Sie ist sehr Gut ! Bitte wer ? Na die Partei Die PARTEI !

    • Calgmoth wrote:

      Nicht mehr in dem Maße wie in den Neunzigern. Und natürlich auch nicht bezogen auf die Vorstellung, dass Männer/Frauen heiraten können. Für die Generation, die um 2000 geboren wurde, ist das total normal. Die Dinge ändern sich eben.

      Ich weiß auch nicht, ob man pauschal von einer Änderung des Zeitgeistes sprechen kann.
      Welcher Humor heute noch akzeptabel ist, ändert sich schon auf breiterer Ebene. Hab letztens mal wieder alte Tarantinos geschaut, und die die Neger- und Schlitzaugenwitze, die's in 'Reservoir Dogs' und 'Pulp Fiction' gibt, sind heute z.B. nicht mehr so machbar. Als wir jung waren, war 'Neger' in unserer Ecke die Standardbezeichung für Schwarze. Das hat sich später sehr gedreht. In Amerika früher und stärker als hier, aber dass das nicht mehr geht, hat inzwischen ja sogar Joachim Herrmann gemerkt - sollte man zumindest hoffen.

      Was sich wohl ändert, ist das Klientel, das 'Die Partei' cool findet. Meiner Erfahrung nach waren das früher eher Linke bis Linksradikale, die keinen Bock auf 'political correctness' hatten und mit den Mitteln der Satire Missstände im politischen System anprangern wollten. Mittlerweile ist die Szene eben weitaus mehr 'woke' als früher. 'Cis-Männer' und weiße Menschen sollen 'ihre Privilegien checken', die gute alte Vokü heißt jetzt Küfa, und Männer und Frauen werden korrekterweise als 'männlich bzw. weiblich gelesene Personen' bezeichnet. Anders gesagt: Die SJW sind nun voll und ganz angekommen und dominieren viele linke Gruppen.
      Die Partei war nie irgendwie linksradikal. Da gab's manche gute Gags, aber eigentlich brandmarken die doch Politik als Spiel bzw. Show und delegitimieren die dadurch. Da geht es darum, absurd und überdreht zu erscheinen, und so 'echte politische Forderungen' lächerlich zu machen. Manches ist da gut, anderes ziemlicher Mist. Und gerade Sonneborn macht das gerne aus der Perspektive des alten weißen Mannes, der sich schon gerne am kolonialen Klischeebaukasten bedient. Und das ist halt inzwischen überkommener Humor.

      Bei dir sieht man da schon einen recht konservativen Abwehrreflex - du findest es halt nicht so geil, dass sich die Dinge ändern und Sachen mehr in den Vordergrund kommen, mit denen du nichts anfangen kannst oder willst. Aber es ist doch nicht wirklich schwierig, nicht mehr 'Negerkuss' zu sagen, oder sich zumindest rudimentär mit gewissen Gender-Aspekten vertraut zu machen.

      Das Problem ist, dass Satire und PC nicht wirklich zusammenpassen. Dementsprechend ist es wohl tatsächlich das Medium der Satire als solches, das sich für genanntes Klientel als ungeeignet herausstellt. Im Grunde ist Sonneborn doch ohnehin der Einzige, der teilweise witzig war. Der Rest - na ja.
      Das geht da doch nicht um PC. Das ist ein rechter Kampfbegriff. Die Linke hat sich meiner Erinnerung zufolge nie für political correctness eingesetzt oder auch nur das Wort verwendet. Das würde ja implizieren, dass sie irgendwann einmal 'das Establishment' war, das entscheiden konnte, was angemessen ist und was nicht. Und das in Deutschland definitiv nie der Fall.

      Es geht darum, dass bestimmter Humor Rassismen transportiert und es vielleicht nicht so geil ist, das gut zu finden und dabei mitzumachen.
      Ich weiß ja, was du lustig findest - aber Humor ist nicht (nur) der pubertäre Tabubruch oder das Herumhacken auf Minderheiten aus weiß-männlicher Perspektive, sondern kann auch etwas komplexer sein.

      Nun, ich als konservativer, alter weißer Hetero-Mann, der zu Uni-Zeiten, wie du weißt, mehr Jünger und Heidegger als Marx und Brecht gelesen hat, kann ohnehin auf Kunst mit erzieherischem Charakter verzichten :D Aber ich verstehe gut, wieso das für viele andere wichtig ist. 'Die Partei' ist auch ein Vehikel, um bestimmte Inhalte zu transportieren. Dass (dir) das nicht so offen auffällt, ist gut und Teil des Plans :P

      Wenn dir der Begriff 'PC' nicht gefällt, dann nutze einen anderen. Es geht schlicht um Sprachhygiene bzw. darum, ob man überhaupt noch Witze machen darf oder sollte, die irgendjemanden verletzen. Wenn du diese Frage verneinst, bist du auch schnell wieder beim Gotteslästerungsparagraphen. Was ist mit Charlie Hebdo bzw. Mohammed-Karikaturen im Allgemeinen? Ich denke, was die Verletzung religiöser Gefühle angeht, bist du vermutlich etwas flexibler.
      'Konservative Abwehrreflexe' mag ich haben, ich würde aber eher sagen, dass ich vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen bestimmte Entwicklungen hin zur Erhöhung von Befindlichkeiten kritisch sehe, wie auch im Falle des 'Critical Whiteness'-Konstrukts. Wir sind dahin gekommen, dass in einigen Zusammenhängen Gruppen von Blockwarten auf die falschen Feindbilder einprügeln. Das Resultat ist noch mehr Spaltung und die Kultivierung von sprachlich gereinigten Wohlfühlblasen. Man muss die überspitzte Darstellung der Problematik nicht teilen, aber die Kritik an 'Identity Politics' würde ich schon ernst nehmen. Ich will nicht verschiedene Anliegen gegeneinander ausspielen, aber wenn der Eindruck entsteht, dass sich Linke nur noch auf Minderheitenanliegen fokussieren, dann ist das ein großes Problem.
      Why do we fall?
    • Ich sehe natürlich das Problem, und wieso es beispielsweise asiatische Menschen stören könnte, wenn sie auf so eine Weise lächelich gemacht welden. Generell ist das auch nicht unbedingt meine Art von Humor, wenn bis zum geht nicht mehr auf irgendwelchen Klischees rumgeritten wird. (Frauen können nicht Auto fahren, Polen klauen alles, etc. Laaaangweilig!)
      Aber wenn wir in Zukunft jeden Humor kritisch betrachten, der sich in irgendeiner Form über andere Menschen (oder gar über Minderheiten) lustig macht, dann gibt es in Zukunft halt eben nur noch halb so viel zu lachen auf der Welt, das sollte einem schon auch klar sein. Denn streng genommen gehen dann auch keine Ostfriesen-Witze mehr, keine Schotten-Witze, keine Witze über Frauen oder Männer, und natürlich schon gar keine Comedy mit irgendwelchen tollpatschigen Dicken, tuntigen Schwulen oder ungevögelten Nerds. Und wenn ich einen Witz erzähle über Hypochonder beim Arzt, können sich theoretisch auch Menschen davon verletzt fühlen, die an solchen psychischen Problemen leiden und für die das alles andere als witzig ist.

      Kaum zu glauben, dass Otto tatsächlich mal witzig war...
      Aber das mit dem Neger ist wirklich ein Klassiker, das geht schon Richtung Monty Python, und die Szene bezieht ihren Witz auch gar nicht daraus, dass man sich über Schwarze lustig macht, sondern weil es eben so herrlich politisch inkorrekt ist, und weil das natürlich auch damals schon politisch inkorrekt war, einen Schwarzen "Bimbo" zu nennen und als Sklaven anzubieten. Das haben wir auch damals als Kinder schon geblickt, dass das ein bisschen provokant ist, was der Otto da macht. Gerade dadurch wurde es so witzig, genau wie man beispielsweise auch alles witzig fand damals, was irgendwie sexuelle Tabus betrifft, in irgendeiner Form "versaut" war oder was mit Schwulen zu tun hatte. Ich sag nur: "Police Academy, Blue Oyster Bar..." :D Ach ja, die 80er... *seufz*
      Provokation und sich über Tabus lustig machen, war schon immer ein wichtiger Teil des Humors, und wenn es in der heutigen Zeit zu einem Tabu wird, bestimmte Dinge auszusprechen, ist es völlig klar, was Humor und Satire in Zukunft zu tun haben.
      Dies wird natürlich die eine oder andere erbitterte Auseinandersetzung nach sich ziehen... aber da müssen sich Gegner dieses Humors dann eben auch die Frage stellen lassen, wenn sie auf Humor so verbissen reagieren, ob sie dann wirklich so sehr anders sind als irgendwelche religiösen Hardliner, die auch keinen Spaß verstehen, sobald es um Werte geht, die ihnen heilig sind.
      Also meine Meinung dazu ist klar: Kunst und Satire müssen alles dürfen. Ob man das dann auch gut findet und beklatschen möchte, bleibt ja jedem selber überlassen. Es wird ja auch kein Moslem dazu gezwungen, Charlie Hebdo zu abonnieren. Zivilisierte Menschen können solche Dinge auch einfach ignorieren, wenn es ihnen gegen den Strich geht. ;)
    • Dian wrote:

      Ich sehe natürlich das Problem, und wieso es beispielsweise asiatische Menschen stören könnte, wenn sie auf so eine Weise lächelich gemacht welden. Generell ist das auch nicht unbedingt meine Art von Humor, wenn bis zum geht nicht mehr auf irgendwelchen Klischees rumgeritten wird. (Frauen können nicht Auto fahren, Polen klauen alles, etc. Laaaangweilig!)

      Das ist eigentlich bis zu einem gewissen Punkt schon auch mein Humor, weil ich halt auch mit sowas aufgewachsen bin. Aber da ändert sich eben der allgemeinere Geschmack, vor allem wenn das einfach unreflektiert gemacht wird. Bei dem Sonneborn-Beispiel ging's ja um Trump, und ein Schlitzaugen-Witz war halt das Vehikel bzw. die Zutat. Dasselbe hätte man auch ohne so ein Ding hinbekommen.

      Aber wenn wir in Zukunft jeden Humor kritisch betrachten, der sich in irgendeiner Form über andere Menschen (oder gar über Minderheiten) lustig macht, dann gibt es in Zukunft halt eben nur noch halb so viel zu lachen auf der Welt, das sollte einem schon auch klar sein. Denn streng genommen gehen dann auch keine Ostfriesen-Witze mehr, keine Schotten-Witze, keine Witze über Frauen oder Männer, und natürlich schon gar keine Comedy mit irgendwelchen tollpatschigen Dicken, tuntigen Schwulen oder ungevögelten Nerds. Und wenn ich einen Witz erzähle über Hypochonder beim Arzt, können sich theoretisch auch Menschen davon verletzt fühlen, die an solchen psychischen Problemen leiden und für die das alles andere als witzig ist.

      Also ich würde sagen, dass es da verschiedene Ebenen gibt. Einmal, ob man sich als Mehrheit über eine Minderheit mittels rassistischer/sexistischer/honosexueller, etc. Stereotype lustig macht, oder ob man nur auf Eigenheiten bzw. Konstrukte eingeht. Also z.B. Ostfriesenwitze. Ostfriesen werden jetzt nicht rassistisch herabgewürdigt. Polenwitze bestärken natürlich Ressentiments und sind daher auch doof, aber nicht ganz auf dem gleichen Level wie rassistische Klischees (zumindest wäre das mein Gefühl - aus deutscher Perspektive ist's natürlich eigentlich immer scheiße, sich über Polen lustig zu machen).

      Kaum zu glauben, dass Otto tatsächlich mal witzig war...
      Aber das mit dem Neger ist wirklich ein Klassiker, das geht schon Richtung Monty Python, und die Szene bezieht ihren Witz auch gar nicht daraus, dass man sich über Schwarze lustig macht, sondern weil es eben so herrlich politisch inkorrekt ist, und weil das natürlich auch damals schon politisch inkorrekt war, einen Schwarzen "Bimbo" zu nennen und als Sklaven anzubieten. Das haben wir auch damals als Kinder schon geblickt, dass das ein bisschen provokant ist, was der Otto da macht. Gerade dadurch wurde es so witzig, genau wie man beispielsweise auch alles witzig fand damals, was irgendwie sexuelle Tabus betrifft, in irgendeiner Form "versaut" war oder was mit Schwulen zu tun hatte. Ich sag nur: "Police Academy, Blue Oyster Bar..." :D Ach ja, die 80er... *seufz*
      Provokation und sich über Tabus lustig machen, war schon immer ein wichtiger Teil des Humors, und wenn es in der heutigen Zeit zu einem Tabu wird, bestimmte Dinge auszusprechen, ist es völlig klar, was Humor und Satire in Zukunft zu tun haben.
      Dies wird natürlich die eine oder andere erbitterte Auseinandersetzung nach sich ziehen... aber da müssen sich Gegner dieses Humors dann eben auch die Frage stellen lassen, wenn sie auf Humor so verbissen reagieren, ob sie dann wirklich so sehr anders sind als irgendwelche religiösen Hardliner, die auch keinen Spaß verstehen, sobald es um Werte geht, die ihnen heilig sind.
      Also meine Meinung dazu ist klar: Kunst und Satire müssen alles dürfen. Ob man das dann auch gut findet und beklatschen möchte, bleibt ja jedem selber überlassen. Es wird ja auch kein Moslem dazu gezwungen, Charlie Hebdo zu abonnieren. Zivilisierte Menschen können solche Dinge auch einfach ignorieren, wenn es ihnen gegen den Strich geht. ;)

      Vielleicht macht es Sinn, wenn man die Entwicklung so versteht, dass es einen Zeitpunkt gibt, wo man Sachen auf die Schippe nimmt, indem man sie reproduziert, und der nächste Punkt ist dann, dass man so weit von der überwundenen Geschichte entfernt ist, dass man auch keine Referenzen in Witzen mehr darauf hören will.

      Schwulenwitze gerade in 80er Filmen wären da ein gutes Beispiel. Denk man an die Bootszene in Lethal Weapon 3 als Murtaugh zusammenbricht, nachdem er den Kumpel seines Sohnes erschossen. Da versichern sich doch Riggs und Murtaugh doch dann auch gleich, dass sie ganz bestimmt nicht schwul sind. Das wirkt halt heute total dämlich, weil Schwulsein inzwischen sehr viel normaler und die Gesellschaft weniger verklemmt ist.
      Oder auch die ziemlich dämliche Verasche der Psychologin durch Riggs, die sich durch alle Filme zieht.

      Humor kann halt sowohl aufklärerisch sein als auch Leute runtermachen und den Status quo festigen und Vorurteile weitertragen.

      Lonewolf wrote:

      Nun, ich als konservativer, alter weißer Hetero-Mann, der zu Uni-Zeiten, wie du weißt, mehr Jünger und Heidegger als Marx und Brecht gelesen hat, kann ohnehin auf Kunst mit erzieherischem Charakter verzichten :D Aber ich verstehe gut, wieso das für viele andere wichtig ist. 'Die Partei' ist auch ein Vehikel, um bestimmte Inhalte zu transportieren. Dass (dir) das nicht so offen auffällt, ist gut und Teil des Plans :P
      Na ja, Sonneborn ist da ja eher in ein Fettnäpfchen getreten. Der Plan war ja wohl kaum, Semsrott loszuwerden ;-). Und Heidegger und Jünger haben dich schon recht gut erzogen. Das hast du nicht bemerkt ;-).

      Wenn dir der Begriff 'PC' nicht gefällt, dann nutze einen anderen. Es geht schlicht um Sprachhygiene bzw. darum, ob man überhaupt noch Witze machen darf oder sollte, die irgendjemanden verletzen. Wenn du diese Frage verneinst, bist du auch schnell wieder beim Gotteslästerungsparagraphen. Was ist mit Charlie Hebdo bzw. Mohammed-Karikaturen im Allgemeinen? Ich denke, was die Verletzung religiöser Gefühle angeht, bist du vermutlich etwas flexibler.

      Wie ich oben schon versucht habe, anzudeuten, geht's weniger um Gefühle, sondern was man als Vehikel benutzt. Rassistisches besser nicht, würde ich sagen. Vor allem nicht Zeug, was Leute, die damit zu kämpfen haben, oft in einem nicht lustigen Kontext zu hören kriegen. Und 'asiatische Sprachfehler' gehören da schon zu.

      Bei religiösen Kram ist meine Position, dass man die durchaus loswerden kann. Die gehört nicht irgendwie zu Identität bzw. sollte das nicht. Obwohl mir natürlich klar ist, dass Rassismus da inzwischen schon reinspielt, indem man eben alle Araber zu Muslimen erklärt und so als zur eigenen Gruppe nicht zugehörig erklärt. Das sollte man da schon mitdenken.

      Meine Position ist definitiv nicht, dass nur weil irgendwer einen Witz nicht geil findet, der nicht gemacht werden sollte. Da gehört schon mehr dazu. Das Beispiel von Lisa Eckhart illustriert das doch ganz gut. Da geht's halt darum, dass rassistische/antisemitische Klischees reproduziert werden, um einen Gag zu machen. Wenn man nicht rassistisch/antisemitisch sein will, sollte man das vielleicht nicht tun.

      'Konservative Abwehrreflexe' mag ich haben, ich würde aber eher sagen, dass ich vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen bestimmte Entwicklungen hin zur Erhöhung von Befindlichkeiten kritisch sehe, wie auch im Falle des 'Critical Whiteness'-Konstrukts. Wir sind dahin gekommen, dass in einigen Zusammenhängen Gruppen von Blockwarten auf die falschen Feindbilder einprügeln. Das Resultat ist noch mehr Spaltung und die Kultivierung von sprachlich gereinigten Wohlfühlblasen. Man muss die überspitzte Darstellung der Problematik nicht teilen, aber die Kritik an 'Identity Politics' würde ich schon ernst nehmen. Ich will nicht verschiedene Anliegen gegeneinander ausspielen, aber wenn der Eindruck entsteht, dass sich Linke nur noch auf Minderheitenanliegen fokussieren, dann ist das ein großes Problem.

      Wenn man den Klassenkampf und Solidarität darüber vergisst, dann natürlich. Und generell finde ich persönlich, dass man versuchen sollte, Minderheiten mentalitätsmäßig eher in 'weiße (alte) Männer' zu verwandeln bzw. ihnen die Privilegien zu verschaffen, die die auch haben. Ob und wie das funktionieren kann, weiß ich natürlich nicht, aber das Ziel sollte schon eher in dieser Richtung liegen.
    • Dian wrote:

      Denn streng genommen gehen dann auch keine Ostfriesen-Witze mehr, keine Schotten-Witze, keine Witze über Frauen oder Männer, und natürlich schon gar keine Comedy mit irgendwelchen tollpatschigen Dicken, tuntigen Schwulen oder ungevögelten Nerds.
      Wer, der nicht zum Stamme der absoluten Volltrottel angehört, würde DAS denn vermissen?
      Es ist genau der gesellschaftlich fragliche Nährboden für jene Leute, die es als einzige als Witz betrachten und darüber lachen können. Und warum tun sie das? Weil es sie genau in ihrem Weltbild abholt. Die übliche Belobigung bei Barth-Witzen ist nicht umsonst: "Genau so ist es, Mario du sprichst es genau aus. Klasse!!!"

      Ich mag Satire, weil sie auf echte Ereignisse abzielt und weil es um einen Hintergrund oder Missstand geht, der humorvoll aufbereitet wird. Oft sogar subtil und nicht sofort offensichtlich. Es wird auch nicht zwingend auf Lacher abgezielt, sondern pointiert in teilweise nur einem Satz oder Bild ein komplexer Sachverhalt treffend eingeordnet. Ich empfinde das tatsächlich als künstlerisches Stilmittel, denn dazu gehört einiges. Wer es selbst mal versucht hat, wird festgestellt haben, wie schwierig eigentlich das ist, was man sonst immer so scheinbar salopp präsentiert bekommt.

      Das ganze Gegenteil davon sind dann platte Vorurteile oder Dinge, die man anderen einfach nachsagt (nichts anderes als ein Lügenkonstrukt), einzig für die Lacher vom Dummvolk. Man gibt ihnen die Klischees, die bereits in ihrem Kopf existieren. Man kämpft nicht dagegen, sondern bedient etwas, was von anderen teilweise vor Jahrzehnten dort eingepflanzt wurde. Und sei es, weil man das irgendwo als Kind mal aufgeschnappt hat.
      In einer besseren Gesellschaft würde man mit so etwas nicht Millionär werden und Stadien füllen, sondern es würde jedem Einzelnen zu denken geben, wieso das nach Jahrzehnten noch immer in einem drin ist und wieso man auf Kommando drauf anspringt und Tränen lacht.
    • Das hier finde ich persönlich extrem lustig:



      Wurde ja leider abgesetzt, da das deutsche Publikum ja angeblich den Humor nicht verstand. Ich habe allerdings den Eindruck, dass deutscher Humor (bzw der Humor der deutschen Unterhaltungsindustrie) tatsächlich meist ziemlich plump ist.
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      Lonewolf wrote:

      Das hier finde ich persönlich extrem lustig:



      Wurde ja leider abgesetzt, da das deutsche Publikum ja angeblich den Humor nicht verstand. Ich habe allerdings den Eindruck, dass deutscher Humor (bzw der Humor der deutschen Unterhaltungsindustrie) tatsächlich meist ziemlich plump ist.
      Das ist auch ziemlich gut. Ist zwar schon etwas älter, aber man sieht da ja schon den Unterschied zu Sonneborn. Ist ohnehin ein Comedy-Setting und dann werden ja auf lustige Art Kommunikationsprobleme auf die Schippe genommen.
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      Ich kanns nachvollziehen, und habe ehrlich gesagt auch manche Dinge etwas arg schräg empfunden. Irgendwo gibt es dann doch eine Grenze zum Unlustigen. Aber ein gemeinsamer Livestream hätte mir besser gefallen als ein Parteiaustritt.
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      Calgmoth wrote:

      Wenn man den Klassenkampf und Solidarität darüber vergisst, dann natürlich. Und generell finde ich persönlich, dass man versuchen sollte, Minderheiten mentalitätsmäßig eher in 'weiße (alte) Männer' zu verwandeln bzw. ihnen die Privilegien zu verschaffen, die die auch haben. Ob und wie das funktionieren kann, weiß ich natürlich nicht, aber das Ziel sollte schon eher in dieser Richtung liegen.
      Ich habe sogar den Eindruck, dass es einigen um den 'Klassenkampf' bzw. die grundlegende Emanzipation überhaupt nicht mehr geht. Sei es bewusst oder unbewusst, die eigene moralische Überhöhung scheint das alleinige Ziel geworden zu sein. Bestimmte Formen des Feminismus und Antirassismus haben eher das Ziel, Demutsgesten der Mehrheitsgesellschaft einzufordern, anstatt tatsächlich so etwas wie Gleichstellung zu erreichen.
      Übrigens wird auch Charlie Hebdo mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. Die Frage ist eben, ob diese Fokussierung auf Kunst nicht völlig verfehlt ist. Dort, wo Rassismus tatsächlich ein großes Problem darstellt - in Institutionen, auf dem Wohnungsmarkt etc. - ist die Empörung um einiges leiser als im Falle irgendwelcher Verbalausfälle von prominenten Personen. Es sind eben einfache Feindbilder bzw Angriffsflächen. Ganz zu schweigen von der unseligen Debatte um ''kulturelle Aneignung' , die wie ja bereits bei dem Critical-Whiteness-Thema angesprochen haben. Mit dem Kampf gegen strukturelle Ungleichheit hat dies nun wirklich nix mehr zu tun - im Gegenteil, hier werden 'kulturelle Identitäten' verteidigt, im Grunde wird also der Job der Nationalisten und Kulturrelativisten erledigt.
      Mit Befindlichkeiten meine, dass der Begriff der Definitionsmacht problematisch verwendet wird. Natürlich sollte man zunächst mal Betroffenen zuhören, wenn es um Diskriminierung geht. Aber an Typen wie Erdogan oder türkischen Rechten generell merkt man eben auch schnell, wie der Vorwurf des Rassismus missbraucht wird.
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      Lonewolf wrote:

      Übrigens wird auch Charlie Hebdo mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. Die Frage ist eben, ob diese Fokussierung auf Kunst nicht völlig verfehlt ist.

      Völlig verfehlt ganz bestimmt nicht. Denn ansonsten wäre ja Nazi-Humor vollkommen problemlos, nicht? Charlie Hebdo hab ich nie gelesen, aber nur weil man von Islamisten zusammengeschossen wird, heißt das nicht, dass man nur gute Satire macht. Und keiner hier ist ja irgendwo die Inquisition. Ich hatte ja nie gesagt, dass der olle Sonneborn seinen Kram nicht machen dürfen soll - nur, dass das was er macht, schon rassistisch ist. Und dass es halt problematisch sein kann, wenn man das in Satire unreflektiert reproduziert.

      Dort, wo Rassismus tatsächlich ein großes Problem darstellt - in Institutionen, auf dem Wohnungsmarkt etc. - ist die Empörung um einiges leiser als im Falle irgendwelcher Verbalausfälle von prominenten Personen. Es sind eben einfache Feindbilder bzw Angriffsflächen.

      Die Presse stellt im Prinzip nie irgendwelche armen, benachteiligten Individuen ins Zentrum - sondern fokussiert sich auf Leute, die eine gewisse Prominenz/Bedeutung haben. Und deshalb wird halt auch über deren Fehler berichtet. Das macht doch jetzt keinen Sinn, das gegeneinander auszuspielen, als hätte das eine mit dem anderen irgendwas zu tun.

      Wieso man mit 'der Partei' Probleme haben kann, wird hier ja auch schön zusammengefasst:

      die-partei-nico-semsrott-rassismus-martin-sonneborn-kritikfaehigkeit-maennerpartei

      Ganz zu schweigen von der unseligen Debatte um ''kulturelle Aneignung' , die wie ja bereits bei dem Critical-Whiteness-Thema angesprochen haben. Mit dem Kampf gegen strukturelle Ungleichheit hat dies nun wirklich nix mehr zu tun - im Gegenteil, hier werden 'kulturelle Identitäten' verteidigt, im Grunde wird also der Job der Nationalisten und Kulturrelativisten erledigt.

      Ab einem bestimmten Punkt kippt das wahrscheinlich in komisches Getue ab - aber z.B. die Tatsache, dass bestimmte Moden, Stilrichtungen, Musikrichtungen erst dann geil werden, wenn die weiße Mehrheit das toll findet, ist ja sowohl beim Jazz als auch beim Rap hinreichend dokumentiert. Die kapitalistische Verwertung ist da definitiv nicht farbenblind.

      Mit Befindlichkeiten meine, dass der Begriff der Definitionsmacht problematisch verwendet wird. Natürlich sollte man zunächst mal Betroffenen zuhören, wenn es um Diskriminierung geht. Aber an Typen wie Erdogan oder türkischen Rechten generell merkt man eben auch schnell, wie der Vorwurf des Rassismus missbraucht wird.
      [/quote]Da, das ist doch die rechte Ecke. Denen sollte man generell nicht zuhören. Aber natürlich sind auch die Grauen Wölfe hier durchaus Rassismus ausgesetzt, gleichgültig, was sie selbst so tun.