Anarchismus

    • Dian wrote:

      Ya82 wrote:

      Wer außer Dian ist eigentlich ein "Unity-Anarchist"?
      Ich würde sagen, wenn es etwas gibt, was "Unity-Anarchisten" ausmacht, und was die Unity-Denkweise von anderen anarchistischen Strömungen unterscheidet, dann ist es vor allem der starke Fokus auf individueller geistiger Entwicklung, bzw. der Glaube daran, dass die Menschen erstmal innerlich reifen und den ganzen Dreck in ihren Köpfen loswerden müssen (Konditionierung, Herdentrieb, anerzogene Ängste und Rollenmuster etc.), bevor eine bessere Gesellschaft errichtet werden kann.Also Anarchie beginnt im Kopf, und daher muss erstmal jeder selbst versuchen, für sich selbst und in seinem privaten Umfeld den anarchistischen Geist Einzug halten zu lassen... und dann kann man sich natürlich auch verbünden mit anderen und Netzwerke aufbauen, die im Idealfall irgendwann die ganze Gesellschaft erfassen werden.
      Aber einfach den Staat abschaffen und dann mal schauen, wie sich alles entwickelt, wird nicht funktionieren, weil das Wesen des Menschen einfach etwas komplizierter ist und man jahrhundertelange Konditionierung nicht mal eben auf Knopfdruck aus den Köpfen bekommt. (Sieht man ja aktuell wieder wunderbar, wie schnell die Menschen wieder nach Mama Staat schreien, sobald mal ernsthafte Probleme auftauchen.)
      Und ich denke, dass in der anarchistischen Szene der psychologische, individuelle Aspekt in der Vergangenheit oft vernachlässigt worden ist, und man sich zu sehr auf die politischen, gemeinschaftlichen bzw. sozialistischen Aspekte konzentriert hat. Daher war mein Ansatz eigentlich schon immer der, dass man erstmal schauen sollte, die "dummen Lemminge" links liegen zu lassen, bzw. erstmal aufpassen, dass man selber keiner von ihnen wird, bevor man mit wehenden Fahnen auf die Barrikaden geht und die Revolution ausruft.
      Und hier kommen dann eben auch noch gewisse elitäre eskapistische bzw. misanthropische Einflüsse ins Spiel, die ja auch im Grunde seit jeher Teil des Unity-Gedankenkosmos waren. Das ist ja vermutlich auch das, was Lonewolf mit dem Begriff "Unity-Anarchist" meinte... und tatsächlich ist mir da so ein verschrobener Einsiedler wie Thoreau dann im Geiste auch näher als die ganzen Revolutionäre, die sich für eine Idee aufopfern, die mit den meisten Menschen noch gar nicht funktionieren kann, weil sie nicht das richtige Mindset haben.

      Wegen mir müssen wir das aber wirklich nicht offiziell "Unity-Anarchismus" nennen. ;) Ich finde Individual-Anarchismus ist auch ein guter Begriff. Oder vielleicht finden wir ja auch noch eine bessere Bezeichnung dafür... bzw. es hat sicher irgendwann irgendwo auf der Welt irgendein kluger Philosoph dem, was ich meine, schon mal einen treffenden Namen gegeben.
      Diese Aufopferung der Revolutionäre war bestimmt für sie am Ende ihrer Idee auch so eine Art Eskapismus. Ohne ihr Scheitern läge die Menschheit vllt noch weiter in ihrer Entwicklung zurück.
    • Dian wrote:

      Ya82 wrote:

      Wer außer Dian ist eigentlich ein "Unity-Anarchist"?
      Ich würde sagen, wenn es etwas gibt, was "Unity-Anarchisten" ausmacht, und was die Unity-Denkweise von anderen anarchistischen Strömungen unterscheidet, dann ist es vor allem der starke Fokus auf individueller geistiger Entwicklung, bzw. der Glaube daran, dass die Menschen erstmal innerlich reifen und den ganzen Dreck in ihren Köpfen loswerden müssen (Konditionierung, Herdentrieb, anerzogene Ängste und Rollenmuster etc.), bevor eine bessere Gesellschaft errichtet werden kann.Also Anarchie beginnt im Kopf, und daher muss erstmal jeder selbst versuchen, für sich selbst und in seinem privaten Umfeld den anarchistischen Geist Einzug halten zu lassen... und dann kann man sich natürlich auch verbünden mit anderen und Netzwerke aufbauen, die im Idealfall irgendwann die ganze Gesellschaft erfassen werden.
      Aber einfach den Staat abschaffen und dann mal schauen, wie sich alles entwickelt, wird nicht funktionieren, weil das Wesen des Menschen einfach etwas komplizierter ist und man jahrhundertelange Konditionierung nicht mal eben auf Knopfdruck aus den Köpfen bekommt. (Sieht man ja aktuell wieder wunderbar, wie schnell die Menschen wieder nach Mama Staat schreien, sobald mal ernsthafte Probleme auftauchen.)
      Und ich denke, dass in der anarchistischen Szene der psychologische, individuelle Aspekt in der Vergangenheit oft vernachlässigt worden ist, und man sich zu sehr auf die politischen, gemeinschaftlichen bzw. sozialistischen Aspekte konzentriert hat. Daher war mein Ansatz eigentlich schon immer der, dass man erstmal schauen sollte, die "dummen Lemminge" links liegen zu lassen, bzw. erstmal aufpassen, dass man selber keiner von ihnen wird, bevor man mit wehenden Fahnen auf die Barrikaden geht und die Revolution ausruft.
      Und hier kommen dann eben auch noch gewisse elitäre eskapistische bzw. misanthropische Einflüsse ins Spiel, die ja auch im Grunde seit jeher Teil des Unity-Gedankenkosmos waren. Das ist ja vermutlich auch das, was Lonewolf mit dem Begriff "Unity-Anarchist" meinte... und tatsächlich ist mir da so ein verschrobener Einsiedler wie Thoreau dann im Geiste auch näher als die ganzen Revolutionäre, die sich für eine Idee aufopfern, die mit den meisten Menschen noch gar nicht funktionieren kann, weil sie nicht das richtige Mindset haben.

      Wegen mir müssen wir das aber wirklich nicht offiziell "Unity-Anarchismus" nennen. ;) Ich finde Individual-Anarchismus ist auch ein guter Begriff. Oder vielleicht finden wir ja auch noch eine bessere Bezeichnung dafür... bzw. es hat sicher irgendwann irgendwo auf der Welt irgendein kluger Philosoph dem, was ich meine, schon mal einen treffenden Namen gegeben.


      Ich würde sagen, zum Unity-Anarchismus gehört noch der latente Einfluss aus der modernen Populärkultur, insbesondere Motive von sowohl Einzelgängertum als auch 'Blutsbruderschaft'. Somit haben Filme (z .B. asiatisches Action-Kino, Fight Club, Matrix) und Musik (dystopisch-steriler Elektro-Sound und ein wenig Metal-Eskapismus) wohl einen größeren Einfluss auf das Unity-Lebensgefühl als Klassiker der Sozial-Revolte oder der libertären Arbeiterbewegung. Auch spielen ökonomische Faktoren anders als in diversen individual-anarchistischen Ansätzen eine eher untergeordnete Rolle.
      Wir sehen, dass es eventuell doch Sinn macht, den Begriff des Unity-Anarchismus als eigene Strömung in den Kanon aufzunehmen :D :thumbup:
      Why do we fall?
    • Wenn man Anarchismus als Lebensgefühl beschreiben müsste, dann würde ich das Bild eines Open Air's dafür heranziehen.
      Dabei hab ich mich immer am wohlsten gefühlt.
      Jeder folgt einem höheren Ziel, und zwar der Musik zu lauschen, die einen ja sowieso permanent umgibt, und ansonsten ist jeder tierisch mit sich (und seinem Pegel) beschäftigt :D
      Man kann sich völlig frei und unabhängig bewegen, und trotzdem die Gesellschaft der andren genießen, anderen beim Tanzen zusehen oder selbst mitmachen.
      Sogar das Pogen könnte ohne Verletzungen verlaufen, wenn nicht manche darauf aus wären, ihre 'Freiheit' mit noch extremeren Gesten veranschaulichen zu müssen. Sie meinen, man müsse eben hervorstechen aus einer Menge die im Endeffekt eh alle das gleiche wollen.
      Der echte 'Hintergrund' Gedanke der Anarchie ist also in Wirklichkeit ein sehr erwachsener und reflektierter Ansatz, welcher ausschließlich in der eigenen Mütze beginnt.