Vollkommen werden

      Post by schreckgeist ().

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    • schreckgeist wrote:

      schreckgeist wrote:

      Kein Mensch steckt doch freiwillig Schmerzen und widrige Zustände ein bevor er es durch Adaption lernt.
      Es kommt auf die bereits erlernte Hingabe an, und auf die Art des Schmerzes, darunter auch welche von psychischer Natur.


      Also ich mag es hinter die Kulissen zu sehen, z.B zu hinterfragen, wer sich skrupellos mehr auf den Teller giert und dadurch fundamentale Prinzipien des Zusammenlebens zerstört. Oder wer so manch falsche Vorbilder einführt, die zB auf Betrug oder niederen Instinkten aufbauen. Natürlich ist es mir gleichgültig, ob jemand auf Augenhöhe mehr/weniger besitzt, solange es eben nicht auf verwerflichen Ideen basiert.
      Das verstehe ich nicht. Ich bin nicht masochistisch veranlagt.
      Wenn ich unter etwas zu leiden habe, bin ich in meinem Bereich des Möglichen konsequent und ändere etwas an meiner Situation. Wenn dies (noch) nicht möglich ist, ja, dann leide ich psychisch ein wenig, das stimmt. Dass ich manchmal an einer Situation nichts ändern kann, weil es höchstwahrscheinlich einen Lernzweck für mich beinhaltet, muss ich wohl mit einer gewissen Portion an Hingabe kompensieren. Aber ich verliere dabei nicht den Blick aufs Wesentliche, was bedeutet, daß ich mich zusammen mit der Gesellschaft als Ganzes verändern muss. Da ist einfach zu wenig Platz für Mangelbewusstsein und übersteigerte Skepsis. Sorry, vielleicht denke ich da einfach zu global, und /oder verstehe dich falsch.
    • ShadowX wrote:

      Eigentlich war die Frage , ob sich der Mensch überhaupt weiterentwickeln kann.Denn dann wäre was man tut nie umsonst.Dann würde es sich lohnen besser in allem zu werden.Da ich scheinbar viele sinnlose und absurdeErfahrungen in der Vergangenheit gemacht habe zweifle ich dass an.Denn ich wüsste nicht wozu das Schicksal mit solch einer Härte zuschlagen sollte.Und welcher (höherer)Sinn oder Lektion in meinen Erlebnissen stecken sollte.

      Ps: Ich bin ein wenig nihilistisch geworden.
      Ich habe wohl früh genug die Philosophie des Absurden (Camus) verinnerlicht, sodass ich mir solche Fragen wiederum nicht unbedingt stelle. 'Bad things happen to good people '

      Weiterentwicklung ist schon möglich, aber eben nicht immer linear. Manchmal geht man einen Schritt vor und zwei zurück.

      youtube.com/watch?v=LstIgtkEe50
      Why do we fall?
    • ShadowX wrote:

      Ja, die Frage die sich stellt ist, kann der Mensch sich vervollkommnen?
      Kann ein Mensch immer besser , größer ,weiser und vollkommener werden?Oder ist das nur eine Illusion?
      Ich versuche diese Frage mal mit den Augen eines Künstlers zu betrachten.
      Als Künstler ist man ja auch in gewisser Weise darum bemüht, Vollkommenheit bzw. Perfektion zu finden... ein perfektes Buch zu schreiben, einen perfekten Song zu komponieren, oder ein perfektes Bild zu malen.
      Man feilt also immer weiter an seinem Werk, verändert hier und da etwas, lässt es ein Weilchen liegen, kramt es später wieder hervor, und arbeitet weiter daran. Man will einen Zustand erreichen, wo man sagen kann: So und nicht anders muss es sein, damit es "richtig" ist.
      Doch irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem es immer weniger zu verbessern gibt. Dann fängt man an, sich über einzelne Wörter Gedanken zu machen, oder über eine einzelne Note... vielleicht über totale Kleinigkeiten, die dem Leser/Zuhörer überhaupt nicht auffallen würden. Man weiß zwar, das grobe Gerüst steht und es ist ganz gut geworden, aber es ist immer noch nicht vollkommen. Und dann, irgendwann, wenn man zu lange an diesen Details rumfeilt, besteht sogar die Gefahr, dass das Werk dadurch Schaden nimmt... dass man es durch jede weitere Veränderung nur noch verschlimmbessert, weil man nicht mehr als kreativer Schöpfer an die Sache rangeht, aus dem die ganzen Ideen ungezwungen heraussprudeln, sondern wie ein pedantischer Perfektionist mit dem Meterstab.

      Wenn ich nun versuche, diesen Gedanken auf das menschliche Streben nach Perfektion zu übertragen, dann würde ich sagen:
      "Vollkommenheit" ist ein nettes Ideal, aber man sollte sich immer klar sein, dass es den einen vollkommenen Menschen gar nicht geben kann, genauso wenig wie es nur einen einzigen perfekten Song gibt... sondern es gibt tausende Lieder, die für sich betrachtet perfekt sind, aber doch wieder anders als alle anderen. Ein jedes dieser Lieder ist auf seine Art großartig, aber es wird trotzdem immer etwas geben, was anderen Hörern an einem anderen Lied besser gefällt... allein schon deshalb, weil manche Hörer eben mehr auf was Rockiges stehen, und andere hören lieber Balladen, oder Klassik, oder Trance. Kein Lied kann alles gleichzeitig sein. Und auch kein Mensch sollte glauben, dass es die eine perfekte Richtung gibt, in die er sich entwickeln müsste, um vollkommen zu sein.
      Vollkommen bist du, wenn du ganz mit dir selbst im Reinen bist... wenn du genug Erfahrung und Weisheit gesammelt hast, um auf so ziemlich alle Fragen des Lebens eine kluge Antwort zu haben... wenn du Freude an deinem Wesen/Charakter hast, und wenn im Idealfall auch noch andere Menschen daran Freude haben können, wie du bist... wenn du auch in einer kaputten Welt wie der heutigen überleben kannst, aber dich nicht von ihr vereinnahmen lässt, sondern deinen Teil dazu beiträgst, sie in eine positive Richtung zu beeinflussen.
      Ich denke, wenn man all das erreicht hat, dann sollte man irgendwann auch mal zufrieden sein, so wie ein Künstler auch irgendwann sein Werk abgeben und loslassen muss, anstatt unzufrieden daran herumzufeilen bis in alle Ewigkeit. Denn von einem unvollendeten Kunstwerk hat letztlich auch niemand was. ;)
    • Das ist ein schönes Beispiel ( mit dem Kunstwerk), und hat für mich auch etwas mit Kapitulation zu tun. Man schließt etwas ab und beendet es.
      Vollkommen "werden" ist eine andere Aussage als vollkommen "sein". Es impliziert die Suche.
      Als (Lebens -) Künstler ist man ja ständig auf der Suche nach irgendwas (höherem, besserem, ..).
      Ich denke, etwas bewusst zum Abschluss zu bringen (ein Stück, Bild, ..), um im ANSCHLUSS darüber reflektieren zu können, ist das eigentlich wirklich befriedigende an der Sache.
      So kann man im Verlauf des Lebens immer öfter Rückschau auf einzelne Stationen halten und sich daran erinnern.
      Dieser gesamte Wachstums Prozess ist für mich die eigentliche Vervollkommnung.
    • Nur ein kurzes Intermezzo:
      "Vollkommen werden" innerhalb der eigenen Gefühlswelt ist in der Isolation sehr einfach, solange dich niemand großartig kennt und beeinflusst. Sobald aber zivilisatorische Einflüsse dazukommen, also Menschen, welche an deiner Gefühlswelt teilnehmen/teilhaben, sieht das Ganze schon etwas schwieriger aus.
      Ich kann Menschen nicht richtig verstehen, die behaupten, sie fühlten sich isoliert und unverbunden/getrennt von anderen/anderem.
      Auch wenn ich auf einer einsamen Insel lebte, würde ich mich dennoch mit dem großen Ganzen verbunden fühlen, und hätte eine Ahnung davon, dass ausser mir noch irgend welche Anderen meiner Art herumspringen könnten.
      Es macht also im Endeffekt keinen Unterschied, ob ich mit anderen zusammen bin oder nicht. Was jedoch einen großen Unterschied macht, ist die innere Haltung, die ich mir selbst und auch anderen gegenüber an den Tag lege und kultiviere.
      Gestern hatte ich von einem persönlichen Erfolg berichtet/ mich demnach mitgeteilt, obwohl meine neue Situation schon seit einigen Tagen bestand, und ich mich bereits darauf einstellen konnte. Ich bin demnach ganz normal ins Bett, ohne mich besonders erleichtert gefühlt zu haben.
      Dass ich extrem gut und traumlos geschlafen habe, mache ich daran fest, dass vielleicht ein oder zwei Leute sich mit mir freuen konnten und mir evtl. gedanklich wohlgesonnen gegenüberstanden.
      Selbst der mentale Einfluss vom Umfeld kann jemanden außerordentlich beeinflussen, entweder im positiven oder im negativen Sinne. Das hat sich einmal in einem kinesiologischen Test mit anderen, die mich abwechselnd mit negativen und positiven Gedanken bedachten, herausgestellt.
      Ich denke dass Vollkommen "sein" etwas mit diesem natürlichen Zustand des ungefilterten "Fühlens" zu tun hat, und dass wir demnach nach Vervollkommnung streben, nach glücklich sein, weil wir diesen Zustand der ursprünglichen Kommunikation vergessen und verlernt haben.
      Im Alltag könnten wir uns einiges an "Bla-bla" ersparen, mit dem man alles nur noch mehr zu "deckeln" versucht, wenn wir wieder lernen könnten auf unsere Intuition zu hören und auf das, was der andere eventuell wirklich von uns benötigt.
      "Man sieht nur mit dem Herzen gut.. und das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar..." oder so ähnlich heißt es in "der kleine Prinz" v.Exupery

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      Vollkommen zu werden ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit, da dies ja impliziert dass man es noch nicht ist und man nur nach dem nächsten Puzzlestück sucht das einen dann perfekt macht - doch diese Suche kommt von einer Geisteshaltung die Unvollkommenheit sieht, deshalb ja nach Vollkommenheit sucht und diese Geisteshaltung ist für mich persönlich der Grund, wieso diese Suche wohl nie zu einem Abschluß kommen kann. Wie auch Dian schon sagte, man schraubt so lange an sich rum bis man den "perfekten" Moment damit aufzuhören verpasst hat und alles nur noch verschlimmbessert, weil man ja aus dem Mindset Unvollkommenheit heraus handelt und es aus diesem nur schwer ist, diesen "perfekten" Moment abzupassen und zu erkennen.
      Perfektion ist auch eine Sache, die einen lähmen kann und so packe ich nur mehr ganz selten etwas an, da ich ja sowieso noch nie zufrieden war mit dem was ich erreicht habe und auch unbewusst verstanden habe, dass ich das nie sein werde. Habe lange gebraucht um dies zu verstehen, habe mich lange verurteilt dafür dass ich nichts mehr angreife nur weil es mir sowieso nicht reichen wird - doch das Problem ist nicht dass ich nie etwas erreichen werde, das Problem ist dass ich mit diesem Mindset der Perfektion nie etwas schaffen werde, mit dem ich auch zufrieden sein kann!

      Auch gerade beim Thema Meditation muss ich Dir wiedersprechen: Sie sitzen nicht nur da und akzeptieren Alles, doch im Grunde geht diese Übung einmal in diese Richtung. Den Moment / Das Leben / Sich Selbst / Seine innere Welt so zu akzeptieren wie sie ist ist (für mich) der wichtigste Schritt um daran arbeiten zu können. Denn so lange ich mich in einem Kampf mit mir Selbst oder dem Leben befinde lähme ich mich selbst, mein Denken ist problemorientiert - durch das Akzeptieren der Tatsachen kann ich von dieser problemorientieren Haltung in eine lösungsorientierte Haltung übergehen und aus dieser heraus ist es viel einfacher, wirkliche Ansätze für das Lösen dieser "Probleme" zu finden. Es geht also nicht darum mit seinen Problemen leben zu lernen, vielmehr geht es darum aufzuhören diese als Probleme zu betrachten und den Zustand, mit dem man nicht so konform ist, zu ändern. Und wenn ein Ändern nicht möglich ist (körperliches Leiden zB) hilft es einem, diesen Umstand zu akzeptieren.

      Auch heißt es (ich kann hier leider nicht von Erfahrung sprechen) dass man irgendwann in der Meditation, wenn diese tief genug ist und man seinem wahren Kern begegnet, erkennt dass man bereits vollkommen ist, genau so wie man eben jetzt ist. Ich habe lange Zeit mit dieser Aussage zu kämpfen gehabt, da ich mich eben nicht als Vollkommen betrachte - doch irgendwann erkannt, dass genau das das Problem ist! Ich glaube nicht, dass dieser Aussage niemand, der noch nicht zu diesem Punkt gelangt ist, zustimmen würde, da wir von uns selbst eben ein so Unvollkommenes Bild haben - wobei nur dieses Bild uns davon abhält Vollkommen zu sein.