Madhias: Meine Selbstkritik ist etwas versteckt
Aber wenn ich z.B. irgendwelche Kommentare oder Links zu Fehlern der Linken poste, dann schwingt da immer auch selbstkritische Reflexion mit. Die Entwicklung der Querdenker hin zu einer rechtsoffenen Strömung hat auch (!) mit linker Apathie zu tun. Anstatt eine eigene kritische Auseinandersetzung mit dem Krisenregime voranzutreiben, haben sich viele nur auf reinen Antifaschismus fokussiert. Und da sehe ich ganz klar auch persönliche Fehler in der Vergangenheit. Den Murks vom 'strukturellen Antisemitismus' habe ich z.B. auch jahrelang nachgebetet.
Die Querdenker-Demos habe ich in Leipzig erlebt und brauche daher keine 'Mainstreammedien', die mich dahingehend aufklären. Hier hat sich tatsächlich keine Seite mit Ruhm bekleckert. Die massive rechte Mobilisierung war bei den Großdemos von Anfang an deutlich und wurde von Querdenker-Seite hingenommen bis wohlwollend gefördert. Das Ergebnis war eine Spielwiese für Nazi-Hools. Sich dankbar von Nazis den Weg freiräumen lassen und dann gemeinsam auf dem Leipziger Ring Polonaise tanzen, während die Polizei den Schwanz einzieht und brennende Mülltonnen in Connewitz löschen geht, trägt nicht unbedingt dazu bei, eine sachliche Auseinandersetzung zu fördern. Damit hat sich diese 'Bewegung' für mich endgültig disqualifiziert, vor allem da keinerlei selbstkritische Auseinandersetzung erfolgt, im Gegenteil.
Dass es auch von antifaschistischer Seite dumme und verfehlte Aktionen gab, ist die andere Seite der Medaille. Wir haben leider den Punkt erreicht, dass eine kritische Auseinandersetzung massiv erschwert ist, da man schnell den 'Schwurbler'- bzw Querdenker-Stempel verpasst bekommt. Das ist aus geanannten Gründen nun mal auch die Schuld der Querdenker, auch wenn ich dir natürlich dahingehend recht gebe, dass autoritäre Maßnahmenbefürworter diese Bilder dankend aufgreifen.
ja Selbstkritik zwischen den Zeilen, machen wohl die meisten so. Das mit der Kritik nach links könnte ich für mich in einer ähnlichen Weise geltend machen, glaubt mir hier vermutlich nur keiner. Bzgl. Querdenker Demos habe ich das leider nur über die Medien mit erlebt. Aber ich hatte nicht den Eindruck, dass die Querdenker geschont wurden, warum auch, die waren doch von Anfang an Feindbild Nummer 1.
Ich finde die haben sogar den Linken/Antifas den Rang abgelaufen. Brennende Mülltonnen und Autos sind mir auch eher von Linken Demos bekannt.
Das Abgrenzen nach rechts hat meiner Meinung nach schon halbherzig statt gefunden, in der Form gegen Extremismus von beiden Seiten. Später dann auch deutlicher. Personell gab es da auch Überschneidungen, ich finde aber jetzt nicht extrem. Wie gesagt diese fehlende Abgrenzung habe ich auch von Anfang an kritisiert. Allerdings sind die Rechtsextremen schon eher eine Randgruppe. Der Großteil hatte damit nichts am Hut. Ich fand es fast schon ein bisschen witzig, das neben den Reichskriegsflaggen die Regenbogenflagge geschwungen wurde. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass diese Leute aktiv rausgedrängt worden wären. Die Teilnehmer waren halt sehr unterschiedlich bis auf den gemeinsamen Nenner eben und vielleicht nicht so Nazi-erprobt wie auf der linken Seite.
Dass die Schuld bzgl. Schwurbler/Nazi/Verschwörungstheoretikerstempel usw. bei den Querdenkern liegt, dass sehe ich nicht so. Sie haben nur nicht vernünftig drauf reagiert. Da wurde von Anfang an enorm Stimmung gegen die gemacht.
Aber eigentlich finde ich das auch relativ nebensächlich wer die Schuld genau daran trägt. Beide Seiten waren daran beteiligt.
Was ich aber als extremes Problem empfinde ist, dass eben genau diese Leute nach rechts abgedrängt werden. Ich finde, dass hat man beim Schiffmann gut sehen können, ich habe mir anfangs ein paar Videos von ihm angeschaut und ich fand die nicht so schlecht. Er hat sogar immer wieder Fehler zu gegeben. Also dass muss man wirklich respektieren, wer tut das von der anderen Seite? Ich glaube ihm auch, dass er weder rechts noch links war oder ist. Seine Offenheit in der Richtung hat sich aber dann im Lauf der Zeit geändert. So erlebe ich das auch bei einer Freundin, die wird so heftig angefeindet, dass ist kaum erträglich. Ich kenne die schon lange und die ist alles andere als Nazi oder rechts. Sie hat durch die Maßnahmen ihre berufliche Existenz verloren und man könnte sie als etwas naiv bezeichnen. Dieses ganze Abstempeln und ausgrenzen hat den verfickten Nazis und dem Staat/Mächtigen doch nur in die Tasche gespielt. Sie waren mal wieder mega erfolgreich mit ihrer Strategie.
