Die neue rechte Leitkultur

    • schreckgeist wrote:

      MiriOm wrote:

      Jetzt bläst du irgendwie ins gleiche Horn wie Lydia anfangs. Nur nicht mit Nazis reden, lieber eine aufs Maul hauen!
      Stop. Gewalt finde ich nicht gut. Notwehr: Ja. Aber jetzt einfach so? Nein.
      Klar, finde ich auch es falsch, einfach mal so jemanden als Nazi zu bezeichnen, der vielleicht gar keiner ist. Aber in Hinsicht auf dein Beispiel hatte er sich selbst so betitelt. Ob es gut oder schlecht ist, dass man gar nicht mit Nazis redet, hmm ich weiß nicht. Was dabei entscheidend ist, sind diverse Faktoren wie Erfahrung, Sprachgewandtheit, Auftreten usw.

      Bezogen auf den Mensch, der sich dir gegenüber als Neonazi bekennt hat. Nun ich vermute, seine Redebereitschaft ist von der ihm begegnenden Person abhängig. An dem Punkt entscheidet so alles mögliche darüber, auch Anteile seiner Weltanschauung, wie er mit dir umgehen wird. Was auch nicht unwahrscheinlich ist, dass er dir als Frau anders gegenüber auftritt als einem Kerl gegenüber, der ihm vielleicht zu individuell erscheint. Somit kann möglicherweise ein respektvolles Gespräch von seiner Seite aus gar nicht enstehen.

      Nun gut. Stelle dir folgende fiktive Situation vor: Ich, nicht gerade so durchschnittlich männlicher Look, laufe ohne bösen Absichten irgendwo entlang. Nun steht der selbe Mensch, der sich dir gegenüber als Neonazi bekennt hat, irgendwo am Rand und ich gehe an ihm Vorbei. Da ich von meinem Wesen her auf meine Sicherheit achte, spreche ich ihn auch nicht an, ich suche auch keinen Streit. Jetzt fühlt er sich aber dennoch provoziert durch mein Aussehen und er ruft beispielsweise "Schwuchtel", oder sowas in der Art. Nun jetzt bekomme ich natürlich irgendwie Angst, normal, vielleicht wird er eskalieren und mich angreifen. Und das alles nur, weil ich durch mein Aussehen in ihm hassvolle oder feindselige Gefühle erweckt habe, oder er darin einen "Verfall" des "Deutschen Volkes" oder wie auch immer sieht. (Hass ist Hass, der Grund irrational) Nun findet er sich also in einem hassvollen Gedanken auf Menschen wieder, die ihm ideologisch stark missfallen. Nun ja, es wird aufgrund seiner Emotion gar kein Gespräch enstehen, da er nun offen nach Feindschaft sucht. Ich hätte somit niemals ne Möglichkeit ihm zu zeigen, dass ich ihm nichts böses will. Er initiiert quasi den Verlauf. Seine Ideologie hat stärker gezogen als andere Faktoren. Ich kann ihm sein Hass nicht nehmen, weil er nun zu sehr emotionalisiert / voreingenommen ist.

      Jetzt die Situation, wo du ihm als Frau begegnest, gleiches Gedankenmodell. Er wird dich vielleicht freundlich ansprechen, weil du eine Frau bist, und weil er einerseits Frauen auch ideologisch nicht für ihr Geschlecht verurteilt. Er sieht in dir weniger Faktoren, heftig zu reagieren. Frauen sind in deren Ideologie zwar einer Rolle zugeteilt, aber werden nicht per se als Untermenschen angesehen, die es zu "beseitigen" gälte. Somit kann er nur Zugang finden, weil du zufällig eine Frau bist und sein ideologischer Hass dabei nicht kickt. Du bist einer der Menschen, die also etwas verändern könnten, ich hingegen käme nicht durch seine "Hass"-Wand. Manche sind natürlich tiefer gefallen und haben auch einen Hass auf Frauen, siehe den Attentäter in Halle. Aber in deinem Fall ist deine Bekanntschaft scheinbar nicht davon betroffen, und er zeigt dir eine Seite, die er wahrscheinlich nur wenigen Menschen zeigt.

      Alles nicht so einfach.


      MiriOm wrote:

      Wenn ich aus der Gleichung: Faschist und Antifaschist den Faschisten kürze, dann bleibt eben nur noch Anti=Gegen, und das will ich nicht.
      Nun so akribisch ist das jetzt ja auch nicht. Antifaschistisch zu sein, heißt doch einfach keine Lust auf faschistische Ideologie zu haben, weil dadurch Menschen ums Leben kommen oder anderweitig leiden müssen, für etwas, was sie gar nichts können und was total harmlos ist. Die Leute, die das ablehnen sind Querbeet durch die Gesellschaft verteilt. Und das auch nicht nur Linke. Ich glaube Menschen mit gewissen Verstand lehnen alles ab, was andere zum töten freigibt und freigab, selbst den Stalinismus. Ich bin da sowieso sehr individuell und sehe nicht nur Nazis als Problematisch, sondern auch Islamisten und so weiter. Alles Ideologische, was Menschen das Leben erschwert, ist Schrott. Punkt.

      MiriOm wrote:

      Der Nazi zeigt sich verletzt mir gegenüber, und das schätzte ich auch zu Beginn an dir.
      Gut, das schätze auch ich an ihm. Respekt. Wie oben angedeutet, würde er mir als individualistischer Mensch nicht so freundlich begegnen. Vermutlich. Je nach dem, wie tief sein Hass sitzt.

      MiriOm wrote:

      Wenn man verletzt wurde, hat man die Möglichkeit alles hinter sich zu lassen und neu anzufangen....
      Du meinst, er fühlte sich durch eine andere Gruppe verletzt und wurde dadurch rechts?

      mi san thrope wrote:

      Ich finds ok, wenn jemand sagt, dass er nicht mit Faschisten reden möchte. Finde jeder sollte das selber für sich entscheiden.
      Hängt ja auch oft mit der menschlich begrenzen Kapazität zusammen, zB kein besonderer Sprachkünstler zu sein, um solche Menschen zu besänftigen, wie bei mir. An einem Kerl sehen diese Leute sowieso ne Feinschaft oder kurbeln die an. Im Alltag wird es oft so laufen, dass man neutral an solchen Menschen vorbei geht, weil man kein Streit sucht, aber sie dir dafür feindschaftlich begegnen, weil man vom Aussehen missfällt und die Aggression dererseits zu stark ausgeprägt ist, um da was Gutes rauszuholen. Die müssten ja auch ihre Brille absetzten und auf jemanden auch mal individueller zugehen, statt gleich alles abzustempeln, als "links-grün", "femimann", oder derartigen Blödsinn. Sie als Frau wird wohl noch leichter bei denen durchkommen, ohne dass gleich die Fetzen fliegen müssen. Nazis und Rechte sind eben auch emotional schwer zu erreichen. Too much hate.
      Ich denke damit werde ich es jetzt einmal belassen und mich auf nen paar private Sachen konzentrieren. Ich hab grade echt keine Lust mehr, dieses Thema durchzukauen. Das ganze ist nen harter Broken. Natürlich gibt es auch in anderen Gruppen einige Vorurteile, aber die haben noch nicht so schlimme Auswirkungen wie bei den Nazis, mit Toten und so.
      Vielleicht sollte ich das berichtigen: Der "linke" hat den "rechten" als Nazi betitelt. Ich konnte das nicht glauben, und der "linke" hat mir daraufhin erzählt, dass der andere früher Naziparolen durch den Ort rief. Ich selbst habe einen ganz anderen Eindruck von dem angeblichen Nazi.
      Nach dem Äußeren beurteile ich Leute nicht, sondern nach dem was sie sagen und tun.
      Glaube mir, wenn er ein "ordentlicher" Nazi gewesen wäre, dann wäre es seine Pflicht gewesen, mich anhand meines Kleidungsstils zu verhauen. ;)
      Er gibt sich auch überhaupt nicht so und ist meistens allein, mit Hund unterwegs.
      Wir haben schon auch "richtige" Nazi-fressen hier, die aber entweder nur mit Kumpel oder "Frauchen" auftreten.
      Also keine echte Gefahr. Ich finde es aber immer gut, wenn möglich, vorurteilsfrei auf Leute zuzugehen..
      Du oder ich, wir möchten doch auch ungern einen Stempel aufgedrückt bekommen, und nach dem Motto: "Wer bist du, was frisst du?"
      verurteilt werden.
      Der "Stempel" befähigt diese Leute dann erst recht, sich irgendwo zugehörig und stark fühlen zu müssen!
      Wenn die Vielfalt und die Individualität wieder mehr geachtet wäre, bräuchten wir solches "Schwarmverhalten", um uns zur Wehr zu setzen nicht mehr.
      Der wirkliche Respekt voreinander wäre wieder gewährleistet.
      Ich wehre mich innerlich auch gegen jegliche Stempel, die man versucht mir aufzudrücken, und gleichzeitig nicht in Versuchung zu kommen, es ihnen aus persönlichem Frust und negativen Erfahrungen gleich zu tun.
      Niemand hat behauptet, daß dies ein leichtes Unterfangen sei.
      Mich nervt es tierisch, dieses ganze gekränkte Ego-Verhalten, und am liebsten würde ich mich lebenslang alleine im Wald in ein Loch setzen und auf mein Ende warten...
      ;)
      Was geht los da rein?

      Post by schreckgeist ().

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      Die meisten Leute halten die Politik von SPD und Grünen für links. Werden sie enttäuscht, dann wenden sie sich von 'links' ab und driften zur AfD. Ein weiteres Problem ist, dass die Antifa (oft antideutsch beeinflusst) einen ziemlich massenabweisenden Eindruck bei den Lohnabhängigen bzw. Arbeitenden hinterlässt. Die Lohnabhängigen mögen die Antifa nicht besonders (hört man immer wieder, besonders bei finanziell Abgehängten und Menschen, die im Mindeslohnbereich schuften müssen) und die Antifa kümmert sich auch nicht um die Anliegen der Lohnabhängigen. Der Punkt ist der, dass viele Leute in der linken Szene und bei der Antifa aus gut situierten Elternhäusern stammen und finanziell von klein auf gepudert wurden. Die haben große Probleme, sich in den 'kleinen Mann' hineinzuversetzen und denken sich häufig, dass es immer Leute gibt, denen es noch schlechter geht, wie z.B. Flüchtlinge aus Krisengebieten. Dabei übersieht die Linke komplett dieses Thema und überlässt das Feld ganz den Rechten, die das natürlich dankend annehmen und sich als Sprachrohr der armen, am Mindestlohn malochenden Bevölkerungsteile hervortun. Das Problem ist, dass die Rechte dies perfide ausnutzt und im Endeffekt genau diese Leute bekämpfen will, die sie in der Mehrzahl wählt, sobald sie was zu sagen hat.