Gibt es objektive Berichterstattung / vertrauenswürdige Medien?

    • Erdogan ist im Vergleich mit Putin eben das kleinere Licht, auf mehreren Ebenen, gibt trotzdem genug anti erdogan spiegelcover.

      Wir hängen in europa militärisch nunmal an der titte der usa, da wundert es mich nicht, dass die westliche heuchelei und kriegsursachen in unseren medien nicht permanent im fokus sind.
      ¯\_(ツ)_/¯
    • Also, was Medienkritik angeht, sollte man sich halt wirklich das hier mal anhören und drüber nachdenken:



      Teil 2 sind Fragen, kann man sich auch anhören, muss man aber nicht:




      Deutsch synchronisiert gibt's das auch hier:







      Und natürlich gibt's auch diese lange Doku dazu:





      Was man unbedingt mitnehmen muss, wenn man mich fragt, sind diese Punkte:

      1. Die Kunden von Medienhäusern sind ihre Werbekunden, nicht die Leute die Zeitungen kaufen oder Fernsehen schauen (das war früher mal anders, hat sich aber im späten 19. Jahrhundert schon geändert). Ist wie bei social media - Facebook ist nicht für die Dödel da, die dahin gehen, sondern für die Leute, denen sie unsere Daten verkaufen können.

      Dieses Verhältnis setzt den Rahmen, innerhalb dessen der Medienkram in der freien Welt funktioniert. Das heißt, dass in solchen Gesellschaften, nie Dinge großflächig in den Medien verhandelt werden, die fundamental gegen die Interessen der Anzeigenkunden gerichtet wären - was in Fällen, in denen große Medienhäuser Teile größerer Konzerne sind, ja offensichtlich noch schneller einleuchten muss.

      [Für Deutschland mit einem starken öffentlich-rechtlichen Sektor muss man das halt etwas anpassen; da ist der Rahmen halt so breit, wie das die staatlichen Strukturen zu lassen. Fundamental kritisch kann ein solches System natürlich nie sein.]

      2. Die Rolle, die gerade liberale Leitmedien spielen, indem sie Diskursgrenzen setzen. Deren Funktion ist es, die Grenze des Sagbaren zu markieren. Bis hier hin kannst du gehen, solange nehmen wir dich ernst, aber wenn du weiter gehst, bist du raus. Das hilft enorm dabei, Leute vergessen zu lassen, dass es vielleicht noch ein breiteres Meinungsspektrum gibt bzw. geben könnte. Wenn's soweit kommt, dass einem Fernsehsender und Zeitungen sagen können, was z.B. links ist, dann hat man schon verloren ;-).

      3. Intellektuelle sind nicht kritisch. Um Entscheider oder Mitspieler im Meinungsaustausch zu werden, muss man durch eine formale Ausbildung gehen, die kritische Elemente/Geister/Einstellungen aussiebt bzw. diszipliniert. Soll heißen, dass professionelle Journalisten in großen Medienhäusern sich möglicherweise für kritisch halten mögen, es aber längst nicht in dem Maße sind, in dem sie es sein müssten. Deswegen ist Zensur in einem System wie den USA auch nicht wirklich nötig. Das machen die Leute schon selbst, ganz ohne Zwang.

      4. Westliche Demokratien basieren darauf, dass halt nur ca. 20 Prozent der Leute mitmachen. Die übrigen Leute - der Pöbel, wie man so schön sagt - sollen eigentlich nur Zuschauer sein, sich in den echten Prozess der Politik und Meinungsbildung gar nicht erst einmischen/beteiligen. Und das funktioniert eigentlich sehr gut.

      Das Überzeugende an der Analyse ist, dass die Amerikaner dergleichen immer sehr viel deutlicher gesagt haben, als das hier so üblich ist. Da sind die Herrschenden zwar sehr fies, aber auch ehrlich in der Öffentlichkeit - wahrscheinlich, weil sie sich das leisten können. Daher ist das Zeug nicht einfach nur herbeifabuliert, sondern sehr gut mit Quellen belegt.
    • Ich finde das ganze hier ist ein sehr schwieriges aber auch sehr wichtiges Thema.

      Nach einigem Durchlesen einiger Threads und auch dieses Themas, kann ich schon feststellen, dass einige Leute hier sich in anderen Informationskreisen bewegen als ich. Für mich ist daher die Frage nicht so allgemein zu formulieren wie: Gibt es objektive Berichterstattung / vertrauenswürdige Medien?

      Es zeigt sich ja schon, dass Menschen unterschiedlichen Medien vertrauen, die zum Teil Gegensätzliches produzieren. Es wäre mMn sinnvoller zu fragen nach welchen Kritierien man dieses Vertrauen verteilen sollte. Wieso sollte ich den nicht-Mainstream-Medien mehr vertrauen als den Mainstream-Medien? Weil diese nicht von Interessen geleitet sind? Es hat ja eine gewisse Popularität einzelnen Youtubern oder Buchautoren mit "kritischen" Meinungen mehr zu trauen als den großen Medienhäusern (ob privat oder öffentlich rechtlich). Wieso ist das so? Einige hier scheinen ja dieser Ansicht zu folgen, könnt ihr diese Frage beantworten?

      Für mich persönlich ist es offensichtlich, dass Medienhäuser sich irren und falsche Berichte veröffentlichen. Ebenso bin ich der Meinung, dass viele der - ich nenne sie jetzt einfach mal so - Gegenmedien sich ständig irren und wesentlich schlechter sind in ihrer Darstellung der Ereignisse. Es gibt natürlich dazu auch zahlreiche Gegenbeispiele und dies ist auch definitiv themenabhängig. Am Ende entscheidet man persönlich wie man sein Vertrauen verteilt. Daher wäre es sehr interessant zu erfahren wie ihr das macht.
    • Tzak wrote:

      Ich finde das ganze hier ist ein sehr schwieriges aber auch sehr wichtiges Thema.

      Nach einigem Durchlesen einiger Threads und auch dieses Themas, kann ich schon feststellen, dass einige Leute hier sich in anderen Informationskreisen bewegen als ich. Für mich ist daher die Frage nicht so allgemein zu formulieren wie: Gibt es objektive Berichterstattung / vertrauenswürdige Medien?

      Es zeigt sich ja schon, dass Menschen unterschiedlichen Medien vertrauen, die zum Teil Gegensätzliches produzieren. Es wäre mMn sinnvoller zu fragen nach welchen Kritierien man dieses Vertrauen verteilen sollte. Wieso sollte ich den nicht-Mainstream-Medien mehr vertrauen als den Mainstream-Medien? Weil diese nicht von Interessen geleitet sind? Es hat ja eine gewisse Popularität einzelnen Youtubern oder Buchautoren mit "kritischen" Meinungen mehr zu trauen als den großen Medienhäusern (ob privat oder öffentlich rechtlich). Wieso ist das so? Einige hier scheinen ja dieser Ansicht zu folgen, könnt ihr diese Frage beantworten?
      Das sind ganz konkrete persönliche Erfahrungen. Ich habe genug Veranstaltungen und Ereignisse erlebt, die in offiziellen Medien falsch oder verkürzt dargestellt wurden. Umgekehrt habe ich auch Erfahrungen damit gemacht, wie sich die Presse instrumentalisieren lässt, wenn man auf Journalisten stößt, die die eigene Agenda teilen. Insofern bin ich eher jemand, der Meldungen erstmal kritisch hinterfragt - und zwar sowohl in Bezug auf 'offizielle' als auch 'kleine' bzw 'alternative'. Wobei es mir nicht nur um Fakten geht, sondern eher um bestimmte Diskurse und Narrative. Die Debatte um die Corona-Demos ist in dieser Hinsicht bezeichnend, gerade in Bezug darauf, was als legitime Meinung gilt. Trennungen in 'Bürger' und 'Extremisten' zeigen hier schon das Problem, denn wer bestimmt denn, dass die Anliegen von 'Bürgern' legitim sind und diejenigen von 'Extremisten' nicht? Diese Kategorisierungen sind in erster Linie normativ, nicht deskriptiv, also wertend und nicht beschreibend. Natürlich werden hier in erster Einteilungen von Politikern bzw des politischen Mainstreams reproduziert. Das Problem ist, dass diese Befangenheit - abseits reiner Fakten - von den Konsumenten aller Lager oft nicht ausreichend reflektiert wird.
      Why do we fall?
    • Ich bin inzwischen eigentlich so weit, dass ich finde, dass die Menschheit ohne die ganze "objektiven Berichterstattung" und mediale Informations-Dauerberieselung besser dran wäre. Also natürlich nicht in dem Sinne, dass alle wieder so un-informiert sein sollen wie im Mittelalter, wo man jedem Bauern dann jeden Mist erzählen konnte, und der hat es geglaubt. Aber dieses über-informiert sein heutzutage ist auch die totale Seuche, weil die Menschen wirklich glauben, wenn sie den Spiegel lesen und jeden Tag die Tageszeitung und dazu dann noch abends ne Polit-Talkshow anschauen und sich Statistiken und Reportagen reinziehen, dass sie dann wirklich umfassend informiert sind und genau wissen, was in der Welt vor sich geht.
      Aber es ist eben nicht die reale Welt, die sie wahrnehmen, sondern es ist immer nur der Ausschnitt, der gerade (aus welchen Gründen auch immer) vom medialen Suchscheinwerfer besonders hell ausgeleuchtet wird.
      Frage: Wie kann ich ernsthaft glauben, die Tagesschau informiert mich objektiv und allumfassend, wenn von den 12 Minuten (abzüglich Wetter) dann vielleicht 9 oder 10 Minuten für Corona-Meldungen draufgehen, und dann noch 2 Minuten kurz über was anderes berichtet wird?
      Da bin ich ehrlich gesagt besser informiert, wenn ich in diesen 12 Minuten aus dem Fenster schaue, dann weiß ich nämlich wenigstens SICHER, was unten auf der Straße vor meinem Haus los ist. :D Und das dann sogar aus erster Hand und nicht nur vom Hörensagen.

      Ich würde auch, wie ich schon früher erwähnt habe, gar nicht so groß zwischen etablierten und alternativen Medien unterscheiden. Jedes Medium macht letztlich Programm für seine Zielgruppe, und Selbstvermarktung gehört auch immer mit zum Programm. Die Zielgruppe der alternativen Medien ist halt homogener, dadurch ergibt sich auch eine geringere Variabilität der Meldungen und eine gewisse Einseitigkeit. Die Massenmedien hingegen haben eine große Zielgruppe und sind dementsprechend auch bemüht, ein Programm für die Mitte der Gesellschaft zu machen, auch auf die Gefahr hin, dass die Ränder dadurch vernachlässigt werden und sich dann von diesen Medien abwenden.
      Das führt dann etwa dazu, dass in der Berichterstattung der ARD-Sportschau sowohl Stimmen zu Wort kommen, die den Start der Bundesliga für verfrüht und für gefährlich halten, genauso wie brave Fans, die sich freuen, dass sie endlich wieder Fußball glotzen können, und jede Menge Verständnis haben für die Maßnahmen der Regierung. Aber nicht eine einzige Meinung wurde gesendet, die sagt, dass sie den ganzen Masken-Schwachsinn generell einfach nur lächerlich findet, obwohl es in den Kommentarspalten der alternativen Medien mehr als genug solcher Meinungen gibt.
      Man kann dazu stehen, wie man will... aber "objektiv" ist eindeutig was anderes.
      Objektiv wäre höchstens die nüchterne Feststellung "Es wird wieder Fußball gespielt." Und ich finde manchmal, es wäre besser, die Medien würden es einfach bei diesen bloßen Zustandsbeschreibungen belassen, ohne zu werten, und ohne Emotionen mit reinzubringen. Das war aber vermutlich in den Medien zuletzt in den 70er-Jahren der Fall, als der Sprecher der Tagesschau einfach nur wie ein gefühlloser Roboter eine Meldung nach der anderen vorgelesen hat, und wo man wirklich den Eindruck hatte, dem geht das komplett am Arsch vorbei, was er da gerade für Todeszahlen von irgendeiner Katastrophe am anderen Ende der Welt vorliest. Ich hab das als Kind noch so bisschen mitbekommen, und ich wünsch mir echt diese Zeit zurück, als es noch kein Infotainment gab, keine emotionale Musik die über irgendwelche Berichte gelegt wird und keine wertenden Kommentare. Und nach 15 Minuten war der Spuk vorbei, und dann gab es wieder unpolitische Tiersendungen oder heiteres Beruferaten.
      Die Medien damals waren sicher auch nicht informativer, aber sie haben die Menschen wenigstens auch nicht so extrem vom Leben des eigenen Lebens abgehalten, wie es die Medien heutzutage tun.
    • Tzak wrote:

      Es zeigt sich ja schon, dass Menschen unterschiedlichen Medien vertrauen, die zum Teil Gegensätzliches produzieren. Es wäre mMn sinnvoller zu fragen nach welchen Kritierien man dieses Vertrauen verteilen sollte. Wieso sollte ich den nicht-Mainstream-Medien mehr vertrauen als den Mainstream-Medien? Weil diese nicht von Interessen geleitet sind? Es hat ja eine gewisse Popularität einzelnen Youtubern oder Buchautoren mit "kritischen" Meinungen mehr zu trauen als den großen Medienhäusern (ob privat oder öffentlich rechtlich). Wieso ist das so? Einige hier scheinen ja dieser Ansicht zu folgen, könnt ihr diese Frage beantworten?
      Ich habe da keine Präferenz. Ich schaue mir an, welche Quelle welchen Bericht schreibt und gut ist. Mir ist es schlicht egal, welche Quelle ich habe, hauptsache mir steht zu einem Bericht immer die Quelle mit dazu, damit ich ungefähr die Intension dieses Schreibens einordnen kann. Somit kann ein gleicher Bericht bei unterschiedlicher Quellenlage schon unterschiedliche Aussagen haben.

      Tzak wrote:

      Für mich persönlich ist es offensichtlich, dass Medienhäuser sich irren und falsche Berichte veröffentlichen. Ebenso bin ich der Meinung, dass viele der - ich nenne sie jetzt einfach mal so - Gegenmedien sich ständig irren und wesentlich schlechter sind in ihrer Darstellung der Ereignisse
      Es liegt in der Natur des Menschen, sich zu irren, von daher sehe ich da kein Problem. Die Häufigkeit dieser Falschmeldungen ist da schon eher ein wichtiger Faktor. Das Mensch sich auch irrt, steht gar nicht zur Debatte.
      IRREN IST MENSCHLICH !

      Lonewolf wrote:

      Das sind ganz konkrete persönliche Erfahrungen. Ich habe genug Veranstaltungen und Ereignisse erlebt, die in offiziellen Medien falsch oder verkürzt dargestellt wurden. Umgekehrt habe ich auch Erfahrungen damit gemacht, wie sich die Presse instrumentalisieren lässt, wenn man auf Journalisten stößt, die die eigene Agenda teilen. Insofern bin ich eher jemand, der Meldungen erstmal kritisch hinterfragt - und zwar sowohl in Bezug auf 'offizielle' als auch 'kleine' bzw 'alternative'. Wobei es mir nicht nur um Fakten geht, sondern eher um bestimmte Diskurse und Narrative. Die Debatte um die Corona-Demos ist in dieser Hinsicht bezeichnend, gerade in Bezug darauf, was als legitime Meinung gilt. Trennungen in 'Bürger' und 'Extremisten' zeigen hier schon das Problem, denn wer bestimmt denn, dass die Anliegen von 'Bürgern' legitim sind und diejenigen von 'Extremisten' nicht? Diese Kategorisierungen sind in erster Linie normativ, nicht deskriptiv, also wertend und nicht beschreibend. Natürlich werden hier in erster Einteilungen von Politikern bzw des politischen Mainstreams reproduziert. Das Problem ist, dass diese Befangenheit - abseits reiner Fakten - von den Konsumenten aller Lager oft nicht ausreichend reflektiert wird.
      Sehe absolut genauso !
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • Beim täglichen Nachrichtenkonsum scheint es sich für viele vor allem um eine angelernte Notwendigkeit zu handeln. Etwas, das man schon in Kindertagen bei seinen Eltern beobachtet hat und später dann übernimmt. Einfach weil man das eben so macht. Oder "um informiert zu bleiben", wie es ganz hoffnungslose Fälle sagen würden. Die Frage ist halt, inwiefern betrifft die Information über einen Bankraub in Oklahoma mit Schusswechsel und anschließender Verfolgungsjagd die Geschehnisse im eigenen Leben? Wer sucht Hilfsgüter zusammen, nachdem er von einem schweren Erdbeben in China gelesen hat? Im Endeffekt doch gilt doch nur: hier rein, da raus. Was bleibt ist die mit jedem Tag noch etwas mehr ausgeprägte Abgestumpftheit.

      Nachrichten sind nichts anderes, als das mediale Bewerten von Handlungen anderen Menschen durch nichthandelnde Menschen vor einem Empfangsgerät. Ob nun bei Weltgeschehen oder Sport. Jene, die vor dem Bildschirm sitzen, meinen die Wahrheit und den Durchblick gepachtet zu haben. Natürlich ist man hinterher immer schlauer, nur sie wären es natürlich schon vorher gewesen, klar.
      Und genau dadurch entsteht ein Abspalten der Menschen untereinander, ein gewisser Größenwahn durch die Betrachterposition, und es werden Vorurteile und Meinungsbestätigungen generiert, zur Not durch eigene "Nachrichtenportale", die man im Netz ganz nach Gusto finden kann.

      Dian wrote:

      Ich hab das als Kind noch so bisschen mitbekommen, und ich wünsch mir echt diese Zeit zurück, als es noch kein Infotainment gab, keine emotionale Musik die über irgendwelche Berichte gelegt wird und keine wertenden Kommentare. Und nach 15 Minuten war der Spuk vorbei, und dann gab es wieder unpolitische Tiersendungen oder heiteres Beruferaten.
      Wie mi san thrope schon richtig anmerkte: wer kein Infotainment will, der schaut es sich eben nicht an. Es gibt genügend Quellen, die verzichten darauf. Eigentlich die allermeisten. Man darf natürlich nicht Punkt 12 oder Brisant schauen. Bereits die Tagesschau lässt all das vermissen. Nach 15 Minuten ist der Spuk vorbei, ohne dass du neben der Titelmelodie irgend eine Musik gehört hättest oder einen wertenden Kommentar. Wer das will, schaut etwas später die Tagesthemen. Gerade das detaillierte Einordnen von Geschehnissen scheint mir um einiges sinnvoller, als das bloße präsentieren und Max Mustermann mit seinem Erbsenhirn allein zu lassen. Meist kommt ja doch nichts sinnvolles bei raus. Die rein vorgetragene Meldung wird jedenfalls niemanden zum intensiven Nachdenken anregen, soviel Zeit bleibt auch nicht in den 20 Sekunden, bis zum nächsten komplexen Thema.

      Dieses Überangebot an Informationen führt auch paradoxerweise nicht zu weniger Falschmeldungen, sondern zu mehr. Denn da gleichzeitig das politische Interesse gesunken, aber die geglaubte Notwendigkeit, durch Durchblick haben zu müssen, gestiegen ist, zimmert man sich halt irgendwas zusammen. Jemanden zu finden, der dir heute ehrlich antwortet: "dazu kann ich dir nichts sagen" wird zunehmend schwierig. Jeder muss irgend eine Meinung haben. Wenn nicht, wird man schiefer angeschaut, als man einst keine Markenklamotten vorzuweisen hatte.
      Also gibt man sich dem Ganzen hin, statt sich bewusst dagegen zu entscheiden. Zur Not eben durch die Webseite des Focus oder indem man ein paar Seiten auf Facebook folgt. Die Folge: tägliche neue Fakenews und Verschwörungstheorien; mittlerweile können viele noch nicht mal mehr Satiremeldungen unterscheiden. Es sind die Folgen der medialen Überforderung. Viele schalten ab und informieren sich nur noch dort, wo die Welt ganz einfach erklärt und das eigene Weltbild verstärkt wird. Recht zu haben fühlt sich immer besser an, als objektiv einem Irrtum aufgesessen zu sein, oder sich schlicht hilflos ob der aktuellen globalen Zustände zu sehen.

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