Der Weg des Kriegers

    • @Lonewolf:
      Gefällt mir! Der von dir verlinkte Ausschnitt drückt im Grunde ja genau das aus, was ich auch sage. Anstatt in der Gesellschaft alle Ecken und Kanten abzuschleifen und alles zu reglementieren, damit kein Schäfchen mehr gemobbt oder ausgegrenzt werden kann, sollte man besser die Schäfchen stark machen, damit sie immun gegen den ganzen Schwachsinn und die Beleidigungen ihrer Mitmenschen werden.
      Doch dafür braucht es eben auch "politisch inkorrekte" Vorbilder für die jungen Leute, wie etwa diesen Sensei. Aber wo in der Öffentlichkeit gibt es denn noch solche Typen (oder Frauen)?
      Die werden doch aus der Gesellschaft förmlich herausgezüchtet, eben gerade auch dadurch, dass du heutzutage kaum noch öffentlich deine Meinung sagen kannst, ohne dass du gleich Zielscheibe der Medien oder irgendwelche selbsternannten Moralapostel wirst. Und das betrifft eben nicht nur als sexistisch oder rassistisch wahrgenommene Äußerungen, sondern auch Äußerungen, die sich beispielsweise gegen das Gewaltmonopol des Staates richten. (oder Drogen verherrlichen, gegen den Jugendschutzgedanken verstoßen, und ähnliches)
      Nur mal ein kleines Beispiel: Wenn der deutsche Innenminister (wie immer er aktuell auch heißen mag) eine Aussage machen würde wie "Kinder, die von ihren Mitschülern verprügelt werden, sollen nicht rumjammern, sondern einfach mal trainieren und dann zurückschlagen."... also im Prinzip eine Aussage, die auch zu der Message von Cobra Kai passen würde... dann würde es einen gewaltigen Shitstorm geben von "Gutmenschen", Pädagogen, Opferverbänden etc. ... und wenn er sich daraufhin nicht sofort von seiner Aussage distanzieren würde, wäre er übermorgen garantiert seinen Job los.
      DAS ist das aktuelle Klima im Land bzw. der Zeitgeist.
      Es mag nicht wirklich Zensur sein, aber es ist eben ein Klima, in dem die weichgespülten, austauschbaren Ja-Sager nach oben kommen, und die Leute, die noch wahrhaftig und echt sind, nur noch sehr vereinzelt zu finden sind. Das betrifft Sportler, die heute nur noch auswendig gelernte Statements von sich geben, Parlamentsdebatten, die heute so langweilig sind wie noch nie zuvor in der Geschichte, weil sich alle mit Samthandschuhen anfassen.. aber auch in der Kunst- und Literaturszene haben doch fast alle keine Eier mehr.
      Und das führt dann wiederum nicht zuletzt dazu, dass die Jugendlichen, die sich nach politisch-inkorrekten, "echten" Kerlen und Vorbildern sehnen, dann bei Schwachköpfen wie Kollegah und dessen Kollegen landen, oder bei irgendwelchen rechten Pseudo-Rebellen und Bands wie Freiwild etc.. Weil es für viele so aussieht, als ob das die einzigen sind, die überhaupt noch sowas wie Kriegermentalität besitzen (auch wenn sie in Wahrheit so dumm sind wie Brot und überhaupt nix verstanden haben)
    • Ich kann echt nur empfehlen, sich die Serie anzuschauen. Wie misanthrop schon bemerkt hat, gibt's im Gegensatz zu den alten Karate-Kid-Filmen eben kein Schwarz und weiß, keine Guten und keine Bösen.
      In den alten Filmen sind Cobra Kai die Bullys, Miyagi und Daniel die Guten. In der Serie ist Cobra Kai der Anlaufpunkt für die gemobbten Außenseiter, die sich gegen ihre Bullys erheben - und dann selbst zu Bullys werden. Letztgenannter Punkt wird wohl in der zweiten Staffel eine größere Rolle spielen, da der Sensei (Johnny) eben auch erkennt, dass er hier ein bißchen einseitig gepredigt hat.

      In erster Linie steht Cobra Kai hier also für Empowerment, für das Verlassen der Opfer-Rolle, und damit genau für das, worum es mir u.a. in diesem Thread geht. Wenn Gutmenschentum bedeutet, Minderheiten paternalistisch zu umhegen, dann ist Cobra Kai tatsächlich eine Kampfansage an Gutmenschen. Mir persönlich geht das ganze "bunt, friedlich, weltoffen" ja ziemlich auf den Keks. Ich kann auch in Bezug auf die USA nix mit SJW oder College-Kids, die gegen Waffenbesitz demonstrieren, anfangen, sondern natürlich eher mit Gruppen wie Redneck Revolt.
      Auch Personen, die ihre Gewaltfreiheit als moralische Überlegenheit sehen, sind für mich weltfremde Spinner. Mehr "Kanten und Ecken" würde für mich also eher bedeuten: weniger hippieskes Gerede von Frieden und Toleranz, sondern eher eine klare Ansage, dass kaputte Verhältnisse eine Menge kaputter Typen hervorbringen, und man sich besser zu verteidigen weiß, anstatt auf irgendwelche Autoritäten zu vertrauen, die einen beschützen sollen.

      @Dian: Es gab mal einen Bundespräsidenten, der seine Rede mit den Worten begann: "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger". Ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir es als negativ ansehen sollen, dass wir, was Sprache angeht, mittlerweile etwas sensibler geworden sind. Das Problem ist, dass wir es aktuell mit Kräften zu tun haben, die in diese Zeit zurückwollen. Insofern, auch wenn ich mich wiederhole, sehe ich eher die Tendenz, dass gewisses Gedankengut wieder hoffähiger wird und man dementsprechend nicht weniger, sondern eher wieder mehr sagen kann. Momentan tasten sich die Rechten wieder langsam aber sicher vor. Der Halbneger eines Jens Maier hat zu einer Verurteilung wg. Beleidigung geführt, ein Gauland hat sich schlauer angestellt, als er schlicht feststellte, dass viele Deutsche keinen Bock darauf haben, neben einem schwarzen Fußball-Spieler zu wohnen.Ich versteh nicht so ganz, was du willst: Völlige Meinungsfreiheit ohne jede Grenze? Ich bin ja alles andere als ein Freund von Verboten. Allerdings geht es bei "PC" ja auch weniger um staatliche Verbote, sondern um gesellschaftliche Ächtung. Und ehrlich gesagt habe ich ein mulmiges Gefühl bei der aktuellen Verrohung des Diskurses, sodass ich noch ganz froh bin, dass es auf die eine oder andere Weise Konsequenzen für Personen gibt, die andere als Ungeziefer bezeichnen oder ins KZ wünschen. Die Verrohung der Sprache ist ein Mittel, um gezielt Empathie abzubauen und zu entmenschlichen. Ich weiß, dass die Grenzen hier oft ziemlich schwammig sind zwischen Kunst, Provokation und Propaganda. Aber ganz so leicht sollte man es sich eben nicht machen, und das alles als "PC-Diktatur" abtun.

      So, jetzt aber genug damit in meinem Krieger-Thread.

      Mit wem könnt ihr euch eher identifizieren: Cobrai-Kai oder Miyagi-Do? ;)
    • Lonewolf wrote:

      Es gab mal einen Bundespräsidenten, der seine Rede mit den Worten begann: "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger". Ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir es als negativ ansehen sollen, dass wir, was Sprache angeht, mittlerweile etwas sensibler geworden sind. Das Problem ist, dass wir es aktuell mit Kräften zu tun haben, die in diese Zeit zurückwollen.
      Ja, ich versteh ja, was du meinst. Aber es kommt mir so vor, die Gesellschaft ist von einem ins andere Extrem gewechselt... von der "männlichen" patriarchalischen Herrenmenschen-Mentalität, wo du ohne Rücksicht auf Minderheiten alles sagen darfst, so lang du weiß, männlich und über 25 bist, zur "weiblichen" Beschützer-Diktatur, wo man sich schon vorsorglich für alles entschuldigen muss, was theoretisch irgendwen verletzen könnte oder den Jugendschutz gefährdet oder sonstwie gegen den um sich greifenden Opferkult der modernen Zivilgesellschaft verstößt.
      Ich plädiere da eher für einen dritten Weg, der da lautet "Eier in der Hose UND Gehirn im Kopf". Oder auch "Radikale Meinungsfreiheit UND Empathie". Ich denke nicht, dass sich das gegenseitig ausschließen muss. Aber stolze, freie Menschen bekommt man halt nunmal leider nicht dadurch, dass man sie (jetzt sogar auch noch verbal) entwaffnet und ihnen die Zähne zieht, damit sie nicht mehr zubeißen können.

      Lonewolf wrote:

      Mit wem könnt ihr euch eher identifizieren: Cobrai-Kai oder Miyagi-Do?
      Also ich persönlich würde mich, bei aller Bad Ass-Vorliebe, doch lieber von Miyagi trainieren lassen. Der Film "Karate Kid" hat damals schon sehr mein Bild von solchen Dojos geprägt. Wenn ich an Kampfsportunterricht in der Gruppe denke, sehe ich immer so einen strengen Kerl vor mir, der seine Schüler zusammenstaucht, die alle auch voll arrogant sind und sich für was Besseres halten. ;) Das hatte mich damals schon sehr abgeschreckt, jemals ein solches Etablissement aufzusuchen. Dann doch lieber mit Mr. Miyagi Tee trinken und bei der Gartenarbeit helfen. Leider gab es nicht so viele Miyagis bei mir in der Nachbarschaft.
    • Die Art und Weise wie Sensai Johnny seine Schüler trainiert ist schon extrem BadAss. Hier werden im RL wahrhscheinlich nur Leute lernen wollen, die absolut keine andere Wahl haben oder gar aus Wut heraus diese Entscheidung treffen. Aber der abgehobene "snobbige" Daniel ist nun auch nicht gerade meine Art von "Lehrerfigur". Wahrscheinlich wäre es eine Zwischenvariante aus beiden Figuren. Wenn wir bei den Filmen bleiben, dann eindeutig Miyagi-Do !
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • Meine persönliche Erkenntnis aus meiner Zeit hier im Forum: Leute entfernen sich auf Dauer aus 2 Gründen:
      Entweder sie bekommen die nötigen Impulse nicht mehr, die sie auf ihrer Reise zu sich selbst benötigen, oder aber: Es ist einfach zuviel Input in dem Moment und sie ziehen die Notbremse.
      Das Letztere kenne ich nur allzu gut.
      Das Problem dabei ist nur immer, daß die Fahrt dann nie so richtig Geschwindigkeit aufnehmen kann, wenn der Karren regelmäßig im Graben liegt..
      Ich habe mich ganz doll in die Ecke gedrängt gefühlt, und dann eine "Überlebensstrategie" mit heftigen Beleidigung aufgefahren, wie ich es bisher von mir nicht kannte..
      Dieser neue Aspekt des Abgrenzens konnte ich wahrscheinlich auch nur speziell durch diese Person erfahren.
      Deswegen sind wir alle irgendwie "wichtig" füreinander, um uns selbst mehr und mehr auf die "Spur" zu kommen.
      Bin jedenfalls froh um diese "Plattform/Spielwiese" Danke.
      :thumbup:
    • Aber was soll dieses Forum hier eigentlich genau darstellen? Impulsgeber, Austauschplatz über die ungerechte Welt da draußen, Rückzugsort, versuchte Anarchie? Das sieht doch jeder für sich individuell. Jeder hat so seine Beweggründe, warum er hier ist, oder auch nicht (mehr) hier ist. Ich glaub nicht, dass man das Forum als >etwas Bestimmtes, was man zu erwarten hat< ansehen kann, aber vielleicht doch ein bisschen, in meinen Augen geht es hier manchmal ziemlich chaotisch zu. Vielleicht kann man ja dieses Chaos erwarten. :D

      MiriOm wrote:

      Es ist einfach zuviel Input in dem Moment und sie ziehen die Notbremse.
      So geht es mir auch manchmal. Wobei das auch Phasen sind. Z.B. gerade hab ich so eine Phase, in der ich ein richtiges Mitteilungsbedürfnis hab. Aber nicht dieses dieser Art, dass man jetzt unbedingt dabei sein möchte, sondern so ein automatisches, ja, kommt fast von selbst alles. Aber dafür muss man sich wohl auch ein Stück (hier) wohlfühlen, damit man dieses Mitteilungsbedürfnis etwas ausleben kann. Manchmal denk ich mir in dieser Phase auch jetzt, auch mal wieder die Notbremse zu ziehen und einige Zeit vom aktiven Schreiben zurückzutreten, einfach mal wieder für neue Impulse, oder einfach mal wieder rauskommen aus der jetzigen Bubble.

      MiriOm wrote:

      Das Problem dabei ist nur immer, daß die Fahrt dann nie so richtig Geschwindigkeit aufnehmen kann, wenn der Karren regelmäßig im Graben liegt..
      Und vor der Fahrt hab ich ein bisschen Angst. Dass es zum Selbstläufer wird und man dann plötzlich irgendwie "zu sehr in was drin hängt". Lieber verstecke ich mich auch mal irgendwo alleine im Graben, um zur Ruhe zu kommen. Mit genügend Kraft kann man ja ab und zu mal wieder mitfahren. Aber sich "völlig in was fallen zu lassen", würde mir auf Dauer nicht guttun, glaube ich.

      MiriOm wrote:

      Spielwiese
      Sehr gutes Wort.

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    • Mit Widersprüchen haben wir doch alle zu schaffen..das ist doch normal.
      Ich denke, ne gute Mischung aus: Sich bisschen anstrengen, dann wieder bisschen treiben lassen und wiederholen ist doch ok.
      Ich hatte dabei eher die Tendenz im Blick...die sollte auf jeden Fall aufsteigend sein.
      Das Tempo ist doch jedermanns Sache.
      Ich bin manchmal mit Absicht ultra langsam, und genau das gibt mir dann manchmal das Gefühl in einem Ferrari "abzuheben". Yieppie.....