Beiträge von mi san thrope

    es gab schon viele diskussionen in der historie des punks. zB auch, ob das leben mit oder ohne drogen "sinnvoller ist". mit der sXe bewegung anfang der 80er entstand eine gegenbewegung zu der gewissermaßen vorherrschenden einstellung des schnellen lebenstils des punks (alkkohol drogen und früher tod). es ist eine progressive sichtweise, die dem punk nicht nur die gewohnte ANTI haltung zubilligt, sondern hier begannen die kids zu definieren, wofür sie stehen wollen und nicht nur, wofür sie nicht sind. diese konstruktive art und weise des straight edge new school hardcore's (PMA + SE) steht meines erachtens nicht im kompletten gegensatz zu sonstigen punk klischees sondern kann als möglichkeit gesehen werden, wie junge menschen alternative lebensweise für sich und ihre peers aufzeigen und auch leben.



    ich bin immer wieder begeistert von diesem zweig des punkrocks, weil er so leicht und locker ist und dabei soviel lebensfreude versprüht.

    leider kann man PMA nicht erzwingen und somit ist dies nicht für jedemann umsetzbar. dennoch

    danke für eine menge an gutem SEHC und dafür, dass er mir auf meinem weg sehr geholfen hat

    Ich würde sagen, dass ein essenzieller Unterschied zwischen Anarchismus im moderneren Sinne und 'Anarcho-Kapitalismus' schon allein darin besteht, dass sich letzterer nur auf den Staat fokussiert, wohingegen ersterer, wie der Name schon sagt, nicht Staatsfreiheit, sondern Herrschaftsfreiheit anstrebt. Murray Bookchin bringt es hier auf den Punkt:


    Diese Position ließe sich somit sowohl als Abgrenzung zum Marxismus als auch zum 'A-Cap' verstehen. Bookchin hat letztere auch treffend als 'Propertarians' beschrieben. Es gibt eben auch nichtstaatliche Herrschaftsformen, für die 'A-Cap' blind ist - z.B. die Verfügungsgewalt über Eigentum.

    Natürlich kann man hier anmerken, dass sich Bookchin vom Anarchismus später losgesagt hat, eben weil er diesen nur noch als Lifestyle wahrnahm. Im Grunde ist es allerdings sekundär, welchen Begriff man wählt. Wie wir 'Herrschaft' definieren, darüber müssen wir wohl streiten. Gerade in 'woken' und identitätspolitischen Zeiten ;)


    Der Kern des Textes ist eben die marxistische Auffassung, dass Anarchisten die marxistische Ökonomiekritik und somit auch das Prinzip der Staatlichkeit im Kapitalismus nicht verstanden haben. Dem könnte man entgegenhalten, dass Marxisten eben nur ein instrumentelles Verständnis von Staatlichkeit haben, weswegen es eben auch kein Zufall war, dass sozialistische Staaten nicht unbedingt sonderlich freiheitlich waren. Wenn wir mehr 'Herrschaftsfreiheit' wollen, müssen wir die Loslösung von Zwangsverhältnissen als Prozess begreifen, und nicht als Bekenntnis zu irgendeiner abstrakten Theorie. Soll heißen: Indem wir einfach ganz konkret in unserem Leben und unserer Gesellschaft darauf achten, ob und in welcher Form Menschen Gewalt angetan wird und inwiefern Abhängigkeitsverhältnisse bestehen - und diese gehen eben keineswegs nur vom Staat aus, wie Anarcho-Caps scheinbar denken.

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