Ist ein Diskurs mit Linken heutzutage noch möglich?

    In den kommenden Tagen (23.11.2020 - 01.12.2020) wird das Unity-Forum nicht erreichbar sein aufgrund von Wartungsarbeiten. Mehr folgt in Kürze.

    • Ist ein Diskurs mit Linken heutzutage noch möglich?

      Ich finde das Diskussionsklima in linken Kreisen echt zunehmend schlimmer. Wenn Du nicht der gleichen Linie folgst, dann bist Du automatisch selbst rassistisch oder rechts. Ich nehme "meine Mitlinken" mittlerweile als ziemlich verklemmt und dogmatisch war.
      Es entstehen Diskussionen, in denen ich mir vorkomme, überheblich von irgendwelchen Strebern belehrt zu werden. Das fühlt sich auch kein bisschen mehr progressiv an. Leider mangelt es den Linken heutzutage wohl auch an Selbstwahrnehmung, weshalb es mich nicht wundert, wenn sie immer unbeliebter in der Gesellschaft werden.
    • Fairerweise muss man aber dazu sagen, dass dies nicht nur die Linken betrifft, sondern ganz allgemein Menschen, die sich zu sehr in irgendeine politische Idee reinsteigern. Das ist bei den Rechten genauso, wenn man mit denen über die Flüchtlingsproblematik zu diskutieren versucht. Und mit FDPlern über die Idee des Kommunismus zu reden, dürfte ebenfalls ein recht frustrierendes, spaßbefreites Erlebnis werden.
      Ich habe den Eindruck, für viele ist ihr "politisches Engagement" mehr sowas wie ein Religionsersatz. Man wähnt sich auf einer heiligen Mission für die einzig wahre richtige Idee, und weil diese Idee so richtig ist, will man das ganze Land (oder am liebsten die ganze Welt) damit beglücken, weil man glaubt, dass sonst alles kaputt gehen wird... so ähnlich, wie die Zeugen Jehovas glauben, dass jeder, der nicht ihren Glauben teilt, direkt in die Hölle fährt.

      Ich bin ja politisch mehr so dafür, dass jeder sein Ding durchziehen soll... so dass jeder irgendwo einen Platz findet, an dem er nach seinen persönlichen Vorstellungen leben kann. (so lang er keinem anderen seinen Glauben aufzuzwingen versucht)
      Also das ist so meine Vorstellung von Vielfalt. Und mit Linken, die das auch so sehen, habe ich auch weniger Probleme. Aber ich habe halt den Eindruck, viele wollen gar keine Vielfalt in diesem Sinn, sondern eher eine Welt, in der überall ihre eigenen Vorstellungen von Toleranz und Vielfalt gelten. (Beispielsweise ist man in gewissen linken Kreisen dann gern mal tolerant gegenüber einem menschenverachtenden Islam oder pseudo-kommunistischen Unrechts-Regimen, aber sobald du auch nur wagst, irgendeinen Satz mit "Juden" und "Verschwörung" in den Mund zu nehmen, ist es sofort vorbei mit der schönen Toleranz, und du wirst so erbittert bekämpft, als ob du in Auschwitz persönlich den Gashahn aufgedreht hättest. Wobei, bei manchen endet die Toleranz ja schon, wenn du gern Fleisch isst, sexistische Witze lustig findest, oder ein böses, umweltschädigendes Auto fährst.)
      Also was ich sagen will: Ich halte viele Linke in der Hinsicht halt für ziemlich verlogen, weil sie im Grunde kein bisschen mehr für Toleranz sind als alle anderen, nur dass sie sich die Toleranz eben gern auf ihre Fahne malen, und so tun, als ob sie den Toleranzgedanken erfunden hätten. Aber es ist eben immer nur eine Toleranz für das, was sie selbst akzeptabel finden. Und damit sind sie dann letztlich nicht weit von gewissen Rechten entfernt, die zwar immer von "Freiheit" schwadronieren, aber damit natürlich auch immer nur die Freiheit von denen meinen, die ihnen in den Kram passen und die selben Ansichten vertreten wie sie.
    • Unmensch wrote:

      Amarclauf_V2 wrote:

      In dem Gutmenschenfaschismus, welchen die sich wünschen, stelle ich mir das Leben nicht gerade entspannt vor.
      Was ist denn "Gutmenschenfaschismus"?
      Ein System, in dem zwar deutlich weniger hirnverbrannte Scheiße herrscht als bspw. in einer AfD-Diktatur, jedoch letzten Endes auch nur von den Regierenden vorgegeben wird, wie die Menschen zu leben haben. Das Gift, das durch Zwang und Hierarchie versprüht wird, wäre in derselben Menge vorhanden wie in GroKo-Deutschland 2020.
    • Diese (Sommerloch)Frage ist ziemlich sinnfrei, wenn man nicht präzisiert, wen man eigentlich meint. Die Linkspartei (welcher Flügel?)? Die MLPD? 'Linksalternative' Subkultur? Den SDS? Autonome Gruppen aus den Kiezen in HH, Berlin oder Leipzig? Hier scheint übersehen zu werden, dass sich unversöhnliche Diskurse auch zwischen den verschiedenen Lagern abspielen. Marx24 wird nicht zu Unrecht vorgeworfen, den politischen Islam zu verharmlosen. Wohingegen linke Gruppen in anderen Städten häufig die Einzigen sind, die sich z.B. gegen türkisch-nationalistische Gruppen stellen.
      'Leben und leben lassen' ist eben eine recht sinnlose Phrase, ebenso wie die vielgepriesene 'Toleranz', solange wir in Verhältnissen leben, die es Menschen nicht erlauben, sich frei zu entfalten. Und was Heuchelei und Verlogenheit angeht, sind gewisse Persönlichkeiten aus diesem Forum sicherlich nicht weniger behaftet als 'viele Linke' ;)
      Why do we fall?
    • Amarclauf_V2 wrote:

      Ein System, in dem zwar deutlich weniger hirnverbrannte Scheiße herrscht als bspw. in einer AfD-Diktatur, jedoch letzten Endes auch nur von den Regierenden vorgegeben wird, wie die Menschen zu leben haben.
      Demnach wäre also alles "Gutmenschenfaschismus", was nicht Anarchie ist. Und alles, was nicht süß schmeckt, das schmeckt automatisch widerlich verdorren. Weil der Mensch nur eine Geschmacksrichtung kennt.
      Mit deiner Vorgabe, was wen zu schmecken hat, bist du nach eigener Definition der größte Gutmenschenfaschist. Herzlichen Glückwunsch.
    • Unmensch wrote:

      Amarclauf_V2 wrote:

      Ein System, in dem zwar deutlich weniger hirnverbrannte Scheiße herrscht als bspw. in einer AfD-Diktatur, jedoch letzten Endes auch nur von den Regierenden vorgegeben wird, wie die Menschen zu leben haben.
      Demnach wäre also alles "Gutmenschenfaschismus", was nicht Anarchie ist. Und alles, was nicht süß schmeckt, das schmeckt automatisch widerlich verdorren. Weil der Mensch nur eine Geschmacksrichtung kennt.Mit deiner Vorgabe, was wen zu schmecken hat, bist du nach eigener Definition der größte Gutmenschenfaschist. Herzlichen Glückwunsch.
      Danke! ;)

      Es stimmt, ich hätte präzisieren müssen. Ich denke bei GMF an das Deutschland, das die Grünen gerne hätten. Warum? Das weiß ich nicht - vielleicht, da es sich um die derzeit größte linke Partei handelt.
    • Amarclauf_V2 wrote:

      Unmensch wrote:

      Amarclauf_V2 wrote:

      Ein System, in dem zwar deutlich weniger hirnverbrannte Scheiße herrscht als bspw. in einer AfD-Diktatur, jedoch letzten Endes auch nur von den Regierenden vorgegeben wird, wie die Menschen zu leben haben.
      Demnach wäre also alles "Gutmenschenfaschismus", was nicht Anarchie ist. Und alles, was nicht süß schmeckt, das schmeckt automatisch widerlich verdorren. Weil der Mensch nur eine Geschmacksrichtung kennt.Mit deiner Vorgabe, was wen zu schmecken hat, bist du nach eigener Definition der größte Gutmenschenfaschist. Herzlichen Glückwunsch.
      Danke! ;)
      Es stimmt, ich hätte präzisieren müssen. Ich denke bei GMF an das Deutschland, das die Grünen gerne hätten. Warum? Das weiß ich nicht - vielleicht, da es sich um die derzeit größte linke Partei handelt.

      Wenn du die Grünen für eine linke Partei hältst, solltest du echt mal einen Ausflug nach Baden-Württemberg unternehmen und dich mit dem durchschnittlichen Grünen(Wähler) unterhalten :D
      Why do we fall?