Sozialer Netzwerk-Schwachsinn

    • Sozialer Netzwerk-Schwachsinn

      Ich habe den Eindruck, die Unverschämtheit der sogenannten "Sozialen Netzwerke" wächst langsam ins Unermessliche.
      Google Plus war ja schon schlimm, als die damals einfach Youtube übernommen haben und einem keine andere Wahl gelassen haben, als sich dort auch anzumelden.
      Aber das war ja noch harmlos im Vergleich zu den neuesten Entwicklungen...

      Und zwar ist es neuerdings so, wenn ich die Bildersuche von google benutze, dass ich in 50 Prozent aller Fälle irgendein Bild von einer Seite namens Pinterest empfohlen bekomme. (ist wohl so ne Bildersuchmaschine, oder keine Ahnung, was der Scheißdreck eigentlich soll und wozu man sowas braucht).
      Will ich dann eines dieser Bilder anklicken, wird mir aber erstmal gesagt, dass ich mich gefälligst bei Pinterest anmelden soll. Und mit anmelden meinen die nicht, dass man sich einfach mit Usernamen und Email registrieren kann, wie es normalerweise jahrelang Standard war... nein, man kann sich scheinbar nur mit seinem Facebook- oder Twitteraccount dort anmelden.
      Nun habe ich zwar einen Facebook-Account (von den Anarchonauten), aber den wollte ich dafür natürlich nicht hergeben, sonst wird da dann noch irgendein Werbedreck gepostet.
      Also schnell noch einen neuen Facebook-Account aufmachen, kann ja nicht so schwer sein, nicht wahr?
      Habe ich gedacht.
      Aber ich war kaum mit den lästigen Anmelde-Formalitäten fertig, da wurde schon eine Meldung eingeblendet, dass ich doch bitte meinen Personalausweis (!!!!) oder einen Büchereiausweis oder sonst irgendwas einscannen und an Facebook schicken soll, damit die sicherstellen können, dass ich auch wirklich eine reale Person bin.
      Natürlich nur zu meinem Schutz, wie mir gleich darauf versichert wurde... jaaa, klaaaaaaaar, Facebook macht das nur zu unserem Besten, damit wir keinen bösen Betrügern auf den Leim gehen. Die wollen natürlich nur, dass wir sicher leben.
      Jedenfalls ging dann plötzlich nix mehr und ich kann das Profil wohl erst wieder verwenden, wenn ich denen meine persönlichen Daten schicke.

      HALLO???? GEHT'S NOCH???????
      Vielleicht bin ich ja in der Hinsicht ein bisschen altmodisch... aber zu meiner Zeit, als ich neu im Internet war, wäre kein Mensch, der klaren Verstandes war, auf die Idee gekommen, seinen realen Namen auf irgendeiner dubiosen Internetseite wie "Facebook" anzugeben, oder denen gar noch seinen Ausweis zu zeigen. Das war ja gerade der Sinn des Internets, dass man anonym seinen Interessen nachgehen konnte, ohne dass der Nachbar oder die Mitschüler gleich gesehen haben, welche Pornos ich mir reinziehe oder was ich sonst so in meiner Freizeit mache.
      Und heute? Scheint sich das allmählich ins komplette Gegenteil zu verkehren.
      Das sogenannte soziale Netzwerk dient nur noch dazu, sich selbstdarzustellen und mit wenigen Klicks allen sogenannten "Freunden" (sprich: oberflächlichen Bekannten aus dem realen Leben) mitzuteilen, was man gerade für einen geilen Urlaub gemacht hat... schön bequem per Knopfdruck und ohne, dass man die ganzen Idioten dafür einzeln anrufen und sich extra Zeit für sie nehmen müsste. Das Netz wird zum Abbild der kleinbürgerlichen verlogenen Spießergesellschaft, wo es nur um den schönen Schein geht.
      Und wo man natürlich auch nicht mehr so ohne Weiteres seine wahren Gedanken, Ansichten und Gefühle preisgeben kann.
      Wenn jemand aus Höflichkeit fragt: "Wie geht es dir?", sagt man natürlich aus Höflichkeit dann "Ja, danke, mir geht's gut. Und dir?" "Ja, mir auch. Haha. Alles super!"
      Dass man vielleicht monatelang schon Depressionen hat, würde keiner mehr zugeben in DIESEM Netz, weil das ja dann gleich hundert Leute mit deinem Realnamen verbinden und wahrscheinlich deine Mutter, deine Klassenkameraden oder dein Chef auch schon in deiner Freundesliste stehen und da möglicherweise mitlesen.

      Also sprich: es wird alles immer oberflächlicher und verlogener, genau wie die reale Welt.
      Und ich könnte ja jetzt sagen: Bitteschön, wenn die Lemminge so leben wollen... sollen sie halt an ihrer Oberflächlichkeit und der Oberflächlichkeit ihrer Freunde ersticken. Was kümmert's mich??
      Aber es wird mich kümmern... spätestens dann, wenn ich nicht mehr auf Youtube gehen kann, ohne meinen realen Namen standesamtlich bekunden zu lassen, und wenn ich mich erstmal ausweisen muss, um überhaupt eine Suchmaschine benutzen zu dürfen... oder wenn ich einen interessanten neuen Menschen kennenlernen möchte, ihn aber nicht einmal anschreiben kann, weil ich noch nicht von der moralisch über allem stehenden Instanz namens Facebook verifiziert worden bin! :waah: !: :killself:

      Wie ist das bei euch?
      Nutzt ihr soziale Netzwerke? Wenn ja, habt ihr dort euren echten Namen angegeben? Seht ihr eine ähnlich problematische Entwicklung wie ich sie sehe? Habt ihr auch schon sowas erlebt, dass ihr euch nicht mehr so unkompliziert anmelden konntet wie früher, oder dass man plötzlich gar euren Ausweis sehen wollte?
    • Dian wrote:

      Aber ich war kaum mit den lästigen Anmelde-Formalitäten fertig, da wurde schon eine Meldung eingeblendet, dass ich doch bitte meinen Personalausweis (!!!!) oder einen Büchereiausweis oder sonst irgendwas einscannen und an Facebook schicken soll, damit die sicherstellen können, dass ich auch wirklich eine reale Person bin.
      What the fuck. Ich habe ja noch nie wirklich versucht überhaupt Facebook zu betreten (abgesehen von ein paar Links in privaten
      Tabs), aber was ich darüber so lese wird immer bekloppter. Du hast meine Meinung dazu schon ziemlich gut auf den Punkt getroffen, aber dein Problem mit der Bildersuche habe ich auch und mittlerweile habe ich herausgefunden wie man es notdürftig umgehen kann: Die Sidebar von Google lädt üblicherweise schneller als die Webseite selbst, wenn du den Ladeprozess unterbrichst bevor Pinterest erscheint kannst du die Bilder trotzdem ansehen oder weitersuchen.
    • Mich nervt diese Entwicklung auch, dass man für jeden Rotz teilweise sensible Daten rausrücken soll, bzw. dass man mit seinen digitalen Hinterlassenschaften vorsichtiger sein muss als früher. Dank nvidia shadowplay (nennt sich neuerdings share, damit zeichnen spieler im hintergrund videos vom spielen auf, also auch von ihren mitspielern und dem was sie sagen..) kann man selbst beim online Zocken jederzeit unwissentlich auf youtube landen, oder mitschnitte aus dem teamspeak präsentiert bekommen, weil man etwas böses gesagt hat :rolleyes: . Es wird eben alles öffentlicher. Man kann sich zwar ganz gut anonymisieren, aber offengestanden bin ich meist zu faul den Tor-Browser usw. anzuwerfen bzw. mir die Mühe zu machen, nach Datenschutz-Tricks zu suchen...
      Im Prinzip achte ich nur konsequent darauf, dass meine Onlineaktivitäten nicht an meinem Arbeitsplatz publik werden. Ich tu zwar nichts sonderlich problematisches, aber man weis ja nie wer einem zukünftig mal einen Strick aus gewissen Äußerungen drehen will, die leicht meiner Adresse zugeordnet werden können. Das Internet vergisst ja nix und ich neige zu provokanter Übertreibung. Deshalb kommen auch keine Arbeitskollegen auf Freundeslisten jeglicher Art. Mit denen will ich, von ein paar wenigen Ausnahmen mit denen ich mal ein Onlinespiel zocke, sowieso nix privat zu tun haben. Das ist sehr praktisch, ich muss quasi mit niemandem reden auf den ich nicht sonderlich Bock habe, ohne auch dafür bezahlt zu werden :)
      Bei Facebook bin ich mit Realnamen, nachdem die mir meinen hübschen Fantasienamen gesperrt haben.
      Ich nutze das aber eh nurnoch alle paar Wochen um nachzuschauen, was meine Schwester oder entfernte Bekannte so hochladen und um mich per Mitgliedschaft in einer Art Dorftratsch-community über lokale Ereignisse zu informieren, die mich betreffen könnten. Ansonsten brauch ich das nicht, ich pflege sowieso wenig Kontakt zu anderen Menschen.
    • Für Firefox gibt es ein Script welches den Zwang, sich auf Pinterest anzumelden umgeht. Ich nutze es mit dem Addon Greasemonkey. Das sollte es aber auch für andere Browser geben. Falls einem Pinterest aber wirklich nur auf die Nerven geht kann man bei der Google Bildersuche Pinterest auch komplett von den Suchergebnissen ausschliessen. Dazu muss man einfach "-site:pinterest.com" vor die entsprechenden Suchbegriffe packen.
    • Dann hast du es ja anscheinend (warum auch immer) schon fast auf den Olymp der Facebook-Identitätsabfrage geschafft. Besser ist nur noch die Facebook-Anforderung:
      Machen Sie bitte ein Foto von sich, wie Sie Ihren Personalausweis halten (kein Witz, das gibt es wirklich). Natürlich so, dass wir sowohl Sie als auch Ihren Ausweis gut erkennen können. Ich vermute, dass ein VPN und ein frischer, nagelneuer bzw. bereinigter Browser dir helfen könnte. Mehr als das kann ich jetzt aber auch nicht zur Problemlösung beisteuern, weil Facebook da schon ziemlich professionell bzw. übertrieben mit dem Verfolgen der Nutzer bei der Sache ist.

      Das eigentliche Schlimme ist aber, dass Facebook aus kapitalistischen Gründen die Online-Erfahrungen von Millionen von Menschen bestimmt (oder "filtert", wie sie es nennen) - und die meisten Nutzer rein gar nichts davon ahnen dürften, wie unterschiedlich die Realität und die von Facebook präsentierte Welt doch sind. Vor ein paar Wochen hatte ich mal einen Artikel gelesen, bei dem der Autor sich einem Social Network absichtlich als AfD-Anhänger präsentiert hat - und erstaunt war, wie düster die Online-Welt um ihn herum plötzlich wurde.
    • Danke für die Tipps bezüglich Pinterest. Werde ich auf jeden Fall beherzigen in Zukunft. Trotzdem frage ich mich nach wie vor, was der Daseinszweck dieser Seite sein soll, außer Leute dazu zu bringen sich dort anzumelden bzw. ihre Facebook-Daten rauszurücken. Wer braucht solche Seiten? Für was?
      Facebook scheint inzwischen auch wieder zu funktionieren. Ich hab mal den Cache geleert, Cookies gelöscht und mich mit nem anderen Namen nochmal angemeldet. Und bis jetzt kamen keine nervigen Abfragen mehr. Also entweder das ist pure Willkür, oder die testen halt schonmal probehalber, wie viele Menschen das mit sich machen lassen und auf den Scheiß eingehen, und wie viele nicht, um dann am Ende abwägen zu können, ob man es vielleicht für alle zur Pflicht macht.

      Und generell kotzt es mich halt an, wie diese ganzen im Internet groß gewordenen Konzerne zuerst einen auf benutzerfreundlich und kumpelhaft machen... aber sobald sie die Macht haben und für die Menschen unverzichtbar geworden sind, ziehen sie die Schrauben an, verlangen plötzlich Gebühren, zwingen ihren Nutzern alle möglichen Regeln auf oder verschlechtern die Individualisierungsmöglichkeiten. Wahrscheinlich könnte Facebook von seinen Usern sogar verlangen, dass sie ein Nacktfoto von sich schicken zur Überprüfung ihrer Geschlechteridentität... am Besten noch mit dem Personalausweis gut sichtbar in der Möse steckend... bin mir sicher, einige Millionen würden es machen, so abhängig wie die schon von Facebook sind.
    • Das Problem mit Pinterest hatte ich heute auch. Bei Gutefrage habe ich einen nützlichen Trick gefunden, wie man Pinterest und jede beliebige Webseite von der Suche ausschließen kann. Ist zudem ganz nützlich wenn man seine Suche etwas präziser gestalten will.


      6uertn45 wrote:

      Wenn Sie bei der Suche einen Bindestrich vor einem Wort oder einer Website platzieren,
      werden Ergebnisse entfernt, die dieses Wort oder diese Website enthalten. Dies kann bei Wörtern mit verschiedenen Bedeutungen nützlich sein, etwa bei "Jaguar", bei dem Ergebnisse zur Automarke und zum Tier ausgegeben werden.
      Beispiele: jaguar geschwindigkeit -auto oder panda -site:wikipedia.org
      Also bei deiner nächsten Bildersuche einfach "-site:pinterest.com" hinter dein Suchwort schreiben und die Seite von pinterest wir bei der Suche ausgelassen.
      ''Everyone around me, they feel connected to something. Connected to something, I'm not.''
      Motoko Kusanagi