Ich vermute mal du meinst damit Kants Erkenntnis a priori?
Kant hat damit als frühe Erkenntnistheorie lediglich austarriert, wie die Wissenschaft ihre Axiome aufstellt. In der Praxis wird man bei jeder Untersuchung eines Models immer an den punkt kommen, wo etwas per Definition als wahr gegeben ist und sich innerhalb dieses Models nicht weiterzerlegen lässt. Wenn man ein Axiom definiert, als unmittelbar einleuchtendes Prinzip, dann setzt man da ja schon irgendwie sowas wie den gesunden Menschenverstand voraus und muss sich dann halt auch fragen, wie man denn darauf kommt. Ich denke, irgendwelche theologisch/esoterischen Vorstellungen eines Überdings oder einer höheren Wahrheit war nicht Kants Zielsetzung. Zumindest hab ich das nicht so verstanden.
So hat er in seinen 4 Antinomien z.B. aufgezeigt, warum es (meine auslegung) quasi absurd ist, sich eine Antwort auf bestimmte Fragen in einem bestimmten Kontext zu erwarten. Er hat gezeigt, wie durch formal Logik beides, These und Antithese gleichzeitig wahr und falsch erscheinen und hat dann versucht, diesen Widerspruch mit der Differenzierung zwischen sinnlicher und verstandesmäßiger Wahrnehmung aufzulösen.
Ich kann mich noch an das erste Antinom erinnern nach der Unendlichkeit oder dem Anfang des Universums. (Im Bezug auf Raum und Zeit)Ich würde das Antinom kurz so beschreiben:
Auf der einen Seite kann man auf jede Zahl noch eins addieren, weshalb die Frage nach der Endlichkeit der Zahlenkette vernunftmäßig eindeutig zu beantworten ist: Man kann unendlich hoch zählen. Das wäre wohl eine vernunftmäßge Betrachtung. Wenn das ganze dann in die Vergangenheit des Universums gehen soll und hier eine Begrenzung stattfinden soll, dann wäre die Große Frage, durch was diese Abgrenzung stattfinden soll und was jenseits dieser Abgrenzung liegen soll. Das wäre wohl eine sinnesmäßige Betrachtung. Es ist zwar schon gut 25 Jahre her, dass ich das gelesen habe, aber das ist davon hängengeblieben. Wie man die Antithese gegen die Undendlichkeit von Zeit und Raum gehen soll weiß ich nicht mehr. Vielleicht weiß es ja sonst jemand?
Ich sehe da jedenfalls schon einen Unterschied innerhalb der Philosophie. Auf der einen Seite, das was man landläufig unter Philosophie versteht wäre da die Einstellung zum Leben und der Dinge, auf der anderen Seite, die theoretisierende Zerlegung der Welt und der Wahrnehmung als Erkenntnistheorie. Letztere hat die Wissenschaft und die Menschheit vorangebracht (Exoterisch). Erstere soll eher den Menschen mit seiner Fähigkeit voranbringen, in dieser Welt zu leben. (esoterisch)
Kant und Schopenhauer oder Sloterdijk würde ich da eher in der Exoterik ansiedeln. Sartre und Nietzsche oder Gunnar Kaiser eher esoterisch. (Was hier nix mit Kartenlegen und Sternelesen zu tun hat - nur falls sich da jetzt wieder jemand getriggert fühlt
)