Troll-Analyse

    • Ich bekomme oft das Prädikat des Besserwissers und Krümelkackers auferlegt, dabei liegt es mir im eigentlichen Sinne fern, andere Menschen dauernd verbessern zu wollen, oder zu berichtigen. Bei genauerer Betrachtung merke ich aber auch öfter, dass vielleicht manche Zeile nicht unbedingt hätte sein gemusst. Das schöne daran, an sich selbst zu arbeiten ist, dass man jeden Tag aufs neue die Chance hat, es zu tun. Und es ist auf jeden Fall das einzige, was man ohne Widerspruch sofort machen kann. Ich habe früher immer gedacht, ich will etwas in der Welt verbessern, also muss ich anderen Menschen unbedingt von meinen Erkenntnissen berichten. So klappt es aber meistens nicht. Die meisten Menschen interessieren sich nicht für (ungefragte) Weisheiten. Kann ich nur allzu gut verstehen. Und am Ende sind sowieso die Erkenntnisse, die einen am meisten prägen die, die man selber gemacht hat.
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • Mit Nemesus und Seni habe ich mich inzwischen ausgesprochen. Ich denke, dass der Trollvorwurf von mir zumindest bei den beiden auch etwas übertrieben war. Immerhin haben die nicht versucht, sich mit Fakeaccounts ständig neu anzumelden und sich als jemand anderes auszugeben. Bin da sicher auch etwas dünnhäutig gewesen zu der Zeit. Aber manchmal hätte man einfach gern auch mal ein bisschen Zuspruch und Unterstützung, anstatt sich immer nur mit Kritik auseinandersetzen zu müssen. Zumindest hier an dem Ort, den ich nicht zuletzt deshalb geschaffen habe, um meinen Seelenfrieden und ein bisschen Verständnis zu finden, reagiere ich da eben dann auch schnell mal etwas empfindlich.

      Schwieriges Thema. Natürlich hatte das ganze was mit Schwanzvergleich zu tun. Natürlich auch mit Konkurrenzkampf. Aber ich denke, es war zumindest in diesem Fall einfach ein Konkurrenzkampf von unterschiedlichen Auffassungen, wie es ihn wohl in jeder Gemeinschaft gibt, sobald mal eine größere Zahl unterschiedlicher Individualisten an einem Ort zusammengefunden haben.
      Die zugrundeliegende Streitfrage war letztlich: Welcher Umgangston soll hier im Forum herrschen? Wollen wir hier eine Zuflucht und Wohlfühl-Oase haben für alle, die sich von der Musik der Anarchonauten und den Büchern und Videos von DianTheSaint angesprochen fühlen? Oder soll das hier ein Ort der radikalen Meinungsfreiheit sein, wo es auch mal ordentlich zur Sache geht und die User über verschiedene Threads hinweg ihre teils erbitterten Meinungsverschiedenheiten und Grabenkämpfe austragen?
      Wir als Admins wollten halt Harmonie haben. Und deshalb war die räumliche Trennung letztlich dann auch das Beste, was uns eingefallen ist, um das Problem zumindest hier aus dem Forum rauszukriegen. Und im Nachhinein betrachtet finde ich die Entscheidung auch richtig, weil wir hier jetzt schon seit Monaten wieder ein angenehmes Diskussionsklima haben, und drüben im Plateau scheint es ja auch zu laufen. Nur wenn beides zusammenkommt, ist's halt scheinbar jedes Mal, als ob man Öl ins Feuer kippt.

      Das heißt jetzt aber nicht, dass ich die Argumente der "Gegenseite" nicht auch nachvollziehen könnte. Gerade in einem Forum, das nunmal (ohne sich explizit "anarchistisch" zu nennen) von einem gewissen anarchistischen Geist durchdrungen ist, werden autoritäre Administrations-Entscheidungen natürlich auch immer auf Widerspruch stoßen und ein entsprechendes Echo nach sich ziehen, weshalb wir Admins das ja eigentlich auch zu minimieren versuchen. Die Frage ist halt, ob es ganz ohne geht... und da habe ich eben den Eindruck, dass man manchmal moderierend eingreifen muss, wenn man nicht will, dass dann hier das Recht derjenigen gilt, die am lautesten brüllen oder am vehementesten ihre Interessen vertreten, während die anderen, die auf den ganzen Schwanzvergleich keinen bock haben, irgendwann frustriert das Forum verlassen. Also letztlich war es eine Frage: entweder wir vergraulen hier die einen oder die anderen. Beides ist nicht optimal. Aber es muss ja keiner heimatlos werden, nur weil er hier rausgeflogen ist. Es gab und gibt immer Alternativ-Angebote, und ja sogar auch mein Angebot, wenn jemand ein eigenes Forum gründen will und es besser machen möchte, dass wir das dann hier verlinken und darauf aufmerksam machen. So gesehen halte ich es für vertretbar, wie es jetzt ist.
      Wenn man es gesamtgesellschaftlich betrachten möchte, kann man auch sagen: Wichtig ist, dass jeder genug Platz hat um sich zu entfalten. Sobald zu viele unterschiedliche Menschen auf einem Haufen sein müssen und sich nicht gegenseitig ausweichen können, gibt es Stress.... und das beste was man dann tun kann ist mehr Räume zu schaffen und die Streithähne dazu zu ermuntern, einander aus dem Weg zu gehen. Ist das die zivilisationstechnisch betrachtet die beste Lösung? Ich weiß es nicht. Mir ist nur eben bis heute keine bessere eingefallen, wie man das Dilemma auflösen könnte.
    • Ich stimme dir bei allem zu. Meine Auffassung ist es, dass aus Menschen, die in einer Konsumwelt mit Konkurrenzkampf sozialisiert wurden sind, nie "richtige Anarchisten" werden können. Das Selbstverständnis eines Menschen, der in unserer Gesellschaft aufwächst, ist in großen Maße zerstört und kann meines erachtens auch nicht gerade gebogen werden. Ist die Sozialisation bis zum ungefähr zwanzigsten Lebensjahr erst einmal verlaufen und andauernd vom Konkurrenzkampf geprägt, so werden bei allen möglichen Situationen immer, auch wenn es der Mensch so gut wie möglich versucht, durch besseres Wissen zu unterdrücken, die erlernten Mechanismen greifen und es kommen die schlechten Eigenschaften zum Vorschein. Anarchie bedeutet nicht, dass sich das Faustrecht durchsetzt oder der, der am lautesten brüllen kann Gehör findet.
      So sehe ich das mit dem Eingreifen einer Kontrollinstanz schon als sinnvolle Methode, um gewisse Konflikte zu beheben. Wir Menschen haben einfach nicht die gewisse Reife, um in dieser Gesellschaft ohne diverse Ordnungsorgane auszukommen. Eine natürliche Ordnung, die sich in einer über Generationen entstandenen anarchistischen Gesellschaft entwickelt hat, wird es hier nie geben.

      Ein Ort, an dem vernünftig und harmonisch miteinander diskutiert wird, ist mir auch lieber, als eine grenzenlose Tabuzone, in der jeder machen und sagen kann, was er will.
      Die gibt es an anderer Stelle schon genug. Ich bin es leid, auf Youtube ständig diese Art der Konversation zu führen und irgendwann färbt es auch auf einen selber ab. Man verroht und macht sich die Sprache der ständigen Konversation zur Gewohnheit.
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • Ich habe zwar leider keine Ahnung, was hier vorgefallen ist, doch als ich Diant's Zeilen
      las, dass er sich mit Kritik herumschlagen muss, empfinde ich dies der ganzen Sache
      als unwürdig.

      Leute, die die Texte von Dian kritisieren, bzw. die Musik der Archonauten, projizieren wohl ihre Ängste oder Aggressionen in Dian hinein, und bellen eben auf wie getroffene Hunde, und können ihre Ego-Abwehr-Mechanismen nicht kontrollieren.

      Solchen Leute sollten man keinen Raum oder Aufmerksamkeit schenken, denn diese
      müssen zuerst den Balken in ihrem Auge entfernen, bevor sie den Dorn im Auge der anderen sehen können.
    • Wenn es hier in der Vergangenheit dicke Luft gab, ging es eigentlich meistens um Kritik an der Art, wie ich das Forum "führe". := Von den Kritikern bzw. Trollen, die ich hier angesprochen habe, hört man witzigerweise aber so gut wie nie irgendwelche Kommentare über meine Bücher, Musik oder Videos. Weder positiver noch negativer Art. Was mich zu der Vermutung veranlasst, dass denen diese Dinge ziemlich am Arsch vorbeigehen, weil sie eben auch nicht deshalb hier sind, sondern aus völlig anderen Gründen... weil das Forum für sie irgendwas bedeutet oder früher mal bedeutet hat. Und wenn sie dann merken, das Forum entwickelt sich nicht in die Richtung, die sie gerne hätten, dann gehen sie auf die Barrikaden und kämpfen für "ihr" Forum.

      Vermutlich liegt das ganze Konfliktpotential auch einfach darin begründet, dass das Forum hier einerseits ein Ort sein soll "für alle, die sich nach einer gerechteren & freieren Gesellschaft sehnen.", wie es im Einleitungstext steht. (Das ist natürlich eine sehr allgemein gehaltene Formulierung, von der sich die unterschiedlichsten Charaktere angesprochen fühlen.)
      Und andererseits ist das hier halt auch mein virtueller Rückzugsort vor dem Wahnsinn der Welt, in dem ich und die paar Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle, sich wohlfühlen möchten, ohne ständig rumstreiten oder sich rechtfertigen zu müssen.
      Vielleicht wäre es von Anfang an besser gewesen, zwei komplett voneinander getrennte Foren daraus zu machen. Und irgendwann ganz am Anfang, vor über 15 Jahren, gab es sogar mal ein Dianthesaint-Forum und ein Unity-Forum. Das Dianthesaint-Forum wurde kaum benutzt, und im Unity-Forum trafen sich alle möglichen Chaoten aus allen Teilen des Internets. ;) (in dem es früher aber auch nie friedlich zu ging, sondern teilweise noch deutlich heftiger gekämpft wurde)
      Irgendwann hab ich dann das Dianthesaint-Forum aufgegeben, weil sich das ganze Leben eh auf das andere Forum konzentriert hat. Und seither kommt es dann eben alle paar Jahre auch mal zu Konflikten darüber, was das Forum hier jetzt eigentlich sein soll und für wen es gemacht ist. Wenn dann zu viel Kritik kommt, sag ich den Leuten "Wenn es euch hier nicht gefällt, macht halt ein eigenes Forum auf. Ihr könnt es dann gern hier verlinken und dann können alle, die das auch so sehen wie ihr, dort hin wechseln". Und als Antwort heißt es dann meistens nur "Faschist! Du kannst doch nicht einfach andere Menschen aus dem Forum rauswerfen!" :waah:
      Und irgendwann ist mir das dann halt auf den Sack gegangen, spätestens nachdem sich die Geschichte zum gefühlt zwanzigsten Mal wiederholt hat.
    • Man kann es sich natürlich auch ziemlich einfach machen und jede Kritik an diesem Forum als "Troll-Verhalten" abtun. Ein wenig komplexer war bzw. ist die Angelegenheit dann schon. Manchen "Trollen" scheint vor allem der stellenweise Selbstbetrug eines Teils der Unity-Member (ich formulier das mal ganz diplomatisch und differenziert) sauer aufzustoßen. Sich als wahnsinnig tiefsinnig zu empfinden und die Mehrheitsgesellschaft als dumme Lemminge abzukanzeln, während man selbst sein Weltbild auf Grundlage von Internet-Foren und Erfahrungen mit Mitschülern konstruiert, könnte man eben als etwas widersprüchlich empfinden. Ebenso den scheinbaren Anspruch, eine "bessere, gerechtere Welt" anzustreben und die zeitgleiche Absage an jede Form von sozialer Bewegung, die genau dies bereits heute verwirklicht.

      Den meisten hier täte ein wenig Fähigkeit zur Selbstkritik und auch ein bißchen Selbstironie ganz gut, anstatt sich in elitärer Selbstinszenierung zu suhlen. Denn ganz ehrlich - sonderlich interessant, tiefgründig oder originell sind echt die allerwenigsten Postings in diesem Forum.
      Why do we fall?
    • Kritik kann man auch in einem sachlichen Ton verfassen. Sobald dies in "unflätigem" Verhalten geschieht, würde ich die Ernsthaftigkeit des Anliegens zumindest in einen
      gewissen Rahmen anzweifeln. Woher weist du, wer hier wo seine Erfahrungen mit der Gesellschaft gesammelt hat ?

      Ich habe mir bisher nur einen geringen Teil der Kommentare im Forum durchgelesen. Ist es denn der Fall, dass hier absolut alles abgelehnt und angezweifelt wird. Bisher hat das auf mich einen anderen Eindruck gemacht. Über die Tiefgründigkeit einzelner Individuen, kann ich keine Aussage machen, aber ich kann dir sagen, dass die große Masse unserer 7 Millarden zählenden Bevölkerung, einen riesigen Dachschaden hat. Es gibt da eine gewisse 97 zu 3 Regel. Unter 100 Menschen befinden sich 97 Vollpfosten. Mit dem Rest kann man gerade so noch was anfangen. Es gibt sehr viele Situationen, bei denen ich mich durchaus zu den 97% zähle.

      So wie ich Dian verstanden habe, ging es ihm hauptsächlich darum, dass die Kritik auf eine moderierende Instanz hinausläuft, die hin und wieder ins Forum eingreift und es die Frage war, ob dies nun sinnvoll ist, oder eher weniger. Wenn man bei dieser Thematik das Gefühl hat, es sei schon wieder Murmeltiertag, dann würde ich auch zum Begriff des Troll Daseins greifen. Es kann durchaus sehr anstrengend sein, sich zu wiederholen !
      aber mein hirn ist doch müde ...... !!!!
    • mi san thrope wrote:

      Kritik kann man auch in einem sachlichen Ton verfassen. Sobald dies in "unflätigem" Verhalten geschieht, würde ich die Ernsthaftigkeit des Anliegens zumindest in einen
      gewissen Rahmen anzweifeln. Woher weist du, wer hier wo seine Erfahrungen mit der Gesellschaft gesammelt hat ?
      Nachdem ich das Forum seit seinen Anfängen kenne, erlaube ich mir dieses Urteil einfach mal. Es ist hilfreich, einfach bei bestimmten Themen mal nachzuhaken - in der Konsequenz bestätigt sich dann meist die Vermutung, dass das Wissen über bestimmte Sachverhalte auch nur aus zweifelhaften Medien bezogen wurde. Ich will nicht immer auf denselben Themen rumreiten, aber insbesondere in Bezug auf soziale Bewegung unterschiedlichster Art lässt sich dies ganz gut sehen (man nehme nur den unsäglichen "social justice Warrior"-Thread oder generell die sich wiederholenden Aussagen zu dem, was hier die meisten für "Feminismus" halten).
      Bei allem interessanten und weniger interessanten "Völkchen", das mir im Laufe der Jahre hier untergekommen ist, würde ich mir als Konsequenz tatsächlich weniger "Gesellschaftskritik" und eher mehr Lebensbewältigungsstrategien als gemeinsame Basis wünschen. Das ist tatsächlich ein verdammt wichtiges Anliegen, und würde auf lange Sicht auch die Enttäuschung verhindern, die entsteht, wenn man hier aufschlägt und Impulse zu einer progressiven Veränderung der Gesellschaft erwartet.
      Why do we fall?