Der Fußball-Thread

    • Der Fußball-Thread

      Aus aktuellem Anlass (und damit andere Threads nicht zu sehr offtopic werden), mache ich mal einen extra Thread zum Thema Fußball auf. Wen es nicht interessiert, kann es ja einfach ignorieren. Aber vielleicht schaffen wir ja auch das Kunststück, ein wenig geistreicher als in anderen Foren über dieses ach so wichtige Thema zu diskutieren.

      Celdur schrieb:

      Fuck, ich war sogar ein bisschen mitgenommen nach dem Ausscheiden "unserer" Nationalelf. Ist es ein Relikt aus Urzeiten, in denen ich als pubertärer Nichtsnutz die Euphorie meiner Mitmenschen bezüglich des deutschen Fußballs aufgesogen hab und jedes Ausscheiden/Weiterkommen als Teil von mir, als Emotion von mir wahrgenommen hab?
      Also bei mir ist das eher so, dass das ziemlich wechselt, welcher Nationalmannschaft ich die Daumen drücke. Das hängt beispielsweise davon ab, welche Spieler da dabei sind, und ob ich denen den Sieg gönne oder nicht. Oder ob ich den Spielstil mag, den sie spielen. Ich bin jetzt nicht zwangsläufig aus Prinzip immer gegen Deutschland, nur weil sie deutsch sind. (bin ja auch kein Antideutscher, sondern generell Antinationalist)
      Die aktuelle deutsche Mannschaft hat das Charisma von einem Schwarm Schmeißfliegen. Jogis gesichtslose Ja-Sager-Truppe, ein Haufen angepasster Jungspunde, und dann auch noch so Gestalten wie Özil und Gündogan, die ich persönlich (gerade weil ich eben Antionationalist bin) in den nächsten Flieger in die Türkei setzen würde, und zwar ohne Rückflugticket, damit sie dann unter "ihrem" Präsidenten Erdogan glücklich werden können. Diese Mannschaft hat das Ausscheiden definitiv verdient. Aber als sie vor vier Jahren Brasilien weggebombt haben, fand ich es dann auch ok, dass sie Weltmeister geworden sind. Die Spieler können ja auch nix dafür, dass die deutschen Fans so scheiße sind.
      Wobei man natürlich auch darüber streiten kann, ob deutsche Fans nun ekliger sind als die von anderen Nationen, und ob es sowas wie ein "deutsches Wesen" überhaupt gibt, oder ob das nicht auch wieder nur Vorurteile sind, wenn man sagt "Die Deutschen sind so und so". Ich persönlich habe aber schon den Eindruck, dass kulturell eine gewisse Arroganz im Deutschen verankert ist, die ich als negativer empfinde als etwa den Nationalstolz von Brasilianern oder Spaniern. Gib dem Deutschen ein paar Erfolgserlebnisse zu viel, und das tut ihm nicht gut, wie die Geschichte schon mehrmals eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. :=
      Und schon allein deshalb kann ich das frühe Ausscheiden nur begrüßen... mal abgesehen davon, dass es view-technisch für das Anarchonauten "Schwarz Rot Gold"-Video eher ungünstig gelaufen ist, weil ich eigentlich darauf spekuliert hatte, dass spätestens ab dem Viertelfinale wieder überall diese nervigen Fahnen rumhängen werden, so dass ein Song wie "Schwarz Rot Gold" die perfekte Anti-Hymne dazu wäre und sich das Video wie ein Lauffeuer verbreiten würde. Jetzt sind die Flaggen weg, und damit auch das Interesse vieler Leute... auch wenn das Thema des Songs ja eigentlich zeitlos ist und nicht nur zum Fußball passt.

      Die andere Frage, die man in einem Thread wie diesem diskutieren könnte, ist natürlich, ob Fußball-Schauen überhaupt in irgendeiner Weise Sinn macht, ob in sportlichen Wettkämpfen eine gewisse Ästhetik und Faszination begründet liegt, oder ob es wirklich nur pures Opium fürs Volk ist, um das Dummvolk ruhigzustellen und von wichtigeren Dingen abzulenken.
      Ich persönlich weiß ein gutes Spiel als Zeitvertreib durchaus zu schätzen... und vermutlich wäre ich im alten Rom auch öfters mal in die Gladiatorenarena gegangen und hätte mir das angeschaut. Wettkämpfe auszufechten oder Spitzenathleten dabei zu beobachten, wie sie außergewöhnliche Leistungen erbringen, halte ich jetzt auch nicht prinzipiell für etwas Schlechtes oder Primitives, nur weil es keinen großen geistigen Gehalt hat. Es ist eben eine Form des Zeitvertreibs, so wie mit dem Hund spielen oder Musik hören oder sich die Eier kraulen. Viele Dinge, die wir Menschen tun, haben keinen höheren Sinn... man tut sie einfach, um mal abzuschalten oder um sich 90 Minuten lang auf eine einzige Sache zu konzentrieren und den Alltag mal komplett auszblenden. Vielleicht ist das Betrachten eines Fußballspiels nicht zuletzt deshalb für viele moderne Menschen fast schon ein spiritueller Vorgang geworden, weil sie sonst in ihrem Leben gar nicht mehr in der Lage sind, sich mal 90 Minuten am Stück von ihrem Alltag zu befreien und alle anderen Sorgen und Probleme für die Zeit des Spiels komplett zu vergessen. Früher ist man dafür in die Kirche gegangen. Und wenn ich die Wahl habe zwischen irgendeinem langweiligen Dorfpfarrer und Ronaldo, würde ich wahrscheinlich auch eher Ronaldo zuschauen wollen, weil ich in seinen Bewegungen mehr Göttlichkeit erkennen kann. :D (nee, Quatsch, eigentlich halte ich Ronaldo ja für ziemlich überbewertet und für einen Angeber sondersgleichen. Aber er ist ja nun ohnehin ausgeschieden)
      Ich wollte damit auch nur sagen, dass es durchaus Gründe gibt, sich statt einer schlecht gescripteten Reality-Soap im TV oder einer Predigt, die man eh schon kennt, stattdessen mal ein Fußballspiel anzuschauen, und sich daran zu erfreuen, Beobachter eines Dramas zu sein, dessen Ausgang vorher noch nicht feststeht, weil es "live" und ohne Drehbuch abläuft. Ein kleiner Hauch von Ungewissheit in einer Welt, in der nahezu alles bis ins kleinste Detail durchgeplant und festzementiert ist.
      Ich wünschte nur, die wichtigen Dinge würden auch so die Massen bewegen wie der Fußball, und die Leute würden sich statt wegen eines Fußballspiels mal wieder wegen dem Ausgang der Wahlen aufregen und kloppen, so wie früher in der guten alten Weimarer Republik. :basi: Dass sie es nicht tun, halte ich aber nicht für die Schuld des Sports. Man hat ihnen das halt als Ventil gegeben, und der Pöbel hat es angenommen. Beziehungsweise, ursprünglich war Fußball glaub auch gar nicht so wirklich im Sinn der Mächtigen, weil es die anfangs eher irritiert hat, warum sich ihr Volk, anstatt etwas Produktives zu tun, auf der Straße zusammenrottet um einem Ball nachzurennen. Dass das für die Mächtigen auch nützlich sein kann, etwa als willkommene Ablenkung, haben sie wohl selber erst später erkannt.
    • So, dann versuch ich auch mal meine 2 Cents unterzubringen.

      Ich find Fußball an sich gut. Man bewegt sich und man kann strategisch denken. Das bewundere ich bei denen, die dieses Spiel spielen, Fußball ist nicht nur stumpfes Rumgerenne, hmm aber vielleicht teilweise schon.
      Teilweise nervig find ich das Drumherum, ich sprech jetzt von den oberen Ligen sowie große Turniere, die groß in den Medien aufbereitet werden. Warum z.B. sollte es mich nerven, wenn Özil beim Hymnenträllern nicht mitsingt? Oder sich mit Sympathieträger Erdogan abknipsen lässt, na und? Im Endeffekt find ich, dass die einfach ihren Fußball spielen sollten, ihre politische Haltung oder welchem Führer sie die Eier lecken, ist Nebensache.
      Was ich auch net so pralle finde sind die Geldmengen, die im Profifußball im Umlauf sind. Was an diesem Beruf Fußballer rechtfertigt Millionengehälter? Ist der Beruf des Gerüstbauers, des Müllmanns oder des Straßenbauers weniger anstrengend? Ich finde, solche Knochenjobs sollten besser entlohnt werden, oder die exorbitanten Gehälter und Ablösesummen der Fußballer reduziert werden. Was wollen die denn mit so viel Geld? Geld, das anderswo echt helfen würde.

      Am Spiel an sich nervt mich die Theatralik vieler Spieler, die nach jedem Windhauch so tun, als würden sie gleich sterben. Oder diese Armewedeln Richtung Schiedsrichter, ey guck mal, das warn Handspiel, jetzt pfeif gefälligst für uns! Lasst den Schiedsrichter doch einfach seinen Job machen, oder trauen Fußballer den Schiedsrichtern kein gutes Urteilsvermögen zu?
      Fan einer Mannschaft an sich bin ich nicht, aber ich merke immer, dass ich, egal ob Nationalelf oder deutsche Vereine in Wettbewerben, ich immer für DIE DEUTSCHEN bin. Aber na ja, das dann auch nur in meiner geschützten Bude für mich alleine, mein Denken geht dann nicht so weit, dass ich bei jedem Tor wie ein aufgestachelter Affe rumbrülle oder dass ich mir Vereins/Landesfarben ins Gesicht schmiere. Deutsche Flaggen schrecken mich ab.
      Meist finde ich ein Fußballspiel langweilig (so nach ein paar Minuten), was meine Aufmerksamkeit auf andere Dinge richten lässt. Ich kann aber auch mitfiebern, Fußball hat so seine Momente, z.B. das Deutschlandspiel gegen Schweden, das war schon interessant. Allgemein verfolge ich Nationalelfspiele mit mehr Interesse als andere Fußballspiele. Und jetzt wo Deutschland raus ist, ist das Interesse für die WM kaum bis gar nicht mehr da, ja ab und zu mal reinzappen, oder mal auf kicker.de für die Ergebnisse reinschauen.
    • Celdur schrieb:

      Im Endeffekt find ich, dass die einfach ihren Fußball spielen sollten, ihre politische Haltung oder welchem Führer sie die Eier lecken, ist Nebensache.
      Du hast ja Recht. Vielleicht sollte ich mir besser die Schach-WM angucken, wenn ich intelligente Menschen mit intelligenten und differenzierten politischen Meinungen sehen möchte. :D
      Fußball ist nunmal ein Proleten-Sport, und es gibt zahlreiche Beispiele, von Ribery bis Kevin Kuranyi, die ohne ihr Talent für diesen Sport nie aus ihrem Ghetto rausgekommen wären, weil sich in ihrem Hirn nur eine Erbse in Form eines Fußballs und ansonsten nur ein riesiger Hohlraum befindet. Nur Scheiße im Hirn, aber einen teuren Sportwagen fahren und ein Model als Freundin haben... alles nur, weil sie ein bisschen besser mit dem Ball umgehen können als du oder ich. Da kann man schon anfangen, an den Gesetzen von Karma und göttlicher Gerechtigkeit zu zweifeln, und sich fragen: Womit haben solche Arschgeigen so ein gutes Leben verdient?
      Und Özil ist eben das beste Beispiel für eine solche Dumpfbacke.

      Also Prolls und Fußball gehören seit jeher zusammen. Und wenn man dumme Menschen unter dem Vergrößerungsglas betrachtet, kommt natürlich auch der ganze religiöse und nationalistische Bullshit zum Vorschein, den solche einfach gestrickten Menschen üblicherweise in ihren Köpfen tragen. Sprich: die hässliche Seite unserer Gesellschaft.
      Özil und Gündogan finde ich deshalb so erbärmlich, weil sie eben ein Paradebeispiel sind für Leute, die sich entweder keine Gedanken machen über ihre Vorbildfunktion, oder ganz bewusst und berechnend ihren Status benutzen, um ihre faschistoide politische Gesinnung in die Welt hinaus zu tragen. In jedem Fall haben sie wohl zu wenig Abstand zu ihrer Prägung und ihrem Familienumfeld, wo solche Führer-Anbetung und nationalistischen Gedanken vermutlich zum Standard gehören.
      Ich finde schon, dass man das thematisieren sollte... wobei Özil und Gündogan natürlich nur ein prominentes Paradebeispiel sind für Gesinnungen und Gedanken, die sich quer durch die ganze Gesellschaft (auch die deutsche) ziehen. Warum sonst ist es immer noch ein Problem im Fußball, wenn ein aktiver Sportler sich als homosexuell outen würde? Warum gibt es immer noch hin und wieder Affenlaute aus den Zuschauerrängen, wenn ein Schwarzer mitspielt?
      Die Verantwortlichen versuchen zwar, das zu unterbinden, und drehen fürs Fernsehen tolle Integrations-Werbespots, wo dann die ganzen multikulturellen Fußballer mit ihren ach so toleranten, herzlichen Familien zusammen eine nette Grillparty feiern. Aber die Realität ist halt ne andere. Die Realität ist, dass die meisten Türken lieber unter ihresgleichen bleiben und sich insgeheim, allen Integrationsbekundungen zum Trotz, geistig immer noch in Anatolien befinden und von einem großen Führer träumen. Wenn durch die Bühne des Fußballs solche Problematiken ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangen, ist das denke ich ne gute Sache, auch wenn es natürlich kein rein türkisches bzw. Migranten-Problem ist, da es in anderen Nationen, und gerade auch unter den Deutschen, ebenfalls genug Hohlköpfe gibt, die sich nur mit ihrer eigenen Rasse umgeben und sich nach einem starken Führer sehnen.

      Ganz besonders schön kam das neulich auch beim Spiel der zweiten albanischen Nationalmannschaft (also der Schweiz) gegen Serbien zum Vorschein...
      Da hatte man den Eindruck, der Fußball war plötzlich wirklich nur noch ein Kriegs-Ersatz für nationalistische Vollidioten auf beiden Seiten, die sich am liebsten mit Waffengewalt um den Kosovo streiten würden. Es ging nicht mehr um das sportliche Kräftemessen. Es ging nur noch darum, dass sich alle beweisen wollten, dass ihre Nation besser ist als die der anderen. Lachhaft. Als ob sich die Mentalität der Serben so großartig von der der Albaner unterscheiden würde. Letztlich sind sich beide Kulturen viel ähnlicher, als sie es sich eingestehen wollen. Aber weil man um ein trostloses armes Stückchen Land streitet, das ich persönlich nichtmal geschenkt haben wollte, ist man Erzfeind und steigert sich so sehr in diese Sache rein, als ob es wirklich um Leben und Tod ginge.
      Ich sag nicht, dass alle so sind. Natürlich gibt es auch dort intelligente Menschen, die keinen Fußball schauen oder denen es völlig egal ist, ob der Kosovo jetzt zu Albanien, zu Serbien oder zur Mongolei gehört. Aber ich fürchte, die große Mehrheit ist total blind in ihrem nationalistischen Wahn, sich etwas auf "ihre" Nation einzubilden, obwohl es strenggenommen keinen Unterschied macht, weil sowohl Albaner als auch Serben jetzt beide nicht gerade die großen Weltkultur-prägenden Nationen sind, sondern vergleichsweise unbedeutende Würstchen, die weder im sportlichen noch im geisteswissenschaftlichen Bereich all zu viele Höchstleistungen vollbracht haben. Wenn es danach ginge, was bestimmte Nationen für die Menschheit geleistet haben, müsste der Nationalstolz eigentlich in Deutschland oder England viel augesprägter sein als in diesen Dritte-Welt-Ländern. Aber witzigerweise ist es ja teilweise genau umgekehrt... die Nationen, die am wenigsten zu stande gebracht haben, wie etwa die Türkei, slawische Länder oder irgendwelche Balkanstaaten, sind oft die fanatischsten, wenn es um ihren Nationalstolz geht.
      Und das ganze finde ich eben schon ziemlich erbärmlich. Weil es einfach auch zeigt, wie wenig manche Menschen wirklich selbständig nachdenken, weil sie so sehr damit beschäftigt sind, das Geschwätz ihrer Eltern und ihres Umfelds nachzuplappern, dass sie überhaupt nicht mehr objektiv sein können.
      Aber hey... wenn es schon so ist, dass diese Leute dem Fußball so einen großen Stellenwert beimessen, vielleicht sollte man dann konsequent sein und multinationale Konflikte in Zukunft wirklich durch ein Fußballspiel lösen. Schweiz gegen Serbien... und der Gewinner bekommt dann den Kosovo.
      Oder Ungarn gegen Deutschland. Wenn Deutschland gewinnt, muss Ungarn auch ein paar hunderttausend Flüchtlinge aufnehmen. Und die Zukunft von Syrien wird in einem Turnier entschieden, in dem Russland, Iran, Saudi-Arabien und die USA mitspielen. ^^
      Auf diese Weise könnte Fußball sogar dabei helfen, echtes Blutvergießen zu vermeiden. Das Ergebnis müssten dann halt nur alle beteiligten Nationen auch akzeptieren. Da bräuchte man einen verdammt guten Schiedsrichter.
    • Ich würde die Idee mit dem Austragen von Konflikten sogar noch so weit denken, dass Machthaber sich selbst aufstellen und auf dem Platz um die Vorherrschaft kämpfen. Genauso wie es eigentlich bisher schon hätte sein müssen: Wenn irgendwelche Politiker Krieg gegen Land X haben wollen, ja mein Gott, dann sollen sie dort einmarschieren und ihren Krieg veranstalten. Jene, die dagegen sind, die bleiben einfach Zuhause. Das würde das Problem im Handumdrehen lösen. Natürliche Selektion inklusive. Denn es ist immer etwas anderes, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, oder eben durch eine Anweisung Andere loszuschicken, die leider viel zu dumm sind und tatsächlich ihr eigenes Leben opfern, damit der Herr im feinen Anzug seinen Willen bekommt. Es sind nur Werkzeuge und gehen die kaputt, besorgt man sich neues Equipment und alles geht von vorn los. Und wie es aussieht, wird das auch bis auf alle Ewigkeiten so bleiben.

      Interessante Parallelen findet man hier übrigens zum Fussball. Da ist also ein fast 60-jähriger Typ, der sich am Spielfeldrand gerne mal in den Schritt greift und dessen Aufgabe ansonsten darin besteht, anderen zu sagen, was sie tun sollen. Führen diese das dann gut aus, dann wird der Typ vom Spielfeldrand von einer ganzen Nation verehrt (wofür auch immer). Klappt es nicht, will man nichts von ihm wissen.
      Komische Welt ist das. Eine, in der erwachsene Menschen vor Hotels lungern, nur um dort einen Blick auf eine Clique junger Millionäre zu erhaschen, die das aber alles überhaupt nicht interessiert. Da liegen Welten dazwischen und im wahren Leben sind die jubelnden Fans jene, welche die Sportwagen der Heranwachsenden putzen, ihre Designerwohnung renovieren oder die vergoldete Toilette installieren. Und man würde davon am Ende des Tages stolz seinen Freunden erzählen. Merkwürdige Parallelgesellschaft. Ich kann mich jedenfalls nur mit den Sachen identifizieren, die mir nah und ähnlich sind. Die Welt dort draußen scheint aber mal wieder genau gegensätzlich zu funktionieren.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Unmensch ()

    • Dian schrieb:

      Ich finde schon, dass man das thematisieren sollte...
      Dann unterschätze ich immer die Macht, die von solchen Machenschaften (sorry, fast-Wortspiel) von sogenannten Vorbildern (Özil und co.) ausgeht. Und blende oft aus, dass (viele) Menschen an ihren politischen, religiösen oder/und kulturellen Weltansichten kleben, und alles, was aus dem Bild herausfällt, misstrauisch bis hasserfüllt angeschielt wird. Ist das bei mir denn unangebrachte Gleichgültigkeit, dass mich solche Dinge nicht jucken? Ob Özil jetzt dem Erdo am Popo hängt? Hmm oder doch meine Ahnungslosigkeit?

      Manchmal beim Singen vor den Spielen frag ich mich, ob die, die da mitsingen, wirklich überzeugt sind von ihrem Land und ob das ehrlicher Nationalstolz ist, oder ob die nur mitsingen, weil man das so von ihnen erwartet. Ich mein, Özil kriegt dafür ja einen drauf. Ich hab gelesen, der spricht in sich noch ein Gebet, während die Hymne läuft.

      Eure Ideen sind nett. Nett fände ich eine Welt, die nur aus Kriegsgegnern (also Anti-Krieg(ern)) besteht und -wie Unmensch vorschlägt- die paar übrigen, die immer noch Krieg wollen, die müssen das dann selbst unter sich auskriegern. Oder Fußball kicken. :)
    • Fußball ist ein extrem cooles Spiel. Wie bereits erwähnt sehr strategisch.
      Ich habe Deutschland und Polen die Daumen gedrückt, leider sind beide raus.
      Ansonsten freue ich mich, dass bald wieder Bundesliga ist. Bin Fan vom 1. FC Köln.
      Ist hier sonst noch jemand Vereinsfußballfan?
      Wir haben miese Karten, regiert von Psychopathen, verwaltet von Bürokraten, die keine Gefühle haben.
    • daryus schrieb:

      Mutiges Statement, angesichts der bisherigen Einträge. :thumbup:
      Ich schätze, viele Vereinsfußballfans gibt es hier wahrscheinlich eher nicht...
      Ja, ich weiß, Fußball ist in den Kreisen hier nicht wirklich beliebt.
      Es gibt auch de facto vieles zu kritisieren: Übertriebener Kommerz, und viele Fußballfans verhalten sich so, dass man sie zurecht für Vollidioten hält.
      Ich bleibe aber dabei, dass es sich um ein unfassbar cooles Spiel handelt.
      Wir haben miese Karten, regiert von Psychopathen, verwaltet von Bürokraten, die keine Gefühle haben.
    • Wenn, dann bin ich eher Vereinsfussballfan, als von Nationalmannschaften. Dieses patriotische Getümmel geht mir endlos auf den Wecker. Aber ist halt nun mal so.
      Ich fand die CL früher mal sehr interessant. Mittlerweile hat sich das fast erledigt.

      Geilo. Der russische Bär hat die arroganten Spanier rausgekickt. Und morgen schmeist Mexico den nächsten Favoriten raus. One with the underdog. ALWAYS !
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • Dian schrieb:

      Aus aktuellem Anlass (und damit andere Threads nicht zu sehr offtopic werden), mache ich mal einen extra Thread zum Thema Fußball auf. Wen es nicht interessiert, kann es ja einfach ignorieren. Aber vielleicht schaffen wir ja auch das Kunststück, ein wenig geistreicher als in anderen Foren über dieses ach so wichtige Thema zu diskutieren.

      Celdur schrieb:

      Fuck, ich war sogar ein bisschen mitgenommen nach dem Ausscheiden "unserer" Nationalelf. Ist es ein Relikt aus Urzeiten, in denen ich als pubertärer Nichtsnutz die Euphorie meiner Mitmenschen bezüglich des deutschen Fußballs aufgesogen hab und jedes Ausscheiden/Weiterkommen als Teil von mir, als Emotion von mir wahrgenommen hab?
      Also bei mir ist das eher so, dass das ziemlich wechselt, welcher Nationalmannschaft ich die Daumen drücke. Das hängt beispielsweise davon ab, welche Spieler da dabei sind, und ob ich denen den Sieg gönne oder nicht. Oder ob ich den Spielstil mag, den sie spielen. Ich bin jetzt nicht zwangsläufig aus Prinzip immer gegen Deutschland, nur weil sie deutsch sind. (bin ja auch kein Antideutscher, sondern generell Antinationalist)Die aktuelle deutsche Mannschaft hat das Charisma von einem Schwarm Schmeißfliegen. Jogis gesichtslose Ja-Sager-Truppe, ein Haufen angepasster Jungspunde, und dann auch noch so Gestalten wie Özil und Gündogan, die ich persönlich (gerade weil ich eben Antionationalist bin) in den nächsten Flieger in die Türkei setzen würde, und zwar ohne Rückflugticket, damit sie dann unter "ihrem" Präsidenten Erdogan glücklich werden können. Diese Mannschaft hat das Ausscheiden definitiv verdient. Aber als sie vor vier Jahren Brasilien weggebombt haben, fand ich es dann auch ok, dass sie Weltmeister geworden sind. Die Spieler können ja auch nix dafür, dass die deutschen Fans so scheiße sind.
      Wobei man natürlich auch darüber streiten kann, ob deutsche Fans nun ekliger sind als die von anderen Nationen, und ob es sowas wie ein "deutsches Wesen" überhaupt gibt, oder ob das nicht auch wieder nur Vorurteile sind, wenn man sagt "Die Deutschen sind so und so". Ich persönlich habe aber schon den Eindruck, dass kulturell eine gewisse Arroganz im Deutschen verankert ist, die ich als negativer empfinde als etwa den Nationalstolz von Brasilianern oder Spaniern. Gib dem Deutschen ein paar Erfolgserlebnisse zu viel, und das tut ihm nicht gut, wie die Geschichte schon mehrmals eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. :=
      Und schon allein deshalb kann ich das frühe Ausscheiden nur begrüßen... mal abgesehen davon, dass es view-technisch für das Anarchonauten "Schwarz Rot Gold"-Video eher ungünstig gelaufen ist, weil ich eigentlich darauf spekuliert hatte, dass spätestens ab dem Viertelfinale wieder überall diese nervigen Fahnen rumhängen werden, so dass ein Song wie "Schwarz Rot Gold" die perfekte Anti-Hymne dazu wäre und sich das Video wie ein Lauffeuer verbreiten würde. Jetzt sind die Flaggen weg, und damit auch das Interesse vieler Leute... auch wenn das Thema des Songs ja eigentlich zeitlos ist und nicht nur zum Fußball passt.

      Die andere Frage, die man in einem Thread wie diesem diskutieren könnte, ist natürlich, ob Fußball-Schauen überhaupt in irgendeiner Weise Sinn macht, ob in sportlichen Wettkämpfen eine gewisse Ästhetik und Faszination begründet liegt, oder ob es wirklich nur pures Opium fürs Volk ist, um das Dummvolk ruhigzustellen und von wichtigeren Dingen abzulenken.
      Ich persönlich weiß ein gutes Spiel als Zeitvertreib durchaus zu schätzen... und vermutlich wäre ich im alten Rom auch öfters mal in die Gladiatorenarena gegangen und hätte mir das angeschaut. Wettkämpfe auszufechten oder Spitzenathleten dabei zu beobachten, wie sie außergewöhnliche Leistungen erbringen, halte ich jetzt auch nicht prinzipiell für etwas Schlechtes oder Primitives, nur weil es keinen großen geistigen Gehalt hat. Es ist eben eine Form des Zeitvertreibs, so wie mit dem Hund spielen oder Musik hören oder sich die Eier kraulen. Viele Dinge, die wir Menschen tun, haben keinen höheren Sinn... man tut sie einfach, um mal abzuschalten oder um sich 90 Minuten lang auf eine einzige Sache zu konzentrieren und den Alltag mal komplett auszblenden. Vielleicht ist das Betrachten eines Fußballspiels nicht zuletzt deshalb für viele moderne Menschen fast schon ein spiritueller Vorgang geworden, weil sie sonst in ihrem Leben gar nicht mehr in der Lage sind, sich mal 90 Minuten am Stück von ihrem Alltag zu befreien und alle anderen Sorgen und Probleme für die Zeit des Spiels komplett zu vergessen. Früher ist man dafür in die Kirche gegangen. Und wenn ich die Wahl habe zwischen irgendeinem langweiligen Dorfpfarrer und Ronaldo, würde ich wahrscheinlich auch eher Ronaldo zuschauen wollen, weil ich in seinen Bewegungen mehr Göttlichkeit erkennen kann. :D (nee, Quatsch, eigentlich halte ich Ronaldo ja für ziemlich überbewertet und für einen Angeber sondersgleichen. Aber er ist ja nun ohnehin ausgeschieden)
      Ich wollte damit auch nur sagen, dass es durchaus Gründe gibt, sich statt einer schlecht gescripteten Reality-Soap im TV oder einer Predigt, die man eh schon kennt, stattdessen mal ein Fußballspiel anzuschauen, und sich daran zu erfreuen, Beobachter eines Dramas zu sein, dessen Ausgang vorher noch nicht feststeht, weil es "live" und ohne Drehbuch abläuft. Ein kleiner Hauch von Ungewissheit in einer Welt, in der nahezu alles bis ins kleinste Detail durchgeplant und festzementiert ist.
      Ich wünschte nur, die wichtigen Dinge würden auch so die Massen bewegen wie der Fußball, und die Leute würden sich statt wegen eines Fußballspiels mal wieder wegen dem Ausgang der Wahlen aufregen und kloppen, so wie früher in der guten alten Weimarer Republik. :basi: Dass sie es nicht tun, halte ich aber nicht für die Schuld des Sports. Man hat ihnen das halt als Ventil gegeben, und der Pöbel hat es angenommen. Beziehungsweise, ursprünglich war Fußball glaub auch gar nicht so wirklich im Sinn der Mächtigen, weil es die anfangs eher irritiert hat, warum sich ihr Volk, anstatt etwas Produktives zu tun, auf der Straße zusammenrottet um einem Ball nachzurennen. Dass das für die Mächtigen auch nützlich sein kann, etwa als willkommene Ablenkung, haben sie wohl selber erst später erkannt.

      Wobei der Nationalismus eigentlich nur in Deutschland negativ gesehen bzw. behaftet ist. Die ganzen Mittel- und Südamerikaner singen bei ihren Hymnen immer mit solch einer Inbrunst mit, dass ihnen sogar vor Stolz und Rührung die Tränen kommen, obwohl ihre Nationen teils bettelarm sind. Was jetzt nicht heißt, dass ich so was gutheiße. Ganz davon abgesehen, ist die deutsche Nationalhymne eh für'n Arsch. "Einigkeit, Recht und Freiheit"... So was Verlogenes. Zumal sie auch seit über zweihundert Jahren nicht mehr aktualisiert wurde. Okay, die Franzosen, Italiener, Nordafrikaner, Südamerikaner und Balkanesen singen auch gerne über Mord, Blut,Totschlag und Selbstopferung, aber wenigstens geht es bei denen auch mal gehörig ab und es bleibt nicht immer bei hohlen Phrasen, wie hier in der BRD.

      Jetzt hat sich Löw für eine Weiterwurschteln entschieden, aber das war doch sowieso klar. Ein paar Tage zurückziehen und ein wenig Gras über die Sache wachsen lassen. Sich im heimeligen Freiburg verstecken, dann so tun, als hätte er sich über das ganze Wochenende Gedanken gemacht, was aber ohnehin nicht stimmt, da er wusste, dass es für ihn keine Option ist, beim DFB zu kündigen. Warum auch? Vereine kann er nicht trainieren, das ist ihm viel zu stressig. Da muss man tagtäglich mit den Spielern arbeiten, akribisch Kleinarbeit leisten, sich mit den Vereinsbossen auseinandersetzen und sich im Extremfall von den Ultras davonjagen lassen, wenn es mal nicht läuft. Da ist der Job als Bundestrainer doch perfekt: Alle zwei Jahre ein Turnier, dazwischen bisschen Qualifikation und ein paar sinnlose Testspiele gegen die Faröer Inseln und Thailand. Kostenlos an den Wochenenden bei der Bundesliga zugucken und so tun, als wenn man wichtige Erkenntnisse aus einem Spiel SC Freiburg vs. VfL Wolfsburg gewinnen könnte... Dann alle zwei Jahre in einem schönen 5-Sterne-Hotel irgendwo nahe der Küste absteigen, sich bedienen lassen, die Hauptaufgabe beim Training ein paar Leuten seines 50.000-Mann großen DFB-Trainerteams überlassen und so tun, als wenn man ab und zu Hütchen aufstellt. Einen besseren Job gibt es doch nicht! Das ist staatlich bezahlter Luxusurlaub! Und den hat er jetzt bereits seit 2006, respektive 2004 als damaliger Co-Trainer von Klinsmann.

      Fußball finde ich an und für sich genial. In meinen Augen das beste Feldspiel der Welt. Es ist kein Wunder, dass dieses Spiel so viele Menschen auf der Welt begeistert. Bis ich 8 Jahre alt war, hat mich Fußball nicht interessiert, weil ich es todlangweilig fand. Seit der WM 1990 finde ich es aber super. Allerdings muss ich dazu auch sagen, dass meine Fußballsucht seit etwa Mitte des ersten Jahrzehnts der 2000er-Jahre nicht mehr ganz so groß ist. Das hat auch viel damit zu tun, dass der Kommerz immer mehr überhandnahm, dazu das Spiel immer statischer wurde. Zu viel Ball-hin-und-her-Geschiebe, was z.B. vom FC Barcelona und Spanien um 2010 auf die Spitze getrieben wurde. In den 90ern zog ich mir noch nahezu jeden noch so sinnfreien Kick rein, der im TV gezeigt wurde. Ob es jetzt der Fuji-Cup vor Ende der Sommerpause war, oder eine Erstrundenpartie im UEFA-Cup 1997/98 Trabzonspor vs. VfL Bochum - alles habe ich süchtig aufgesogen, wie ein Schwamm. Doch ab etwa 2005/2006 nahmen habe ich das Ganze nicht mehr so intensiv verfolgt, mir wurde wegen dem ganzen Mist etwas die Freude genommen. Schlechte schauspielerische Einlagen und Spielverzögerungen wurden auch immer häufiger, dazu das Spiel insgesamt von Mann- auf Raumdeckung umgestellt, weshalb heutzutage eine ganze Traube von Abwehrspielern, wie beim Handball, um den Strafraum versammelt steht und die anstürmende Mannschaft sich oft festdribbelt, statt mal, wie es früher der Fall war, auch mal aus der Distanz aufs Tor zu hämmern. Die besten Phase des Fußball war für mich von den 80er Jahren bis etwa 2004. Die besten Turniere waren die WM 1990, EM 1992, WM 1994, EM 1996, WM 1998 und ganz besonders die EM 2000. Damals hatte so gut wie jedes Team mindestens drei bis vier absolute Topstars im Team. Heute beschränkt sich das fast nur noch auf Ronaldo, Messi und den Laienschauspieler Neymar.

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