Schlechte Psychiatrie-Erfahrung

    • Die letzten Schilderungen von Tina-chan und Celdur bestätigen nur meine bisherige Auffassung: Psychologen/Therapeuten/Sozialarbeiten sind keine Übermenschen, sondern ziemlich normal (und das meine ich im sehr negativen Sinne). Sicher wird es auch Menschen geben, die es als Berufung leben und das nötige Know-How mitbringen. Bei den Meisten ist es jedoch nur ein Beruf, in den sie halt so rein geraten sind. Manchmal aus Zufall, manchmal aus der Selbstüberschätzung heraus, dass sie darin sehr gut sind. Und damit nimmt das Schicksal dann schon seinen Lauf. Man hat eine gewisse Macht und thront erhöht über Andere, die allwöchentlich um zu eine Audienz bitten und sogar noch Geld mitbringen, damit sie angehört werden und sich Weisungen unterwerfen.
      In einer vernünftigen Gesellschaft würden diese Aufgaben gute Freunde übernehmen. Aber in einer vernünftigen Gesellschaft bräuchte es diesen Berufsstand wohl gar nicht erst.
      Ich jedenfalls habe privat schon Sozialpädagogen und Psychologen erlebt, die so dermaßen wenig Empathie besaßen, dafür nicht selten aber einen großen Knacks hatten, dass es fast schon eine Gefahr darstellt, diesen Menschen überhaupt Macht über Andere zu gewähren.

      Ich bin mir sicher, könnte man schon vorher hinter die Fassade derjenigen blicken, denen man sich da so frei heraus anvertraut, man würde es sich noch einmal gründlich überlegen.
    • Zum Thema Tabletten: Die sind selten als Lösung gedacht, sondern als Teil der Behandlung. Es gibt eine Wechselwirkung zwischen unserem Geist oder unserer Seele oder wie ihr das nennen wollt, und der Bio-Chemie in unserem Kopf. Unabhängig davon, wie ein psychisches Problem entstanden ist, verfestigt sich das in unserem Gehirn.
      Man versucht, den Geist behandeln, mit Gesprächs- und Verhaltenstherapie, wo man die Ursachen des Problems erforscht und an Lösungen arbeitet. Aber: um Veränderungen zu bewirken, braucht man immer zwei Dinge; den Willen dazu und Zeit. Da kommen dann Tabletten ins Spiel, die einem kurzfristige Erleichterungen verschaffen sollen; die es einem eventuell auch überhaupt erst ermöglichen, eine "richtige" Therapie in Angriff zu nehmen.
      Allerdings ist das alles nur Theorie und dass das in der Praxis längst nicht immer funktioniert, ist leider selbstverständlich.
      Zudem muss man bedenken, dass sowohl die Pharmakologie, als auch die Psycho-Therapie gerade mal etwa 120 Jahre alt sind. Das steckt also quasi noch in den Kinderschuhen.


      Unmensch schrieb:


      Ich jedenfalls habe privat schon Sozialpädagogen und Psychologen erlebt, die so dermaßen wenig Empathie besaßen, dafür nicht selten aber einen großen Knacks hatten, dass es fast schon eine Gefahr darstellt, diesen Menschen überhaupt Macht über Andere zu gewähren.

      Dass kaputte Leute Psychologie studieren, um sich erstmal zu behandeln, scheint ein zutreffendes Klischee zu sein. Zumindest habe ich die Behauptung schon sehr oft gehört, auch von Psychologen und Psychologie-Studenten. Zynische Sozialpädagogen sind vermutlich eher gescheiterte Idealisten, die der Welt etwas Gutes tun wollten und dann feststellten, dass diese noch viel beschissener ist, als sie sie bisher kannten.
      Wahrscheinlich gibt es in beiden Berufsgruppen viele kompetente Leute. Aber das soziale Berufsfeld ist ja leider allgemein unterbesetzt und überlaufen, weswegen Patienten auch [url=https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Psychotherapie-Langes-Warten-auf-Hilfe,psychotherapie146.html]durchschnittlich 20 Wochen[/quote] auf ihren Therapie-Platz warten müssen.
    • Unmensch schrieb:

      Ich jedenfalls habe privat schon Sozialpädagogen und Psychologen erlebt, die so dermaßen wenig Empathie besaßen, dafür nicht selten aber einen großen Knacks hatten, dass es fast schon eine Gefahr darstellt, diesen Menschen überhaupt Macht über Andere zu gewähren.

      "Fast schon"? Du meintest wohl "fraglos", oder? Ich hab diesbezüglich kaum Zweifel... ;)
    • Das ist auch subjektiv. Einer hält den einen für inkompetent, der andere wiederum hält den Inkompetenten für kompetent und für eine gute Hilfe. Und ich stell mir bei dem Ansturm von Patienten es schwer vor, sich wirklich für jeden Einzelnen richtig Zeit zu nehmen und richtig einzufühlen. Sehr schade.

      In der Vergangenheit hab ich sie als eine Art Heilsbringer angesehen, die mir so gut es geht helfen werden. Dafür haben sie diesen Beruf ja gewählt, oder? Jetzt denk ich, das sind einfach normale Menschen die genauso ein problembeladenes System in ihren Synapsen am Laufen haben wie die, die sie behandeln.

      Und wie meinte @Dian mal sinngemäß: der Schlüssel zu unseren Problemen liegt doch meist in uns selber!
    • Das erinnert mich an etwas, was mal jemand im alten Forum verlinkt hat:

      "H.S. Sullivan pflegte jungen Psychiatern zu sagen, wenn sie bei ihm antraten: >>Bitte denken Sie daran, daß beim gegenwärtigen Zustand unserer Gesellschaft der Patient recht hat und Sie falsch liegen." (S. 99)
      "Von einem idealen Aussichtspunkt auf der Erde aus beobachten wir eine Formation Flugzeuge in der Luft. Eine Maschine schert aus der Formation aus. Die ganze Formation aber kann auf falschem Kurs liegen. Die >>aus der Formation<< ausgescherte Maschine kann aus der Sicht der Formation abnormal, falsch oder >>verrückt<< fliegen. Doch die Formation selbst kann vom Standpunkt des idealen Beobachters aus falsch oder verrückt fliegen. Die aus der Formation ausgescherte Maschine kann auch mehr oder weniger aus der Formation vom Kurs abgekommen sein....
      Wenn die Formation selbst vom Kurs abgekommen ist, muß, wer wirklich >>Kurs halten<< will, die Formation verlassen."
      (zitat aus irgendeinem Buch, den Link gibt's hier)

      Ich denke, dass alle Seelen Schaden nehmen, während sie in dieser Welt heranwachsen.
      Es ist geradezu eine unausweichliche Sache: Wer schutzlos und nackt, ohne Wissen, in eine Welt wie diese geworfen wird (wie es ja allen Neugeborenen ergeht), muss zwangsläufig verletzt werden, denn nur durch die immer wiederkehrenden Verletzungen wächst uns eine harte Haut, die zukünftige Verletzungen weniger schmerzhaft erscheinen lässt.
      Wir bauen uns Mauern, igeln uns ein, lernen Masken zu tragen und uns zu verstecken, oder verschließen besonders verletzliche Teile unserer Seele komplett in einem tiefen Verließ, zu dem keiner mehr Zugang hat (oft nicht einmal mehr wir selbst.)
      Und damit meine ich jetzt nicht die sogenannten "psychisch Kranken", sondern ALLE Menschen. Alle Menschen tun das so. Und das Ergebnis sind dann diese langweiligen, vorhersehbaren Zombies, die man dann draußen auf der Straße sieht und die sich stolz "Erwachsene" nennen. Es sind alles Menschen, die einen Teil ihrer selbst aufgegeben haben, um überlebensfähig zu sein.

      Nun gibt es aber Menschen, bei denen diese Überlebensstrategien nicht so greifen, oder die es nicht können oder wollen, irgendeinen Teil von sich selbst aufzugeben. Sie bleiben verletzlich, nackt, im Auge des "normalen" Betrachters psychotisch. Man reicht ihnen Medikamente, damit sie besser klarkommen mit der Welt.
      Aber es macht die Welt nicht besser. Und es macht sie nicht besser. Höchstens funktionstüchtiger.
      Doch das eigentliche Problem wird dadurch nicht behoben. Das Problem ist ja dieser Widerspruch, dass wir Menschen einerseits eine gewisse Naivität und Offenheit brauchen, um wirklich lebendig zu sein und Zugang zu unserer Seele zu haben... dass uns diese Naivität und Offenheit in einer Welt wie dieser aber zum Verhängnis wird, weil wir umgeben sind von kaputten Gestalten, die tausendmal härter und abgefuckter sind als wir. Und das geht in der Regel schon bei den Eltern los. Schon die Eltern (selbst die gutwilligsten) sind üblicherweise schon verfremdet, gebrochen und seelisch entstellt, von dem was sie als Kind erlebt haben, und werden zwangsläufig ihre Verhaltensweisen und Ängste auf die Kinder übertragen. Irgendwann wird das Kind dann versuchen, aus dieser kleinen engstirnigen Welt des Elternhauses zu entkommen, und landet dann unter anderen kaputten Menschen, die ebenfalls schon kaputt gemacht worden sind von ihrem Umfeld. (irgendeine Clique, Freunde oder Beziehungspartner)

      Es gibt auch nicht wirklich einen Ausweg aus diesem Dilemma. In der Theorie bräuchte man reine Menschen, oder zumindest Menschen, die einen sehr großen Teil ihrer negativen Konditionierung und ihrer von der Gesellschaft verursachten Psychosen überwunden haben... Menschen, die zu purer, uneigennütziger Liebe fähig sind und sehr sensibel die Gefühle anderer wahrnehmen...
      Und wenn du dann ein Kind unter solchen Menschen aufwachsen lässt, sollte dieses Kind IN DER THEORIE auf gesunde Art und Weise stark werden... stark, indem seine Seele wächst, und nicht stark, indem es nur Schutzmauern und Abwehrmechanismen errichtet.
      Nur ist das eben eine Utopie, weil solche Menschen, die man dafür benötigen würde, kaum existieren. Und selbst wenn sie existieren, in einer kleinen, geschützten Gemeinschaft, wird das Kind ja meistens viel zu früh doch negative Erfahrungen sammeln und andere Menschen von außerhalb kennenlernen, die ihm dann doch wieder beibringen, dass man am Ende nur gefickt wird, wenn man einfach so ungeschützt seine Seele präsentiert.
      Eigentlich bräuchten junge Menschen ein intensives mentales Training, das sie einerseits hart wie Kruppstahl macht, und andererseits doch weich und geschmeidig wie Wasser. Einerseits harte, wehrhafte Krieger, denen nichts etwas anhaben kann, und doch gleichzeitig auch spirituelle Wesen, die das Geheimnis der Liebe kennen und einfühlsam und verständnisvoll sind.
      Ich habe immer versucht, mich diesem Ideal anzunähern, und das hat mich zumindest davor bewahrt, auf Tabletten oder Psychiater angewiesen zu sein. Aber es ist verdammt schwierig, und es fehlen die Vorbilder in dieser Welt.
    • Neu

      Falls jemand den Doktor aus meiner Signatur nicht kennen sollte, hier ein schönes Interview zum Lesen mit ihm:

      Glaubwürdigkeit, Macht und Sprache: Interview mit Gert Postel über „Schwafelkunst“ und Kommunikation – Rhetorikmagazin

      Hier ein schönes Interview (Ausschnitt) zum Gucken:



      Viel mehr gibt es zur Psychiatrie nicht zu sagen.
      "Wer die psychiatrische Sprache beherrscht, der kann grenzenlos jeden Schwachsinn formulieren und ihn in das Gewand des Akademischen stecken!" Gert Postel
    • Neu

      auch wenn der mann in bestimmter hinsicht sehr streitbar ist, muss ich mich trotzdem als postel-fan outen.. einfach zu genial wie er die hohen herren aufs kreuz gelegt hat. "herr postel übetrifft die erwartungen" .. haha
      Du bist nicht dein Job ... (Fight Club, 1999)
      youtube.com/watch?v=cat3tKL6aHw&t=2s
    • Neu

      Wenn ein gesunder Mensch zu einem richtigen Arzt geht, wird er ohne Diagnose nachhause geschickt.
      Wenn es gesunder Mensch zu einem Psychiater geht, bekommt er immer eine Diagnose und wahrscheinlich auch ein Rezept.

      Freilich gab und gibt es Menschen, denen von der Psychiatrie geholfen wurde. Dies aber nicht wegen der psychiatrischen Behandlung, sondern trotzdem.

      Psychiatrie (Niemals verwechseln mit Neurologie und Psychologie!) ist keine Wissenschaft und zutiefst inhuman. Ich würde gerne jedes Bestreben untersützen, die Psychiatrie zu entlarvem und dann zu vernichten. Leider gibt es da ein großes Problem.

      Es gibt kaum ernsthafte Gegenbewegungen, außer CCHR. CCHR sind leider kein Menschenrechtsverein, sondern eine Gruppe der Scientology.

      Scientology ist eine gefährliche Sekte und zutiefst inhuman.
      Ich bin absolut bereit, jedes Bestreben zu unterstützen, Scientology zu vernichten.

      Man kann sich denken, warum Scientology ein Interesse daran hat, die Psychiatrie zu bekämpfen. Es geht ihnen dabei nämlich nicht um Menschenrechte. Sie beneiden die Psychiatrie um ihre Opfer. Sie wollen, dass sich Menschen, die geneigt sind, Opfer der Psychiatrie zu werden, sich in die Hände der Scientologen begeben. Perfide!

      Unten ein Film von CCHR.

      Er ist natürlich sehr reißerisch gestaltet, aber dennoch entspricht das Video den Tatsachen.

      Man kann es ganz nüchtern betrachten:
      Wir befinden uns in einem Raum (youtube), in dem fast alle sagen, Äpfel (Psychiatrie) wären Gemüse (Wissenschaft). Dann sagt ein Arschloch (Scientology), dass Äpfel kein Gemüse sind. Das Arschloch hat leider Recht, unterstützen darf man das Arschloch trotzdem nicht.

      ACHTUNG, Scientology!

      ACHTUNG, Scientology!

      Ergänzung:
      Wenn ich schreibe, dass ich die Psychiatrie gerne gänzlich vernichtet sehen möchte, heißt das nicht, dass ich Menschen, die medizinische Hilfe benötigen, diese verweigern möchte.

      Ähnlich wie wenn ich Hartz 4 als inhuman und abschaffungswürdig betrachte, dies nicht heißt, dass ich gegen Grundsicherung wäre.

      Noch ein Nachschlag:
      Als beschlossen wurde, Homosexualität nicht mehr als psychiatrische Erkrankung zu betrachten, wurde der Hydra nur ein Kopf abgeschlagen, anstatt sie ganz zu töten.
      "Wer die psychiatrische Sprache beherrscht, der kann grenzenlos jeden Schwachsinn formulieren und ihn in das Gewand des Akademischen stecken!" Gert Postel

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Lydia ()