Der Weg des Kriegers

    • mi san thrope wrote:

      Lonewolf wrote:

      Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen: Ich bin seit einiger Zeit auf der Suche nach der Doku "Straßensamurai". Bisher bin ich leider noch nicht fündig geworden.
      Wenn du sie als kostenlosen Stream willst, bin ich bisher auch nicht fündig geworden. Aber ansonsten einfach mal den Namen bei Google eingeben und danach das Wort Stream. Da kommt von Vimeo ein Link 2,90 für einmal schauen und 11€ für jederzeit stream oder Download !
      Oder hier, der directlink: An insider's view on Berlin's legendary night-­life online ansehen | Vimeo On Demand auf Vimeo
      Hmm okay, danke. Vielleicht gönne ich mir das tatsächlich. Die Doku ist schon recht stylisch gemacht. Ich kann mich entsinnen, dass sie mal kurze Zeit kostenlos bei SPON zu sehen war, leider habe ich nicht schnell genug reagiert.
      Ein Türsteher-Porträt jenseits von Boulevard-Journalismus und RTL hat schon etwas Reizvolles. Hier haben wir wohl einen Berufstypus, der der Kriegermentalität recht nahe kommen kann, wenn man den Job mit der richtigen Einstellung angeht. Insofern gefällt mir der Titel der Dokus recht gut - Straßensamurai ist ja ein Begriff aus Gibsons Neuromancer, mit dem ich bisher nicht warm geworden bin, da ich mir Cyberpunk tatsächlich lieber in visueller anstatt in literarischer Form gebe.
      Why do we fall?
    • Bin auf diesen inspirierenden Kanal gestoßen:

      The Bioneer
      - YouTube


      Der Fokus liegt mehr auf der Ausbildung körperlicher und geistiger Fähigkeiten und weniger auf Martial Arts, aber insbesondere der Nerd-Faktor macht den Kanal für mich interessant.

      P.S. Ein kleiner "Geheimtipp" für alle, die der Meinung sind, sie hätten kein Geld oder keinen Platz für Trainingsgerät: Gymnastikringe. Billig, leicht zu transportieren und vielseitig einsetzbar.
      Why do we fall?
    • Vielen Dank für diesen Link.

      Ob man in der Lage ist, den Weg des Kriegers zu gehen, erfährt man wohl letztlich in Ausnahmesituationen und weniger im Alltag. Sicherlich sind die Ratschläge auch in Alltagssituationen nützlich, z. B. um gelassen und selbstsicher auf Probleme zu reagieren, aber am Ende erkennen wir den Kriegertyp primär angesichts schwerwiegenderer Herausforderungen.

      Transzendiere Zweifel und Angst
      Liebe alle Aspekte des Lebens.
      Sieh die Katastrophe als Chance.

      Einzig mit dem Wort "Liebe" habe ich hier meine Probleme. Schon die unbedingte Bejahung, die Nietzsche einforderte, fällt mir etwas schwer. Ich fühle mich hier Camus' Motiv der Auflehnung näher.
      Why do we fall?
    • Lonewolf wrote:

      Vielen Dank für diesen Link.
      Von mir auch ! Sind echt einige sehr gute Ratschlaege dabei. Ich denke, dass man es schaffen kann, im Alttag dies als Wegweiser zu nutzen, wenn man über gewisse Dinge nachdenkt und nicht weiter weiß. Wenn man versucht kategorisch jeden Tag alle genannten Ratschlaege umzusetzen, dann kann man fast nur scheitern.

      Fühle mehr, denke weniger.
      Sei fest, jedoch flexibel.

      Nur durch die Einsicht, dass man immer Fehler begehen wird, egal wie oft man versucht alles richtig und perfekt zu machen, kann man vielleicht den Frieden finden !

      Ratschlaege klingen oft sehr erhaben und gerade in schweren Stunden eher wie Hohn für mich, als eine Hilfe.....Jedenfalls empfinde ich öfter so. Daher denke ich, es gibt für alles eine Zeit. Wenn man gerade verzweifelt ist, sollte man nicht mit aller Macht versuchen, diesem entgegen zu wirken.

      Denke durch Nicht-Denken. & Vertraue dir selbst.
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • Lonewolf wrote:

      Vielen Dank für diesen Link.

      Ob man in der Lage ist, den Weg des Kriegers zu gehen, erfährt man wohl letztlich in Ausnahmesituationen und weniger im Alltag. Sicherlich sind die Ratschläge auch in Alltagssituationen nützlich, z. B. um gelassen und selbstsicher auf Probleme zu reagieren, aber am Ende erkennen wir den Kriegertyp primär angesichts schwerwiegenderer Herausforderungen.

      Transzendiere Zweifel und Angst
      Liebe alle Aspekte des Lebens.
      Sieh die Katastrophe als Chance.

      Einzig mit dem Wort "Liebe" habe ich hier meine Probleme. Schon die unbedingte Bejahung, die Nietzsche einforderte, fällt mir etwas schwer. Ich fühle mich hier Camus' Motiv der Auflehnung näher.
      "...Dieses Universum, das nun keinen Herren mehr kennt, kommt ihm weder unfruchtbar noch wertlos vor. Jeder Gran dieses Steins, jedes mineralische Aufblitzen in diesem in Nacht gehüllten Berg ist eine Welt für sich. Der Kampf gegen diesen Gipfel vermag ein Menschenherz auzufüllen.
      Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen."

      Ich sehe dabei die Auflehnung nicht.

      Camus sagt doch auch: "..es ist Sein Stein...", also erkennt Sisyphos seiner Auffassung nach die Strafe an, vermeidet sie nicht, und lernt seine Aufgabe zu lieben. Darin liegt genau die Sinnwidrigkeit, in hoffnungslosen Situationen Kraft zum Weitermachen zu schöpfen.
      Für mich ist das mit der gleichen Hingabe verbunden, mit der ich auch Nietzsches Kapitulation des Geistes verstehe.
      Sisyphos war also meiner Meinung nach so ein Krieger, der seine Hürde oder Aufgabe als seinen Pfad anerkannte, nachdem er durch das Annehmen seiner Strafe (die Qualen des Lebens), diesem "Sprung ins Unbekannte", wie Osho sagte, oder "dem existenziellen Sprung" von Camus entsprach.
      So verstehe ich das zumindest. Ich muss aber auch gestehen, daß ich Nietzsche und Camus nicht besonders gut kenne und mich nur kurz reingelesen habe.

      Meine Favoriten im Bereich der Heldenreise sind übrigens "aktive Meditationen" (Osho, letzter Beitrag im "My Beloved Things" Thread, Findyournose).
      Sie sind sanft und sehr effektiv für den "westlichen Verstand".
      Der darin enthaltene "Latihan" erlaubt es dem Körperbewusstsein sich durch spontane, sanfte Bewegungen auszudrücken. Der Unterschied zum Tai Chi oder Chi Gong liegt also im "passieren lassen", und/ oder nicht einer "starren" Form oder Abfolge von einzelnen Bewegungsschritten (Muster) zu folgen und ist somit auf einer tieferen Ebene sehr heilsam.
      Die "Gourishankar" und die "Devavani" Meditation sind meine Lieblinge.
      Für keine dieser aktiven Meditationen benötigt man besondere körperliche Fähigkeiten oder Ausdauer, und sie sind wie gesagt sehr effektiv um Zugang zu seinem wahren Kern, dem eigenen Weg, dem eigenen Krieger/Held zu bekommen.


      mi san thrope wrote:

      Nur durch die Einsicht, dass man immer Fehler begehen wird, egal wie oft man versucht alles richtig und perfekt zu machen, kann man vielleicht den Frieden finden !
      Ja, das geht in die Richtung der Hingabe und der Vergebung. Einsichten gewinnt man durch Beobachtung. Fehler machen gehört also zum Leben dazu. Das ist der weglose Weg den man zu gehen hat.
    • Gerade Sisyphos verkörpert für mich die Auflehnung, wobei Camus natürlich erst später mit "Der Mensch in der Revolte" das Motiv des Kampfes ausführlich beschreibt. Ich denke aber auch, dass der Mythos bzw die mythische Sprache vielleicht etwas irreführend ist: Sisyphos (und die anderen mythischen Helden) weiß ja schließlich, dass er von höheren Mächten verurteilt wurde. Für den Menschen ist das Schicksal allerdings abstrakt. Erst im Aufbegehren gegen eine indifferente Welt entsteht die Kluft des Absurden. Die Sinnsuche ist eine ständige Tätigkeit, die aus dieser Konfrontation mit dem Schweigen des Himmels resultiert. Der Preis ist Lebensintensität, Freiheit, Aufgehen im Hier und Jetzt, und natürlich intensive Zwischenmenschlichkeit. Es gibt sehr viele kontemplative Bilder bei Camus, die auf eine Einheit mit der Welt abzielen - das Bad im Meer zum Beispiel - aber der absurde Mensch ist nicht einfach jemand, der sich nur in stummer Akzeptanz übt. Die Protagonisten in "Die Pest" kämpfen ja an gegen das Leid, anders als "Der Fremde" leben sie nicht in völliger Losgelöstheit von ihrer Umwelt.

      Das Verhältnis des Kriegers zum Schicksal bzw höheren Mächten ist immer ambivalent. Musashi sagt: Ehre die Götter und Buddas, aber verlasse dich nicht auf sie.
      Auch Conan ruft Kron nur einmal kurz an und bittet ihn um Beistand - fügt aber sofort an, dass er im Grunde auf seine Hilfe scheißt, sollte dieser ihn ignorieren.

      Liebe ist eben für mich in diesem Kontext ein sehr christlich klingender Begriff. Ich denke auch nicht, dass Sisyphos oder der absurde Mensch sein Schicksal "liebt". Wenn wir nicht in Verdrängung leben, erkennen wir zwangsläufig, dass diese Welt voller Schmerz ist und dass wir sehr wahrscheinlich emotionale Verwundungen erleiden werden. Der Weg des Kriegers ist, genau wie die existentialistische Lehre, eine mutige und stolze Bewusstwerdung der Finsternis, die uns umgibt. Christen würden sagen, dass es gerade angesichts dieser Finsternis der Vergebung durch einen Gott bedarf, da wir sonst in tiefster Verzweiflung verharren würden. Die Liebe ist somit die Bejahung der bewussten Schöpfung eines gütigen Wesens. Der Krieger erlangt seine Würde und seinen Lebenssinn allerdings nicht durch Unterwerfung, sondern durch Standhaftigkeit im Angesicht der Finsternis dank einer Stärke, die letztlich aus ihm selbst stammt - und nicht von metaphysischen Gewissheiten.
      Why do we fall?