Ich finde, dass wir sehr weit von einer gleichen Gesellschaft entfernt sind. Auch wenn es besser als anderswo ist, ist es nicht gut. Dass wir relativ weit sind, sieht man daran, wie leicht es uns fällt, uns einzureden, diese Gesellschaft wäre gleich. Wenn man ein männlicher, weißer, gesunder (nicht behinderter) mit Abitur und (mehr oder weniger) großem Vermögen ist, kann man sich das vermutlich auch leichter einreden - und da schließe ich mich mit ein.
Ja, nicht alles, was unternommen wird, um für mehr Gleichheit zu sorgen, ist gut. Frauenparkplätze verstehe ich, ohne mich bisher über die Hintergründe informiert zu haben, auch erstmal nicht. Frauenquoten finde ich hingegen hervorragend, die können auch gerne 50 % betragen. Klar, in einer idealen Welt würde man nach der Qualität eingestellt - aber wir leben nicht in einer idealen Welt, das muss ich hier hoffentlich keinem mehr erklären. Alte, weiße Männer im Vorstand wählen gerne andere alte, weiße Männer in den Vorstand. Einmal sind da vermutlich viele Sexisten dabei, aber homogenität ist einfach auch sehr bequem. Ich finde es gut, dass Frauen den Männern zeigen können, dass sie genauso gut oder scheiße in ihrem Job sein können, die Quoten müssen, oder besser gesagt sollten, ja keine Dauerlösung sein.
In einer Gesellschaft, wo es in jeder Stadt Frauenhäuser gibt, weil jedes Jahr 100.000 Frauen Gewalt in der Partnerschaft erleiden (man schätzt, dass ein Drittel bis die Hälfte der Frauen nicht daürber reden oder lange brauchen, um den Mut dafür zu finden, also dürften das sogar noch mehr sein) und fast jeden Tag Frauen von ihren (ehemaligen) Partnern umgebracht werden, in der Frauen trotz der Gleichstellungsgesetze immer noch etwa 20 % weniger verdienen und dafür mehr für ihre Produkte bezahlen müssen und wo allgemein die männlichen Verhaltensweisen idealisiert werden (Mädchen, die Fußball spielen, sind gut, Jungs, die Röcke tragen, sorgen für Entsetzen), kann noch einiges für Frauen getan werden.
Aber eigentlich wollte ich gar nicht so viel zum Sexismus sagen, da hatten wir im letzten Forum schon einen Thread, wo vieles gesagt wurde - zum Beispiel auch, dass Feminismus bedeutet, Frauen auf den Stand von Männern zu heben und nicht, Frauen zu bevorteilen.
Dass so viele ein Problem mit Flüchtlingen haben, verstehe ich auch nicht. Wie lange wurde den Deutschen ein schlechtes Gewissen gemacht, weil zu wenige Kinder gezeugt wurden und wir in ein paar Jahren eine Rentner-Gesellschaft sind? Die Realrenten wurden gesenkt ("Nullrunde"), das Rentenalter angehoben und ein Nazi hat einen Bestseller geschrieben, weil Deutschland sich abschafft. Und jetzt kommen erwachsene Menschen freiwillig hierher, weil sie in ihrem Land von deutschen Bomben bedroht werden und statt verdiente Rache zu nehmen, weil wir damit Milliarden verdienen, wollen die deutsch lernen und arbeiten.
Auch im Hinblick auf die deutsche Geschichte (gemeint ist die Zeit seit den 1950er Jahren, als Italiener gebraucht wurden um mit amerikanischem Geld ein "Wirtschaftswunder" zu bewerkstelligen), denke ich, dass die Deutschen zu arrogant und dumm für Integration sind. Immigranten wollen nichts anderes, als akzeptiert und anerkannt werden - so sind Menschen, wir sind soziale Tiere, wir brauchen Respekt und Anerkennung, sonst gehen wir ein. Aber wenn das neue Umfeld einen nicht einschließt, ist es doch selbstverständlich, dass man sich eine andere Gruppe sucht, wo man die Anerkennung findet. Dann hängt man nur noch mit anderen Einwanderern aus der alten Heimat rum, bleibt seiner Religion treu und eventuell steigert man sich auch in seine Andersartigkeit rein, damit man wenigstens darauf angesprochen wird. Oder man wird Fußballstar, aber Vorsicht: Wenn man mal nicht das Tor trifft, wird vom Nationalhelden schnell wieder zu "dem Türken" oder "dem Schwarzen".