Die weiße Rose und der Nationalsozialismus

    • Unmensch wrote:

      Heutzutage geht es uns relativ gut, so dass wir uns solche Flausen wie Rebellion und den Blick über den Tellerrand erlauben können. Plötzlich merkt man, dass es anderen nicht so gut geht. Man zieht vergleiche und empfindet Unrecht. Man versteht nicht, wie das die Alten alle nur abnicken können. Die Welt muss umgeworfen werden, und zwar jetzt sofort!

      Irgendwann findet man sich dann in Prüfungsvorbereitungen oder im Bewerbungsprozess. Man lernt beim Vorstellungsgespräch Männchen zu machen - mit dem Ziel, dass man sein restliches Leben in die Hände anderer legen darf. Den einzigen Einfluss, den man dann noch auf die Zukunft des Planeten hat, ist allenfalls ihm später einen neuen Erdenbürger zu schenken. Doch auch der wird im Strudel der Gesellschaft irgendwann verloren gehen. Zunächst noch im Ethik-Unterricht, später dann als braver Steuerzahler, der alle vier Jahre ein Kreuz machen darf.
      Wenn ich zuviel von dir lese, bekomm ich noch Depressionen :D
      Als ob es nichts im Leben gäbe, wofür man sich engagieren kann...

      Wie wäre es denn mit: Doch ein paar wenige, blitzgescheite Geister, bewahren ihr Feuer der Jugend und führen die verblödeten Massen aus der Finsternis! *einhornglitzerstreu*
      "You said you wanted evolution -the ape was a great big hit - you said you wanted revolution, man and I say that you're full of shit" Marilyn Manson - Disposable Teens

      ¯\_(ツ)_/¯
    • Ob Sophie Scholl sich wohl schon im Sportunterricht geweigert hat "wer hat Angst vorm schwarzen Mann" zu spielen? Das ist bestimmt ein Überbleibsel aus dieser Zeit, und ich wüsste gerne ob das Spiel heute im Rahmen von PC umbenannt wurde. Schade dass' zu meiner Zeit noch keine Migranten in der Schule gab. Ich kann mich nur noch an ein Jugoslawen Geschwisterpaar erinnern, die allerdings ihren Frust an mir ausliessen.
      Heute nennt man das glaub ich mobbing. Das ist für mich zumindest der NS- light, der von jedem grundlos betrieben wird.
    • Anders wrote:

      Das ist bestimmt ein Überbleibsel aus dieser Zeit
      Falsch.

      "Behauptungen, das Spiel stamme von Bunkerarbeiten ab 1939 am Schwarzen Mann, einem Berg der Eifel, entbehren jeder Grundlage, da das Spiel deutlich älter ist" (Wikipedia)

      Anders wrote:

      und ich wüsste gerne ob das Spiel heute im Rahmen von PC umbenannt wurde.
      "Der Liederforscher Franz Magnus Böhme beschrieb hingegen 1897, dass der Begriff auf den „Schwarzen Tod“ (die Pest um 1348) zurückzuführen sei. Das würde auch das Spielprinzip folgerichtig erklären: Jeder, der von der Pest befallen wird (im Spiel: angetippt wird), ist selber Träger des „Schwarzen Todes“ und gehört zum Heer des „Schwarzen Mannes“, das die Seuche ausbreitet.

      Um eine rassistische Konnotation durch die Assoziation von „schwarz“ mit „böse“ zu vermeiden, wird das Spiel auch anders genannt, z. B. „Wer hat Angst vorm bösen/wilden/blöden Mann?“ oder „Wer hat Angst vorm Weißen Hai?“. (Wikipedia)

    • Dian wrote:




      Es gibt Mechanismen in unserer Gesellschaft, die auch heute noch (in abgeschwächter Form) ganz ähnlich funktionieren wie zu Adolfs Zeiten.
      Darüber sollte man zumindest mal nachdenken. Am Besten schon in der Schule. Aber so wie es aussieht, ist der Unterricht zu dem Thema heute noch genauso eindimensional wie er es zu meiner Schulzeit auch schon war. So nach dem Motto: "Alles was ihr wissen müsst, ist folgendes: Nazis = böse, und Juden = arme, unschuldige Opfer, mit denen ihr Mitleid zu haben habt... und wehe ihr habt es nicht, dann gibt's Strafarbeit!" Also so war das zumindest bei mir an der Schule damals. Und das Ergebnis war dann halt, dass es die Lehrer geschafft haben, mit ihrer Doppelmoral mit dazu beizutragen, dass aus ein paar meiner Mitschülern später überzeugte Neonazis geworden sind. :=

      Das gilt wohl für jede Form von sozial-politischem Engagement: Mit moralischem Zeigefinger und dem Aufruf zum Verzicht kommt man mittelfristig nirgendwo hin bzw. ruft eher Ermüdung, Gleichgültigkeit oder Trotzreaktionen hervor. Wenn 'gegen Nazis' nix anderes bedeutet als Bekenntnis zum 'demokratischen' Status quo und Minderheitenlobbyismus, dann tut man dem Antifaschismus tatsächlich einen Bärendienst. Eigentlich sollte es leicht zu vermitteln sein, dass man keinen Bock haben sollte auf einen autoritären, repressiven Staat und eine Gesellschaft, in der das Kollektiv mehr zählt als das Individuum. Nur müsste man dann einen Schritt weitergehen und einsehen, dass Antifaschismus sich im Grunde gegen jede Form von staatlichem Autoritarismus wenden sollte. Das geht in einem Format, in dem sich die Lehrkräfte zu Staat und Verfassung bekennen müssen, natürlich zu weit bzw führt mitunter zu Berufsverboten: Der Pädagoge als Staatsfeind - Berufsverbot für einen Lehrer mit Rückgrat - Karriere - SZ.de

      Auch wenn der genannte Fall einen 'guten' Ausgang genommen hat ( Berufsverbot: Land muss linkem Lehrer 33.000 Euro zahlen - DER SPIEGEL)

      ändert das, wie wir sehen, nix an der Rechtslastigkeit des Staates, was wohl in der Natur der Sache liegt.
      Why do we fall?
    • Lissaminka wrote:

      Was genau war eigentlich der Nationalsozialismus?

      Ein wichtiger Punkt, auf den hin man auch sich selbst immer überprüfen sollte: Der faschistische Rechtsphilosoph Carl Schmitt hat die Auffassung vertreten, dass alle 'echten' (also seiner Vorstellung entsprechenden) politischen Theorien immer von einem 'schlechten' Menschen ausgehen. Er bezog sich auch auf den absolutistischen Philosophen Thomas Hobbes: 'Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf' , was bedeutet, dass es einen absolutistischen Herrscher braucht, der darüber wacht, dass sich die Menschen in der Gesellschaft nicht die Köpfe einschlagen. In der modernen Auffassung Schmitts ist das der autoritäre Staat.

      Es fällt auch auf, dass viele pessimistische Denker und Dichter mit solchen autoritären Gesellschaftsauffassungen sympathisiert haben. Ich erwähne das deshalb, da auch hier in der Unity oft eine starke Tendenz hin zu einer sehr negativen Auffassung von Gesellschaft vertreten wird. Wer aber die Menschen für dumm, egoistisch, 'Lemminge' etc. hält, wird womöglich in der praktischen Umsetzung nicht unbedingt zu einer Gesellschaftsform kommen, die besser oder freier ist als die bestehende. Zumindest nicht, wenn die Auffassung vertreten wird, dass die 'Schlechtigkeit des Menschen' für die Verhältnisse verantwortlich ist, und nicht etwa die Institutionen, die erst solche Menschen hervorbringen. Das ist tatsächlich ein großer Unterschied zwischen 'rechten' und 'linken' bzw. 'anarchistischen' Ideen. Wenn das Vertrauen in die Menschen schwindet und der Zynismus siegt, ist man vielleicht besser damit beraten, von der 'Weltverbesserung' abzusehen und zunächst lieber an sich selbst und der Art und Weise, wie man mit seiner Umwelt umgeht bzw. diese wahrnimmt, zu arbeiten.
      Why do we fall?