Beiträge von Papa Stern

    nachdem ich weiter über woke etc. nachgedacht habe, kam ich am thema "selbstbild" vorbei.

    (zwar komm ich jetzt aus einer ganz anderen ecke als das ursprünglich in diesem thread angedacht war, aber nachdem der letzte post ewig her ist, halte ich das mal für vertretbar.)

    und zwar werfen die woke heinis ja mit selbstbildern um sich, also sagen einem die ganze zeit was sie sind (das, worüber sie sich identifizieren), und der anspruch ist immer, dass der andere das zu übernehmen hat.

    und dagegen hab ich einen großen widerstand und zwar gar nicht, wie einige von denen dann vielleicht annehmen, weil ich konservativ oder irgendwas bin, sondern weil dieses echte frei sein von rollen glaube ich etwas ganz anderes ist, als das, was sie verfolgen.

    und ich denke, in deren fall dient das selbstbild zur beeinflussung/manipulation anderer menschen, und wenn ich die message von einigen selbstbildern aus der ecke mal versuche zusammenzufassen, höre ich da ein "ich bin schwach", also das selbstbild, das einem vermitteln soll, dass es da draußen sehr empfindsame verletzliche gebeutelte seelen gibt, auf die man in besonderem maße rücksicht zu nehmen hat, um ihnen keinen weiteren schaden (wird öfter dann auch gerne retraumatisierung genannt) zuzufügen.

    und für mich ist dieses "ich bin schwach" etwas ganz anderes als echte schwäche.

    echte schwäche kommt aus der seele, ist eine tief empfundene hilflosigkeit, die erstmal nicht das ziel hat, hausieren zu gehen.

    wohingegen "ich bin schwach" (oder irgendwie anders fragil weil minderheit oder sonstwas) das ziel zu haben scheint, die wahrnehmung beim anderen zu ändern und zwar konkret so, dass er dieses bild übernimmt, also es sich von einem gehirn ins andere gehirn wie ein virus übertragen kann.

    wenn man erstmal jemanden dazu bekommen hat, seine wahrnehmung zu hinterfragen und zu ändern, kann man ihn als puppe für sich tanzen lassen.

    und ich denke das selbstbild "ich bin schwach", "ich bin so verletzlich" funktioniert besonders gut, weil die wenigsten menschen soziopathen sind und alle ein gewisses mitgefühl mitbringen, das bei ihnen sofort anspringt, wenn ihnen jemand vorwirft, dass sie sich unmenschlich verhalten (was ja eigentlich auch gut ist, dass das angeregt wird.

    beispiel: es wurde mal in irgendeiner talk runde darüber diskutiert, ob man noch "zigeunerschnitzel" sagen darf und dann gab es im nachhinein auf social media einen ziemlich shit storm, von wegen, wie könne man das weiße menschen bewerten lassen die keine ahnung von zigeunern, äh sorry, von sinti und roma haben, und ein paar teilnehmer der runde haben sich dann öffentlich auf ne art entschuldigt als seien sie schwerverbrecher. ich denke halt, wenn man jemandem wegen so einer nichtigkeit vorwirft rassist zu sein, und der sein gegenüber erstmal ernst nimmt, dann fängt er sich halt auch an zu fragen, was er krasses getan hat, und wenn er halt kein rassist bist, ist das auch ne heftige unterstellung die er vielleicht erstmal gar nicht einordnen kann.

    jedenfalls: an der stelle, an der man vom anderen dieselbe wahrnehmung einfordert, wie z.B. das selbstbild, findet aus meiner sicht eine grenzüberschreitung statt.

    der andere kann halt nicht verlangen, wie du ihn siehst. wenn du ihn halt nunmal ganz anders siehst als er sich selbst, dann kann er noch so laut brüllen, dass er ein könig oder die reinkarnation von jesus ist, und es muss halt möglich sein zu sagen "hey, ich akzeptiere, dass du dich selbst für einen könig hälst, aber ich sehe dich nicht als solchen und werde deine herrschaft daher auch nicht anerkennen" oder "ich sehe dich nur als kleinen könig" oder was auch immer man halt so denkt ;-).

    und mit "es muss möglich sein das zu sagen" meine ich schlicht, dass es halt eine entscheidung ist. entweder wählen wir menschen das modell, bei dem wir uns alle gegenseitig zu irgendwas zwingen und unter druck erpressen, oder wir setzen auf vertrauen und das weglassen von solchen manipulativen mitteln.

    so und der punkt, warum mich das eigentlich so beschäftigt, hat dann nämlich auch nicht mehr viel mit woke zu tun.

    woke ist nur die spitze des eisbergs imho. dieser versuch, jemanden dazu zwingen zu wollen, dieselbe wahrnehmung auf etwas zu haben, ist überall vorzufinden, auf der politischen ebene, im familiären/sozialen umfeld, in der partnerschaft.

    ach ja:

    wenn ihr nicht auf meine kleinschreibung klar kommt, gebt bescheid (ist bequemlichkeit, die mir auch beim flowen der gedanken hilft, aber wäre kein großes ding, das zu ändern).

    Zu Rammstein hab ich in der mühseligen Diskussion gesagt, dass ich gerade zu 85% davon ausgehe, dass die Vorwürfe zutreffend sind.

    (einen Tag später nach weiterer Recherche bin ich wieder etwas davon abgerückt, dass es so klar ist, aber ich denke zumindest immer noch, dass da komische Dinge gelaufen sind.)

    und meine Diskussionspartnerin konnte das einfach nicht akzeptieren, dass es nicht 100% sind.

    und ich: "es sind 85%, das ist nicht dasselbe wie 0%. reicht dir das nicht?"

    ne, reichte ihr nicht.

    an der Stelle seh ich es dann nicht mehr als meinen Job an, da was an meinem Denken zu modifizieren.

    jetzt könnte man natürlich sagen, sie ist ja ein Einzelfall, nicht alle Leute sind so drauf, dass sie 100% Sicherheit/Zustimmung einfordern.

    aber ich war nunmal schon in etlichen Diskussionen solcher Art, und ich habe die fanatischen wahnsinnigen empörten Gesichter gesehen die sagen "wie kannst du nur" und ich bin sogar einer der Menschen, die eigentlich gar nicht zu Extremansichten tendieren, im Gegenteil, ich hüte mich vor solchen. aber gerade das, eine Extremansicht, komplett schwarz-weiß, scheint jetzt oft eingefordert zu werden (nur dass die halt auch nicht erlauben, dass man es Extremansicht nennt.)

    und was ich übrigens auch beobachten kann, ist, dass viele Leute mir unter vier Augen ihre Meinung sagen, die sie in solchen Diskussionen nie äußern würden. ich bin halt weniger konfliktscheu als die meisten (aber immer noch viel zu viel, aber anderes Thema). so dass mir eben auch inzwischen klar ist, dass viele Leute einfach schon aufgegeben haben zu sagen was sie denken, um solchen Stress zu vermeiden, und sich liebr untereinander was vormachen.

    das mit dem Witze machen ist auch so ein Thema.

    Ich sehe Humor ähnlich wie viele Comedians als ein Mittel, über schreckliche Dinge sprechen und sie verarbeiten zu können. Diejenigen, die darin immer den Beweis sehen, dass böse Witze etwas Schreckliches verharmlosen, blenden aus, dass die meisten anderen (Ausnahmen mag es immer geben), sich über den Ernst der Sache bewusst sind, und gerade deswegen mal die Brille des Humors aufsetzen.

    Es scheint mir eine grundlegend unterschiedliche Einstellung von Humor zu sein.

    Aber nicht die unterschiedliche Einstellung ist das Problem, sondern die fehlende Bereitschaft, die andere Meinung überhaupt mal verstehen zu wollen. danach kann man immer noch anderer Ansicht sein. nur, jemanden verstanden zu haben und dadurch auch zu sehen, warum er so denkt und man selbst anders, wo man an der Weggabelung anders gelaufen ist, das ist eben eine andere Situation, als dem anderen was unterstellt zu haben und aufgrund dessen seine Schlüsse zu ziehen.

    Ich glaube der Grund, warum man für den Gedanken, dass Frauen sich auch über Aussehen & Sexualität zuweilen Vorteile verschaffen wollen, erzeugt die empörte Gegenreaktion, weil das Woke Zeug vor allem ein kommunikatives Machtmittel ist (auch für politische Macht) und eben über die Opferrolle funktioniert.

    Mit der Feststellung, dass Frauen ja auch was davon haben wollen, hebt man die aus ihrer Opferposition und wenn man das tut, merken sie, dass "ich bin Opfer" vom anderen nicht als Argument akzeptiert wird (mal abgesehen von echten Opfern aber um die geht's ja gerade nicht). und deswegen müssen sie ganz heftig protestieren und alle psychologischen Waffen von verletzen Gefühlen etc. auspacken, damit ihnen das nicht weggenommen wird.

    Letztendlich glaub ich aber, dass es kein Thema nur von Frauen ist, sondern dass die gesamte Gesellschaft dafür sorgt, dass die Dinge sind wie sie sind bzw. warum Frauen und Männer in den klassischen Geschlecherrollen bleiben. und da frage ich mich, was fehlt uns denn allen tief drin, warum sehen wir nicht ein besseres Modell, mit dem auch alle wohl fühlen können, und wir so ein aneinander Rumgezerre und Machtspielchen ausüben nicht mehr brauchen.

    Ich hatte schon einige unentspannte situation wegen dem ganzen zeug und sie wiederholen sich in regelmäßigen abständen.

    hatte mal einem kumpel ein tshirt mit der aufschrift "trigger warning, there is no safe space" geschenkt und als er dies tragend mit mir durch die stadt lief, hat uns eine frau angeschnauzt, dass sie vergewaltigt worden sei und was ihm einfallen würde so ein tshirt zu tragen (wobei das tshirt ja gerade bestätigt was ihr passiert ist, aber egal).

    ach ja, "safe space" ist übrigens die idee von "räumen", in denen sich wie der name schon sagt, jeder sicher fühlen kann, aber das heißt dann zum beispiel auch, dass ein mann nicht in einer feministischen runde mitdiskutieren soll, weil sich frauen vor männern per se nicht sicher fühlen und so blödsinn.

    jedenfalls hatten wir versucht ihr zu sagen, dass wir mit dem tshirt überhaupt nicht kleinreden, was ihr passiert sei, aber echtes opfer hin oder her, mit ihr war nicht zu reden, sie war zu tausend prozent davon überzeugt, dass wir ihre freinde sind, keine sekunde zugehört, also sind wir gegangen.

    und erst letzte woche hatte ich eine mühselige diskussion über rammstein, in der eine frau nicht akzeptieren wollte, als ich meinte, dass ich mir den prozess erstmal anschaue und mir dann am ende ein urteil bilde a la DIE WERDEN NIE NACHWEIßEN KÖNNEN DASS DAS PASSIERT IST, WENN DU IHNEN NICHT JETZT GLAUBST, DANN MUSS DAS JA HEIßEN, DASS DU DICH AUF DIE TÄTERSEITE STELLST.

    ach ja und irgendwann wurde ich mal fast aus einer großen WG als gast verbannt weil ich nicht derselben meinung war über die verwendung vom wort "gay" wie der dort lebende schwule.

    was willste machen lol

    ich hab echt schon X solcher situationen durch und ich stelle mich drauf ein, dass das nicht abklingen wird. vor allem nicht in hinblick auf die derzeitige entwicklung.

    hi leute

    ich bin "massenkompatibel" (bei den vorstellungen ganz unten, aber kann mich nicht mehr damit anmelden, vermutlich wegen meiner alten emailadresse, aber egal).

    wie ihr seht, war ich also damals schon mal da.

    ich nehme mal an ihr seid damit chillig, ich schäme mich trotzdem ein bisschen für mein unstetes userdasein und möchte diesmal bleiben (streng genommen hab ich mich ja auch nie abgemeldet, aber de facto war ich ja nicht hier). sollte ich doch an den punkt kommen, dass ich - aus welchem grund auch immer - mal das bedürfnis verspüre, hier nicht mehr sein zu wollen, möchte ich das dann aber vorher offen einbringen (vielleicht regt es ja was interessantes an) und nicht nur einfach in die stille abtauchen.

    als ich letztes mal hier war, war ich recht planlos, was ich hier so möchte; vielleicht hat mich auch unbewusst angetrieben, dass ich mich ein wenig verloren gefühlt und etwas heimatgefühl hier verspürt habe, nur, dass das dann halt aus irgendeinem grund nicht ausgereicht hat, um was konstruktives damit anzufangen.

    diese gründe sind auch jetzt wieder motivation um hier zu sein.

    es spricht für euer forum, dass ich irgendwie nie ganz von der unity lassen konnte, sie ist mir nie ganz in vergessenheit geraten, und ich hatte immer wieder phasen - trotz größerer abstände - in welchen ich wieder an das forum gedacht habe. und einige leute sind ja auch schon bemerkenswert lange hier.

    was diesmal anders ist als letztes mal, ist, dass ich sehr viele dinge mitbringe, über die ich nachdenke oder nachgedacht habe, und für die mir bisher (zumindest als ich zeitweise die unity aus meinem gedächtnis gelöscht habe) immer eine austauschplattform fehlt.

    und ich hab auch ein bisschen rumgelesen und finde es sehr angenehm, dass es hier noch sowas wie eine richtige diskussionskultur zu geben scheint.

    mit themen, die gerade mein persönliches leben betreffen, halte ich mich hier in der vorstellung erstmal zurück. Ich öffne mich eigentlich immer dann, wenn ich mich etwas an die menschen und den ort gewöhnt habe.

    ja, so viel zu mir :)