Virus E.P.

    • Hier wie versprochen noch die „Virus E.P.“, ein kleiner, unplanmäsiger Nachschlag zum letzten Album, auf den wir neben dem aktuellen Virus-Song noch ein paar Remixe und neue Stücke gepackt haben, die sich so im Lauf des letzten Jahres angesammelt haben.

      01 Virus.mp3
      02 Wettkampf (feat. Reichstrunkenbold).mp3
      03 Schwarz Rot Gold - 2020 Mix (feat. Dub De Rippa).mp3
      04 Hitler Im Kopf - Original Version (feat. Dub De Rippa).mp3
      05 Nestor Machno.mp3
      06 Virus (Entschleunigungs-Mix).mp3
      07 Instrumentaler Virus.mp3
      08 Instrumentaler Wettkampf.mp3
      09 Instrumentaler Nestor.mp3
      10 Instrumentale Entschleunigung.mp3

      Ich werde die Gelegenheit mal nutzen, um an dieser Stelle noch ein paar Worte zur Entstehungsgeschichte der einzelnen Songs zu sagen:

      Virus
      Eigentlich wollten die Anarchonauten ja wirklich jetzt erstmal eine lange Pause machen. Aber wenn sowas Einschneidendes passiert wie die Corona-Krise, sehe ich mich als Künstler natürlich auch irgendwie in der Pflicht, sowas auf die eine oder andere Weise zu kommentieren. Zufällig hatte ich noch ein etwas härteres Instrumental auf der Festplatte, was ich im letzten Sommer mal so aus Spaß zusammengeschraubt hatte… wusste aber damals noch nicht, was man da für einen Text dazu machen könnte. Aber als ich es dann neulich nochmal angehört habe, ist mir recht schnell klar geworden, dass dieser harte Rhythmus eigentlich perfekt passt für diese harten Zeiten. Die Lyrics dazu kamen mir dann ziemlich schnell zugeflogen. Leider wollte der Schwabenrevoluzzer definitiv nicht mehr beim Projekt dabei sein, so dass wir den Chor nur zu zweit eingesungen haben, und ich meine eigenen Stimmbänder für den Refrain ruinieren musste, der eigentlich für den Schwabenrevoluzzer vorgesehen war. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja am Ende auch gut so, wie es ist.

      Wettkampf
      Ich wollte letztes Jahr unbedingt mal so einen Song im New Beat-Stil machen. (New Beat war eine Musikrichtung, die hauptsächlich Ende der 80er in Belgien gemacht wurde und mit Acid und frühem Techno verwandt ist) Viele dieser Songs damals hatten keinen Gesang, sondern hauptsächlich irgendwelche Samples, von Politikern, aus Filmen, oder alles mögliche. Front 242 beispielsweise hatten so ein Sprachsample mit den aggressiv gebrüllten Worten „Alles was drin ist!“. Das hat irgendwie sehr energiegeladen gewirkt, und ich wollte so ein cooles Sample eben auch mal gerne in einem Anarchonauten-Song verwenden. Und da bin ich auf die Rede von Dr. Robert Ley gestoßen, einem altehrwürdigen Nationalsozialisten, der aber wohl auch ganz gern mal dem Alkohol zugetan war und dementsprechend berüchtigt war für seine stellenweise unfreiwillig komischen Ansprachen. Das hat ihm auch den netten Spitznamen „Reichstrunkenbold“ eingebracht.
      Die Rede strotzte nur so vor kraftvollen One-Linern, die sich perfekt zum Sampeln für so eine Industrial-Thematik anbieten würden. Etwa „Pack all deine Kraft zusammen!“ oder „Stachelt den Ehrgeiz an!“ Irgendwie konnte ich mich gar nicht entscheiden, welches Sample ich da nun verwenden sollte. Und da ist mir klar geworden, dass diese Rede eigentlich ein Gesamtkunstwerk ist, das man den Leuten möglichst am Stück und unkommentiert präsentieren sollte, und zwar "im Takt der Maschine". Und ein bisschen Provokation muss ja hin und wieder auch mal sein. :=

      Schwarz Rot Gold 2020 Mix
      Das war eine Idee von Dub De Rippa, der letztes Jahr nach Veröffentlichung unseres „Werk 3“-Albums zu mir meinte, dass man da eigentlich noch eine andere Version machen könnte, die noch besser zum Sound des restlichen Albums passen würde. Statt des poppigen Gesangs im Refrain hat er das diesmal mit etwas anderer Stimmlage eingesprochen, und beim Gedanken an Deutschland ist ihm dabei wohl ein wenig der Rogen hochgekommen (was aber ja nun wirklich auch mehr als verständlich ist.)
      Ich kann mich nicht so wirklich entscheiden, welche Version ich lieber mag. Aber ich denke, es ist auf jeden Fall eine interessante Variante, die wir euch nicht vorenthalten wollten.

      Hitler im Kopf, Originalversion
      Das ist eigentlich kein Remix, sondern tatsächlich das Original aus dem Jahr 2014. Der Song war damals die erste Zusammenarbeit zwischen den Anarchonauten und Dub De Rippa, und ist zwischen dem ersten und dem zweiten Album entstanden.
      Irgendwie wirkte der Song auf mich aber immer zu „anders“ im Vergleich zu den anderen Anarchonauten-Songs, so dass ich lange nicht so recht wusste, was man denn nun damit anfangen sollte. Aufs erste Album (das zu dem Zeitpunkt aber schon draußen war) hätte er vermutlich noch am ehesten gepasst. Auf dem zweiten oder dritten wäre er mir aber etwas deplatziert erschienen. Andererseits mochte ich den Text, und daher gab es dann auf dem letzten Album eine komplett neue, dance-lastige Anarchonauten-Version ohne Beteiligung von Dub De Rippa.
      Nachdem ich dann mal wieder über die Originalversion gestolpert war, fand ich sie aber doch wieder ganz ansprechend. Und ich denke, so eine E.P. ist ein guter Rahmen, wo man auch ruhig mal Sachen draufpacken kann, die etwas aus der Rolle fallen und nicht dem üblichen Anarchonauten-Sound entsprechen.

      Nestor Machno
      Wie ich neulich schon im Nestor-Machno-Thread geschrieben habe, finde ich den Typen und seine Geschichte cool genug, dass man ihm mal ein Lied oder einen richtig guten Film widmen sollte. Also haben wir uns der Sache angenommen. Meine ursprüngliche Idee war, dass der gute Nestor einen Song bräuchte in der Art von „Dschinghis Khan“ oder „Rasputin“ (Boney M), aber natürlich ohne den 70er Jahre Disco-Touch, sondern schon ein bisschen härter und wilder, weil er ja schon auch ein ziemlich wilder Typ war, der auch schon mal einem Verräter auf offener Straße den Kopf abgeschlagen hat. Als ich dann gelesen habe, dass die Anarchisten in der Ukraine damals so ein russisches Volkslied als inoffizielle Hymne hatten, war es natürlich naheliegend, das zu sampeln und für den Song zu verwenden. Für etwas mehr Partisanenfeeling sorgen dann noch die gesampelten Pferde-Geräusche.
      Ich hoffe mal, dass Nestor der Song gefallen würde, und er uns dafür nicht auch die Köpfe abgeschlagen hätte. Aber wer weiß... sein schönes Volkslied haben wir schließlich auch ein bisschen zerhäckselt. :D

      Virus (Entschleunigungs-Mix)
      Das war so ne spontane Idee, weil der Song ja doch ziemlich hart ist, und vielleicht dem einen oder anderen auch etwas zu hart... da tat sich die Frage auf, ob man da wohl auch sowas wie eine Balladen-Version draus machen könnte? Ergebnis: Das kann man tatsächlich! Ich denke, dass dieser Remix ein guter Abschluss für die E.P. geworden ist. Und weil mir diese entschleunigte Akustik-Version sogar besser gefällt, als ich ursprünglich erwartet hätte, wird das Teil auch noch auf Youtube hochgeladen... und dann mal schauen, welche Version besser ankommt.

      Ansonsten gibt es eben noch ein paar Instrumentalversionen auf der E.P., so dass man doch insgesamt auf eine ganz ordentliche Spielzeit von über 50 Minuten kommt.
      Ich denke, wenn die Anarchonauten irgendwann in ferner Zukunft wieder einmal etwas veröffentlichen werden, wird es vermutlich wieder in so einem ähnlichen Format sein. Ein ganzes Album mit 15 Songs machen wir nicht mehr, das ist echt zu stressig… aber nur einen einzelnen Song rauszubringen ohne etwas dazu, ist irgendwie auch unbefriedigend. Aber so eine E.P. oder ein Mini-Album mit ein paar neuen Versionen oder Remixen ist genau richtig. Und das machen ja viele andere Bands mittlerweile auch so.
    • Mal schauen, wenn ich mich dazu motivieren kann, mach ich demnächst für Wettkampf und/oder Nestor Machno vielleicht noch ein Video. Bei Wettkampf könnte ich mir gut vorstellen, ein paar alte schwarz weiß-Filmaufnahmen von irgendwelchen Fabriken zusammenzuschneiden, oder nochmal "Metropolis" zu bemühen. Und für Nestor Machno müsste ich mir eben mal diesen alten russischen TV-Film anschauen, den es dazu gibt, da findet sich dann sicher genug Material.
    • Ich hab davon auch erst in irgendeinem Buch über Anarchie erfahren. In der Schule damals ist das natürlich unter den Tisch gefallen, weil es für die Lehrplangestalter wohl einfach nur eine unbedeutende Randnotiz der Geschichte war, für die sich die Schüler nicht zu interessieren brauchen.
      Dabei kann ich mich erinnern, dass wir den ersten Weltkrieg und Räte-Republik, Oktoberrevolution und das alles im Geschichtsunterricht schon bis zum Erbrechen durchgenommen haben... aber irgendwie haben es meine Geschichtslehrer wirklich geschafft, diese eigentlich spannende Phase der Geschichte so dermaßen öde zu präsentieren, dass selbst der rebellischste Schüler keinen Bock mehr gehabt hat, sich auch nur in irgendeiner Weise mit den Revolutionären von damals zu identifizieren.
      Wenn sie mir damals im Unterricht die Nestor Machno-Serie gezeigt hätten, hätte ich das sicher cool gefunden. Stattdessen gab es Quellentexte, wo man dann in verschiedenen Farben irgendwas unterstreichen oder umkringeln musste, was der Reichskanzler irgendwann zu seinen Verhandlungspartnern gesagt hat, und solche spannenden Dinge.