfer ist primär ein Amerikahasser und Islamistenversteher, aber gewiss nicht links.

    Wenn ich einen whataboutism bemühen würde, dann am ehesten den Angriff der NATO-Armee der Türkei auf Afrin in Zusammenarbeit mit islamistischen Milizen inkl. deutschen Panzern und dem Segen von Stoltenberg. Hier sehe ich schon eine klare Parallele zum Ukraine-Konflikt in Bezug auf Terror und Vertreibung der Zivilbevölkerung. Wer hierzu geschwiegen hat, egal ob Presse oder Politiker, sollte sich tatsächlich überlegen, ob hierfür doppelte Standards oder schlichtweg Ignoranz verantwortlich war. Hier haben wir tatsächlich einen Angriffskrieg im Einflussbereich der NATO, den kaum jemand in der deutschen Öffentlichkeit auf dem Schirm hat. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Angriffskriegen der USA, insbesondere im Irak, haben wir hingegen doch auf allen Ebenen erlebt, bis hin zu Colin Powells Eingeständnis, die Öffentlichkeit in Bezug auf Massenvernichtungswaffen belogen zu haben. Insofern ist das Argument, es kritisiere ja auch niemand die USA, ziemlich verfehlt.

    Vom rein taktischen Standpunkt aus ist Russland nunmal im vorliegenden Fall der Feind. Was die USA irgendwo im Mittleren Osten gemacht haben, tangiert nicht die Sicherheit in Europa. Putins Regime hingegen ist eine Bedrohung für unser aller Sicherheit. Niemand sollte sich darauf verlassen, dass Putin nach einem problemlosen Durchmarsch an den Grenzen zu Polen Halt gemacht hätte. Insofern können wir aus moralischer Perspektive einen whataboutism nach dem anderen bemühen, es ändert nix an der derzeitigen Bedrohungslage.

    Lieber Jack, Differenzierungsvermögen und vor allem (!) die Fähigkeit zur Selbstkritik sind die Trennlinien, die Sektierer und Dogmatiker von ernstzunehmenden sozialen Bewegungen unterscheiden. Auf linker bzw. antifaschistischer Seite gibt es auch unreflektierte und fehlgeleitete Menschen, aber insgesamt auch eine Prozess der Reflexion und Aufarbeitung. In deinen Kreisen hingegen sind durch die Bank selbstgerechte Realitätsverweigerer anzutreffen. Alles, was ich lese, ist:

    'die pöse Antifa'

    'die pösen Systemmedien'

    'der pöse Faschos-Staat'

    Wer natürlich über jeden Zweifel erhaben ist und niemals Fehler begeht, ist der 'Querdenker'. Alles ist eine riesige Verschwörung, die Medien lügen natürlich ausnahmslos, 'Nazis' gibt's gar nicht und wenn nur als Randfiguren.

    Was sagt uns das über diese Bewegung? Im Grunde nur, dass wir leider in den letzten Jahren keine soziale Bewegung gesehen haben, die die Folgen der Pandemie tatsächlich zielführend kritisiert hat. Insgesamt eine verpasste historische Gelegenheit. Wenn du dir nun in der üblichen dummdreisten Art und Weise auf die Schulter klopfen willst, weil du denkst, irgendetwas anderes erreicht zu haben außer dich hier im Forum und draußen auf der Straße zum Gespött zu machen, sei es dir gegönnt. Wenn schon fehlgehen, dann konsequent.

    Ich hab mir schon gedacht, dass der 'esoterische' Part auf die Bewusstseinsarbeit abzielt, während ein Philosoph ja zunächst nur auf der Verstandesebene agiert. Der Punkt, um den es mir geht, ist, eher, dass beides unterm Strich 'Einstellungssache' ist bzw. auf geistiger Ebene stattfindet. Wenn wir von 'Anarchie' reden, interessiert doch primär die soziale bzw. gesellschaftspolitische Ebene. Um was anderes ging's mir hier erstmal gar nicht. Und der erleuchtete Herr in dem Video meint ja, mit seinem Konzept anderen bzw. den Pseudos oder 'partial anarchists' irgendwas vorauszuhaben. Was das nun genau ist, wird eben nicht ersichtlich, zumindest nicht in dem Video.