Freunde oder Familie

    • daryus wrote:

      Vermutlich entstehen wirklich viele Beziehungen bloß aus Verzweiflung und Einsamkeit - aber es ist ja schließlich auch nicht so, dass wir einander nicht gegenseitig mögen!
      Dann tätet ihr gut daran, hieran festzuhalten. Körperliche Beziehungen setzen langjährigen Kontakten immer ein unnötiges Risiko aus, damit komplett zu scheitern. Sowas kann zwar immer passieren, aber wenn du die Wahrscheinlichkeit um ein vielfaches erhöhen willst, dann mach es. Allerdings sollte man sich immer bewußt sein, dass man mit einem zu hohen Einsatz auch alles verspielen kann.

      Was den Rest deines Beitrages betrifft (der irgendwie so gar nicht zum Thema passte), kann ich nur sagen, dass du mich offenbar missverstanden bzw. in meine Worte mehr hinein interpretiert hast, als ich ursprünglich sagte.
      So war es nie meine Behauptung, mich gegen den butterfly effect zu stellen. Vielmehr glaube ich komplett daran und gehe daher absolut konform mit deinen Zeilen.

      Davon abgesehen bleibe ich dabei: Es gibt Dinge, die kann man weder klären, noch anderweitig lösen als zu hoffen, dass der körpereigene Lösch/Verfremdungsprozess bei einem gute Arbeit leistet und hoffentlich nicht versagt. Am Ende zählt, dass einen die Gedanken an frühere Schicksalsschläge nicht weiter kaputt machen. So sind manche Menschen ein Leben lang davon gezeichnet und das ist keinem zu wünschen. Und was macht es am Ende auch für einen Unterschied, wenn das bei der Geburt verstorbene Kind weiterhin das Hirn der Mutter traktiert?
      Soll sie doch wieder ihren Frieden finden, gerade wenn sie schuldlos an dem Unglück war. Vergessen wird sie trotzdem nie, dieses Kind gehabt zu haben - und vermutlich wird es auch immer ihr Kind bleiben. Aber man schließt eben auch ab mit Dingen und sie verblassen. Das ist gut, denn alles was nicht mehr im eigenen Alltag stattfindet, das wird ausgeblendet. Alles andere wäre unnötige Ressourcenverschwendung.
    • daryus wrote:

      Selbst WENN uns irgendetwas ehemals wichtiges irgendwann nichts mehr bedeutet, heißt das keineswegs, das es durch unsere veränderte Betrachtungsweise an Sinn oder Relevanz im universellen Kontext verloren hat.
      Stimmt, nur für unser persönliches Leben hat nichts Relevanz für uns unabhängig von unserer Betrachtungsweise davon. Natürlich haben unsere Handlungen Auswirkungen über unser eigenes Leben hinaus, aber wie wir diese Vorgänge bewerten liegt ganz allein bei uns selbst. Die äußeren Vorgänge bleiben jedoch unbeeindruckt davon wie wir sie bewerten und betrachten, unterschiedliche Betrachtungen machen nur einen Unterschied für den Betrachter, sie verändern nicht das Betrachtete.

      daryus wrote:

      Wer seine Vergangenheit wirklich hinter sich lassen will, benötigt dafür eine Gehirnwäsche oder eine geladene Pistole - und selbst diese Hilfsmittel beseitigen im Grunde höchstens seine eigene Erinnerung daran.
      In jedem anderen Fall machen uns unsere Erinnerungen zu den Personen, die wir sind - und wir werden sie auch überall mit uns hinschleppen, nie ganz los kriegen, immer irgendwie weiterbearbeiten, denn ja: Wir können bloß so und so viel verkraften, so und so viel vergessen, so und so viel verdrängen. So und so viel verstehen.
      Seine Vergangenheit hinter sich zu lassen ist nicht das gleiche wie die Erinnerungen an vergangene Ereignisse zu vergessen. Die Vergangenheit hat man bereits dann hinter sich gelassen wenn man sie als solche akzeptiert und sich wieder der Gegenwart widmet und seinen Blick anderen Dingen zuwendet. Außerdem können Menschen sehr wohl alte Erinnerungen mit neuen Erinnerungen überschreiben oder zumindest überlagern. Menschen sind gut darin für jeden Verlust den sie erleiden schleunigst Ersatz zu finden. Unser Gehirn ist übrigens nicht gerade sehr zuverlässig wenn es um unsere Erinnerungen geht, nicht selten kommt es vor dass wir uns an etwas zu erinnern glauben das so gar nicht stattgefunden hat.
      Aber um mein eigenes Erinnerungsvermögen ist es glaube ich ohnehin nicht sonderlich gut bestellt, ich habe jedenfalls oftmals den Eindruck dass es wesentlich leichter fällt ''Altlasten'' zu vergessen statt mich an vergangenes zu erinnern.

      Ich stimme dir aber überwiegend bei allem zu was du geschrieben hast. Das hier sollte auch nicht zu sehr ins Off-Topic abdriften.
      ''Everyone around me, they feel connected to something. Connected to something, I'm not.''
      Motoko Kusanagi