Was haltet ihr von Gerald Hüther?

  • Seiner Meinung zur Lehrerausbildung kann ich jedenfalls völlig zustimmen. Das kenne ich noch aus eigener Erfahrung aus meinem (abgebrochenen) Studium, wie verkrampft da alle immer waren, um die perfekte Unterrichtsstunde vorzubereiten. An der Realität (und vor allem den Bedürfnissen der Schüler) ging das alles komplett vorbei. Generell hatte ich den Eindruck, der Pädagogik geht es vor allem darum, wie man möglichst professionell ganz viel Wissen in die Köpfe der Schüler schaufelt. Der einzelne Schüler ist da ziemlich irrelevant, verkommt zu einem bloßen Computer, den man mit Fakten füttert, und erst, wenn er sich mal nicht richtig programmieren lässt, dann schaut man mal genauer nach, was mit dem nicht stimmt. In so fern hat sich am Grundsätzlichen wenig geändert in den letzten fünfzig Jahren, allen Modernisierungen und "Kuschelpädagogik" zum Trotz.


    Beim Thema "Inklusion" weiß ich nicht genau, was ich davon halten soll...

    Ideologisch betrachtet ist das konservative Selektionsdenken natürlich abzulehnen, vor allem wenn es mit einer so starken Wertung dahergeht wie in unserer heutigen Gesellschaft. Es ist eben nicht so, dass man in unserem heutigen dreigliedrigen Schulsystem jedem Schüler die Schulart zuteilen möchte, die am besten zu seinem Lerntempo passt... das ist viel zu beschönigend ausgedrückt. Denn in Wahrheit stellt man ja die Weichen, ob der Schüler später ein Scheißleben als hart arbeitender, wenig Geld verdienender Unterschichtler führen muss, oder ob er sich als Gymnasiast und Student ein lockeres Leben machen kann und später beste Karrierechancen hat.

    Also es geht um Selektion nach (vermeintlicher) Intelligenz und Nützlichkeit, was aber schon allein deshalb Quatsch ist, weil ich viele Gymnasiasten kenne, die dumm wie Brot waren und einfach nur gut auswendig lernen konnten... ebenso wie ich viele Leute aus der Hauptschule kenne, die nur da gelandet sind, weil sie zu hause schlecht gefördert wurden oder eben gerade in dieser Lebensphase andere Interessen hatten als die Schule.


    Andererseits ist Gleichmacherei um jeden Preis natürlich auch keine vernünftige Lösung der Problematik. Behinderte und Problemfälle brauchen nunmal ne andere Förderung und mehr Zuwendung als das Durchschnitts-Kind. Das eigentliche Problem ist aber ja auch nicht, dass man diese Menschen an speziellen Orten fördert, sondern eben das soziale Stigma, dass mit Begriffen wie "Sonderschule" oder "behindert" verbunden ist.

    Ob man das überwinden kann, indem man alle in die selbe Klasse inkludiert, weiß ich nicht. Für das Lernen von Wissen ist das natürlich nicht so gut, wenn alle unterschiedliche Voraussetzungen haben... aber vielleicht lernen die Schüler dadurch ja mehr übers Leben und darüber, dass wir alle verschieden sind und doch irgendwie ähnlich. Kann aber natürlich auch genauso passieren, dass sich andere, "unauffällige" Schüler genervt oder unterfordert fühlen oder man nicht mehr genug Zeit für ihre Bedürfnisse hat, weil ja alle Aufmerksamkeit für den Typ im Rollstuhl draufgeht.

  • Wieso schwierig? Ich würde die 'Rollis' einfach mitlaufen lassen, und spätestens in der Klopause und beim Essen sind wir sowieso wieder 'alle gleich'.

    Der Mann hier sagt doch am Anfang auch, dass man Kindern gar nichts beibringen kann, sondern dass sie sich das Wissen selber 'einbauen' bzw. einflössen, das sie gerade benötigen.

    Diejenigen die mehr "Durst" haben, lässt man freiwillig weiter, diejenigen die den Stoff nochmal wollen, lässt man wiederholen.

    Aber das alles freiwillig und weil es Spass macht, oder weil man einen Lieblingslehrer noch nicht verlassen mag und ihn gerne reden hört.

    Aus welchem Grund gibt es sonst 'ewige Studenten'? (So wurden früher die faulen Taugenichtse genannt, aber das ist wieder ein anderes Thema.)

    Jedenfalls kenne ich die Problematik die sich aus den unterschiedlichen Förderungen heraus ergibt gut: jemand der sich wie ein Kasettenrekorder verhält, und zum Studium gezwungen wird, hat später mal keine Freude an seinem Leben.

    Und jemand der gerne studieren möchte, aber aus eben diesen Gründen der 'Ungleichheit' keine Chance dazu bekommt, der wird sich ebenso nicht seines Lebens erfreuen.

    Die Resignation durch den Druck erfolgt schon nach kürzester Zeit, und dazu brauche ich nicht erst Pestalozzi gehört zu haben. Sowas darf man am eigenen Leib, kurz nach Eintritt in das Schul'system' erfahren.

    Ich finde dass diesem pädagogischen Ungetüm der Begriff 'System' aberkannt werden sollte.

    Wenn es wirklich System hätte, und pädagogisch wertvoll, dann gäbe es nur ganz wenige unglückliche Menschen und 'Berufsverbrecher'.

    *Edit* An anderen Begriffen hänge ich mich nicht auf. Ausserdem heisst es schon lange nicht mehr Sonder- oder Behindertenschule. Da hat man auch nettere Ausdrucksweisen finden können, z.B. Handikap-, Förder-, ... usw.

  • Für mich wär ne Lebensschule doll. Wenn ich seh wie lebhaft die Kinderchen sin

    ist es schier ein Verbrechen sie an Stühle zu binden. Ich hab darunter immer glitten und war mastens mit meine Gedanken abgeschweift und zum Fenster naus gehschaut. Das war irchendwie interessanter als des gelalle vom Lehrer da vorne. Dass die sich dabei ned selber hohl vorkommen? Deswegen hasts wahrscheinlich aa leerkörper. :bullshit:

  • Für mich wär ne Lebensschule doll.

    ja ich denke auch dass du sowas dringend brauchst. Daher zeige ich dir ab und zu ein video vom weisen Meister. :)

    "You said you wanted evolution -the ape was a great big hit - you said you wanted revolution, man and I say that you're full of shit" Marilyn Manson - Disposable Teens


    ¯\_(ツ)_/¯